GORLEBEN-CHRONIK
Das Jahr 1995
Tag X, Backpulver & Stay rude-stay rebel
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion "ausrangiert" will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
Januar
12.01.1995
Quelle: Frankfurter Rundschau, 30.12.94
19.01.1995
Massive Kritik gibt es vom CDU-Bundestagsabgeordneten Kurt-Dieter Grill: Er wirft Bernard Fathmann im Zusammenhang mit der angekündigten Klage Instinktlosigkeit vor. Der SPD-Bürgermeister stehe mit seinem Vorgehen "in der unsäglichen Tradition der Lüchow-Dannenberger SPD, die Angst der Menschen zu schüren und für die eigenen politischen Ziele bedenkenlos zu instrumentieren". Gegenüber der EJZ erklärte Grill: "Fathmann spielt mit den Gefühlen der Menschen. Er steht damit auf einer Stufe mit Aktionen der extremen politischen Rechten, die Menschen aus durchsichtigen Motiven aufhetzen." Die SPD habe mit der Ankündigung des Widerspruchs die niedrigste Stufe der politischen Debatte erreicht und verlasse damit den Boden ernstzunehmender Demokraten, betont Kurt-Dieter Grill.
"Empörend", "absurd" und "ehrabschneidend": mit diesen Worten kritisiert die Grünen-Landtagsabgeordnete Rebecca Harms die Äußerungen Grills wenige Tage später.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 19.1.1995/24.1.1995
21.01.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 21.1.1995
23.01.1995
Quelle: Handelsblatt, 24.1.95
24.01.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 24.1.1995
24.01.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 24.1.1995
24.01.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 24.1.1995
24.01.1995
Quelle: FAZ, 25.1.95
26.01.1995
Quelle: Hannoversche Allgemeine, 27.1.95
Februar
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
07.02.1995
Nach der Stillstandszeit in Gorleben werde sich dort jetzt wieder die Normalität fortsetzen, so Henning Rösel, Vizepräsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Mehr und mehr zeichne sich die Eignung des Standortes Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Atommüll ab.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 9.2.1995
07.02.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 18.1.1995
10.02.1995
Weitere Investitionen in Höhe von 11,3 Milliarden Mark seien "aus politischen Gründen gefährdet":
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 10.2.95
10.02.1995
11.02.1995
15.02.1995
16.02.1995
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16./17.2.95
20.02.1995
März
01.03.1995
10.03.1995
Ausrangiert!
12.03.1995
Wenig später marschieren zwischen 800 und 1000 Männer, Frauen und Kinder mit Musik auf das Bahngelände in der festen Absicht, die Bahnstrecke zu demontieren. Nach knapp zwei Stunden auf den Schienen ziehen sie sich langsam zurück, es ist erreicht, was erreicht werden sollte: Das Gleisstück ist für einen Castor-Transport unpassierbar geworden. Die Polizei addiert am Ende u. a. fünf vollständig freigelegte Schwellen und vier entfernte Schwellen, viele gelockerte Schrauben. Die Schiene ist außerdem einmal fast durch- und achtmal angesägt. Zudem sind Eisenteile und Steine vom Gleisrand auf den Bahnkörper geworfen worden. Neun Personen werden vorübergehend fest- bzw. in Gewahrsam genommen.
Der "Tag Z" hatte am Morgen mit einer ersten Polizeiaktion begonnen, als etwa 100 Personen die Gleise betreten wollten, aber abgedrängt wurden. Danach füllte sich im Laufe des Vormittags der Platz an den Gleisen immer mehr, es gab ein Riesenfrühstücksbüfett, viel Musik, Spiele für Kinder, Lagerfeuer. In dem Gottesdienst vor einem aus Bahngleisen gebauten Kreuz mit einem Knoten sah Egon Maierhofer die Teilnehmer:innen von Gottes Courage ermutigt, "dieser Tag wird uns ein Stück weiterbringen in unserem Eintreten für die Schöpfung".
"Merkelnix": Backpulver-Vergleich - Gorleben spielt "zentrale Rolle"
23.03.1995
Rund 300 Atomkraftgegner:innen versperren mit "Wackersteinen" - ein Vergleich zur gescheiterten Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf - symbolisch den Weg zum Gildehaus. Merkel landet allerdings mit einem Hubschrauber an dem Schützenplatz.
