GORLEBEN-CHRONIK
Das Jahr 1992
Viel Geld für den Landkreis
15 Jahre Widerstand, Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
Januar
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Laugenzuflüsse im Bergwerk Gorleben
03.01.1992
"Jeder größere Laugenzufluß beginnt mit einem Tröpfeln und Rieseln", kommentiert BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Der "unerwartete" Laugenzufluß sei "weitaus gravierender" und eine "erneute Unregelmäßigkeit"; die DBE habe Schwierigkeiten mit dem Abdichten des Zuflusses. Diese Behauptung fußt vor allem auf der Tatsache, daß sich das Bergamt, die DBE und die Schachtbaufirma gestern zu einem Gespräch getroffen haben; eine "Krisensitzung", glaubt die BI.
Was die BI nun auch vor dem Landesumweltministerium wissen möchte: Warum seien trotz der Abdichtung und Vereisung des Untergrunds Laugenzuflüsse möglich? Das Umweltministerium müsse den Stopp der weiteren Arbeiten bis zur Klärung veranlassen. "Sollte der Schacht voll Wasser laufen, so hätten wir nichts dagegen," meint die BI, "aber holt die Leute vorher raus."
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
16.01.1992
Der innenministerielle Entwurf einer Kabinettsvorlage über Polizei-Vorgehen bei Gorleben-Blockaden sei nie mit ihm diskutiert worden, so Glogowski. Der nach BI-Meinung scharfe Ton dieses Entwurfs hatte im Vorfeld fast das Gespräch zwischen BI und Innenminister zum Scheitern gebracht. Es habe sich um "Überlegungen" der Polizeiabteilung gehandelt, die die Situation beurteilen sollte für einen damals bereits im Februar für möglich gehaltenen Castor-Transport.
Glogowski unterstreicht, dass er einen Atomausstieg wolle und es ablehne, daß Gorleben zum "Atommüll-Klo" werde. Die Möglichkeiten der Landesregierung seien dabei jedoch eingeschränkt.
Nicht nur Marianne Fritzen beschwert sich beim Glogowski-Besuch über die "besonders harte" Gangart der Polizei bei der Räumung für den Mol-Container unter rot-grüner Landesregierung.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
17.01.1992
Zur Zeit ruhen die Teufarbeiten im Schacht 1, da für etwa vier bis sechs Wochen Abdichtungsarbeiten unternommen werden müssen.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
22.01.1992
Beim Ausbau des Erkundungsschachtes I für das geplante Endlager Gorleben sind im Dezember 91 und Januar 92 in einer Tiefe zwischen 312 und 319 Metern Zuflüsse von bis zu 6 Litern Lauge je Minute aufgetreten. Die Lauge tritt aus Rissen aus, die nach Angaben der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH (DBE) auf das angewendete Gefrierverfahren beim Vorantreiben des Schachtes zurückzuführen sind. Allerdings sei man zunächst davon ausgegangen, bereits das Ende dieser "Kontraktionsrißzone" erreicht zu haben. Die Laugenzuflüsse im Dezember kamen aus bereits abgedichteten Rissen. Bis zur Abdichtung aller Risse ruhen die Abteufungsarbeiten im Schacht I. Im Schacht II, der auf über 250 Meter abgeteuft ist, traten bisher noch keine solchen Risse auf.
SPD und Grüne fordern Bundesumweltminister Töpfer (CDU) auf, nach alternativen Standorten für ein Endlager zu suchen. Die Grünen bezeichnen den Erkundungsschacht I in Gorleben als "Tropfsteinhöhle". CDU und FDP beurteilten die Risse dagegen als weniger problematisch.
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de; dpa
23.01.1992
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de; Süddeutsche Zeitung vom 23.1.92,
Februar
05.02.1992
"Gorleben ist überall hat die Bürgerinitiative einmal ausgerufen. Gorleben steht in der Wichtigkeit für uns über allem", so Jörg Janning, Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion.
Die CDU kritisiert: Vor Ort sei an den Entscheidungen "nichts mehr zu ändern".
15 Jahre Widerstand
22.02.1992
März
09.03.1992
24.03.1992
Eine "gemischte Entsorgung" wird vorgeschlagen, bei der die verbrauchten MOX-Brennelemente in größeren Abständen zwischen weniger stark strahlenden Nuklearabfällen deponiert werden, um das Endlager vor ihrer besonders hohen Wärmeabgabe zu schützen.
