Zum Inhalt springen

Gorleben-Chronik

2011 - Fukushima & Rekord-Castor

Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein "Rekord-Castor" - der letzte, der nach Gorleben rollte.

14.2.2011 - Röttgen in Hitzacker, Bild: J. Becker

Am 27. Januar werden Aktivist*innen, die im französischen Caen einen Castorzug nach Gorleben aufgehalten haben, zu Freiheits- und Geldstrafen verurteilt.

Marianne Fritzen sagt am 31. Januar vor dem Parlamentarischen Untersuchungsauschuss (PUA) Gorleben aus.

Ulrich Schneider kommt in einem am 7. Februar veröffentlichten Gutachten für Greenpeace zu dem Ergebnis, dass im Salzstock Gorleben Gaseinschlüsse vorhanden sind und darunter Gasvorkommen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hält am nächsten Castor-Transport nach Gorleben im November 2011 fest. Das sagte er am 8. Februar in Hannover.

"Wir haben nicht damit gerechnet, dass Röttgen uns eine Atompause verschafft", reagiert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) und kündigt Massenprotest an.

"Wenn Politiker nicht den Mut haben, aus Fehlern zu lernen, müssen die Gerichte sie stoppen": Anwohner aus Gorleben ziehen am 11. Februar gemeinsam mit Greenpeace gegen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben als mögliches Atomendlager vor Gericht. Mit dabei ist der Grundbesitzer Fried Graf von Bernstorff, dessen Familie große Teile des Salzstocks gehören. Mit der Klage soll der sofortige Stopp der Untersuchungen und Bauarbeiten im Salzstock erreicht werden.

An einem bundesweiten Protesttag entlang der Castorstrecke von Karlsruhe bis Greifswald beteiligen sich am 13. Februar an mehr als 22 Orten rund 3000 Menschen um gegen den anstehenden Atommülltransport ins Zwischenlager Nord zu protestieren.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) besucht am 14. Februar eine Sitzung des Kreistags Lüchow-Dannenberg im Verdo Hitzacker und bietet erneut den "Gorleben-Dialog" an. Die Mehrheit des Kreistags, in der "Gruppe X" zusammengeschlossen, lehnt das Angebot in einer Grundsatzerklärung ab. Der Widerstand bereitet dem Minister einen unfreundlichen Empfang vor und im Sitzungssaal der öffentlichen Kreistagssitzung. Im Hafen von Hitzacker ankert das Greenpeace-Schiff "Beluga 2".

17.2.2011 - Blockadeaktion von Castorzug Karlsruhe-Lubmin, Bild: contratom

Am 16. Februar findet ein weiterer Castortransport in das Zwischenlager Greifwald-Lubmin statt. Schon vor Beginn des Transports ketten sich Greenpeace-Aktivist*innen rund neun Stunden lang direkt vor dem Absender der "Atomsuppe", der ehemaligen Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, an die Gleise. Im weiteren Verlauf des Transports blockieren u.a. 25 Atomkraftgegner*innen aus dem Wendland den Transport von fünf Castorbehältern mit hochradioaktiven Abfällen auf seiner in das Zwischenlager Nord bei Lubmin hinter Ludwigslust. Mit einem Transparent und Leuchtfackeln gehen sie gegen 22.00 Uhr bei der Ortschaft Rastow auf die Gleise und sorgen für einen 40 minütigen Zwangsstopp.

"Wir protestieren gegen sinnlose Atommüllverschiebung, denn es gibt keine Lösung für den Atommüll", so Bernd Ebeling von contrAtom. "Der Abfall aus der gescheiterten Wiederaufarbeitunganlage Karlsruhe gehört nicht nach Lubmin, denn dort kann er auch nicht bleiben."

Mehrere Atomkraftgegner aus dem Wendland sollen in der Polizeikaserne in Lüchow erkennungs- dienstlich behandelt werden. Das Verwaltungsgericht Lüneburg hat die Beschwerde dagegen abgelehnt. Ausgerechnet am 22. Februar, dem 34. Jahrestag der Standortbenennung sollen die Leute dort erscheinen. Um nicht zwangsweise vorgeführt zu werden, gehen zwei Anti-Atom-Aktivisten freiwillig in die Polizeikaserne Lüchow.

Am 23. Februar wird eine statistische Studie veröffentlicht, die zu dem Schluss kommt, dass - wie um alle Atomanlagen - auch um das Zwischenlager Gorleben deutlich weniger Mädchen als Jungen geboren werden. Eine Kontrollstudie des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts bestätigt die Studie. Ralf Kusmierz erklärt in seiner Studie, er gehe davon aus, dass dies auf Strahlenwirkung zurückzuführen sei.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Gorleben-Gebets übernehmen Muslime die Gestaltung des am 10. März.

Fukushima

Ein Erdbeben und die dadurch ausgelöste Flutwelle richtet am 11. März an der Ostküste Japans zu enormen Verwüstungen an und fordert schätzungsweise über 20.000 Tote. Dabei werden auch das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi schwer beschädigt. Wegen Ausfalls der Kühleinrichtungen kommt es in den Reaktoren und Abklingbecken teilweise zur Kernschmelze der Brennstäbe mit Freisetzung von Radioaktivität. Vier der sechs Siedewasserreaktoren werden irreparabel zerstört. Es handelt sich um den weltweit schlimmsten Atomunfall seit Tschernobyl - mit nicht absehbaren Folgen.

Am 12. März kommt es in Block 1 zu einer Knallgas-Explosion, die den oberen Teil des Reaktorgebäudes wegsprengt. Am 14. März folgen ähnliche Explosionen in den Blöcken 3 und 4, die ebenfalls die Reaktorgebäude beschädigen. Eine weitere Wasserstoff-Explosion ereignet sich am 15. März in Block 2, wobei zwar das Reaktorgebäude standhält, aber die innere Hülle des Containments beschädigt wird. In großen Mengen wird mit Bor vesetztes Meerwasser in die Meiler gepumpt, um es in noch intakte Teile des Kühlsystems einzuleiten. Die Abklingbecken werden von außen aus Wasserwerfern besprüht.