Wenn es nach Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel (CDU) ginge, könnte der umstrittene Castor-Transport nach Gorleben "gerne vor dem Sommer" stattfinden. Im Gespräch mit Kommunalpolitikern wurde auch gefragt: Konnte es eventuell für hiesige Gemeinden direkt Strukturhilfen aus Bonn geben - sozusagen am Kreistag vorbei für entstandene Schäden im Zusammenhang mit Gorleben-Protesten? "Ihre Aktien stehen da schlecht", so Merkel.
Sie hatte gerade über die Probleme beim Beladen des ersten für Gorleben gedachten Castorbehälters in Philippsburg gesprochen, als Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag in Lüchow einen bemerkenswerten Vergleich nachschiebt: Es fielen die Worte "Kuchenbacken" und "Küche", und dass dabei schließlich auch "Backpulver" danebengehe. Jede Hausfrau wisse doch, dass beim Backen auch mal etwas Backpulver daneben gehe.
Den seit 1994 aufgekommenen Widerstand gegen die Atommülltransporte bezeichnet Merkel "unverständlich": Es werde geradezu so getan, "als wenn die Welt untergeht".
Merkel sagte außerdem Sätze wie "Gorleben spielt eine zentrale Rolle. Mit ihr ist die Zukunft der Kernenergie verbunden" oder mit Blick auf die Erderwärmung und auf die CO2-Emissionen, dass die Atomenergie in Deutschland "verantwortbar, ökologisch sauber und technisch hochstandardisiert" sei. Das Zwischenlager müsse endlich in Betrieb gehen, und die Pilotkonditionierungsanlage sei eine sinnvollee Sicherheitsanlage zum Zwischenlager, so Merkel. Auch gebe es im Erkundungsbergwerk für ein atomares Endlager "keinen Grund aufzuhören". Die bisherige Erkundung habe nämlich bisher keinen Hinweis geliefert, daß der Salzstock ungeeignet sei.
Im Wendland erhält Merkel nach diesem Auftritt den Beinamen "Merkelnix".
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 25.03.1995, 19.11.2005
30.03.1995
Sofern viele Polizisten zu dessen Sicherung notwendig seien, müsse mit rund 5 Millionen DM Kosten pro Transport gerechnet werden, schätzt Referent Schmalz aus dem niedersächsischen Umweltministerium, der sich einen friedlichen Verlauf des Transportes wünscht. Auch Dr. Matting aus dem Bundesumweltministerium hat entsprechende Hoffnung: Anderswo liefen Atommüll-Transporte doch auch ohne Zwischenfälle — "warum soll die Sache in Lüchow-Dannenberg nicht auch ruhig betrachtet werden?"
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 4.4.1995
April
10.04.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 12.4.1995
12.04.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 12.4.1995
13.04.1995
15.04.1995
16.04.1995
In der Nähe des Dannenberger Castor-Verladebahnhofs wird ein Holz-Kreuz als Mahnmal aufgebaut — ein Hinweis auf den "Tag X" des Castor-Transportes nach Gorleben.
Gegen 21 Uhr kommt es vor dem Gorlebener Zwischenlager zu Rangeleien mit der Polizei, die dort "hart durchgreift".
19.04.1995
20.04.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
21.04.1995
22.04.1995
Mehreren Castor-Gegnern gelingt es am Mittag, in Dannenberg auf die Bahnschienen zu kommen und kleine Barrikaden zu errichtet. Der Bundesgrenzschutz räumt Menschen und Sperren ab. Auf der naheliegenden Umgehungsstraße wird ein Polizeiwagen von Atomkraftgegner:innen beschädigt, ein Polizist jagt hinter einem Castor-Gegner hinterher, bekommt ihn auch zu fassen, eine Polizistin zieht dabei ihre Pistole.
Am frühen Nachmittag errichten Castor-Gegner:innen auf einem städtischen Grundstück gegenüber der Esso-Tankstelle Zelte. Die Polizei, mit mehreren tausend Einsatzkräften vor Ort, räumt ohne mündliche Ankündigung etwa hundert sitzblockierende Castor-Gegner:innen, es sei "Gefahr im Verzug". Schlagstöcke kommen zum Einsatz.