Diese Überlegungen stehen in klarem Gegensatz zum bisherigen Konzept, die hochradioaktiven Stoffe im Endlager Gorleben und schwach- bis mittelradioaktive Abfälle im Schacht Konrad zu entsorgen.
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de; Frankfurter Rundschau, 24.3.92
April
Mitte April
Mai
02.05.1992
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de; taz
12.05.1992
28.05.1992
"Die Mauern der Endlagerbaustelle geben die Kulisse ab für ein Hörereignis, das die vergangenen fünfzehn Jahre auf besondere Weise wiederspiegelt: Leserbriefe und Anzeigen der Elbe-Jeetzel-Zeitung werden mit einer eigens hierfür komponierten Musik zu einem Hörbild montiert, dessen inhaltlicher Bogen sich von der Standortbenennung über den legendären Treck, die Freie Republik Wendland, die Auseinandersetzung um die WAA-Draghan bis hin zum un-heilsamen Schon von Tschernobyl spannt. Die in Deutschland wohl einzigartige öffentliche Auseinandersetzung in den Leserbriefspalten einer Heimatzeitung zeichnet vor allem die Veränderung in den Köpfen nach. Sie spiegelt die Wut und die Entschlossenheit der Menschen wieder, aber auch die Spuren der Ermüdung die das Auf und Ab der Ereignisse in ihnen hinterlassen hat." (aus: Reisebegleiter 1992)
Quelle: Reisebegleiter 1992
Juni
10.06.1992
Den Wunsch der BI-Mitglieder in Sachen der Gorleben-Prozesse zu intervenieren, lehnt Schröder ab. Er sei kein absolutistischer Fürst, der einfach das Recht außer Kraft setzen könne, selbst wenn er glaube, daß die Angeklagten inhaltlich im Recht seien.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
11.06.1992
23.06.1992
25.06.1992
Quelle: ahaus - das Buch zum Castor, Verlag Klemm und Oelschläger
Juli
01.07.1992
Die GNS-Formulierungen gebe den Spekulationen Auftrieb, daß die BLG auch für Gorleben nicht nur die Aufhebung der Gesamtaktivitätsgrenze "im Schilde" führe, sondern auch an Neubauten denke, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
08.07.1992
10.07.1992
Aspekte sind u.a. die finanzielle Stillegungsvorsorge durch den Betreiber, die Privatisierung der Endlagerung sowie die Gleichrangigkeit von Wiederaufarbeitung und Endlagerung.
Jetzt müsse die Opposition Farbe bekennen, ob sie "ein modernes Atomgesetz mittragen oder ob sie an ihrem unrealistischen Ausstiegskurs festhalten will", so Töpfer.
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
August
28.08.1992
September
08.09.1992
25.09.1992
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
Oktober
19.10.1992
30 Mio. DM will man es sich kosten lassen, damit das Gebäude in einer Länge von 110 m, rund 75 m Breite und 19 m Höhe entstehen kann. Damit wird es ebenso hoch sein wie das Lager für die in Castor-Transportbehältern aufbewahrten abgebrannten Brennelemente. Das Aufnahmevolumen würde sich von jetzt 15 000 Kubikmeter auf 45 000 m3 steigern.
Die zuständigen Behörden der Bezirksregierung und die rot-grüne niedersächsische Landesregierung wurden von der geplanten Erweiterung des Zwischenlagers Gorleben offenbar überrascht. Umweltministerin Monika Griefahn bezeichnet das Projekt als "Erpressungsversuch" im Zusammenhang mit dem Genehmigungsverfahren für das Endlager Schacht Konrad.
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg sieht sich bestätigt. Wiederholt habe sie auf die Möglichkeit der Erweiterung des Zwischenlagers verwiesen, erklärt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke, die BLG habe das ständig dementiert und "uns als Spinner hingestellt". Diese "Heranschleichtaktik" und das Zuarbeiten der Gorleben-CDU unterlaufe alle Beschlüsse des Kreistages und sei zudem ein ausgesprochener Affront für das ausstiegswillige Land. Die BI erwarte daher auch ein Eingreifen der politischen Gremien.
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de; EJZ
22.10.1992
23.10.1992
November
15.11.1992
Informationsstelle Gorleben wiedereröffnet
20.11.1992
Dezember
03.12.1992
In dem Papier ist aber auch von deeskalierenden Maßnahmen die Rede: Kontakte mit Demonstranten sollen hergestellt werden, um so im Gespräch mögliche Gefahren für Sicherheit und Ordnung abzuwenden.
