Gorleben-Chronik

Gorleben-Chronik - Themenecke

1985-:

Pilot-Konditionierungsanlage

In der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) sollten ursprünglich hochradioaktive Brennstäbe hinter dicken Betonwänden zerschnitten und endlagerfertig verpackt werden.

1985


04.02.1985

Am 4. Februar bekundet die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) ihren Willen, in Gorleben eine Konditionierungsanlage für Atommüll zu bauen.

Atomindustrie will PKA bauen

1986

April

30.04.1986

Am 30. April beantragt die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) die Errichtung einer Konditionierungsanlage (PKA) in Gorleben. Die Anlage soll auf 3,5 Hektar und für rund 200 Millionen Mark gebaut werden. Geplant ist dort die Zerlegung von Brennelementen und die anschließende Verpackung in endlagerfähige Behälter.
Gorleben erhielte damit die atomare Qualität, die dem Dorf an der Elbe bereits früher als "Nationales Entsorgungszentrum" zugedacht war. Einziger Unterschied zu damals: statt Wiederaufarbeitung nun Konditionierung, "nichts Chemisches" also, wie die DWK beruhigt. (Spiegel vom 02.06.1986)

Doch eine Konditionierung abgebrannter Brennelemente ist "weltweit noch nicht demonstriert und praktiziert", damit wird die PKA zu einem Experimentierplatz, auf dem "alle Arbeitsschritte zunächst erprobt" werden müssen, "um die Konditionierungstechnik bis zur Anwendungsreife zu entwickeln".
Quelle: u.a. Spiegel, 02.06.1986

1987


25.03.1987

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für die Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) wird vom Antragsteller DWK am 25. März der Sicherheitsbericht für die Anlage vorgelegt.

29.03.1987

Am 29. März nehmen 40 Trecker und 1.000 Demonstrant*innen an einer Kundgebung in Gorleben gegen den geplanten Bau der PKA teil.

04.12.1987

Am 4. Dezember wird ein revidierter PKA-Sicherheitsbericht vorgelegt: Die Brennelementlager Gorleben mbH (BLG) tritt dem Genehmigungsantrag bei.

11.12.1987

Am 11. Dezember gibt das Niedersächsische Umweltministerium (NMU) die öffentliche Auslegung der PKA-Antragsunterlagen bekannt.

1988

Januar

Von Januar bis März liegt der Sicherheitsbericht der geplanten "Pilot-Konditionierungsanlage" öffentlich aus und Einwendungen können formuliert werden. Innerhalb dieser Frist werden über 12.500 Einwendungen gegen den Bau und Betrieb der Anlage abgegeben.

25.05.1988

Der nach Atomrecht vorgesehene Erörterungstermin für die Pilot-Konditionierungsanlage findet vom 25. Mai bis zum 2. Juni in Gartow statt. Eine Vielzahl von Befangenheitsanträgen gegen die Verhandlungsführung dokumentiert das tiefe Misstrauen der EinwenderInnen gegenüber der Genehmigungsbehörde. Nach "Tumulten" wird der Beginn der Erörterung am 25. Mai vertagt.

07.09.1988

Mit einer CDU / FDP-Mehrheit stimmt der Landtag in Hannover am 7. September dem Bau der Pilot-Konditionierungsanlage in Gorleben zu.

1989


04.05.1989

"Tausche Wackersdorf gegen Cap de la Hague - biete Gorleben", zu einem "Polit-Picknick" treffen sich am 4. Mai rund 150 Atomkraftgegner*innen auf dem Waldgelände der zukünftigen Pilotkonditionierungsanlage. An rund 200 Bäumen werden rote Karten mit der persönlichen Ankündigung hinterlassen, ihn gegen das Abholzen in Schutz zu nehmen.

18.12.1989

Am 18. Dezember stimmt der Gorlebener Gemeinderat mit fünf gegen drei Stimmen für den Bau der Pilot-Konditionierungsanlage.

1990


12.01.1990

Am 12. Januar beantragen Bürger*innen aus der DDR, das Bürgerbeteiligungsverfahren für die geplante Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) Gorleben nach § 4 Atomverfahrensordnung wieder aufzunehmen. Anwohner*innen aus der DDR tauchen als Betroffene der Anlage wegen der bis 1989 existierenden Staatsgrenze im Sicherheitsbericht der PKA gar nicht auf. Das Niedersächsische Umweltministerium (NMU) lehnt diesen Antrag wenig später ab.

17.01.1990

Auf einer Tagung im Kernforschungszentrum Karlsruhe wird am 17. Januar bekannt, dass die Überwachung von Spaltmaterial in der PKA nicht im vermuteten Umfang gewährleistet werden kann. Angegeben wird eine Messgenauigkeit von 12 Prozent. Ministerialrat Fricke vom NMU fragt nach Einflüssen auf das laufende Genehmigungsverfahren.