Auf dem Gelände des ehemaligen "Castornix"-Hüttendorfs im Wald beim Zwischenlager Gorleben nimmt die Polizei mehr als 100 Menschen fest, weil sie sich in der "Verbotszone" aufhalten. Mehrere Demonstranten werden in einen sogenannten "Verbringungsgewahrsam" genommen und nach Lüchow transportiert, wo sie auf dem Marktplatz abgesetzt werden.
22.04.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag; EJZ vom 24.04.1995
23.04.1995
23.04.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Tag X - Mit Wasserwerfern gegen den Castor-Widerstand
24.04.1995
Eine Diesel-Lok der Deutschen Bahn AG zieht den mit einer Plane abgedeckten Sicherheitsbehälter mit den hochradioaktiven Brennstäben aus dem Kraftwerksgelände. Ein massives Polizeiaufgebot versucht zahlreiche Demonstrant:innen von den Gleisen fernzuhalten. 250 Menschen werden von den Gleisen geräumt, über 60 Atomkraftgegner werden in Gewahrsam genommen.
8.000 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz sind zur Streckensicherung durch Deutschland im Einsatz, etwa 3.500 Polizist:innen allein in Lüchow-Dannenberg.
Mehrere Versuche, den Transport unterwegs zu stoppen, scheitern. Bei Göttingen treibt die Polizei AKW-Gegner:innen von den Schienen. Vor dem Bahnhof demonstrieren mehrere Hundert Menschen, als der Zug längst durchgefahren ist. Auf ein Büro des Bundesamtes für Strahlenschutz in Salzgitter wird ein Anschlag verübt.
Auf einer Pressekonferenz der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg erklärt Landrat Christian Zülke (SPD): "Ich werden mich an das Versammlungsverbot halten". In der Nacht brennen auf den Gleisen am Bahnhof Hitzacker Holzstämme. Die zweite Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg wird bei Zernien blockiert.
Quelle: u.a. Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag; contratom.de, EJZ vom 26.04.1995
25.04.1995
Im Schritttempo nähert sich das 125 Tonnen schwere Ungetüm mit der gefährlichen Fracht seinem Ziel nahe Gorleben in Niedersachsen: zuerst per Bahn, später dann per Lkw. Immer wieder werfen sich Menschen in den Weg und müssen weggetragen werden. Steine fliegen. Die Polizei geht mit Gummiknüppeln und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor. Gorleben ist im Ausnahmezustand. Die Schulen sind geschlossen, Bauern haben sich auf Treckern zum Protestmarsch aufgemacht. (wdr.de)
Im Landkreis Lüchow-Dannenberg errichten Aktivist:innen Barrikaden auf den Gleisen, montieren Schwellen ab, setzen Strohballen und einen Güterwagen in Brand. Wieder gibt es zahlreiche Verletzte bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.
Nach 14 Stunden Bahnfahrt trifft der Castorbehälter aus dem baden-württembergischen Atomkraftwerk Philippsburg-2 nach etwa 580 km gegen 10.30 Uhr am Verladebahnhof Dannenberg-Ost ein. Gegen 12.00 Uhr ist der Behälter auf einen Straßen-Tieflader verladen und setzt sich auf die 18 km lange Strecke nach Gorleben in Bewegung.
Anfangs ist der Sprecher der Pressestelle "Castor" in der Polizeizentrale Lüneburg noch optimistisch. "Der Zug läuft", verkündet er stolz. "Das ist ein Erfolg für uns." Acht Stunden später ist von "erheblicher Gewaltbereitschaft" und "massiven Einsätzen" gegen Demonstranten die Rede. (wdr.de)
Rund 1500 Castor-Gegner:innen versammeln sich ab dem Nachmittag am Gorlebener Zwischenlager, um den Transport auf der Zielgeraden nochmals zu blockieren. Blockaden werden an mehreren Stellen errichtet: aus Bäumen, Ästen - was der Wald um Gorleben so hergibt. Immer wieder muß die Polizei die Baumblockaden abräumen.
6.500 Beamte von Polizei und BGS bahnen dem Transport den Weg.
Gegen 16 Uhr beginnt die Polizei, etwa 300 sitzblockierende Castor-Gegner von der Straße zu tragen. Die Demonstranten rufen wie so häufig am gestrigen Tag immer wieder: "Keine Gewalt." Zwei Wasserwerfer stehen bereit; ihr Einsatz wird angedroht.
