GORLEBEN-CHRONIK
Das Jahr 1993
CASTOR-HALLE-LUJA und Endlagerhearing
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, "Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse", Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer:innen.
Januar
01.01.1993
10.01.1993
13.01.1993
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
15.01.1993
Zur Endlagersuche sagt er: "Wir wollen die Entwicklung auch weiterer Standorte für Endlager für hochradioaktive Abfallstoffe voranbringen, unter Umständen auch in europäischer Kooperation". Das solle aber geschehen, ohne daß die Erkundungsarbeiten in Gorleben dadurch beeinträchtigt werden.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 17.2.93
Proteste gegen Atommüll-Lieferung
19.01.1993
Um 1 Uhr nachts verläßt der radioaktive Müll das Atomkraftwerk Unterweser Esenshamm, wo er sich seit vor Weihnachten befand, nachdem er auf seinem Weg von Karlsruhe nach Gorleben gestoppt worden war. Der Transport hält ab etwa 4.45 Uhr für längere Zeit auf dem Truppenübungsplatz in Munster. Unterdessen befinden sich bereits zu diesem Zeitpunkt rund 200 Atomkraftgegner:innen am Zwischenlager, um die Einfahrten zu blockieren. Zahlreiche Straßenbarrikaden aus Holzstämmen werden auf den Zufahrtswegen errichtet – einige der Barrikaden stehen in Flammen. Gegen 10.30 Uhr beginnen Polizeibeamte, die ersten Straßenbarrikaden abzuräumen.
Gegen 13 Uhr wird bekannt, daß zwei Container von Rondel aus über den Mastenweg rollen, einen Waldweg zwischen Endlagerbergwerk und Zwischenlager. Dort wird aus etwa 200 blockierenden Atomkraftgegnern und Holzstämmen ein Knäuel, der den Transport wiederum stoppt. In der ersten Reihe dieser Blockade sitzen auch: Mitglieder der "Initiative 60" sowie Lüchow-Dannenbergs Landrat Christian Zühlke (SPD). Gegen 13.30 Uhr wird nach mehrfacher Aufforderung der Polizei, den Weg zu räumen, die Blockade aufgelöst: Atomkraftgegner werden weggeschleift, an den Haaren gerissen, abgedrängt.
Der umstrittene Atomtransport und die Proteste fordert nach Polizeiangaben 14 Verletzte, darunter 13 Polizisten. Etwa 800 Beamte aus Niedersachsen begleiten die Container mit den sechs Mosaikbehältern, deren Inhalt in den 80er Jahren auch im belgischen Mol lagerte – dem Ort, der unweigerlich mit dem Transnuklearskandal in Verbindung gebracht wird. Um 14.25 Uhr waren die beiden Container im Zwischenlager.
BI-Sprecher Wolfgang Ehmke spricht von einem "martialischen Materialaufgebot der Polizei", das einschüchtern sollte. "Wir sollten, so der Innenminister jüngst in Gorleben, Aktionen erträglich gestalten. Unerträglich aber ist die Strategie der Einschüchterung."
Quelle: u.a. Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag, Elbe-Jeetzel Zeitung
Februar
01.02.1993
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
17.02.1993
"Müssen noch drei weitere, zehn, zwanzig, dreißig oder mehr Betonformsteine reißen, bis der Zustand als riskant bezeichnet werden kann?" fragt die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) das rot-grüne Umweltministerium in Hannover. Die BI will in einem Brief an Staatssekretär Horn vom Landesumweltministerium wissen, wie dort die neuerlichen Schäden eingeschätzt werden. "Offensichtlich halten die Betreibergesellschaft und das Umweltministerium dieses Vorkommnis für eine Bagatelle", mutmaßt die BI.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 17.2.93
März
06.03.1993
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
30.03.1993
Die Werksfeuerwehr reißt das Bauwerk nach einer Stunde wieder ab.