Die japanischen Behörden beschwichtigen die dramatischen Ereignisse und begnügten sich damit, die Bevölkerung in einem Umkreis von zwanzig Kilometern um die Anlage zu evakuieren.

atomunfall.jpg__640x316_q85_subsampling-2

Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg demonstrieren am 12. März im Angesicht des Super-GAU von Fukushima 60.000 Menschen mit einer Menschenkette zwischen Stuttgart und dem AKW Neckarwestheim gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke.

Unter dem Slogan "Fukushima ist überall - Atomanlagen sofort abschalten" strömen am 13. März 400 Menschen durch die geöffneten Tore auf das Gelände des "Erkundungsbergwerks" in Gorleben und bilden eine Menschenkette um die Schachtanlage.

Am 14. März verkündet die Bundesregierung ein "dreimonatiges Moratorium": die sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke müssen abgeschaltet werden und eine Sicherheitsüberprüfung aller Anlagen durchgeführt werden. "Neckarwestheim I wird abgeschaltet, dauerhaft, und stillgelegt", versichert der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) am 15. März. Die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) äußert sich am selben Tag, daß auch Biblis A "mit großer Wahrscheinlichkeit" nicht mehr in Betrieb genommen werde. Als möglicher Kandidat für eine endgültige Stillegung ist außerdem Isar 1 im Gespräch.

Fukushima ist überall - Atomausstieg jetzt!

Am 14. März nehmen mehr als 100.000 Menschen in mehr als 450 Städten an Anti-Atom-Mahnwachen und Demonstrationen teil, u.a. in Dannenberg und Lüneburg.

Eine Eilumfrage im Auftrag der ARD zeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland einen sofortigen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie wollen.

In einer Regierungserklärung vor dem Bundestag sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 17. März: "Die Katastrophe in Japan hat ein geradezu apokalyptisches Ausmaß, und es fehlen die Worte." Obwohl ihre Regierung erst vor kurzem eine Verlängerung der Laufzeiten für sämtliche 17 deutschen AKW um bis zu 14 Jahre durchgedrückt hatte, rechtfertigt Merkel jetzt die angeordnete Abschaltung der sieben ältesten Meiler. Durch die Reaktorkatastrophe in Japan sei hinsichtlich der Sicherheitsanforderungen an die deutschen AKW eine "veränderte Lage" entstanden, die zum Handeln zwinge. "Die unfaßbaren Ereignisse in Japan lehren uns, daß etwas, was nach allen wissenschaftlichen Maßstäben für unmöglich gehalten wurde, doch möglich werden konnte", so Merkel. Die bisherige Atompolitik von schwarz-gelb sei aber richtig gewesen.

"Das Leid in Japan zu instrumentalisieren, um hier in Deutschland eine Debatte über die Folgen einer falschen Politik nicht führen zu müssen, das wird nicht gehen, und das wird Ihnen auch die Bevölkerung nicht durchgehen lassen", so Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit Blick auf die erheblichen Proteste in der Öffentlichkeit gegen die Laufzeitverlängerungen.

"Wir erleben gerade das Ende des Atomzeitalters",  so der frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Am 21. März nehmen bundesweit insgesamt 170.000 Menschen an Anti-Atom-Mahnwachen unter dem Motto "Fukushima ist überall - Atomausstieg jetzt" teil, auch in Dannenberg, Hitzacker, Gartow und Lüchow. Seitdem finden dort jeden Montag um 18.00 Uhr Mahnwachen statt.

Als weitere Konsequenz aus der Nuklearkatastrophe kündigt Bundeskanzlerin Angela Merkel am 22. März die Einsetzung einer "Ethik-Kommission" ein, die sich mit Fragen der nuklearen Sicherheit und eines "Ausstiegs mit Augenmaß" befassen solle.

Die 27 Staats- und Regierungschefs der EU beschließen am 25. März bei einem Gipfeltreffen in Brüssel unter anderem, die Sicherheit aller Atomanlagen der EU "mittels einer umfassenden und transparenten Risiko- und Sicherheitsbewertung" prüfen zu lassen. Diese "Stresstests" bleiben jedoch freiwillig.

Am 26. März finden Großkundgebungen und Demos in München, Köln, Berlin und Hamburg statt. In Hamburg treffen sich etliche 10.000 Menschen, darunter auch viele Wendländer, die mit Bussen, Bahnen und Motorrädern nach Hamburg gekommen sind. Das Motto: "Abschalten!" In ganz Deutschland protestieren an dem Tag mehr als 250.000 Menschen.

Das Bundesverfassungsgericht bestätigt Ende März in einem Urteil, dass Sitzblockaden ein Teil des durch das Demonstrationsrecht abgedeckten Protestverhaltens sind.

Obwohl noch keine Transportgenehmigung vorliegt, werden im April die ersten Behälter für den 13. Castor-Transport nach Gorleben bereits in La Hague beladen.

Unter dem Motto "Gorleben raus - AKWs aus!" ziehen am 2. April etwa 2.000 Menschen und 50 Traktoren in einem Demonstrationszug von Gedelitz nach Gorleben.

"Es ist nicht die Frage, ob wir aus der Atomkraft aussteigen, sondern wie und unter welchen Bedingungen". So eröffnet der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer als Vorsitzender am 28. April die von Bundeskanzlerin Angela Merkel einberufenen Ethikkommission "Sichere Energieversorgung". Rund 50 Interessierte verfolgen die übertragene Diskussion live an der Freundschaftshütte nahe des Gorlebener Zwischenlagers.

"Nach den Ereignissen in Fukushima überrascht es nicht, dass der Atomausstieg jetzt Fahrt aufnimmt", so Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, die zum Public Viewing geladen hatte. "Aber ob Merkels politische Rechenspiele aufgehen, das bleibt noch abzuwarten." Denn Ehmke vermutet hinter dem dreimonatigen Nichtverlängerungs-Moratorium immer noch das klare Kalkül, dass der Protest gegen Atomkraftwerke abflauen wird. "Doch da täuscht sich Frau Merkel", so Ehmke weiter. "Wir bleiben wachsam. Denn da die Atommüllfrage bis jetzt ausgeklammert bleibt, befürchten wir, dass ein womöglich schneller Atomausstieg um den Preis ausgehandelt wird, dass wir die 'Kröte Gorleben' schlucken sollen."

