GORLEBEN-CHRONIK
Das Jahr 1991
Mol-Skandal & Baustopp
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter "Castor-Alarm" und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
Januar
14.01.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
Februar
06.02.1991
Angekündigt hatte der Widerstand für den Mittwochmorgen eine Blockade des PKA-Baugeländes, wie sie seit geraumer Zeit an jedem 6. eines Monats veranstaltet wird. Die Bauplatzbesetzung kam für Wachleute und Polizei offensichtlich völlig überraschend.
Wolfgang Ehmke Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, bekundet, daß der Widerstand allmählich ungeduldig werde in Bezug auf die Umsetzung der von der rot-grünen Landesregierung angekündigten Maßnahmen zur Verhinderung der PKA.
Die Besetzer:innen zeigen auch Verbindungen zum Golfkrieg auf: Sobald hochradioaktive Brennelemente in Gorleben lagern, heißt es in einer Erklärung, genüge ein Bombenangriff oder Flugzeugabsturz, "um ganz Lüchow-Dannenberg unbewohnbar zu machen".
20.02.1991
21.02.1991
21.02.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
März
06.03.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
08.03.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
19.03.1991
Am frühen Morgen fahren sieben Bergleute zu routinemäßigen Wartungsarbeiten mit einem Kübel in den Schacht 1 des Endlager-Erkundungsbergwerkes ein, als plötzlich irgendwo im oberen Schachtteil der den Kübel leitende Führungsschlitten wegen Eisbildung festklebt und hängenbleibt, sich wieder löst, am Förderseil herunterrutscht und beim harten Aufprall am regulären Aufsatzpunkt einige Teile des Schlittens in den Kübel fallen. Ein Arbeiter erleidet Prellungen, der andere einen Schlüsselbeinbruch. Die Wartungsarbeiten an der Abteufvorrichtung seien wenige Stunden später wiederaufgenommen worden, so der Betreiber BfS.
Quelle: Elbe Jeetzel Zeitung
20.03.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 20.3.1991
20.03.1991
Mehr als bestätigt sieht sich die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg in ihrer Kritik an der Art der geplanten Umkonditionierung der in Gorleben zwischengelagerten Atommüllfässer durch den anhaltenden Expertenstreit um dieses Verfahren. Die Fässer, die entweder bei der Gesellschaft für Nuklearservice in Duisburg oder, bei Zweifel an ihrem Inhalt sowie Verbindung zum Transnuklear-Skandal, in einem Kernforschungszentrum umverpackt werden sollen, stehen nach wie vor in Gorleben.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 20.3.1991
22.03.1991
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
30.03.1991
Die Untersuchungen ergaben, daß der Kübel etwa fünf Meter tief auf seinen üblichen Sitz oberhalb des Kübels gefallen sein muß. Bei dem Aufprall brachen Teile des Schlittens ab; einige stürzten in den Kübel, in dem sich sieben Bergleute befanden. Vorkommnisse dieser Art habe es bisher beim Abteufen der Schächte noch nicht gegeben, so Florl. Um eine Wiederholung auszuschließen, wurden jetzt mechanische Kontrollvorrichtungen installiert.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
April
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Baustopp in Schacht 1
24.04.1991
Mai
09.05.1991
Quelle: Reisebegleiter 1991
15.05.1991
30.05.1991
Juni
06.06.1991
06.06.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
Blockade von MOL-Fässern
14.06.1991
Nicht im Zwischenlager in Gorleben, sondern in der Polizeikaserne in Lüchow endet vorerst der Transport von drei Containern mit schwachradioaktiven Abfällen. Einer dieser Behälter, der aus dem niederländischen Mol, enthält Reste des Skandalmaterials der aufgelösten Hanauer Transportfirma Transnuklear. Das niedersächsische Umweltministerium stoppt den Transport und beschlagnahmt den Mol-Container, weil die Herkunft und Zusammensetzung nicht geklärt ist. Die beiden anderen Container kommen aus Jülich.
Das Material sei bereits in Mol sortiert, zum Teil verbrannt gewesen, bevor der TÜV zur Kontrolle dazugekommen sei, heißt es aus dem Ministerium. Den Kontrolleuren sei lediglich versichert worden, es handele sich um Müll, wie er typisch sei für deutsche Atomkraftwerke. Genauer sei die Herkunft nicht angegeben worden. GNS und BLG hatten behauptet, daß es schwachradioaktiver Abfall aus Krümmel und Neckarwestheim sei.