Und gegen 16.40 Uhr werden der nahende Castor-Transport und die voraneilenden Wasserwerfer von Demonstranten mit Steinen beworfen. Aus dem Wald an der Kreisstraße werden Polizisten mit Zwillen beschossen und teilweise verletzt. Sowohl von der Seite der PKA-Einfahrt als auch aus Richtung Gorleben drängen die Polizisten die Castor-Gegner von der Straße - in den Wald hinein. Steine und Farbbeutel fliegen; Wasserwerfer und Schlagstöcke werden eingesetzt. Journalisten springen mit Kameras und Notizblöcken zwischen dem Geschehen hin und her. In rund einer halben Stunde hat die Polizei die Zufahrt zur Zwischenlagereinfahrt frei; die gesamte Kreisstraße wird durch hunder-te von Polizisten zur Waldseite hin abgeschottet.
Dann das gespenstische Finale: Panzer- und Mannschaftswagen, Räumfahrzeuge und hunderte von Polizisten eskortieren die heiße Fracht. Der Castor-Transport nimmt eine letzte Rechtskurve auf öffentlicher Straße - und verschwindet hinter dem Zaun des Zwischenlagers. Fotokameras klicken wie verrückt. Erleichterung bei der Polizei, Enttäuschung bei den Demonstranten. Eine Castor-Gegnerin ruft beim Nachhausewegen den abrückenden Polizisten zu: "Nächstes Mal kostet das hundert Millionen Mark." (EJZ)
Es ist der umstrittenste und teuerste Atommülltransport der deutschen Geschichte. Hinter ihm schließt sich das Zwischenlagertor in Gorleben um 17.12 Uhr. In Lüchow-Dannenberg lagert damit erstmals hochradioaktiver Atommüll.
Bundesweit protestieren etwa 4.000 AtomkraftgegnerInnen. Insgesamt sind 15.000 Polizisten im Einsatz, der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik. Insgesamt sind in Niedersachsen 7.600 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz - zusammengerufen aus einem halben Dutzend Bundesländern - im Einsatz. 29 Personen werden vorläufig festgenommen.
Dieser erste Castor-Transport kostet den Steuerzahler ca. 55 Millionen Mark, also etwa 100.000 DM je km. Davon fallen knapp 28 Millionen Mark auf das Land Niedersachsen.
Gleich nachdem der Castor-Behälter in Gorleben abgeladen war, kündigt das Bundesumweltministerium unter Angela Merkel (CDU) an, demnächst (bis Jahresende) werde Atommüll aus dem AKW Biblis und dem AKW Gundremmingen folgen.
Der Castor sei "ein notwendiges Übel", betont Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) später. Opposition und Umweltschützer sprechen von einer "ungeheueren Provokation zum neunten Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl".
Quelle: u.a. EJZ vom 26.04.1995, wdr.de
26.04.1995
Verloren habe aber vor allem die gesamte Region. Sinkende Immobilienpreise im Raum Gorleben, durch Proteste und Castor-Einlagerung abgeschreckte Touristen, eine in Gorleben-Fragen mehr denn je polarisierte Bevölkerung: der Landkreis Lüchow-Dannenberg sei "vielleicht der größte Verlierer einer unnötigen Castor-Farce".
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 26.4.1995
Mai
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
01.05.1995
03.05.1995
04.05.1995
Später erscheint ein vollständiger Bericht mit dem Titel "Castor eingelagert - Grundrechte und Demokratie ausgelagert".
10.05.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
12.05.1995
13.05.1995
Mit dabei sind auch 300 Traktoren, ca. 250 davon sind bereits vor zwei Tagen in einem Treck der Bäuerlichen Notgemeinschaft im Wendland gestartet und in die Landeshauptstadt gekommen. Am Raschplatz, wo der Treck vor 16 Jahren einen „Stein des Anstoßes" hinterlassen hatte, schlossen sich Tausende von Demonstranten zu Fuß dem Zug an. Ihr Ziel, der Versammlungsort, lag gleich neben dem Niedersächsischen Umweltministerium. In Doppelreihe wurde das Gebäude von Traktoren eingekreist. Am Fahnenmast davor am Leibnizufer wehte bald die Fahne der Republik Freies Wendland.
