2020 - Gorleben ist raus!

1. Januar 2020: Das Verantwortung für das Zwischenlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll (Fasslager) geht - gegen Geld - an den Staat über. Die Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ) ist künftig Betreiber.

Frühjahr: Die Corona-Pandemie sorgt in vielen Lebensbereichen, so auch im Widerstand, für den Ausnahmezustand. Demos und Konferenzen können nicht stattfinden, das BI-Büro als auch der Gorleben Archiv schließen über Wochen für den Besucherverkehr.

Ende März: Der erste Rücktransport mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield sollte stattfinden, das Ziel: Biblis. Auch Aktivist*innen aus dem Wendland beteiligen sich an Protesten. Der Termin wird aber von Innenminister Horst Seehofer wegen der Corona-Infektionsgefahr für die 6.500 Begleit-Polizist*innen abgesagt.

28. September: Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) gibt bekannt, dass der Salzstock in Gorleben nicht als Standort für ein deutsches Endlager für hochradioaktiven Atommüll infrage kommt:

"Der Salzstock Gorleben ist nach Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien gemäß § 24 StandAG kein Teilgebiet geworden. Damit greift die Regelung des § 36 Abs. 1 S. 5 Nr.1 StandAG wonach der Salzstock Gorleben aus dem Verfahren ausscheidet", heißt es im Zwischenbericht der BGE, der bundesweit 90 weiter zu prüfende Gebiete ausweist.

Es ist vorbei.

29. September: Das Erkundungsbergwerk Gorleben soll dauerhaft geschlossen werden, teilt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mit. Eine andere Verwendung etwa zur Lagerung von Abfällen plant die BGE für Gorleben nicht. Es werden nun ein sogenannter Abschlussbetriebsplan erstellt.

"Wir haben Geschichte geschrieben"

Nach dem Ausscheiden Gorlebens bei der weiteren Endlagersuche feiern am 4. Oktober rund 2.000 Menschen, umrahmt von vielen Traktoren der Bäuerlichen Notgemeinschaft, den politischen Erfolg an den Atomanlagen in Gorleben.

„In den über 40 Jahren hat sich gezeigt, wie fundamental wichtig außerparlamentarisches Engagement ist, sagte Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. „Erst kippten die Pläne, eine Plutoniumfabrik im Wendland, schließlich in der BRD zu errichten, der Atomausstieg ist so gut wie besiegelt. Die Castortransporte sind gestoppt und nun hat die Wissenschaft gepunktet, das Endlagerprojekt hätte schon längst aufgeben werden müssen. Wir haben Geschichte geschrieben. Wissenschaftsbasiert ist nun der bisherige Standort aus dem Endlagersuchverfahren ausgeschieden.“

Am 27. Oktober startet im britischen Sellafield der erste Castortransport mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung, der eigentlich für Gorleben bestimmt war. Ziel ist das Zwischenlager im hessischen Biblis, das am 4. November erreicht wird. Ein großes Polizeiaufgebot begleitet die Fracht, die inmitten eines zweiten Corona-Lockdowns durch Deutschland rollt. Die Proteste fallen verhalten aus.