Ab 6 Uhr blockieren Aktivist:innen am Zwischenlager in Gorleben mit Fahrzeugen die Zufahrt, da war der Transport aber schon in Lüchow angekommen. Ab Schulanfang blockieren daraufhin zeitweilig knapp hundert Schüler:innen die Zufahrt zur Polizeiunterkunft an der Saaßer Chaussee in Lüchow.
16.06.1991
200 Menschen und Trecker blockieren die Zufahrten zum Zwischenlager. Die drei Transport-LKW werden kurzfristig in der Polizeikaserne Lüchow untergestellt.
Quelle: u.a. ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
17.06.1991
"Diese Weisung schafft kein Vertrauen für die Aufarbeitung der Altlast aus dem Transnuklearskandal", so Landesumweltministerin Monika Griefahn auf die Weisung aus Bonn, nachdem es am Wochenende in der Bundeshauptstadt stundenlange Debatten bei diesem Streit zwischen Bund und Land gab. Ganz offensichtlich, so Griefahn, lasse sich die Herkunft der Abfälle aus Mol nicht eindeutig nachweisen, ansonsten hätte Töpfer nicht zum Mittel der Weisung gegriffen.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
17.06.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
17.06.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 18.6.1991
17.06.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 18.6.1991
17.06.1991
Neben dem Schutz ihrer Kinder wollen die Eltern ihre Maßnahme auch als Protest verstanden wissen: dagegen, daß der Kompetenzenstreit zwischen Bundesumweltministerium und Landesregierung auf dem Rücken der Grundschüler ausgetragen wird.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung vom 18.6.1991
18.06.1991
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
18.06.1991
Woher dieser Atommüll stamme, lasse sich "vermutlich nicht nachweisen", so Eva-Maria Rexing, Sprecherin des Landesumweltministeriums.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
Gewaltsame Räumung für Mol-Container
18.06.1991
Um 9.13 Uhr erscheinen vier Hundertschaften in Gorleben – ohne Helm, ohne Schutzschilde. Das Bemühen die Situation so "sanft" wie möglich zu bereinigen, ist durchaus zu spüren.
Gegen 9.45 Uhr ist die Auffahrt zum PKA-Gelände freigeräumt, die über Rondel und Meetschow angerollten Container hätten aufs Gelände gebracht werden können. Die Polizei hatte die weniger verbarrikadierte PKA-Auffahrt gegenüber der Zwischenlager-Einfahrt favorisiert.
Gegen 10.00 Uhr strömen Atomkraftgegner:innen durch den Wald zu dem Konvoi und setzen sich zwischen die Fahrzeuge auf die Straße. Der Bremsschlauch des ersten Fahrzeuges wird durchtrennt. Die Polizei setzt Diensthunde ein, es kommt immer wieder zu neue Sitzblockaden, Räumungen, Aggressionen, Tritte.
Erst um 11.30 Uhr rollt der erste Container auf das PKA-Gelände. Erneut kommt es zu Blockaden der zwei weiteren LKW. Der Notarztwagen fährt mehrmals.
Um 12.25 Uhr gelangen die beiden letzten Transporter auf das PKA-Gelände, von dort aus weiter ins Zwischenlager.
Mehrere Menschen werden verletzt. Eine Atomkraftgegnerin musste nach einem Tritt in den Rücken per Hubschrauber abtransportiert werden, eine andere Blockiererin habe einen Tritt ins Gesicht bekommen. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke sieht, wie Blockierer "getreten und gewürgt" werden. Ehmke äußert den Verdacht, daß das Einsatzkommando das Innenministerium gar blamieren wollte. Dennoch habe man sich auf Seiten des Widerstands gefreut, daß der Konvoi vor Ort noch einmal gestoppt wurde.
Polizei-Einsatzleiter Horst Heitmann spricht von einer "schlimmen Situation", bei der die Beamten mit Faustschlägen traktiert worden seien.
"Für das, was hier heute passiert ist, trägt Töpfer die Verantwortung", so Grünen-MdL Hannes Kempmann.
Vor Journalisten erklärt Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder am Nachmittag, der Einsatz sei der "real existierenden Kumpanei zwischen der Bundesregierung und der Atomlobby" zu verdanken. Die Weisung Töpfers sei eine merkwürdige und unseriöse Weise, den Skandal um die ehemalige Hanauer Transportfirma Trans- nuklear aufzuarbeiten, indem er Niedersachsen zum Atomklo mache.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
21.06.1991
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
Juli
13.07.1991
Quelle: Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Mitte Juli
16.07.1991
Das Gericht sieht die Rechte zweier Nachbarn, eines Waldbesitzers und eines Fischers, durch den Rahmenbetriebsplan nicht verletzt. Beide hatten auf Gefährdungen verwiesen, die auf sie als Nachbarn der geplanten Salzhalde zukommen könnten. Der Waldbesitzer wandte sich außerdem gegen die Stollen, die im Salzstock unter seinem Grundstück geplant, bislang aber noch verwirklicht sind. "Salz ist lebensfeindlich", erkannte dazu das Gericht. Ob und in welchem Maße die Rechte der Kläger durch die geplante Salzhalde verletzt würden, könnten aber erst die einzelnen Haupt- und Sonderbetriebspläne zeigen. Der Waldbesitzer habe auch kein Recht, das Projekt zu stoppen, solange die unterirdischen Gänge vor seinem Grundstück enden.