Quelle: u.a. Elbe-Jeetzel Zeitung
31.03.1993
April
Der Grünen-Abgeordnete Hannes Kempmann befürchtet, dass Anfang 1994 noch einmal per Hauptbetriebsplan der Weiterbau am geplanten Endlager in Gorleben genehmigt werden könne und eine zweite Teilgenehmigung für die geplante Pilotkonditionierungsanlage (PKA) vorbereitet werden.
Auf Anfrage der Elbe-Jeetzel Zeitung dementiert das Umweltministerium, daß es irgendwelche Planungen gebe, den Hauptbetriebsplan auch für 1994 zuzulassen.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 2.4.1993
01.04.1993
Knapp zwanzig Atomkraftgegner:innen versammeln sich am Zwischenlagertor, als der Transport anrollt. Mehrere hundert Polizisten sind im Einsatz.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 2.4.1993
07.04.1993
Mai
03.05.1993
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
03.05.1993
Für einen solchen Energiekonsens auf Niedersachsenebene müßte sich jedoch die SPD auch bewegen, so Grill in einem Gespräch mit der EJZ: Minsterpräsident Gerhard Schröder müßte im Gegenzug die Option zum Bau eines "standortunabhängigen katastrophenfreien Reaktors" einräumen, man müsse sich über die Regellaufzeiten von Atomkraftwerken einigen und Schröder müsse dem Bau eines Endlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle im Schacht Konrad bei Salzgitter sowie der Untersuchung für ein atomares Endlager an einem Alternativstandort zustimmen, so Grill.
Bei einer solchen Alternativuntersuchung könne man die Arbeiten in Gorleben bis 2005 aussetzen und dann die beiden Standorte vergleichen, obwohl die CDU dem Standort Gorleben nach wie vor Priorität einräume, betont CDU-Umweltexperte Kurt-Dieter Grill. Und: Die Arbeiten in Gorleben dürften erst unterbrochen werden, wenn ein anderer Standort untersucht werde.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
20.05.1993
25.05.1993
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
Juni
09.06.1993
Mitte Juni
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
126.901,10 DM
23.06.1993
30.06.1993
Juli
Ein anderer Kernpunkt ist aber auch: weiterhin die Option auf Atomenergie, der Neubau von Reaktoren "in größerem Umfang", der sich "etwa Mitte des nächsten Jahrzehnts entscheiden" werde.
Immer wieder biete Klaus Töpfer den Verzicht auf das Endlagerprojekt in Gorleben an, hält die Bürgerinitiative Umweltschutz in einer Stellungnahme fest.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 7.7.1993
06.07.1993
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
22.07.1993
27.07.1993
Ihren Protest gegen die Gorlebener Atomanlagen generell unterstreicht die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI). Dieter Schaarschmidt von der BI, der die „Besuchergruppe" führt und informiert, fordert, daß die Mahnbescheide über rund 127 000 DM gegen die Schachtbesetzer von vor drei Jahren zurückgezogen werden. Den derzeitigen Bau im Erkundungsbergwerk bezeichnet er als illegal.
Quelle: u.a. Elbe-Jeetzel Zeitung
27.07.1993
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
August
01.08.1993
10.08.1993
12.08.1993
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
13.08.1993
13.08.1993
September
"Abreißen statt erweitern"
06.09.1993
Die BI hatte einen Teil der insgesamt 14 000 Einwendungen gegen die geplante Erweiterung des Zwischenlagers gesammelt, nimmt allerdings an dem atomrechtlichen Erörterungstermin in Gorleben nicht teil. Der Grund: Durch die Erörterung ändere sich "überhaupt nichts", das Ganze habe "bloß eine Alibifunktion", so BI-Sprecherin Marianne Fritzen. Diese Nichtteilnahme war sichtbar: knapp 20 Menschen sitzen auf den Zuhörerbänken in der großen Mehrzweckhalle, am Tisch der Einwender hatten Rechtsanwälte, Vertreter von Greenpeace, Sachverständige der Gruppe Ökologie in Hannover, Politiker der Städte Lenzen, Dannenberg und der Samtgemeinde Dannenberg Platz genommen.