31.01.1990

Am 31. Januar erteilt das Niedersächsischen Umweltministerium die erste atomrechtliche Teilgenehmigung (1. TG) für die Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben und ordnet den Sofortvollzug an. Die 1. TG beinhaltete im Wesentlichen den Rohbau des Konditionierungsgebäudes. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg erteilt daraufhin die Baugenehmigung für die Anlage. Die ursprüngliche Planung geht von der Inbetriebnahme im Jahr 1999 aus.

Protest-Hütten im PKA-Wald


01.02.1990

Am 1. Februar besetzen am frühen Morgen mehrere 100 Gorleben-GegnerInnen den Wald, auf dem die PKA gebaut werden soll und beginnen Hütten zu bauen.
"Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann...".

02.02.1990

Am 2. Februar erheben fünf BRD- und vier DDR-BürgerInnen vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg Klage gegen die erste Teilgenehmigung der Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben. Über diese Klage ist in der Sache zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht entschieden. Gleichzeitig wurde die Aufhebung des Sofortvollzuges gefordert, was einem Baustopp entsprochen hätte.

03.02.1990

Am 3. Februar findet gegen die geplante PKA eine erste gemeinsame Demonstration von Atomkraftgegner*innen aus Ost- und Westdeutschland statt. Ca. 5.000 Menschen kommen nach Gorleben und laufen zum Bauplatz der PKA. Im Vorfeld dieser Demonstration hat es einen Informationsaustausch zwischen BRD- und DDR-Sicherheitsbehörden gegeben.

06.02.1990

Am 6. Februar wird das "Hüttendorf" im PKA-Wald von einer Übermacht von 2.000 Polizisten geräumt.

07.02.1990

Am 7. Februar beginnen die Bauarbeiten für die PKA, das Gelände wird planiert und ein Metallgitterzaun errichtet.

09.02.1990

Am 9. Februar übergeben Mitglieder des "Neuen Forums" (DDR) dem NMU 1.423 Einwendungen gegen den Bau der PKA von DDR-BürgerInnen aus Gemeinden, die an den Landkreis Lüchow-Dannenberg angrenzen.

19.02.1990

Am 19. Februar kommt es erneut zu Protesten: ca. 200 Menschen blockieren ab 5.30 Uhr die Zufahrten zum Zwischenlager und der PKA-Baustelle. Am Nachmittag räumt die Polizei die Blockierer "sehr gewalttätig" von der Straße.

März

10.03.1990

An einem Waldspaziergang um die PKA-Baustelle beteiligen sich am 10. März 250 Projekt-GegnerInnen. Es kommt zu Beschädigungen am Bauzaun.

27.03.1990

Am 27. März lehnt das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg lehnt den Antrag auf Baustopp für die PKA bis zur Hauptsacheentscheidung ab.

28.03.1990

Aus Protest gegen das OVG-Urteil ketten sich am 28. März 15 Menschen an die Tore des Zwischenlagers.

17.04.1990

Am 17. April organisiert die Bürgerinitiative eine "Frühstücksblockade" gegen die PKA, die von der Polizei geräumt wird.

06.05.1990

Mit Hilfe von Leitern und Treppen klettern 50 AktivistInnen am 6. Mai über die Sicherungsanlagen um die PKA-Baustelle. Vier Stunden besetzen sie das Gelände.

07.05.1990

Ab dem 7. Mai, ein Montag, finden ab sofort jeden Montag Blockaden vor den Gorlebener Atomanlagen statt. Das Motto wechselt von Woche zu Woche.

19.06.1990

In den Koalitionsvereinbarungen einigen sich SPD und Bündnis 90/Die Grünen am 19. Juni darauf, "alle rechtlichen Möglichkeiten aus(zu)schöpfen, die erste Teilerrichtungsgenehmigung (der PKA) zurückzunehmen oder zu widerrufen und weitere Genehmigungen nicht zu erteilen".

September

September: Der Bericht "Die Pilotkonditionierungsanlage in Gorleben" der Gruppe Ökologie Hannover nennt drei Szenarien, für am wahrscheinlichsten einzutreffende Störfälle während des Betriebes der Pilot-Konditionierunsanlage:
- Brand bituminierter Abfälle, daraus resultierend im Wesentlichen die Freisetzung von radioaktiven Gasen wie Tritium, Krypton oder Jod, für die keine Filtersysteme zur Verfügung stehen.
- Selbsterhitzung von bestrahlten Kernbrennstoffen, hier im Wesentlichen hochaktive Abfälle, auch dabei folgt eine Freisetzung von großen Mengen Radioaktivität in die Umgebung
- Absturz eines Brennelements, z.B. bei der Be- oder Entladung eines Behälters, dabei Beschädigung er Hüllrohre und Freisetzung des radioaktiven Inventars.