Quelle: u.a. ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
25.07.1991
25.07.1991
25.07.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
August
27.08.1991
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
September
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
Anfang September
Oktober
06.10.1991
14.10.1991
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de, FR
18.10.1991
Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de, dpa
November
05.11.1991
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung
15.11.1991
Die ganze Geschichte:
…und davor – Die Anfänge bis 1972
Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern – statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.
1973
1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.
1974
Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hat und niemanden stört, ist alles gut. Der Standort Gorleben taucht – neben vielen anderen – auf.
1975
Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.
1976
(…) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (…)
1977
Die Bedenken sind stark, doch Gorleben wird trotzdem zum Standort für den Bau eines gigantischen „Nuklearen Entsorgungszentrums“ benannt. Daraufhin finden erste Großdemonstrationen statt.
1978
Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.
1979
Im März 1979 findet der legendäre „Treck nach Hannover“ statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.
1980
Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der „Republik Freies Wendland“. Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.
1981
Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager „größer, nicht kleiner“. Doch Gegner:innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
1982
Baubeginn des Zwischenlagers wird mit Aktionen im Grenzstreifen zur DDR beantwortet, militante Eskalation beim „Tanz auf dem Vulkan“ und immer schlechtere Bohrergebnisse. Plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.
1983
Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. „Gorleben statt Kreta“ und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der „untertägigen Erkundung“ des Salzstocks Gorleben zu.
1984
„Das Vertrauen hat sehr gelitten“: Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.
1985
Ein erster leerer Probe-Castor erreicht das Wendland. Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert – und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.
1986
Baubeginn im Bergwerk Gorleben. Heftige Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und das AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.
1987
Schwerer Unfall in Schacht 1 des Bergwerks in Gorleben. „Transnuklearskandal“ betrifft auch Atommüll im Zwischenlager, Proteste gegen den Bau der PKA.
1988
Kreuzweg der Schöpfung führt von Wackersdorf nach Gorleben, Schmiergeldskandal, „Wir stellen uns quer“ – Proteste gegen den ersten Probecastor ins Zwischenlager.
1989
Das Aus für die WAA Wackersdorf, Castor-Alarm: erster hochradioaktiver Atommülltransport nach Gorleben wird wenige Stunden vor Abfahrt gerichtlich gestoppt.
1990
„Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann…“, als auf dem Bauplatz der PKA Hütten errichtet werden. Aktivist*innen besetzen im Sommer den Förderturm in Gorleben, zum Jahresende Baustopp und SPD-Versprechen.
1991
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter „Castor-Alarm“ und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
1992
Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
1993
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, „Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse“, Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer*innen.
1994
Widerstandscamp „Castornix“ und erhebliche Proteste gegen ersten Castortransport, der wegen technischer Mängel dann abgesagt wird. Weiterbau der PKA per Weisung.
1995
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion „ausrangiert“ will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
1999
„Flickschusterei“ um Atomausstieg & AkEnd, Stunkparade nach Berlin und die Ankündigung, dass sich beim nächsten Castor X-tausend Menschen querstellen werden.
2000
Defekte Brücke und unsichere Behälter verhindern Castorlieferung, Atomkonsens „alles Lüge“, denn er sichert den Weiterbetrieb der AKW und Moratorium im Salzstock.
2001
Zwei Atommülltransporte rollen nach Gorleben, einer im März, ein zweiter im November. X-tausend Menschen stellen sich quer und WiderSetzen sich. Der Betonblock von Süschendorf zwingt den Castor zum Rückwärtsgang. Der Widerstand bekommt ein Archiv, die Bundestagsabgeordneten ein Denkmal, die „Gewissensruhe“.
2002
25 Jahre nach der Standortbenennung künftig keine Wasserwerfer mehr gegen den Widerstand, Freispruch im Süschendorf-Prozess, Ver-rück-te Dörfer gegen zwölf Castorbehälter, Rechenfehler und ein Abschlussbericht des AKEnd.