Adi Lambke aus Jameln fordert Ministerpräsident Schröder auf, beim nächsten Castor-Transport mit den Bauern zu protestieren: Wenn Schröder, der ihn vor 15 Jahren einmal wegen "Gorleben" verteidigt hatte, beim nächsten Castor-Transport mitdemonstriert, dann könne er zum "Ehrenbauern" ernannt werden.
Jochen Kulow, Bauer aus Zargleben und Bürgermeister der Gemeinde Luckau, erhielt lautstarke Zustimmung bei seiner Feststellung: Wer eine Machtdemonstration wie beim Castor-Transport nötig habe, der habe die Menschen nicht hinter sich. Die Lüchow-Dannenberger seien stolz auf den hohen Preis, den der erste Castor gekostet habe. Und wie 1979 Heinrich Pothmer, so beendete auch Kulow am Sonnabend seine Rede: "Wi wolln den Schiet nich hem, nich bi uns un ok nich annerswo."
Als Hauptredner der Kundgebung bezeichnet der Energieexperte Peter Hennicke vom Wuppertal-Institut die gegenwärtigen Energiekonsens-Gespräche als "Tiefstand politischer Kultur". Sie seien ein "Gefeilsche um Kohle und Kernenergie", während eine "Wende zur Solar- und Energiesparwirtschaft" notwendig sei. (taz, 15.5.95)
Quelle: u.a. EJZ vom 15.05.1995
Juni
02.06.1995
Gesundheitsgefahr durch Neutronenstrahlung extrem unterschätzt
07.06.1995
Nach Kunis Darstellung wäre die Strahlendosis, die Polizisten bei der Begleitung von Castor-Transporten abbekommen, 300mal wirksamer als bisher angenommen. (Süddeutsche Zeitung, 10.8.95)
Es folgt eine monatelange wissenschaftliche Diskussion. Am Ende einigen sich alle Beteiligten darauf, dass die derzeit geltenden deutschen Grenzwerte für Radioaktivität zu hoch sind. Unklar ist dabei aber, um wieviel sie reduziert werden müssten. Treffen Kunis Zahlen zu, wären keine weiteren Castor-Transporte mehr genehmigungsfähig.
09.06.1995
Als sich Griefahn den Demonstranten vor der Tür stellt, entleeren diese wortlos einige Säcke von mitgebrachtem Mist vor der Ministerin.
10.06.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 10.6.1995
12.06.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 10.6.1995
21.06.1995
26.06.1995
28.06.1995
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 28.6.1995
Juli
09.07.1995
26.07.1995
29.07.1995
Die Bauern seien nach Hitzacker gekommen, um Schröder mitzuteilen, wie sehr ihnen sein Verhalten mißfalle. Er habe den Widerstand gegen die Atommülllagerung als "regionales Problem" abqualifiziert und das Thema Gorleben als für ihn erledigt erklärt. "In einem derartigen Ton hat nicht einmal Ernst Albrecht mit uns gesprochen. Und der wollte schließlich die Atomanlage in Gorleben durchsetzen, während unsere jetzige Landesregierung immer wieder behauptet, sie wolle sie verhindern", schreiben die Bauern.
Schröder sei nicht bereit gewesen, mit den Demonstranten zu diskutieren und habe vielmehr deren Fragen "ins Lächerliche gezogen". Die Demonstranten hatten auf sein "arrogantes Verhalten" mit Unmutsäusserungen und Rufen reagiert. Als dann Schröders Bodyguards versucht hatten, "sehr aggressiv mit Ellenbogen" einen Weg für den Ministerpräsidenten durch die dichtgedrängten Menschen freizumachen, sei aufgrund der Enge aus Menschen, Tischen und Stühlen Panik entstanden. Einige Atomkraftgegner und wohl auch Bodyguards seien dabei zu Boden gestürzt, beschreibt die Bäuerliche Notgemeinschaft ihre Sicht der Vorfälle.
CDU-Politiker sprechen von einem "Angriff auf Demokratie und Gastfreundschaft".