1991


06.02.1991

Am 1. Februar 1990 besetzten mehrere hundert AtomkraftgegnerInnen den Bauplatz der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) in Gorleben. Sechs Tage später räumten 2.000 Polizisten das errichtete Hüttendorf und der Bau der Atomanlage begann. Zum ersten Jahrestag der Räumung, am 6. Februar, besetzten 22 AtomkraftgegnerInnen erneut die PKA-Baustelle. Bei klirrender Kälte besteigen sie einen 35 Meter hohen Baukran.

21.02.1991

Die Brennelementlager Gorleben GmbH weisst den erhobenen Vorwurf zurück, daß "von der PKA große Gefahren ausgehen":
"Im Genehmigungsverfahren sei nachgewiesen, daß beim Betrieb der Anlage keine Gefahr für Menschen und Umgebung bestehe. Auch übersähen die Gegner, "daß die PKA eine wichtige Rolle im Umweltschutz einnimmt". Die PKA sorgt laut BLG unter anderem dafür, daß ausgediente Brennelemente gefahrlos in einem Endlager beseitigt werden können." Elbe Jeetzel Zeitung vom 21.02.1991

Mit zahlreichen Blockaden vor den Toren und auf den Zufahrtswegen zur Baustelle der Pilot-Konditionierungsanlage versuchen Atomkraftgegner*innen Anfang September vergeblich die zahlreich anrollenden Betonmischer zu stoppen.

1994


04.02.1994

Am 4. Februar wird bekannt, dass beim Bau der Pilotkonditionierungsanlage Gorleben (PKA) Änderungen ohne dafür notwendige Genehmigungen durchgeführt wurden. In nachweislich 25 Fällen war die Gesellschaft für Nuklearservice mbH (GNS) von den Bauunterlagen abgewichen. Die GNS zieht personelle Konsequenzen und tauscht drei für den Bau verantwortliche Mitarbeiter*innen aus. Das niedersächsische Umweltministerium (NMU) verweigert die Erteilung der 2. Teilerrichtungsgenehmigung (TEG).

21.07.1994

Am 21. Juli erzwingt Bundesumweltminister Klaus Töpfer per Weisung die Erteilung der 2. Teilerrichtungsgenemigung (TEG) für die Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben vom niedersächsischen Umweltministerium unter Monika Griefahn. Töpfer drohte mit einer Klage beim Verfassungsgericht, falls die niedersächsische Landesregierung nicht bis zum 1. August seiner Weisung nachkomme. Mit der 2. TEG werden die maschinen-, verfahrens-, elektro- und leittechnischen Einrichtungen und deren vorbetriebliche Erprobung genehmigt.

Griefahn beugt sich dem "massiven Druck aus Bonn" und erteilte die Genehmigung. Sie verweigert aber den Sofortvollzug mit der Begründung, daß "damit den Bürgern das Recht zur gerichtlichen Überprüfung des Weiterbaues der PKA genommen werde". Die Landesregierung hält die PKA weiterhin für überflüssig, "weil es in Gorleben kein Endlager geben wird".

Quelle: Handelsblatt, 22. Juli 1994

1997


05.01.1997

Ein "Neujahrsempfang auf beiden Seiten des Zauns" findet am 5. Januar an den Atomanlagen Gorleben statt. Im Verlauf klettern 20 Atomkraftgegner*innen in einer Blitzaktion über das Tor der Baustelle der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) Gorleben. Mitsamt dem Transpi-Spruch "Unser Vorsatz fürs neue Jahr: Verhindern wir die PKA!" machen sie darauf aufmerksam, dass dort bereits die technische Inneneinrichtung installiert wird und Ende Januar mit der "Kalthantierung" am Castorbehälter begonnen werden soll. Neben den Castortransporten gibt es noch weitere Atomprojekte, bei denen Widerstand angebracht ist.

PKA: Griefahn gibt Widerstand auf


12.11.1997

Am 12. November unterzeichnet die niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn (SPD) eine Vereinbarung mit der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), in der sie sich verpflichtet, künftig alle anhängigen Genehmigungs- und Aufsichtsverfahren für den Bau der Pilotkonditionierungsanlage in Gorleben "einfach, zweckmäßig, zügig und in kooperativer Weise" abzuwickeln. Juristische Niederlagen und politischer Druck auch seitens der eigenen Landesregierung zwingen sie zu diesem Kurswechsel. Die GNS will dafür ihre Amtshaftungsklage gegen das Land Niedersachsen wegen der Behinderungen beim Bau dieser Anlage vorläufig aussetzen.