Am 28. April trifft eine Gruppe aus Minsk am Zwischenlager in Gorleben ein, die mit eindringlichen Worten anmahnte, die Debatte um den Atomausstieg wirklich ethisch zu führen und nicht nach technischen Kriterien. "Viele von uns sind krank - krank durch den GAU von Tschernobyl", so Prof. Irina Gruschewaja als Sprecherin der Gruppe, die auf Einladung der Gemeinnützigen belarussischen Stiftung die "Kinder von Tschernobyl" ins Wendland gekommen war. Mit Bildern kranker oder bereits verstorbener Angehöriger und Freunde mahnt die 30-köpfige Gruppe am Gorlebener Zwischenlager dazu, sich mehr dem menschlichen Elend der Folgen des GAUs von Tschernobyl zu widmen. (wendland-net.de)

Atomausstieg bis Ende 2022

Union und FDP verständigen sich in der Nacht zum 30. Mai darauf, bis Ende 2022 vollständig aus der Atomenergie auszusteigen. Die vom "Moratorium" betroffenen sieben ältesten AKW sowie Krümmel sollen nicht mehr ans Netz gehen. Die Koalition zieht damit den abrupten Kurswechsel in der Atompolitik, den die Bundeskanzlerin nach der Katastrophe von Fukushima verkündete, konsequent durch.

CSU-Chef Horst Seehofer verkündet am 30. Mai, dass künftig deutschlandweit nach ein Atommüll-Endlager gesucht werden solle. Alle geologischen Aspekte sollten noch einmal neu auf den Prüfstand gestellt werden. "Wir müssen erstmal Deutschland ausleuchten", so Seehofer. Bisher galt Gorleben als schwarz-gelber Favorit.

Die von der Bundesregierung eingesetzte "Ethikkommission" empfiehlt am 31. Mai neben einem "schnelleren Atomausstieg" auch einen Neustart bei der Suche nach einem Endlager für den Atommüll.

"Gorleben versalzen!"

"Pfingsten wird Gorleben versalzen!", heißt es in der Ankündigung zu einem Aktionscamp in Geleditz zwischen dem 10. bis zum 17. Juni. In Gorleben wird gerade ein Endlager fertig ausgebaut!, warnen Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V., Bäuerliche Notgemeinschaft, contrAtom, Kurve Wustrow, Widersetzen und Widerstandsnest Metzingen im Aufruf zum "Widerstand gegen den Endlagerschwarzbau".

„Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat nicht einmal den Sofortvollzug für den Ausbau Gorlebens aufgehoben und lässt keinen Zweifel daran, dass er die Arbeiten an einer „vorläufigen Sicherheitsanalyse“ zu Gorleben weiter finanziert“, moniert BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

"Das Salz muss zurück in die Erde" prangt in der Nacht zu Pfingstsonntag auf der Salzhalde. Am folgenden Tag umrunden 1000 Menschen den „Schwarzbau“ Gorleben. Demonstrativ werden Schubkarren mitgeführt, um "das Salz wieder zurück zu bringen". Einige Aktivist*innen steigen auf die Salzhalde hinter dem Bergwerksgelände, wo der Abraum gelagert wird. Die Polizei nimmt 27 Menschen fest und ermittelt wegen Landfriedensbruch und Sachbeschädigung.

15.6. - SCHICHTBLOCKADE - Blockade der Tore zum Salzbergwerk Gorleben beim Schichtwechsel. In drei Schichten werden rund um die Uhr die bewilligten Extra-Millionen aus dem Etat des Umweltministeriums im Salzbergwerk verbaut.

Der Bundestag beschließt am 30. Juni die Neufassung des Atomgesetzes, auf die sich die schwarz-gelbe Koalition vor vier Wochen geeinigt hatte. Damit wird die erst vor einem halben Jahr in Kraft getretene Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke rückgängig gemacht und zur Reststrommengen-Regelung aus dem Jahre 2002 zurückgekehrt. Während Grüne und SPD zustimmen, fordern die Linke eine Verankerung des Atomausstiegs im Grundgesetz, um ihn so gut wie unumkehrbar zu machen. Die Betreiber der AKW bereiten unterdessen Verfassungsklagen auf Schadensersatz vor.

Der EU-Ministerrat billigt am 19. Juli die Richtlinie zur Endlagerung abgebrannter Brennelemente und sonstiger radioaktiver Abfälle, die Energiekommissar Günther Oettinger im November 2010 vorgeschlagen hatte. Entgegen des ursprünglichen Vorschlag wird aber der Export von Atommüll erlaubt. Zwei oder mehrere Mitgliedsstaaten könenn zudem vereinbaren, ein Endlager in einem der Staaten gemeinsam zu nutzen.

12.-14.8. - FEST ZUM PROTEST - zur Vorbereitung der Proteste gegen den 13. Castortransport im November 2011 mit viel Musik und „Tanz, bis der Salzstock wackelt\".

14.8. - Auftaktblockade der Kampagne „gorleben365\" mit dem Ziel, durch möglichst viele Blockaden an möglichst vielen Tagen die Arbeiten im Salzstock Gorleben-Rambow zu behindern.

25.8. - Den Medien wird ein Vermerk der niedersächsische Behörde für die Überwachung des Zwischenlagers Gorleben zugespielt, nach dem bereits mit den bisher eingelagerten 102 Castor-Behältern der Grenzwert von 0,3 mSv/a für die radioaktive Belastung der Umgebung am Ende des Jahres erreicht sein könnte, eine weitere Einlagerung hochradioaktiven Abfalls nicht zulässig wäre.

9.9. - Die Fachgruppe Radioaktivität der BI belegt anhand der Messungen des Zwischenlager-Betreibers GNS, dass bereits seit 2003 der Grenzwert von 0,3 mSv/a systematisch überschritten und mit Rechentricks verschleiert wurde.