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag; EJZ vom 02.08.1995
August
02.08.1995
Quelle: EJZ, 2.8.1995
03.08.1995
Nach der Monitor-Sendung reagiert Niedersachsens Innenminister Glogowski prompt:
12.08.1995
13.08.1995
Anschlag auf Verladekran
22.08.1995
Gegen 2 Uhr war die Strasse, die von der Bundesstraße 191 zur Verladestation führt mit einem Umleitungsschild und einem Trassierband abgesperrt worden, auf einem Zusatzschild war zu lesen: "Achtung Sprengung. Lebensgefahr". In der Mitte der Bundesstraße brennt ein Auto: Ein von den Unbekannten ganz offensichtlich mitgebrachter und mit Reifen beladener Pkw Opel Kadett Kombi ohne Kennzeichen steht in Flammen. Drei Nagelbretter werden auf die Fahrbahn gelegt und Strohrundballen auf und neben der Straße angezündet.
Parallel findet ein Anschlag auf das Zwischenlager Gorleben statt: Etwa 30 unbekannte Personen hatten sich dort getroffen und kurzfristig einen totalen Stromausfall im Zwischenlager verursacht, indem sie Wurfanker über zwei Stromleitungen werfen. Mit Leuchtraketen wird auf das Zwischenlagergelände geschossen. Einen dabei entstandenen kleinen Böschungsbrand löschen die Wachleute. Glasscheiben des Pförtnerhäuschens am Zwischenlager werden mit Farbe besprüht, u.a. mit Sprüchen wie "Stop Castor". Mit einem Stein wird eine Scheibe des Verwaltungsgebäudes zerstört. Das Tor zur geplanten Pilotkonditionierungsanlage (PKA) mit einem Vorhängeschloß dichtgemacht.
Die Betreiber sprechen von 300.000 DM Sachschaden und setzen eine Belohnung zur Ergreifung der TäterInnen aus. Die Anschläge sind aller Wahrscheinlichkeit nach ein Protest gegen weitere Atommülltransporte, so die Polizei. Ermittelt wird wegen Sachbeschädigung und Brandstiftung.
"Wir brauchen uns nicht zu distanzieren", so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke in einer ersten Reaktion auf die Anschläge gegenüber der EJZ. Als BI habe man nämlich nicht zu Sachbeschädigungen aufgerufen und werde dies auch in Zukunft nicht tun, betont Ehmke.
Es reiche nicht aus, wenn Niedersachsens Ministerpräsident Schröder Gewalt nur verurteile, sondern "es muß energischer gehandelt werden", fordert CDU-Politiker Grill.
Quelle: u.a. EJZ vom 23.08.1995
25.08.1995
Stay rude-Stay rebel - Festival
26.08.1995
29.08.1995
Quelle: DPA, 30.8.95; Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
September
02.09.1995
06.09.1995
09.09.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
24.09.1995
26.09.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Oktober
03.10.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
22.10.1995
24.10.1995
Nach Angaben der Bahn AG sind durch die Anschläge allein in diesem Jahr Sachschäden von zwei bis drei Millionen Mark verursacht worden. Nach einer Agenturmeldung sind seit dem ersten Castortransport allein in Norddeutschland mindestens dreißig Anschläge auf Bahneinrichtungen verübt worden. Die Polizei hat zwei Sonderkommissionen eingesetzt, aber noch keinen Verdächtigen präsentieren können.
Quelle: u.a. Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
27.10.1995
28.10.1995
Als Teil des bundesweiten Aktionstages gegen Castor-Transporte starten die Castor-Ortsgruppen aus Lüchow-Dannenberg Aktivitäten unter dem Motto "Wir verschönern den Landkreis". An vielen Orten werden neue Transparente, Beschriftungen, Plakate Stelltafeln und Strohpuppen angebracht.
Quelle: u.a. Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
29.10.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
30.10.1995
30.10.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
November
01.11.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Baustopp aufgehoben
02.11.1995
In dem Urteil werden auch die Salzrechte des Grafen von Bernstorff erwähnt und nicht als "unüberwindliches Hindernis" angesehen.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 3.11.95
02.11.1995
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Dezember
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
18.12.1995
Quelle: FAZ, 19.12.95
19.12.1995
Quelle: FAZ, 21.12.95
Die ganze Geschichte:
…und davor – Die Anfänge bis 1972
Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern – statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.