Im Gegensatz zum Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das Genehmigungsbehörde ist, meinen die Einwender:innen, daß die Zwischenlagererweiterung nicht genehmigt werden könne, solange es kein "belastbares" Entsorgungskonzept gibt. Aus diesem Grund auch müsse das Thema Entsorgung zu Beginn der Erörterung behandelt werden. Das BfS hatte diesen Punkt aber am Schluß unter "Fragen, die nicht Gegenstand des Verfahrens sind" in den Ablaufplan der Erörterung eingeordnet.
Zu Beginn der Veranstaltung steigen ca. 15 Aktivist*innen der Brennelementlager Gorleben GmbH unter dem Motto "abreißen statt erweitern" aufs Dach. Sie beginnen "sehr sorgfältig" mit dem Abdecken von Dachziegeln.
07.09.1993
Die Landesregierung werde alle Möglichkeiten nutzen, um die Einlagerung von Behältern zu verhindern. Bereits existierende Abfälle sollten in den Zwischenlagern der Atomkraftwerke aufbewahrt werden.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
09.09.1993
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
10.09.1993
CASTOR-HALLE-LUJA
11.09.1993
15.09.1993
Endlager-Hearing
21.09.1993
Grimmel stellt fest, dass seit dem Hearing für die Niedersächsische Landesregierung endgültig feststehe, "daß der Salzstock Gorleben-Rambow als Endlager für radioaktive Abfälle ungeeignet ist".
Er empfiehlt zudem, die in Gorleben errichteten Zwischen- und Endlagergebäude in ein "Niedersächsisches Museumsdorf für technische Fehlentwicklungen des 20. Jahrhunderts" umzuwandeln, in dem vor allem die Gefährdung der Biosphäre durch den sogenannten Kernbrennstoffkreislauf erläutert und dokumentiert wird.
Laut aktuellen Planungen wird mit der Inbetriebnahme des Endlagers Gorleben im Jahre 2008 gerechnet.
24.09.1993
Oktober
Quelle: ahaus - das Buch zum Castor, Verlag Klemm und Oelschläger
22.10.1993
November
19.11.1993
"Auf die überraschte Nachfrage Lüttigs, dass dieser Salzstock nicht auf der von ihm erstellten Liste besonders geeigneter Salzstöcke stehe, habe Albrecht geantwortet, die Entscheidung habe andere Gründe. Die Geologen kämen später schon noch zu Wort.
Entscheidendes Motiv für Gorleben war nach Lüttigs Erinnerung Albrechts Wille, aufgrund des grenznahen Endlagerprojektes der DDR im Salzstock Morsleben mit der Benennung des ebenfalls dicht an der Grenze gelegenen Gorleben "die Ostzonalen richtig zu ärgern."
Lüttig erwähnte in diesem Zusammenhang einen Ratschlag von Albrechts Nachbar, eines pensionierten Bergassesors, der Gorleben ins Gespräch gebracht habe."
Dezember
22.12.1993
29.12.1993
Die ganze Geschichte:
…und davor – Die Anfänge bis 1972
Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern – statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.
1973
1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.
1974
Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hat und niemanden stört, ist alles gut. Der Standort Gorleben taucht – neben vielen anderen – auf.
1975
Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.
1976
(…) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (…)
1977
Die Bedenken sind stark, doch Gorleben wird trotzdem zum Standort für den Bau eines gigantischen „Nuklearen Entsorgungszentrums“ benannt. Daraufhin finden erste Großdemonstrationen statt.
1978
Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.
1979
Im März 1979 findet der legendäre „Treck nach Hannover“ statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.
1980
Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der „Republik Freies Wendland“. Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.