Ein wenig aufgepeppt erscheinen Ende September von X-tausendmal quer drei Kinospots, die schon in 2010 zur Mobilisierung für die Castorproteste halfen.

"Weiße Landkarte"

Am 11. November einigen sich die Bundesregierung mit den 16 Bundesländern darauf, dass neben Gorleben Alternativen für ein Endlager für hochaktiven Atommüll gesucht werden sollen. "Es gibt eine weiße Landkarte", so Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). "Es gibt kein Tabu. Es geht darum, den besten Ort für ein Endlager zu finden." Bis zum Sommer nächsten Jahres soll ein Endlager-Suchgesetz erarbeitet werden.

68 Prozent der Deutschen halten den diesjährigen Castortransport für unverantwortlich. Ihrer Meinung nach ist der Streit um die Strahlenmessungen am Zwischenlager in Gorleben nicht hinreichend geklärt, um der Einlagerung weiterer Castoren zuzustimmen. Dies ergibt eine repräsentative Meinungsumfrage von TNS Emnid im Auftrag von Greenpeace, die am 20. November veröffentlicht wird. Selbst 59 Prozent der CDU-Wähler gaben an, sie hielten den Transport aufgrund unterschiedlicher Angaben zu austretender Strahlung am Zwischenlager für nicht verantwortbar.

Am 20. November stoppt die Organisation campact! mit ihrer Castortour in Lüneburg. Eine Castor-Attrappe in Originalgröße, die durch die Innenstadt rollt wird von 350 Lüneburger_innen mehrfach zum Halten gezwungen... Mit dieser Aktionen machen die Aktivist_innen auf den anstehenden Atommüll-Transport durch Lüneburg aufmerksam.

In der Haushaltsdebatte des Bundestags am 22. November spricht Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) von einem "neuen nationalen Konsens in Bezug auf die Endlagersuche", der auf seine Einladung hin zustande gekommen sei. Dorothée Menzner, Abgeordnete der LINKEN kritisiert, dass 73 Millionen Euro zur Fortführung der Arbeiten in Gorleben im Haushalt stünden - damit wurde der Etat um 26 Millionen Euro erhöht. Die Mittel für die Suche nach anderen Standorten seien dagegen lediglich von bisher 1 auf 3,5 Millionen Euro erhöht worden.

Bärbel Höhn (GRÜNE) hält Röttgen vor: "Solange Sie weiterhin soviel Geld, nämlich 73 Millionen Euro, in den Ausbau des Standortes Gorleben stecken, sind Sie an einer Suche, die sich auf ganz Deutschland erstreckt, gar nicht interessiert. Stattdessen wollen Sie den Standort Gorleben nach vorne treiben."

Der letzte Castor-Transport

21. November: Am Dannenberger Ostbahnhof werden die Tieflader für den Straßentransport per Bahn angeliefert.

Mittwoch, 23. November

600 Atomkraftgegner*innen protestieren am Vormittag im französischen Valogne gegen die Abfahrt des Atommüllzuges. Ein Schienenstrang wird verbogen, im Gleisbett Schotter entfernt. Die Polizei setzt "sehr brutal" Tränengas und Schlagstöcke ein. In Valogne selbst hat die Polizei Straßensperren errichtet, Anwohner*innen müssen sich ausweisen.

Am Mittag findet in Göttingen eine Demonstration statt, an der 500 Menschen teilnehmen.

Der Start des Castor-Zuges verzögert sich, heißt es um 13.50 Uhr. Grund dafür sei "eine Unterbrechung der Stromversorgung", Ursache ein mutwilliger Brand in einem Trafohaus. Rund 300 Aktivist*innen versuchen weiterhin auf die Gleise zu gelangen.

Unter massivem Polizeischutz startet der Atommüllzug um 16.05 Uhr in Valogne. In Rouen und Caen finden Proteste statt. Der diesjährige Atommülltransport nach Gorleben umfasst elf Behälter des Typs "Castor HAW 28M". Der Zug setzt sich in Frankreich aus zwei Lokomotiven an der Spitze, zwei Waggons mit CRS-Ordnungspolizei, den elf Waggons mit den Castor-Behältern, nochmals einem Wagen mit Polizei und einer Lokomotive am Schluss zusammen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußert Bedenken wegen einer Strahlenbelastung für die beim Castor-Transport eingesetzten Beamt*innen: Eine Gesundheitsgefährdung durch möglicherweise erhöhte Strahlenwerte könne "nicht ausgeschlossen werden", so GdP-Landesvorsitzender Dietmar Schilff. Deshalb wäre "eine Aussetzung des aktuellen Transportes nötig gewesen".

"Es gibt ein Recht auf Demonstrationsfreiheit, es gibt aber kein Recht auf Gewalt. Gewalttätigkeiten sind kein Mittel der politischen Auseinandersetzung", so Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in einer Erklärung am Abend. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Proteste sollen sich "friedlich und besonnen" verhalten. "Wer jahrelang einen grundlegenden Neuanfang bei der Suche nach einem Endlager fordert, der sollte die einmalige Chance, die es jetzt gibt, nutzen, den Kampf der vergangenen Jahrzehnte zu begraben und das Thema im Konsens zu lösen. Alle gesellschaftlichen Gruppen sollten sich an diesem ergebnisoffenen Prozess beteiligen", sagte Röttgen.

Die Polizei durchsucht am Abend ein Protestcamp im französischen Valogne. Es kommt zu 12 Festnahmen. Bei den Protesten wurden mindestens drei Personen verletzt.

Vor Rouen muss der Castor-Zug gegen 22.30 Uhr wegen Störaktionen von Atomkraftgegner*innen mehrfach halten. Mit Anderthalb Stunden Verspätung passiert der Zug Monterolier-Buchy.

Donnerstag, 24. November

Gegen 1.30 Uhr verlässt der Zug Longueau und fährt Richtung Reims.