Aus der niedersächsischen Staatskanzlei war unterdessen zu hören, daß der Katastrophenschutz keine Genehmigungsgrundlage sein könne.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
13.12.1992
14.12.1992
16.12.1992
Dömitzer Brücke blockiert
18.12.1992
Die ganze Geschichte:
…und davor – Die Anfänge bis 1972
Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern – statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.
1973
1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.
1974
Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hat und niemanden stört, ist alles gut. Der Standort Gorleben taucht – neben vielen anderen – auf.
1975
Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.
1976
(…) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (…)
1977
Die Bedenken sind stark, doch Gorleben wird trotzdem zum Standort für den Bau eines gigantischen „Nuklearen Entsorgungszentrums“ benannt. Daraufhin finden erste Großdemonstrationen statt.
1978
Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.
1979
Im März 1979 findet der legendäre „Treck nach Hannover“ statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.
1980
Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der „Republik Freies Wendland“. Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.
1981
Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager „größer, nicht kleiner“. Doch Gegner:innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
1982
Baubeginn des Zwischenlagers wird mit Aktionen im Grenzstreifen zur DDR beantwortet, militante Eskalation beim „Tanz auf dem Vulkan“ und immer schlechtere Bohrergebnisse. Plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.
1983
Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. „Gorleben statt Kreta“ und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der „untertägigen Erkundung“ des Salzstocks Gorleben zu.
1984
„Das Vertrauen hat sehr gelitten“: Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.
1985
Ein erster leerer Probe-Castor erreicht das Wendland. Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert – und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.
1986
Baubeginn im Bergwerk Gorleben. Heftige Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und das AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.
1987
Schwerer Unfall in Schacht 1 des Bergwerks in Gorleben. „Transnuklearskandal“ betrifft auch Atommüll im Zwischenlager, Proteste gegen den Bau der PKA.
1988
Kreuzweg der Schöpfung führt von Wackersdorf nach Gorleben, Schmiergeldskandal, „Wir stellen uns quer“ – Proteste gegen den ersten Probecastor ins Zwischenlager.
1989
Das Aus für die WAA Wackersdorf, Castor-Alarm: erster hochradioaktiver Atommülltransport nach Gorleben wird wenige Stunden vor Abfahrt gerichtlich gestoppt.
1990
„Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann…“, als auf dem Bauplatz der PKA Hütten errichtet werden. Aktivist*innen besetzen im Sommer den Förderturm in Gorleben, zum Jahresende Baustopp und SPD-Versprechen.
1991
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter „Castor-Alarm“ und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
1992
Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
1993
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, „Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse“, Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer*innen.
1994
Widerstandscamp „Castornix“ und erhebliche Proteste gegen ersten Castortransport, der wegen technischer Mängel dann abgesagt wird. Weiterbau der PKA per Weisung.
1995
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion „ausrangiert“ will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
1999
„Flickschusterei“ um Atomausstieg & AkEnd, Stunkparade nach Berlin und die Ankündigung, dass sich beim nächsten Castor X-tausend Menschen querstellen werden.
2000
Defekte Brücke und unsichere Behälter verhindern Castorlieferung, Atomkonsens „alles Lüge“, denn er sichert den Weiterbetrieb der AKW und Moratorium im Salzstock.
2001
Zwei Atommülltransporte rollen nach Gorleben, einer im März, ein zweiter im November. X-tausend Menschen stellen sich quer und WiderSetzen sich. Der Betonblock von Süschendorf zwingt den Castor zum Rückwärtsgang. Der Widerstand bekommt ein Archiv, die Bundestagsabgeordneten ein Denkmal, die „Gewissensruhe“.
2002
25 Jahre nach der Standortbenennung künftig keine Wasserwerfer mehr gegen den Widerstand, Freispruch im Süschendorf-Prozess, Ver-rück-te Dörfer gegen zwölf Castorbehälter, Rechenfehler und ein Abschlussbericht des AKEnd.
2003
Betonklötze für Betonköpfe, „Fest zum Protest“, der Salzstock wird besetzt, der siebte Castor rollt. Atomausstieg: das AKW Stade geht vom Netz – aber die Endlagersuche bleibt weiter unklar.