1973
1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.
1974
Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hat und niemanden stört, ist alles gut. Der Standort Gorleben taucht – neben vielen anderen – auf.
1975
Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.
1976
(…) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (…)
1977
Die Bedenken sind stark, doch Gorleben wird trotzdem zum Standort für den Bau eines gigantischen „Nuklearen Entsorgungszentrums“ benannt. Daraufhin finden erste Großdemonstrationen statt.
1978
Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.
1979
Im März 1979 findet der legendäre „Treck nach Hannover“ statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.
1980
Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der „Republik Freies Wendland“. Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.
1981
Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager „größer, nicht kleiner“. Doch Gegner:innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
1982
Baubeginn des Zwischenlagers wird mit Aktionen im Grenzstreifen zur DDR beantwortet, militante Eskalation beim „Tanz auf dem Vulkan“ und immer schlechtere Bohrergebnisse. Plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.
1983
Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. „Gorleben statt Kreta“ und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der „untertägigen Erkundung“ des Salzstocks Gorleben zu.
1984
„Das Vertrauen hat sehr gelitten“: Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.
1985
Ein erster leerer Probe-Castor erreicht das Wendland. Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert – und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.
1986
Baubeginn im Bergwerk Gorleben. Heftige Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und das AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.
1987
Schwerer Unfall in Schacht 1 des Bergwerks in Gorleben. „Transnuklearskandal“ betrifft auch Atommüll im Zwischenlager, Proteste gegen den Bau der PKA.
1988
Kreuzweg der Schöpfung führt von Wackersdorf nach Gorleben, Schmiergeldskandal, „Wir stellen uns quer“ – Proteste gegen den ersten Probecastor ins Zwischenlager.
1989
Das Aus für die WAA Wackersdorf, Castor-Alarm: erster hochradioaktiver Atommülltransport nach Gorleben wird wenige Stunden vor Abfahrt gerichtlich gestoppt.
1990
„Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann…“, als auf dem Bauplatz der PKA Hütten errichtet werden. Aktivist*innen besetzen im Sommer den Förderturm in Gorleben, zum Jahresende Baustopp und SPD-Versprechen.
1991
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter „Castor-Alarm“ und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
1992
Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
1993
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, „Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse“, Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer*innen.
1994
Widerstandscamp „Castornix“ und erhebliche Proteste gegen ersten Castortransport, der wegen technischer Mängel dann abgesagt wird. Weiterbau der PKA per Weisung.
1995
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion „ausrangiert“ will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
1999
„Flickschusterei“ um Atomausstieg & AkEnd, Stunkparade nach Berlin und die Ankündigung, dass sich beim nächsten Castor X-tausend Menschen querstellen werden.
2000
Defekte Brücke und unsichere Behälter verhindern Castorlieferung, Atomkonsens „alles Lüge“, denn er sichert den Weiterbetrieb der AKW und Moratorium im Salzstock.
2001
Zwei Atommülltransporte rollen nach Gorleben, einer im März, ein zweiter im November. X-tausend Menschen stellen sich quer und WiderSetzen sich. Der Betonblock von Süschendorf zwingt den Castor zum Rückwärtsgang. Der Widerstand bekommt ein Archiv, die Bundestagsabgeordneten ein Denkmal, die „Gewissensruhe“.
2002
25 Jahre nach der Standortbenennung künftig keine Wasserwerfer mehr gegen den Widerstand, Freispruch im Süschendorf-Prozess, Ver-rück-te Dörfer gegen zwölf Castorbehälter, Rechenfehler und ein Abschlussbericht des AKEnd.
2003
Betonklötze für Betonköpfe, „Fest zum Protest“, der Salzstock wird besetzt, der siebte Castor rollt. Atomausstieg: das AKW Stade geht vom Netz – aber die Endlagersuche bleibt weiter unklar.
2004
Schienensitzen ist keine Straftat, das Einkesseln rechtswidrig, Trash People in Gedelitz, eine Veränderungssperre für den Salzstock zemetiert dessen Sonderstellung. Der Castortransport im Herbst verändert alles: Sebastién wird überfahren und stirbt.