Gegen 3.00 Uhr erreicht der Zug Laon, gegen 4.00 Uhr Reims. In Lérouville messen Aktivist*innen gegen 8.00 Uhr in einem Abstand von 30 Metern die Strahlung: 0,45 µSv/h.

Im Vorfeld der Schülerdemo werden Schüler*innen am Morgen vor Supermärkten in Lüchow nach Eiern und Ähnlichem durchsucht.

Gegen 9.30 Uhr befindet sich der Castor im Bahnhof von Rémilly, bewacht von ca. 200 Polizist*innen. Es findet Personal- und Lokwechsel statt.

Um 10.00 Uhr beginnt in Lüchow die Schüler:innen-Demo mit mehr als 2.000 Teilnehmer:innen, unterstützt von 10 Traktoren. Zeitgleich finden in Berg (Pfalz) eine Kundgebung mit mehr als 200 Menschen statt.

Um 13.00 Uhr findet auf der Esso-Wiese in Dannenberg eine Pressekonferenz zum Auftakt der Proteste gegen den Castortransport statt.

Ab 17.00 Uhr veranstalten etwa 150 Menschen in Hitzacker einen Laternenumzug.

Eine Mahnwache mit 200 Menschen findet ab 18.00 Uhr zeitgleich in Lüchow auf der Mahnwache auf dem Marktplatz statt.

Um 18.00 Uhr beginnt in Metzingen eine erste Kundgebung, an der etwa 3.000 Menschen teilnehmen.

Ein Riesentraktor hat die Bühne in Position gezogen. „Wir wollen Euch tanzen sehen!“ schallt aus den Boxen. Der Organisator von der Bürgerinitiative Freies Wendland greift sich provokativ in den Schritt und brüllt zu den Hundertschaften der Polizei hinüber. „Ja, zurecht habt ihr Angst um Euer Erbgut, wenn das Gift vorbeirollt!“ Die Menschen johlen und applaudieren. Vor der Bühne steht eine Aktivistin aus den Niederlanden, komplett in leuchtendes Gelb aus Reflektoren gehüllt. Die Fotografen stürzen sich dankbar auf das plakative Motiv; auf ihrem Rücken trägt sie zwei Babypuppen aus Plastik, mit Tentakeln und einer Gasmaske verziert. (spreeblick.com)

Redebeitrag von Mathias Edler, Greenpeace:

Im Anschluss an die Kundgebung kommt es in Metzingen zum Wasserwerfereinsatz der Polizei, um die Bundesstraße zu räumen. Laut Radio Freies Wendland werden 20 Demonstrant*innen durch Pfefferspray verletzt.

Am Abend wird am Bahnhof in Suderburg eine Dauermahnwache eingerichtet, 100 Menschen kommen zu einer Demo. In Rosdorf bei Göttingen halten 11 Traktoren und noch mehr Menschen eine Mahnwache ab.

Freitag, 25. November 2011

Der Castor steht noch immer im französischen Rémilly. Gegen 8.00 Uhr werden dort und an Bahnstrecken im Süden Deutschlands Polizeikräfte zusammengezogen.

Seit 9.00 Uhr findet auf dem Domplatz in Speyer eine Mahnwache statt.

Um 9.20 Uhr startet der Atommüllzug in Richtung des saarländischen Grenzübergangs Forbach.

Um 10.17 Uhr erreicht der Castor den deutsch-französischen Grenzübergang zwischen Forbach und Saarbrücken. Vor Neunkirchen muss der Zug kurz stoppen, da Menschen auf den Gleisen sind.

Um 11.00 Uhr startet im Wendland die "Ralley Monte Göhrde" mit etwa 500 gut gelaunten Teilnehmenden. In Langendorf gibt es beim Baumhaus von ROBIN WOOD Ärger mit der Polizei, die mit Hinweis auf die Allgemeinverfügung das Klettern auf einem Privatgrundstück unterbinden will.

Zwischenlager Gorleben nicht terrorsicher – Castor muss gestoppt werden!

Nachdem das niedersächsische Umweltministerium (NMU) Greenpeace eine am 8.11. erteilte Teilgenehmigung zur Akteneinsicht bezüglich der umstrittenen Messwerte am Zwischenlager Gorleben wieder entzieht, fordert die Umweltschutzorganisation den sofortigen Stopp des Atommüllzuges. Das NMU beruft sich auf "neuere Erkenntnisse über Tatmittel und Täterverhalten", die im Falle eines Anschlags zur "Freisetzung von großen Mengen radioaktiver Stoffe" führen könnten. Aus dem ablehnenden Bescheid geht hervor, dass das Zwischenlager dringend bauliche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Anschlägen benötigt. Diese wurden noch nicht umgesetzt.

"Das NMU gibt zu, dass das Zwischenlager in Gorleben einem Terrorangriff nicht standhalten würde. In dieser Situation einen Castortransport mit hochradioaktivem Müll dorthin rollen zu lassen, ist eine unverantwortliche Gefährdung der betroffenen Bevölkerung", sagt Mathias Edler, Atomexperte von Greenpeace. „Trotz besseren Wissens lässt Umweltminister Röttgen diesen Castortransport in ein unsicheres Zwischenlager fahren. Seine Atommüllpolitik ist durch und durch verlogen. Wir fordern den Minister auf, diesen Transport sofort zu stoppen."

"Auch zum 13. Castortransport geht Radio freies Wendland wieder auf Sendung. Mit pannenden Informationen, Exklusivberichten aus dem Castor-Widerstand und live von den Brennpunkten des Geschehens. Direkt von der Essowiese in Dannenberg übertragen wir nicht nur auf den UKW-Frequenzen von Radio ZuSa, sondern auch zum freien Radio in deiner Nähe und als 24-Stunden-live-stream im Internet."

Mittags sind etwa 500 Menschen in der Göhrde unterwegs, die Polizei ist mit Wasserwerfern und Räumfahrzeugen beschäftigt, blockierte Waldwege wieder befahrbar zu machen. An einigen Stellen wird geschottert. Am Bahnübergang Possade / Hinkelhagen und in Dumstorf werden jeweils 30-40 Menschen eingekesselt. Im ganzen Wendland werden Fahrzeuge, darunter Schulbusse, kontrolliert.