Im zweiten "Gorleben-Prozeß" um die Verletzung ihrer Amtspflicht, als Griefahn vom 13. Mai bis zum 25. Juli 1991 den Stillstand der Bauarbeiten in Schacht 1 in Gorleben anordnete, will die Landes-Umweltministerin das Urteil des Oberlandesgerichts Celle vom Oktober 1996 akzeptieren und die dagegen eingelegte Revision beim Bundesgerichtshof zurückziehen.

"Alle ihre Bemühungen, den Bau atomarer Entsorgungsanlagen auf niedersächsischem Boden durch Baustopps, bürokratische Hürden und rechtswidrige Auflagen zu hintertreiben, haben ihr nicht mehr eingebracht als eine lange Reihe gerichtlicher Niederlagen", resümierte die Frankfurter Allgemeine am 17. November. Sie habe die Unterstützung in der Sache durch ihren Ministerpräsidenten Gerhard Schröder verloren, was "zweifellos etwas mit dem Wahltermin am 1. März zu tun" habe.

Höhere Tritiumableitungen aus der PKA

1998


22.05.1998

Der Antragswert für die Tritiumableitungen mit dem Abwasser aus der Pilotkonditionierungsanlage (PKA) ist gegenüber dem Antrag zur 1. atomrechtlichen Teilgenehmigung von 1987 um den Faktor 270 erhöht worden, heisst es am 22. Mai in einer Antwort des niedersächsischen Umweltministers Wolfgang Jüttner auf eine Anfrage der Grünen Landtagsabgeordneten Rebecca Harms. Die Erhöhung sei "unter anderem mit der nunmehr vorgesehenen Trocknung von Betriebsabfällen begründet". Die Antragswerte für die Alphastrahler seien hingegen um etwa den Faktor 18, die für Beta-/Gammastrahler um etwa den Faktor 2 erniedrigt worden, was auf den Verzicht auf das Zerschneiden von Brennstäben zurückzuführen sei.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

01.07.1998

Das niedersächsische Umweltministerium soll das Auslegungsverfahren für die wasserrechtliche Erlaubnis der Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben, das noch bis zum 17. Juli läuft, aussetzen. Diese Forderung beschließt der Lüchower Samtgemeinderat am 1. Juli mit den Stimmen von SPD, UWG und Grünen bei drei Enthaltungen der CDU. Sofern das nicht geschehe, solle das NMU zumindest Bürgerinnpn und Bürgem Gelegenheit geben, die Einwendungen von Landkreis und Samtgemeinde Lüchow zu ergänzen. (EJZ)

03.07.1998

Wolfgang Neumann von der Gruppe Ökologie stellt am 3. Juli in Trebel die aus seiner Sicht kritischen Punkte des derzeit laufenden wasserrechtliche Genehmigungsverfahren der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) Gorleben vor. Schon bei der Zuständigkeit wird gestritten. So wäre beim Wasserrecht die Bezirksregierung zuständig. Die atomrechtliche Genehmigungsbehörde jedoch ist das Umweltministerium. Das ist aber auch gleichzeitig die vorgesetzte Behörde der Bezirksregierung. Unstrittig ist, daß die wasserrechtlichen Kriterien schärfer sind als die atomrechtlichen. Nach dem Wasserrecht müsse jede Verunreinigung eines Gewässers unterbleiben. Zumindest müsse die Verunreinigung, so weit technisch möglich, verringert werden. Beides sei im Fall der PKA-Abwässer jedoch nicht geplant.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

21.07.1998

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hält die beantragte Einleitung von Abwässern aus der geplanten Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in die Elbe "wasserrechtlich für nicht genehmigungsfähig". Einstimmig hat der Kreistag am 21. Juli in Zernien diese Stellungnahme abgesegnet. Auch mit den Stimmen der CDU lehnt der Kreistag eine Einleitung der PKA-Abwässer in die Elbe generell ab.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

28.07.1998

Die Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) im Zusammenhang mit der von der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) beantragten Einleitung radioaktiv verseuchter Abwässer aus der Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in die Elbe genügt nicht den gesetzlichen Ansprüchen, moniert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg in ihren Einwendung gegen die PKA am 28. Juli. Das Oberflächenwasser werde "nicht als eigenes Schutzgut betrachtet und die Auswirkungen auf die Pflanzenwelt nicht hinreichend bewertet". Der BI liegen bereits über 2.000 Sammeleinwendungen vor.

Rot/Grün: Bisheriges Entsorgungskonzept ist gescheitert - Moratorium in Gorleben

Oktober

20.10.1998

In ihrem am 20. Oktober unterzeichneten Koalitionsvertrag vereinbaren SPD und Grüne einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie. Um Schadenersatzforderungen der Atomkraftwerksbetreiber zu vermeiden, soll der "Einstieg in den Ausstieg" im Einvernehmen mit der Stromwirtschaft erfolgen. Innerhalb eines Jahres soll nun versucht werden, für die derzeit 19 am Netz befindlichen Atomkraftwerke kürzere Restlaufzeiten auszuhandeln, als die technische Lebensdauer der Anlagen zuließe. Unabhängig von diesen Verhandlungen will die neue Bundesregierung schon in den ersten hundert Tagen ihrer Amtszeit eine Novellierung des Atomgesetzes betreiben, die künftig anstelle der Förderung der Atomenergie deren Beendigung zum gesetzlichen Ziel erhebt. Zudem sollen die Betreiber verpflichtet werden, binnen eines Jahres die Entsorgung radioaktiver Abfälle auf die direkte Endlagerung in einem einzigen (tiefengeologischen) Endlager zu beschränken.

