Gorleben-Chronik

Der Widerstand gegen die Atomanlagen Gorleben und die Atommüllpolitik der Bundesrepublik hat Geschichte geschrieben - auch wenn das Atommüllprojekt im Wendland trotz vieler Teilerfolge noch längst nicht Geschichte ist. Mehr als 40 Jahre nach den ersten Protesten ist Gorleben heute weltweit ein Synonym für Gegenwehr und die entschlossene Einforderung demokratisch verbriefter Rechte.

Diese (unvollständige) Chronik erzählt einerseits die Geschichte um die Entstehung des Atomstandorts Gorleben und der Castor-Transporte ins Wendland. Sie benennt außerdem andere wichtige atompolitische Entscheidungen oder Ereignisse. Andererseits ist sie aber auch eine Chronologie unseres Widerstands.

Der Widerstand gegen Gorleben ist ein Gesamtkunstwerk.

1986

Tschernobyl und Wackersdorf

Heftige Auseinandersetzungen um den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und die Inbetriebnahme des AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.

zum Jahr 1986

1985

"Spudok" & Kreuzweg

Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert - und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.

zum Jahr 1985

1984

Der erste "Tag X"

"Das Vertrauen hat sehr gelitten": Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.

zum Jahr 1984

1983

Eine WAA wird verhindert

Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. "Gorleben statt Kreta" und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der "untertägigen Erkundung" des Salzstocks Gorleben zu.

zum Jahr 1983

1982

"Tanz auf dem Vulkan"

Der Zwischenlagerbau beginnt, die Antwort ist der "Tanz auf dem Vulkan" - und plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.

zum Jahr 1982

1981

Zweifel in Gorleben werden größer

Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager "größer, nicht kleiner". Doch Gegner*innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.

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1980

"Republik Freies Wendland"

Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der "Republik Freies Wendland". Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.

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1979

WAA "nicht durchsetzbar"

Im März 1979 findet der legendäre "Treck nach Hannover" statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet der Ministerpräsident das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.

zum Jahr 1979

1978

Ein Koffer voll Geld

Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.

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1977

Das Jahr der Standortbenennung

Nach der Benennung Gorlebens als Standort für ein "Nukleares Entsorgungszentrum" finden erste Großdemonstrationen statt.

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1976

Gorleben taucht auf

(...) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (...)

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1975

Großer Waldbrand bei Trebel

Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.

zum Jahr 1975

1974

Erste Standortsuche ohne Gorleben

Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hatte und niemanden störte, war alles gut.

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1973

Zwei AKW für das Wendland

1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.

zum Jahr 1973

und davor...

Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern - statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.

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