13.00 Uhr: Der Castorzug steht ca. 5 Stunden in Neunkirchen. Dort wird rangiert. Um 13.33 Uhr ist der Zug fertig umgekoppelt, es finden Strahlenmessungen statt.

In einer Polizei-Pressemitteilung von 14.00 Uhr heißt es, dass in Leitstade und Tollendorf "Polizei-Fahrzeuge von Unbekannten angezündet" worden seien.

In Haßloch formiert sich gegen 16.00 Uhr eine Gleisblockade. Auf der Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover gibt es Verspätungen, da bei Suderburg Menschen die Gleise betreten haben.

Um 16.08 Uhr startet der Atommüllzug in Neunkirchen. Der Zug erreicht um 16.18 Uhr Bexbach, um 17.00 Hochspeyer.

Am Abend finden im Wendland zahlreiche Protestveranstaltungen statt, u.a. eine Mahnwache am Bahnhof Hitzacker mit 300 Teilnehmer:innen, mit 70 in Breese / Marsch, mit 30 in Middefeitz. In Küsten stehen 30 Menschen und 2 Traktoren auf der B493. In Neu Tramm vor der Polizeikaserne spielt die Band "ASB" auf, in Breese/Marsch geben die "Meiselgeier" ein Konzert vor 250 Menschen, in Hitzacker lädt "Castor wegbassen" zum warm tanzen:

"Gastfreundlichkeit wird im Wendland von jeher groß geschrieben. So wurde heut an verschiedenen Orten zum Tanz geladen um die Gäste zu begrüßen und um sich warm zu feiern. Denn alle Bewohner_innen des Wendlands wissen: Die Ruhe vor dem Sturm ist bald vorbei." (graswurzel.tv)

Bei Suderburg gibt es einen Schienenspaziergang mit Fackeln, Trommeln und 50 Menschen. In Roßdorf bei Göttingen protestieren 13 Trecker, zwei Pferde und rund 50 Leute an den Gleisen. In Warburg nehmen 50 Menschen an einer Mahnwache teil. In Darmstadt-Kranichstein gibt es einen Fackelumzug mit 30 Teilnehmenden. In Oldendorf versammeln sich 30 Menschen zu einer Filmvorführung zum Thema Endlagerung.

Der Castorzug erreicht um 18.00 Uhr Neustadt, um 19.35 Uhr Haßloch. Gegen halb Acht werden dort 80 Aktivist:innen von der Polizei eingekesselt. Hinter Haßloch sind dennoch Menschen auf den Gleisen, der Zug steht vor Haßloch. Ein Aktivist ist auf einen Castor-Waggon geklettert. Gegen 20.30 Uhr setzt sich der Zug wieder in Bewegung.

In Lüneburg versammeln sich über 1.400 am Clamartpark und ziehen über den Platz Am Sande zum Bahnhof, wo die Abschlusskundgebung stattfindet. Proteste gibt es auch in Göttingen, Nürnberg, Kassel-Wilhelmshöhe, Fulda, Schweinfurt, Buchholz / Nordheide.

Um 21.30 Uhr überquert der Atommüllzug die Rheinbrücke von Ludwigshafen nach Mannheim.

Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei in Metzingen werden am Abend 18 Menschen verletzt. In Harlingen nimmt die Polizei vier Leute in Gewahrsam.

Zu einem kurzen Stopp kommt es kurz vor 23.00 Uhr bei Grube Messel im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Menschen sind auf den Gleisen.

26. November 2011

0.30 Uhr - Der Castor erreicht Babenhausen.

Um kurz nach 1.00 Uhr biegt der Atommüllzug in Hanau Richtung Fulda ab.

Um 2.41 Uhr passiert der Atommüllzug Marbach:

"Nachdem der Castor-Zug durch die französischen und süddeutschen Blockaden bereits mehrmals aufgehalten wurde, erreichte er spät in der Nacht zu Samstag die Region Fulda. Ein erneuter Polizeieinsatz wurde notwendig, da hier vier Aktivist_innen auf Bäume entlang der Castor-Strecke kletterten, um gegen den Transport zu protestieren. Die Polizeiführung entschied jedoch, dass ein Stopp des Zuges nicht notwendig sei. Die Kletterer_innen hingen noch in den Bäumen, während der Zug mit dem hochradioaktiven Müll die Stelle bei Marbach/Fulda passierte." (graswurzel.tv)

Gegen 2.45 Uhr erreicht der Castor Hünfeld, wo bis 4.30 Uhr ein Logistikstop stattfindet.

Um 5.50 Uhr startet der Zug aus Bebra, wo eine Lok ausgewechselt wurde. Die Fahrtrichtung ist Kassel. Kassel-Wilhelmshöhe wird um 6.30 Uhr erreicht. Um 6.37 Uhr biegt der Castor hinter Kassel Richtung Göttingen ab. Um 7.10 Uhr wird Witzenhausen erreicht.

Gegen 7.30 Uhr stoppen mehr als 100 Menschen den Castorzug nahe Hebenshausen. Die Polizei räumt die Schienen mithilfe von Schlagstöcken und nimmt Aktivist:innen in Gewahrsam. Eine Journalistin wird von einem Polizeihund gebissen. Um 9.00 Uhr fährt der Zug weiter und erreicht um 9.15 Uhr Friedland.

Im Wendland werden rund um Metzingen Aktivist:innen nach Handschuhen und "Schotter-Utensilien" durchsucht, die Polizei beschlagnahmt Handschuhe.

Castor 2011 in Alfeld, Bild: nadir.org / SAND HH

Um 9.45 Uhr erreicht der Castor Göttingen. Im Wendland startet die Aktion "Castor schottern". Aus dem Camp Dahlem sind 500 Menschen in Richtung der Gleise aufgebrochen.