1981
Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager „größer, nicht kleiner“. Doch Gegner:innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
1982
Baubeginn des Zwischenlagers wird mit Aktionen im Grenzstreifen zur DDR beantwortet, militante Eskalation beim „Tanz auf dem Vulkan“ und immer schlechtere Bohrergebnisse. Plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.
1983
Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. „Gorleben statt Kreta“ und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der „untertägigen Erkundung“ des Salzstocks Gorleben zu.
1984
„Das Vertrauen hat sehr gelitten“: Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.
1985
Ein erster leerer Probe-Castor erreicht das Wendland. Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert – und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.
1986
Baubeginn im Bergwerk Gorleben. Heftige Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und das AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.
1987
Schwerer Unfall in Schacht 1 des Bergwerks in Gorleben. „Transnuklearskandal“ betrifft auch Atommüll im Zwischenlager, Proteste gegen den Bau der PKA.
1988
Kreuzweg der Schöpfung führt von Wackersdorf nach Gorleben, Schmiergeldskandal, „Wir stellen uns quer“ – Proteste gegen den ersten Probecastor ins Zwischenlager.
1989
Das Aus für die WAA Wackersdorf, Castor-Alarm: erster hochradioaktiver Atommülltransport nach Gorleben wird wenige Stunden vor Abfahrt gerichtlich gestoppt.
1990
„Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann…“, als auf dem Bauplatz der PKA Hütten errichtet werden. Aktivist*innen besetzen im Sommer den Förderturm in Gorleben, zum Jahresende Baustopp und SPD-Versprechen.
1991
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter „Castor-Alarm“ und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
1992
Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
1993
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, „Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse“, Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer*innen.
1994
Widerstandscamp „Castornix“ und erhebliche Proteste gegen ersten Castortransport, der wegen technischer Mängel dann abgesagt wird. Weiterbau der PKA per Weisung.
1995
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion „ausrangiert“ will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
1999
„Flickschusterei“ um Atomausstieg & AkEnd, Stunkparade nach Berlin und die Ankündigung, dass sich beim nächsten Castor X-tausend Menschen querstellen werden.
2000
Defekte Brücke und unsichere Behälter verhindern Castorlieferung, Atomkonsens „alles Lüge“, denn er sichert den Weiterbetrieb der AKW und Moratorium im Salzstock.
2001
Zwei Atommülltransporte rollen nach Gorleben, einer im März, ein zweiter im November. X-tausend Menschen stellen sich quer und WiderSetzen sich. Der Betonblock von Süschendorf zwingt den Castor zum Rückwärtsgang. Der Widerstand bekommt ein Archiv, die Bundestagsabgeordneten ein Denkmal, die „Gewissensruhe“.
2002
25 Jahre nach der Standortbenennung künftig keine Wasserwerfer mehr gegen den Widerstand, Freispruch im Süschendorf-Prozess, Ver-rück-te Dörfer gegen zwölf Castorbehälter, Rechenfehler und ein Abschlussbericht des AKEnd.
2003
Betonklötze für Betonköpfe, „Fest zum Protest“, der Salzstock wird besetzt, der siebte Castor rollt. Atomausstieg: das AKW Stade geht vom Netz – aber die Endlagersuche bleibt weiter unklar.
2004
Schienensitzen ist keine Straftat, das Einkesseln rechtswidrig, Trash People in Gedelitz, eine Veränderungssperre für den Salzstock zemetiert dessen Sonderstellung. Der Castortransport im Herbst verändert alles: Sebastién wird überfahren und stirbt.
2005
25 Jahre nach der „Republik Freies Wendland“ und 10 Jahre nach dem ersten Castortransport ist die Entsorgung des Atommülls weiter ungelöst. In die Debatte um die Entsorgung des Atommülls und die Zukunft der Atomenergie kommt Bewegung, die Veränderungssperre für den Salzstock wird verlängert. Container brennen, Bauern ziehen sich aus – und im November rollt der nächste Atommüllzug ins Zwischenlager.