2003
Betonklötze für Betonköpfe, „Fest zum Protest“, der Salzstock wird besetzt, der siebte Castor rollt. Atomausstieg: das AKW Stade geht vom Netz – aber die Endlagersuche bleibt weiter unklar.
2004
Schienensitzen ist keine Straftat, das Einkesseln rechtswidrig, Trash People in Gedelitz, eine Veränderungssperre für den Salzstock zemetiert dessen Sonderstellung. Der Castortransport im Herbst verändert alles: Sebastién wird überfahren und stirbt.
2005
25 Jahre nach der „Republik Freies Wendland“ und 10 Jahre nach dem ersten Castortransport ist die Entsorgung des Atommülls weiter ungelöst. In die Debatte um die Entsorgung des Atommülls und die Zukunft der Atomenergie kommt Bewegung, die Veränderungssperre für den Salzstock wird verlängert. Container brennen, Bauern ziehen sich aus – und im November rollt der nächste Atommüllzug ins Zwischenlager.
2006
Geologe Grimmel warnt vor Erdbeben, die CDU kann sich in Gorleben ein Untertagelabor vorstellen. „Wir sind gekommen um zu bleiben“: Castorproteste im Herbst mit einer eigenen „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ und ein Offenbarungseid von Umweltminister Sigmar Gabriel.
2007
Der Widerstand feiert 30 Jahre Protest, ein Probecastor im Sommer aber keine „heiße Fracht“ im Herbst, stattdessen Kinderkrebsstudie und G8-Gipfel in Heiligendamm.
2008
Endlager-Symposium & Probebohrungen in Hamburg, absaufende Asse-2, 1 Millionen Jahre Endlager-Sicherheit und ein nächster Castortransport im November.
2009
Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur „erkundet“, sondern ein Endlager gebaurt. „Mal so richtig abschalten“ – ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.
2010
Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.
2011
Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein „Rekord-Castor“ – der letzte, der nach Gorleben rollte.
2012
Das „Wendejahr“ mit zahlreichen Werksblockaden unter dem Motto „gorleben365“ und der zentralen Forderung zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“: Der Fleck Gorleben muss weg!
2013
Mit der „Beluga“ stellt Greenpeace in Gorleben ein Mahnmal auf, der Widerstand läuft Matrathon gegen das neue Standortauswahl-Gesetz.
2014
Die „neue Endlagersuche auf der weißen Landkarte“ beginnt – mit einem dicken Fleck: Gorleben. Immer wieder Proteste gegen die „Atommüllkommission“ der Regierung und tausende Unterschriften gegen weitere Castoren.
2015
Tausende feiern im Sommer an den Atomanlagen, Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: der „Kessel von Harlingen“ war rechtswidrig.
2016
Für 23 Milliarden Euro entledigen sich die Atomkonzerne dem Atommüll, der ab sofort uns allen „gehört“. Zahlreiche Aktionen an den Atomanlagen gegen die Endlagerpläne der Bundesregierung.
2017
Auch 40 Jahre nach der Standortbenennung ist der Widerstand „lebendig“, Betreiber der Atomanlagen wird der Bund, Castoren auf dem Neckar und letzte Befahrung des Gorleben-Schachts.
2018
Neuer Betreiber will Aus für die PKA, Langzeitlagerung von Castoren rückt in den Fokus, Kritik an der Arbeit des „Nationalen Begleitgremiums“.
2019
30 Jahre Kulturelle Landpartie, 40 Jahre nach dem Treck nach Hannover. Abriss der Schutzmauer um das Bergwerk.
2020
Im „Corona-Jahr“ wird Gorleben Ende September völlig unerwartet aus der weiteren Suche nach einem Atommülllager ausgeschlossen. Nach über 40 Jahren Protestgeschichte ist es vorbei. Im Herbst rollt der erste Castor durch Deutschland, der eigentlich nach Gorleben sollte.
2021
10 Jahre nach Fukushima hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff, nur wenige öffentliche Aktionen finden statt. Viel Kritik an Online-Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Sommer der vierte Kreuzweg von Gorleben nach Lützerath. Im Herbst das Versprechen: der Salzstock wird verfüllt.
2022
Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
2023
Doch kein Atomausstieg zum 31.12.2022 – drei Atomkraftwerke laufen über das Jahr hinaus. Der Protest geht weiter.
2024
Die BI fordert einen Transportestopp ins Fasslager und den Neubau der Zwischenlagerhalle aus Sicherheitsgründen, denn die Castoren werden noch lange hier bleiben müssen. Der „Rückbau“ des verhinderten Endlagers wird immer teurer, Ende November beginnt dann endlich das Zuschütten: 400.000to Salz kommen zurück unter die Erde. Ein Meilenstein.