* Es soll künftig nur ein einziges Endlager geben. Schacht Konrad entfällt. Das Endlager wird erst ab 2030 gebraucht. Die Erkundung in Gorleben wird unterbrochen. Andere Standorte werden auf ihre Eignung als Endlager hin untersucht. Anschließend soll ein Standortvergleich den bestmöglichen Standort ermitteln. Das Endlager in Morsleben wird geschlossen.

* Für die vorläufige Aufnahme der Abfälle sollen in jedem AKW ausreichende Zwischenlagerkapazitäten geschaffen werden, um Transporte abgebrannter Brennelemente zu verringern.

* Der niedersächsische Umweltminister Wolfgang Jüttner schließt am 20. Oktober weitere Castor-Transporte in das Zwischenlager Gorleben nicht aus. Die von der neuen Regierung geplanten Zwischenlager bei den Atomkraftwerken müssten erst genehmigt und gebaut werden. Bis zur Inbetriebnahme könne er weitere Atommülltransporte nicht ausschließen.

* Neuer Bundesumweltminister wird Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen). Kurz nach seiner Ernennung erhält er Ende Oktober Post von der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) Lüchow-Dannenberg: "Nun beginnt die Arbeit!" textet die BI und lädt Trittin ein, die Essentials des Koalitionsvertrages in einer öffentlichen Veranstaltung zu erläutern und sich möglichst noch im Monat November im Wendland der Diskussion zu stellen.

Die Lüchow-Dannenberger interessiert zuallererst, was aus der Pilotkonditionierungsanlage in Gorleben wird: "Wie soll die 3. Teilerrichtungsgenehmigung (TEG) im nächsten Jahr abgewendet werden?"

"Wir befürchten, daß an Gorleben vieles, wenn nicht alles kleben bleibt. Wir werden die Hände nicht in den Schoß legen, uns weiter querstellen, wenn Atommülltransporte rollen." (Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI)

November

Für eine PKA gibt es "keine Notwendigkeit und auch keinen Genehmigungszwang" mehr, betont der Atomphysiker Udo Jentzsch auf einer Informationsveranstaltung der Castor-Gruppe Höhbeck im Gartower "Haus des Gastes" Anfang November vor rund 80 ZuhörerInnen. Die ursprüngliche Konzeption spiele "keine Rolle mehr" und ein Endlager ist nicht vorhanden.

21.11.1998

Die Bürgerinitiative Umweltschutz wird bei Aktionen gegen die Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) in Gorleben "überregionale Unterstützung erhalten", heisst es auf einem "Strategietreffen", zu dem sich rund 30 Delegierte verschiedener Anti- Atomkraft-Initiativen am 21./22. November in Göttingen treffen. Die PKA Gorleben und das Atomkraftwerk Biblis A sind für die AntiAtom-Bewegung "Prüfsteine, an denen Rot-Grün den Ausstiegswillen realpolitisch unter Beweis stellen" könne.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

1999


18.02.1999

Die Betreiberfirma GNS sehe sich derzeit "nicht in der Lage", die Einwendungen gegen die Pilotkonditionierungsanlage zu bearbeiten, heisst es am 18. Februar von Seiten der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

"Die GNS verschleppt das Verfahren absichtlich, um nicht mit Negativschlagzeilen während der Konsensgespräche die Inbetriebnahme der Konditionierungsanlage zu gefährden", so BI-Vorstandsmitglied Torsten Koopmann.


Weil "eine PKA naturgemäß an einen Endlagerstandort gehöre" strebt das Niedersächsische Umweltministerium (NMU) unterdessen für die PKA in Gorleben ein Moratorium an. Da ein Endlager Gorleben wegen des geplanten Baustillstandes im Salzstock und der Untersuchung anderer Standorte eventuell nicht in Frage kommt, mache auch der Betrieb einer PKA in Gorleben "keinen Sinn". Bonn und Hannover schieben sich gegenseitig die Verantwortung für eine PKA-Genehmigung in die Schuhe.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

27.02.1999

Rund 2.000 Menschen und 60 Traktoren nehmen am 27. Februar an einem Protestmarsch von Gedelitz zu den Atomanlagen teil und "belagern die PKA". Eine Nachbildung von Bundeskanzler Gerhard Schröder wird kopfüber in ein Atomklo gekippt. Zahlreiche Sandsäcke landen als "symbolischer Schutz vor der Atommüllflut" vor dem PKA-Tor. Am Rande kommt es zu kleineren Rangeleien mit der Polizei: Die Zäune der PKA und des Bergwerks werden beschädigt, nachdem er einen Beamten gebissen hatte wird ein Atomkraftgegner festgenommen.