"In verschiedenen "Fingern" starteten Gruppen in Richtung Schiene. Während einzelne Gruppen den Schotter an den Gleisen herausnehmen konnten, haben andere die eilig heraneilenden Polizisten beschäftigt. Dabei wurden Pfefferspray und Polizeipferde gegen die Aktivist_innen eingesetzt." (graswurzel.tv)

Um 10.00 Uhr erreicht der Castor Northeim, um 11.00 Uhr Nordstemmen und fährt weiter in Richtung Hannover.

Zugbeschreibung in Wunstorf: 2x rote Diesellok vorne, 7x Personenwagen, 11x Castor, 7x Personenwagen, 2x rote Diesellok hinten
Im Detail: 2x rote Diesellok (232 569-4 und 232 259-2) vorne, 1x blauer Personenwagen mit Gepäckabteil, 2x blauer Personenwagen mit gelben Verzierungen, 1x grauer Personenwagen, 3x blauer Personenwagen mit gelben Verzierungen, 11x Castor, 3x blauer Personenwagen mit gelben Verzierungen, 2x grauer Personenwagen, 1x blauer Personenwagen mit gelben Verzierungen, 1x blauer Personenwagen mit Gepäckabteil, 2x rote Diesellok (232 254-3 und 232 255-0) hinten.

Ein Lokzug mit einer E-Lok voran und mit zwei Reserve-Castorloks dahinter folgt dem Atommüllzug wenige Minuten später.

Auf der eingleisigen Wendlandbahn ist es um den Bahnkilometer 187 zu Schotterungen gekommen, am Bahnkilometer 187,7 wurde das Gleis verbogen, rund um den Bahnkilometer 188 befinden sich gegen 11.15 Uhr etwa 80 Menschen auf den Gleisen.

Um 11.00 Uhr starten hunderte Traktoren der Bäuerlichen Notgemeinschaft von den Gußborner Kreuzen in Richtung der großen Auftaktdemonstration unweit des Verladekrans bei Dannenberg. In der Presse wird schon jetzt von "Rekordprotesten" gesprochen. Tausende Menschen sind auf dem Weg zur Kundgebung.

Um 12.00 Uhr wird der Atommüllzug auf dem Güterbahnhof Seelze geparkt.

Über 25.000 Menschen im Wendland

Während 2.000 Aktivist:innen entlang der Schienen unterwegs sind, nehmen 23.000 Menschen an der zentralen Auftaktkundgebung in Dannenberg teil. 460 Traktoren der Bauern umrahmen das Geschehen auf dem Acker unweit des Verladekrans. Großen Beifall erhalten auf der Kundgebung nicht nur Redner:innen wie Jochen Stay ("Wir geben nicht auf!"), sondern auch die internationalen Gäste aus Frankreich vom Netzwerk "Sortir du nucléaire" für ihren solidarischen Beitrag zum Castor-Stopp und eine japanische Delegation, die über das Leid nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sprechen. Über die Umweltzerstörung und die Missachtung von Menschenrechten durch den Uranabbau berichtet Anthony B. Lyamunda aus Tanzania.

„Gorleben ist inzwischen ein Synonym für das Versagen der Politik im Umgang mit dem Atommüll“, sagte Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI), Wolfgang Ehmke. Die beiden havarierten Endlager in Deutschland, die Salzbergwerke Morsleben und Asse II, hätten schon vor zwei Jahren dazu beigetragen, dass die Zahl der Demonstranten im Wendland sprunghaft anstieg.

„Der heutige Tag ist ein nächstes Zeichen an die Politik in Berlin, dass Gorleben politisch am Ende ist. Der sofortige Baustopp im Bergwerk ist für der einzig hinnehmbare Schritt in der Auseinandersetzung um die Atommüllproblematik“, so Jan Becker von contrAtom.

Um 14.00 Uhr startet die Aktion "Widersetzen" aus dem Camp Hitzacker und erreicht mit etwa 1.800 Menschen bei Harlingen die Schienen. In einer großen Sitzblockade richten sich die Demonstrierenden auf die Nacht ein, es kommen immer mehr Menschen dazu, in wenigen Stunden sind es mehr als 2.500. Die Polizei zieht zwar Kräfte zusammen, hält sich aber zurück.

Um 14.55 Uhr setzt der Atommüllzug in Seelze seine Fahrt Richtung Wunstorf und Verden / Aller fort.

Der Kreisel in Streetz ist von der Polizei abgeriegelt, durchgelassen werden nur noch Menschen, die zur Kundgebung in Dannenberg wollen. Auf dem Weg zum "Musenpalast" in Laase finden Personenkontrollen statt.

Zwischen den Bahnkilometern 188 und 187, rund um Harlingen, gibt es gegen 16.00 Uhr insgesamt fünf Sitzblockaden, an denen sich schon mehr als 1.800 Menschen beteiligen. Der Zugang dorthin ist weiter möglich: "Die Polizei hat an der Sitzblockade in Harlingen offenbar kapituliert", schreibt der Castorticker.

Der Castorzug erreicht um 16.00 Uhr Dörverden, um 16.26 Uhr Rotenburg / Wümme.

Um 16.30 Uhr befinden sich bei Ramelsloh Aktivist:innen an den Gleisen:

"Nachdem der CASTOR-Transport wegen der massiven Proteste im Landkreis Uelzen umgeleitet wurde fuhren 80 Menschen zur sogenannten Nord-Route (Verden/Aller, Rotenburg/Wümme, Buchholz/Nordheide, Rangierbahnhof Maschen) nach Ramelsloh. Dort gelangen trotz großem Polizei-Aufgebot 40 Menschen an mehreren Punkten neben den Gleiskörper der Güterumfahrung Buchholz/Nordheide zum Rangierbahnhof Maschen. Die Gleise wurde nicht betreten. Die eintreffenden Polizisten betraten die Schienen woraufhin der Zugverkehr eingestellt wurde. Gleich darauf kam es zu einer unschönen Szene durch eine niedersächsiche Polizei-Hundestaffel. Sechs Polizisten mit Hunden ohne Maulkorb gingen die Menschen an, dabei wurde ein Familienvater aus Bad Bevensen durch Hundebisse verletzt. Der Transport wurde durch diese Aktion 80 min gestoppt." (contratom.de)

 

Der Castor passiert um 16.56 Uhr Buchholz / Nordheide und steht um 18.00 Uhr noch in Ramelsloh. Um 18.04 Uhr wird der Rangierbahnhof Maschen erreicht.