2006
Geologe Grimmel warnt vor Erdbeben, die CDU kann sich in Gorleben ein Untertagelabor vorstellen. „Wir sind gekommen um zu bleiben“: Castorproteste im Herbst mit einer eigenen „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ und ein Offenbarungseid von Umweltminister Sigmar Gabriel.
2007
Der Widerstand feiert 30 Jahre Protest, ein Probecastor im Sommer aber keine „heiße Fracht“ im Herbst, stattdessen Kinderkrebsstudie und G8-Gipfel in Heiligendamm.
2008
Endlager-Symposium & Probebohrungen in Hamburg, absaufende Asse-2, 1 Millionen Jahre Endlager-Sicherheit und ein nächster Castortransport im November.
2009
Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur „erkundet“, sondern ein Endlager gebaurt. „Mal so richtig abschalten“ – ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.
2010
Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.
2011
Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein „Rekord-Castor“ – der letzte, der nach Gorleben rollte.
2012
Das „Wendejahr“ mit zahlreichen Werksblockaden unter dem Motto „gorleben365“ und der zentralen Forderung zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“: Der Fleck Gorleben muss weg!
2013
Mit der „Beluga“ stellt Greenpeace in Gorleben ein Mahnmal auf, der Widerstand läuft Matrathon gegen das neue Standortauswahl-Gesetz.
2014
Die „neue Endlagersuche auf der weißen Landkarte“ beginnt – mit einem dicken Fleck: Gorleben. Immer wieder Proteste gegen die „Atommüllkommission“ der Regierung und tausende Unterschriften gegen weitere Castoren.
2015
Tausende feiern im Sommer an den Atomanlagen, Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: der „Kessel von Harlingen“ war rechtswidrig.
2016
Für 23 Milliarden Euro entledigen sich die Atomkonzerne dem Atommüll, der ab sofort uns allen „gehört“. Zahlreiche Aktionen an den Atomanlagen gegen die Endlagerpläne der Bundesregierung.
2017
Auch 40 Jahre nach der Standortbenennung ist der Widerstand „lebendig“, Betreiber der Atomanlagen wird der Bund, Castoren auf dem Neckar und letzte Befahrung des Gorleben-Schachts.
2018
Neuer Betreiber will Aus für die PKA, Langzeitlagerung von Castoren rückt in den Fokus, Kritik an der Arbeit des „Nationalen Begleitgremiums“.
2019
30 Jahre Kulturelle Landpartie, 40 Jahre nach dem Treck nach Hannover. Abriss der Schutzmauer um das Bergwerk.
2020
Im „Corona-Jahr“ wird Gorleben Ende September völlig unerwartet aus der weiteren Suche nach einem Atommülllager ausgeschlossen. Nach über 40 Jahren Protestgeschichte ist es vorbei. Im Herbst rollt der erste Castor durch Deutschland, der eigentlich nach Gorleben sollte.
2021
10 Jahre nach Fukushima hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff, nur wenige öffentliche Aktionen finden statt. Viel Kritik an Online-Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Sommer der vierte Kreuzweg von Gorleben nach Lützerath. Im Herbst das Versprechen: der Salzstock wird verfüllt.
2022
Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
2023
Doch kein Atomausstieg zum 31.12.2022 – drei Atomkraftwerke laufen über das Jahr hinaus. Der Protest geht weiter.
2024
Die BI fordert einen Transportestopp ins Fasslager und den Neubau der Zwischenlagerhalle aus Sicherheitsgründen, denn die Castoren werden noch lange hier bleiben müssen. Der „Rückbau“ des verhinderten Endlagers wird immer teurer, Ende November beginnt dann endlich das Zuschütten: 400.000to Salz kommen zurück unter die Erde. Ein Meilenstein.