In Niedersachsen "stinkt es wie zu besten Albrecht-Zeiten", so Torsten Koopmann (BI) auf der Kundgebung.


"Wir haben doch nicht die Grünen gegründet, damit wir hier vor Ort angeschissen werden", schimpfte Undine von Blottnitz von der Bäuerlichen Notgemeinschaft auf das "unentschiedene" rot-grüne "Trippeln" in Bonn. Sie appelliert, mit "entschiedenem, striktem, witzigem" Widerstand das Wendland von Atommüll freizuhalten.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

03.05.1999

"Die falsche Anlage am falschen Ort zur falschen Zeit": Als "3-F-Anlage" bezeichnet Dr. Helmut Hirsch die Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben im Zusammenhang mit einem Fachgespräch am 3. Mai zwischen Bund und Land zur Zukunft der PKA. Laut Dr. Wolfgang Hawickhorst von der GNS sei die Anlage "entgegen anderslautenden Vermutungen nicht zwingend an den künftigen Endlagerstandort gebunden". Man strebe vorerst den "Kaltbetrieb" an. In der "Mehrzweckanlage" sollen Brennelemente und radioaktive Abfälle endlagerfähig konditioniert, radioaktive Abfälle umgeladen und Servicearbeiten an Lagerbehältern ausgeführt werden. Als "Versuchsanlage" könnten in der PKA "auch und gerade Konditionierungstechniken für jedes Wirtsgestein und jeden Standort erprobt werden". Die GNS wolle die PKA-Betriebsgenehmigung auch unabhängig von der Erlaubnis, die Abwässer in die Elbe einzuleiten. Diese könnten alternativ auch abtransportiert werden.

"Ein plakatives Ja zur Anlage ist in der neuen Situation nicht aufrechtzuerhalten. Doch eine Genehmigung mit Auflagen durchaus denkbar." Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD)


In der PKA sei "keine endlagergerechte Konditionierung" möglich, so Wolfgang Renneberg vom Bundesumweltministerium, weil es nach Ansicht der Bundesregierung "keinen Sinn mache, in Gorleben weiterzuerkunden". Die Anlage sei aber "notwendig als Servicestation für mögliche schadhafte Castoren und Kokillenbehälter im Zwischenlager".

Mai

10.05.1999

Bundes- und niedersächsisches Umweltministerium sollen "ihre Kompetenzen gemeinsam bündeln" um "die Schutzinteressen des Volkes gegen die Atomindustrie durchzusetzen", fordert Lüchow-Dannenbergs Landrat Christian Zühlke am 10. Mai nach der Fachkonferenz über die Pilotkonditionierungsanlage (PKA). Der wirksamste Schutz sei es, "für die PKA gar nicht erst eine Betriebsgenehmigung zu erteilen".
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

12.07.1999

Bis zum 12. Juli sammelten AtomkraftgegnerInnen im Landkreis Lüchow-Dannenberg in 14 Tagen 1.100 Unterschriften: Die Pilotkonditionierungsanlage (PKA) Gorleben darf den Betrieb nicht auf nehmen - sie ist gefährlich und überflüssig, so die Kernaussage eines offenen Briefes, mit dem sich Gorleben-Widerständler an Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) und Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnisgrüne) wenden.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

2.400 Unterschriften gegen die PKA


15.07.1999

Am Rande der Landtagssitzung in Hannover übergeben AtomkraftgegnerInnen am 15. Juli an Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) mehr als 2400 Unterschriften für die Unterbrechung der Erkundungsarbeiten im geplanten Atommüllendlager Gorleben und die Verweigerung der Endgenehmigung für die benachbarte Pilotkonditionierungsanlage (PKA). Aus Protest gegen die PKA-Inbetriebnahme baut die Bäuerliche Notgemeinschaft einen PKA-Nachbau mit einem zehn Meter hohen Kamin auf dem Opernplatz in Hannover auf.

"Die PKA wird unser Elchtest"


15.09.1999

Mitte September werden 2.700 Unterschriften gegen die "Atommüllfabrik" Pilotkonditionierungsanlage in einem "Tag-X-Sack" an Bundesumweltminister Jürgen Trittin übersendet.

"Es bleibt dabei: Die PKA wird unser Elchtest für die Ausstiegsversprechen von Rot-Grün in Berlin", so Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz.