In Lüneburg hält die Polizei gegen 19.00 Uhr 50 Personen auf dem Parkplatz von McDonalds zur Personalienfeststellung und Durchsuchungen fest.

Um 19.25 Uhr wird bekannt, dass sich sieben Greenpeace-Aktivist:innen kurz hinter Lüneburg angekettet haben: Mit Hilfe von Spezialrohren haben sie sich unter der Bahngleisen befestigt. Auf ihrem Banner fordern sie "Ausstieg aus Gorleben - Stopp Castor". Die Polizei benötigt 5,5 Stunden, um alle zu befreien.

Am Abend nehmen die Straßenblockaden im Wendland zu, zahlreiche Straßen im Landkreis Lüchow-Dannenberg sind inzwischen nicht mehr passierbar. Blockaden gibt es gegen 22.00 Uhr am Waddeweitzer Kreisel, in Sallahn und Pudripp. In Breustian blockiert ein LKW die Straße zwischen Jameln und Sallahn. Die Straße zwischen Pudripp und Bellahn ist von PKWs und Steinhaufen blockiert. In der Göhrde sind von Unbekannten zwei Ladungen Kies auf die Bundesstraße 216 gekippt worden. Zusätzlich liegt ein großer Baum quer auf der Fahrbahn. In Köhlen, Langenhorst und Steine ist es zu einem Naturereignis gekommen, dort gibt es auf den Straßen Sandverwehungen und Dünen. Im Lemgow wurden Kartoffelkisten auf der Straße vergessen. Zwischen Platenlaase und Beutow bringt ein Anhänger auf der Straße den Verkehr zum Stocken.

"Für uns gibt es keinen Wettlauf um die Transportdauer, aber die Entschlossenheit der Menschen im Wendland und der große Zulauf zum Anti-Castor-Protest erklären sich aus der Ignoranz der politischen Klasse, die nach dem Scheitern der beiden Endlager Asse II und Morsleben und sogar nach der Atomkatastrophe von Fukushima nur von einem Neustart in der Endlagersuche redet, aber am Alten, nämlich Gorleben festhält", sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. (Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V., 26.11.2011)

Gegen 22.30 Uhr sind zwei Schienenblockaden in Harlingen zu einer zusammengewachsen, insgesamt sind 2.500 Menschen beteiligt. Darunter sind auch die Gäste aus Japan, die auf der Kundgebung zum Reaktor-GAU von Fukushima berichteten. Gegen Mitternacht widersetzen sich schon mehr als 3.200 Menschen.

Sonntag, 27. November 2011

Gegen 0.30 Uhr hat die Polizei alle sieben Greenpeace-Aktivist:innen geräumt. Der Atommüllzug steht weiter in Maschen. Gegen 1.00 Uhr berichtet der Castorticker von mehr als 4.000 Menschen in der Sitzblockade bei Harlingen.

Gegen 2.00 Uhr wird eine weitere Ankettaktion bekannt: Bei Barendorf / Vastorf befinden sich vier Aktivist:innen angekettet an einen Betonblock auf den Gleisen. Die Presse darf nicht zum Ort des Geschehens.

Kurz vor 3.00 Uhr erteilt die Polizei die erste Aufforderung zur Räumung der Schienen in Harlingen. Gegen 3.30 Uhr beginnt die Polizei damit, erste Aktivist:innen wegzutragen. Auf einem benachbarten Acker ist mit zahlreichen Polizeifahrzeugen ein großer Kessel ("Freiluft-GESA") aufgebaut worden, in den die Menschen gebracht werden.

In Vastorf bei Lüneburg haben sich vier Aktivist_innen mittels einer Betonkonstruktion im Gleisbett verankert. Die Polizei erscheint zunächst ratlos. Nach 12 Stunden Blockade konnte der erste der vier Protestierenden befreit werden. Die Aktivist_innen protestieren mit der Aktion gegen die Atomwirtschaft, die sie als "Auswuchs des Kapitalismus, der Profitinteressen vor Menscheninteressen stellt" ansieht.

27. November 2011

In den frühen Morgenstunden, pünktlich zum ersten Advent, hat sich eine Adventspyramide mit vier Aktivist_innen der Bäuerlichen Notgemeinschaft auf die Schienen verirrt. Die vier Landwirt_innen hatten sich in der Betonpyramide so fixiert, dass die Polizei vor einem nahezu unlösbaren Problem stand. Sie kapitulierte vor dem ausgeklügelten System und gab auf. Nach 16 Stunden beendeten die Bauern die Blockade freiwillig, da sie durch die weiteren Befreiungsarbeiten der Polizei ihre Gesundheit ernsthaft gefährdet sahen. Unter Jubel der Umstehenden (und einer sich zu ihnen gesellten Sitzblockade) sowie mit größtem Respekt und Anerkennung seitens der Polizei verließen sie die Schienen.

Gegen Mittag ziehen mehrere hundert Menschen vom Camp Gedelitz aus durch den Wald in Richtung Gorleben. Ziel der X-tausendmal quer Aktion ist es die Castor-Strecke am Ortseingang Gorleben zu besetzen. Nach einigen kleineren Auseinandersetzungen mit der Polizei gelingt es den Teilnehmer_innen ihren Zielort zu erreichen. Alle sind fest entschlossen dort auszuharren, um die Durchfahrt des Strassentransportes auf unbestimmte Zeit zu verhindern.

Mit einem Transporter gelingt es Greenpeace Aktivisten eine von 2 Strassenstrecken des Castor-Transportes zwischen Dannenberg und Gorleben zu blockieren. Die Blockade dauerte 6 Stunden an.

Nach 126 Stunden Fahrzeit erreicht der 13. Castortransport aus dem französischen La Hague das niedersächsische Zwischenlager in Gorleben.