2005
25 Jahre nach der „Republik Freies Wendland“ und 10 Jahre nach dem ersten Castortransport ist die Entsorgung des Atommülls weiter ungelöst. In die Debatte um die Entsorgung des Atommülls und die Zukunft der Atomenergie kommt Bewegung, die Veränderungssperre für den Salzstock wird verlängert. Container brennen, Bauern ziehen sich aus – und im November rollt der nächste Atommüllzug ins Zwischenlager.
2006
Geologe Grimmel warnt vor Erdbeben, die CDU kann sich in Gorleben ein Untertagelabor vorstellen. „Wir sind gekommen um zu bleiben“: Castorproteste im Herbst mit einer eigenen „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ und ein Offenbarungseid von Umweltminister Sigmar Gabriel.
2007
Der Widerstand feiert 30 Jahre Protest, ein Probecastor im Sommer aber keine „heiße Fracht“ im Herbst, stattdessen Kinderkrebsstudie und G8-Gipfel in Heiligendamm.
2008
Endlager-Symposium & Probebohrungen in Hamburg, absaufende Asse-2, 1 Millionen Jahre Endlager-Sicherheit und ein nächster Castortransport im November.
2009
Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur „erkundet“, sondern ein Endlager gebaurt. „Mal so richtig abschalten“ – ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.
2010
Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.
2011
Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein „Rekord-Castor“ – der letzte, der nach Gorleben rollte.
2012
Das „Wendejahr“ mit zahlreichen Werksblockaden unter dem Motto „gorleben365“ und der zentralen Forderung zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“: Der Fleck Gorleben muss weg!
2013
Mit der „Beluga“ stellt Greenpeace in Gorleben ein Mahnmal auf, der Widerstand läuft Matrathon gegen das neue Standortauswahl-Gesetz.
2014
Die „neue Endlagersuche auf der weißen Landkarte“ beginnt – mit einem dicken Fleck: Gorleben. Immer wieder Proteste gegen die „Atommüllkommission“ der Regierung und tausende Unterschriften gegen weitere Castoren.
2015
Tausende feiern im Sommer an den Atomanlagen, Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: der „Kessel von Harlingen“ war rechtswidrig.
2016
Für 23 Milliarden Euro entledigen sich die Atomkonzerne dem Atommüll, der ab sofort uns allen „gehört“. Zahlreiche Aktionen an den Atomanlagen gegen die Endlagerpläne der Bundesregierung.
2017
Auch 40 Jahre nach der Standortbenennung ist der Widerstand „lebendig“, Betreiber der Atomanlagen wird der Bund, Castoren auf dem Neckar und letzte Befahrung des Gorleben-Schachts.
2018
Neuer Betreiber will Aus für die PKA, Langzeitlagerung von Castoren rückt in den Fokus, Kritik an der Arbeit des „Nationalen Begleitgremiums“.
2019
30 Jahre Kulturelle Landpartie, 40 Jahre nach dem Treck nach Hannover. Abriss der Schutzmauer um das Bergwerk.
2020
Im „Corona-Jahr“ wird Gorleben Ende September völlig unerwartet aus der weiteren Suche nach einem Atommülllager ausgeschlossen. Nach über 40 Jahren Protestgeschichte ist es vorbei. Im Herbst rollt der erste Castor durch Deutschland, der eigentlich nach Gorleben sollte.
2021
10 Jahre nach Fukushima hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff, nur wenige öffentliche Aktionen finden statt. Viel Kritik an Online-Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Sommer der vierte Kreuzweg von Gorleben nach Lützerath. Im Herbst das Versprechen: der Salzstock wird verfüllt.
2022
Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
2023
Doch kein Atomausstieg zum 31.12.2022 – drei Atomkraftwerke laufen über das Jahr hinaus. Der Protest geht weiter.
2024
Die BI fordert einen Transportestopp ins Fasslager und den Neubau der Zwischenlagerhalle aus Sicherheitsgründen, denn die Castoren werden noch lange hier bleiben müssen. Der „Rückbau“ des verhinderten Endlagers wird immer teurer, Ende November beginnt dann endlich das Zuschütten: 400.000to Salz kommen zurück unter die Erde. Ein Meilenstein.







































