16.09.1999

"Wer immer noch glaube, die Pilotkonditionierungsanlage (PKA) Gorleben sei eine kleine Probeeinrichtung zur Verpackung von Atommüll, täusche sich schwer", warnt Diplomphysiker Wolfgang Neumann von der Gruppe Ökologie Hannover (GÖK) am 16. September auf Einladung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg in Trebel. Gemessen am beantragten Aktivitätsinventar werde deutlich, dass die PKA "eine Atomanlage mit hohem Gefahrenpotential" sei.

03.10.1999

Am 3. Oktober beteiligt sich die Bäuerliche Notgemeinschaft an einer ironische "Erntedank"-Aktion der Bürgerinitiative Umweltschutz gegen die PKA. "Noch sind unsere Produkte unverstrahlt": Aus Protest gegen die mögliche radioaktive Verseuchung bringen die Landwirte frische Kartoffeln, Mohrrüben und Gurken mit.

Die PKA sei neben der Wiederaufarbeitungsanlage die gefährlichste Atomanlage der Welt, weil nach dem Probebetrieb die großtechnische Nutzung angestrebt werde. Neben Rufschäden für ihre Produkte sehen die Bauern die Gefahr der Verseuchung von Land und Tier und die Zerstörung ihrer Existenz, denn, so die Notgemeinschaft: "Acker kann man nicht evakuieren."

18.11.1999

Am 18. November stellt Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ein Ultimatum bis Jahresende zur Verhinderung der Endgenehmigung für die Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben. Das Land "müsse die betriebsbereite Anlage zur Verpackung von Atommüll in wenigen Wochen genehmigen, wenn der Bund nicht endlich eingreife", so Jüttner.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

2000


04.01.2000

Die niedersächsische Landesregierung wird noch in diesem Jahr das Endlager Schacht Konrad und die Pilotkonditionierungsanlage in Gorleben genehmigen. Dies kündigt Landes-Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) am 4. Januar an. Er sei zwar gegen die PKA, käme damit aber einem schon über zwei Jahre alten Versprechen nach. Seine Vorgängerin Monika Griefahn (SPD) hatte der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) zugesagt, künftig alle anhängigen Genehmigungs- und Aufsichtsverfahren "einfach, zweckmäßig, zügig und in kooperativer Weise" abzuwickeln.

11.11.2000

"Uns ist das, was realistisch war, erfüllt worden," kommentiert Jürgen Auer, Sprecher der Brennelement Lager Gorleben Gesellschaft (BLG) den Entwurf des Niedersächsischen Umweltministeriums für die 3. Teilerrichtungsgenehmigung (TEG) für die Pilotkonditionierungsalange (PKA) in Gorleben am 11. November.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

14.11.2000

Knapp 100 Atomkraftgegner:innen protestieren am 14. November vor dem Lüchower Kreishaus gegen die anstehende Genehmigung der Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben. Mit schwarzen Tüchern wird für gut eine Stunde der Haupteingang zum Kreishaus abgesperrt. Anlass ist der Besuch von Staatssekretär Dietmar Schulz vom Niedersächsischen Umweltministerium (NMU). Schulz informiert in einer halböffentlichen Veranstaltung hiesige Kommunalpolitiker:innen über Aktuelles zu den Gorleben-Anlagen. Rund 100 Polizist:innen sichern den Besuch ab.

"Keiner braucht die PKA; keiner will sie. Aber sie wird genehmigt, weil sie gekostet hat. Und dann wird sie auch gebraucht, und wir werden von jetzt an regelmäßig vergiftet", so Jutta von dem Bussche, Vorsitzende der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

Genehmigung für Castor-Reparaturwerkstatt statt Pilot-Konditionierungsanlage


05.12.2000

Am 5. Dezember schließt das Niedersächische Umwltministerium das schon im Juni mit dem Atomkonsens vereinbarte Genehmigungsverfahren für die Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) Gorleben ab. Bereits 1986 hatte die Deutsche Gesellschaft für die Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) den Antrag auf Errichtung und Betrieb einer Pilotkonditionierungsanlage für radioaktive Reststoffe gestellt. Die dritte und letzte noch nötige Teilgenehmigung für die PKA werde nun "in den kommenden Wochen nach der vorgeschriebenen Beteiligung des Landtages erteilt", so Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD). Allerdings dient die PKA vorerst nicht mehr zur endlagerfähigen Verpackung hochradioaktiven Abfalls, sondern durch eine Nebenbestimmung auschließlich zur Reparatur beschädigter Castoren in der "heißen Zelle".