2004
Schienensitzen ist keine Straftat, das Einkesseln rechtswidrig, Trash People in Gedelitz, eine Veränderungssperre für den Salzstock zemetiert dessen Sonderstellung. Der Castortransport im Herbst verändert alles: Sebastién wird überfahren und stirbt.
2005
25 Jahre nach der „Republik Freies Wendland“ und 10 Jahre nach dem ersten Castortransport ist die Entsorgung des Atommülls weiter ungelöst. In die Debatte um die Entsorgung des Atommülls und die Zukunft der Atomenergie kommt Bewegung, die Veränderungssperre für den Salzstock wird verlängert. Container brennen, Bauern ziehen sich aus – und im November rollt der nächste Atommüllzug ins Zwischenlager.
2006
Geologe Grimmel warnt vor Erdbeben, die CDU kann sich in Gorleben ein Untertagelabor vorstellen. „Wir sind gekommen um zu bleiben“: Castorproteste im Herbst mit einer eigenen „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ und ein Offenbarungseid von Umweltminister Sigmar Gabriel.
2007
Der Widerstand feiert 30 Jahre Protest, ein Probecastor im Sommer aber keine „heiße Fracht“ im Herbst, stattdessen Kinderkrebsstudie und G8-Gipfel in Heiligendamm.
2008
Endlager-Symposium & Probebohrungen in Hamburg, absaufende Asse-2, 1 Millionen Jahre Endlager-Sicherheit und ein nächster Castortransport im November.
2009
Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur „erkundet“, sondern ein Endlager gebaurt. „Mal so richtig abschalten“ – ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.
2010
Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.
2011
Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein „Rekord-Castor“ – der letzte, der nach Gorleben rollte.
2012
Das „Wendejahr“ mit zahlreichen Werksblockaden unter dem Motto „gorleben365“ und der zentralen Forderung zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“: Der Fleck Gorleben muss weg!
2013
Mit der „Beluga“ stellt Greenpeace in Gorleben ein Mahnmal auf, der Widerstand läuft Matrathon gegen das neue Standortauswahl-Gesetz.
2014
Die „neue Endlagersuche auf der weißen Landkarte“ beginnt – mit einem dicken Fleck: Gorleben. Immer wieder Proteste gegen die „Atommüllkommission“ der Regierung und tausende Unterschriften gegen weitere Castoren.
2015
Tausende feiern im Sommer an den Atomanlagen, Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: der „Kessel von Harlingen“ war rechtswidrig.
2016
Für 23 Milliarden Euro entledigen sich die Atomkonzerne dem Atommüll, der ab sofort uns allen „gehört“. Zahlreiche Aktionen an den Atomanlagen gegen die Endlagerpläne der Bundesregierung.
2017
Auch 40 Jahre nach der Standortbenennung ist der Widerstand „lebendig“, Betreiber der Atomanlagen wird der Bund, Castoren auf dem Neckar und letzte Befahrung des Gorleben-Schachts.
2018
Neuer Betreiber will Aus für die PKA, Langzeitlagerung von Castoren rückt in den Fokus, Kritik an der Arbeit des „Nationalen Begleitgremiums“.
2019
30 Jahre Kulturelle Landpartie, 40 Jahre nach dem Treck nach Hannover. Abriss der Schutzmauer um das Bergwerk.
2020
Im „Corona-Jahr“ wird Gorleben Ende September völlig unerwartet aus der weiteren Suche nach einem Atommülllager ausgeschlossen. Nach über 40 Jahren Protestgeschichte ist es vorbei. Im Herbst rollt der erste Castor durch Deutschland, der eigentlich nach Gorleben sollte.
2021
10 Jahre nach Fukushima hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff, nur wenige öffentliche Aktionen finden statt. Viel Kritik an Online-Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Sommer der vierte Kreuzweg von Gorleben nach Lützerath. Im Herbst das Versprechen: der Salzstock wird verfüllt.
2022
Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
2023
Doch kein Atomausstieg zum 31.12.2022 – drei Atomkraftwerke laufen über das Jahr hinaus. Der Protest geht weiter.
2024
Die BI fordert einen Transportestopp ins Fasslager und den Neubau der Zwischenlagerhalle aus Sicherheitsgründen, denn die Castoren werden noch lange hier bleiben müssen. Der „Rückbau“ des verhinderten Endlagers wird immer teurer, Ende November beginnt dann endlich das Zuschütten: 400.000to Salz kommen zurück unter die Erde. Ein Meilenstein.