Dennoch erlaubt die 3. Teilerrichtungsgenehmigung (TG) die Konditionierung von Brennelementen aus Leichtwasserreaktoren mit einem maximalen Durchsatz von 35 Tonnen Schwermetall (tSM) pro Jahr - allerdings erst dann, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Zuerst muss der Bund endgültig den Standort für ein Atomendlager ausweisen, dann das Bundesamt für Strahlenschutz die Anforderungen für die Einlagerung von Atommüll definieren und schließlich das Land nochmals eine Zustimmung erteilen. Mit dem Erlass der 3. TG werde die PKA daher "lediglich betriebsbereit (stand-by) gehalten", so Jürgen Auer, Pressesprecher der Betreiberin BLG. Die Arbeit der acht Beschäftigten beschränke sich auch in Zukunft auf "permanente Prüfungen aller Systeme für den Notfall".

Die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) bezeichnet die Erteilung der Genehmigung als "Schwarzen Tag für das Wendland" und eine "Blamage für Rot-Grün", da es sich um die erste Inbetriebnahme einer Atomanlage unter dieser Regierung handelt.

"Es geht nur noch um die Interessen der Atomwirtschaft, Einwände und Bedenken gegen die PKA spielen im Regierungshandeln in Hannover und Berlin keine Rolle mehr", so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Die PKA der Öffentlichkeit als Servicestation für kaputte Castor-Behälter unterzujubeln, sei "einfach dreist", so Renate Backhaus, Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen. Alles spräche dafür, "dass hier Landes- und Bundesregierung Sachzwänge schaffen, um den Salzstock Gorleben doch noch als Endlager in Betrieb zu nehmen". Zudem: Wofür brauche man denn eine Reparaturanlage, wenn die Castor-Behälter angeblich so "supersicher" und getestet seien, wie von den Atombefürwortern immer behauptet werde?


Die Gorleben-Gegner:innen kündigen neben einer Klage gegen die Betriebserlaubnis erneut Widerstand gegen weitere Castor-Transporte an, um die PKA "arbeitslos zu belassen". Am Abend findet in der Nähe des Castor-Verladekrans eine Protestaktion statt.
Quelle: dpa / Elbe-Jeetzel Zeitung

2021


29.12.2021

Die Pilot-Konditionierungsanlage sei "technisch veraltet und im Grunde überflüssig" und kostet den Steuerzahler jährlich mehr als sechs Millionen Euro, so Jan Vermöhlen vom Steuerzahler- Bund in Hannover am 29. Dezember. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die PKA noch bis voraussichtlich 2026 stehen bleiben soll. Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte den Abriss bereits vor mehr als zwei Jahren angekündigt.

Die BI fordert: "Abriss sofort! Die rechtlichen Vorkehrungen für den Abriss der PKA kommen hoffentlich auf die To-do-Liste des Umweltministers für das Jahr 2022".

Inhaltsverzeichnis

1980:
"Republik Freies Wendland"

Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der "Republik Freies Wendland". Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.

1982-1985:
Dragahn - eine WAA wird verhindert

Nachdem die Pläne, in Gorleben eine Wiederaufarbeitungsanlage zu bauen gescheitert waren, zauberte die Niedersächsische Landesregierung einen neuen Standort aus dem Hut: Dragahn. Die Pläne scheiterten am Widerstand.

1985-:
Pilot-Konditionierungsanlage

In der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) sollten ursprünglich hochradioaktive Brennstäbe hinter dicken Betonwänden zerschnitten und endlagerfertig verpackt werden.

1985-2020:
Die Kreuzwege

Die vier "Kreuzwege" markieren wichtige Kapitel im Widerstand und damit verbundenen den Standpunkten der Kirche. Die Aktionen hinterließen Kreuze im Wald bei Gorleben - dort wo bis heute das "Gorlebener Gebet" stattfindet.

1990-:
Die Turmbesetzer*innen

Am 21. und 22. Juni besetzen 14 Aktivist*innen beide Endlagerschächte des Bergwerks Gorleben. Anlass ist der Antritt der ersten rot/grünen Regierung in der Geschichte Niedersachsens. Im Nachgang verklagt die Bundesregierung die Aktivist*innen auf 126.000 DM Schadensersatz.

1994:
Castornix

Pleiten, Pech & Pannen: Widerstandscamp "Castornix" und erhebliche Proteste gegen den ersten Castortransport in das Zwischenlager Gorleben, der wegen technischer Mängel dann aber abgesagt wird.

1995:
Castor 1995 - Tag X

Nach der Absage in 1994 spitzt sich die politische Situation zu. Am 24. April 1995 startet der erste Castortransport mit Ziel Zwischenlager Gorleben in Philippsburg.

1996:
Castor 1996 - Tag X2

Zweiter Castortransport nach Gorleben: "Wir stellen uns quer" heißt es im Wendland, als erstmals Atommüll aus der Wiederaufarbeitung angeliefert wird.

1996-2022:
Salinas

Besser als Salz fördern ist KEIN Atommüll lagern. Mit Salzförderung wollten Salinas verhindern, dass in Gorleben ein Endlager gebaut wird.

Die ganze Geschichte: