Gorleben-Chronik

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2001-:

Gorleben Archiv e.V.

"Die Geschichte des Gorleben-Widerstandes gehört in unsere Hände, gerade weil die politischen und juristischen Prozesse keineswegs abgeschlossen sind. Wir wollen ein Archiv, daß über die Konservierung der Materialien hinaus vor allem jungen Menschen Anstöße zum politischen Handeln, zur Einmischung auch außerhalb von Parlamenten, gibt. Ausstellungen, Seminare und sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten dokumentieren einzigartige Geschichte(n) vom Widerstand und machen gleichzeitig Demokratie erlebbar." (Gründung des Gorleben Archiv, 2001)

Gorleben Archiv e.V. wird gegründet

2001


09.07.2001

Am 9. Juli wird der Verein "Gorleben Archiv e.V." gegründet.

Mathias Edler gehört zusammen mit Stefan Dahlmann, Asta von Oppen und Michael Seelig zum vierköpfigen Gründungsvorstand des Vereins "Gorleben-Archiv", der von verschiedenen Gruppen aus dem Anti-Atom-Widerstand - von BI bis Bauern, von Salinas bis Juristen - gegründet und ins Vereinsregister eingetragen wurde. Zu den Gründer*innen gehören außerdem Marianne Fritzen, Lucia Wente, Ingrid und Werner Lowin, Rosi Schoppe, Birgit Huneke, Thomas Hauswaldt, Ulrike Donat und Kathrin Grasnick.

Ziel des Vereins ist laut Satzung die "Sicherung und Sammlung des vorhandenen und inzwischen historisch bedeutenden Materials über den Protest gegen die Umweltgefahren im Landkreis Lüchow-Dannenberg".

Wir machen Geschichte! Der Gorleben-Konflikt ist nicht „reif für´s Museum"! Wir sind mittendrin!

Hannover-Treck, Hüttendorf „Republik Freies Wendland", Blockaden der Fasstransporte, Castortransporte – 25 Jahre Auseinandersetzungen um den Atomstandort Gorleben haben ihre Spuren hinterlassen: In den Biographien der beteiligten Menschen, aber auch niedergeschlagen in Dokumenten, Fotos, Filmen, etc. An keinem anderen Ort in der Bundesrepublik kämpft eine soziale Bewegung quer durch alle Bevölkerungsschichten über einen so langen Zeitraum für ihre Rechte. Nicht alles konnte verhindert werden, was uns die Hohepriester der Atomgemeinde mit ihren Energievisionen bescheren wollten. Doch: Der gesellschaftliche Konflikt lässt sich bis heute nicht „managen". Seine politische Sprengkraft, gerade in Sachen Demokratie und Bürgerrechte, erweist sich als aktueller denn je.

Nur wer sich seiner Vergangenheit bewusst ist, kann … die Zukunft gestalten!

Die Geschichte des Gorleben-Widerstandes gehört in unsere Hände, gerade weil die politischen und juristischen Prozesse keineswegs abgeschlossen sind. Wir wollen ein Archiv, daß über die Konservierung der Materialien hinaus vor allem jungen Menschen Anstöße zum politischen Handeln, zur Einmischung auch außerhalb von Parlamenten, gibt. Ausstellungen, Seminare und sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten dokumentieren einzigartige Geschichte(n) vom Widerstand und machen gleichzeitig Demokratie erlebbar.

November

30.11.2001

Am 30. November findet die erste öffentliche Mitgliederversammlung des Gorleben Archiv e.V. in Breselenz statt.

2002


28.04.2002

Am 28. April wird im Museum Wustrow die Ausstellung "Gorleben sammeln" eröffnet. Das einzige zeitgeschichtliche Museum im Landkreis Lüchow-Dannenberg hat sich unter der Trägerschaft des Museumsverbundes an dieses Projekt gemacht. Die Betreiber plädieren mit der Ausstellung auch an das Gorleben Archiv e.V. für die Einrichtung einer zentralen Dokumentations- und Forschungsstelle.

Angesichts der Gorleben-Geschichte im Landkreis und der Tatsache, dass der Wustrower Vereinsvorsitzende Dr. Rolf Meyer bei der das Endlager bauenden DBE arbeitet, "erübrigt sich die Frage einer Zusammenarbeit", stellte Mathias Edler vom Vorstand des Gorleben Archiv schon im September 2001 fest.

"Wir machen Geschichte!"

2003


01.06.2003

Zum ersten Mal präsentiert sich das "Gorleben Archiv" am Sonntag, 1. Juni der Öffentlichkeit. Im Gasthaus Santelmann in Gedelitz findet ein Sonntagsfrühstück unter dem Motto "Wir machen Geschichte" statt. Präsentiert wird eine Fotodokumentation über 25 Jahre Widerstand, die pro Jahr ein Bild zeigt. Margrit Coellen leitet zur Zeit das Archiv.

"Der Widerstand kommt in die Jahre aber nicht ins Museum oder auf den Müll", so Lilo Wollny.

12.10.2003

"Nicht alle waren käuflich" ist der Titel einer Infoveranstaltung über die Jahre 1977/78, als die Weichen für die Atomanlagen in Gorleben gestellt wurden. Über Grundstückskäufe und Einflussnahmen der Atombetreiber auf die Kommunalpolitik berichtet das Gorleben-Archiv im Gasthaus Wiese in Gedelitz. Zeitzeugen wie Andreas Graf von Bernstorff oder Günther Herbst kommen am 12. Oktober zu Wort:

"Wie gelang es den grauen Herren, Politiker auf ihre Seite zu bekommen?", fragte Lilo Wollny aus Vietze in die große Runde der Zeitzeugen, worauf Andreas Graf von Bernstorff aus Gartow sich an "Informationsfahrten" zur französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague erinnerte. "Wir wurden sehr verwöhnt, doch Sachinformationen gab es wenig".

Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

2004


24.09.2004

Am 24. September stellt das Gorleben Archiv e.V. seine neuen Räume in Grabow, Am Rott, vor, wo bereits seit gut einem Jahr Materialien gesammelt, die Archivarbeit organisiert und die Logistik und Finanzierung des Projektes aufgebaut wurden. Der Weg sei nun frei für die eigentliche Arbeit, nämlich das Sichern und Archivieren von Schriftstücken und Fotos rund um den Gorleben-Konflikt, so Asta von Oppen aus dem Vorstand des Archives.

2005


15.04.2005

Mitte April findet die zweite Mitgliederversammlung des Gorleben Archiv e.V. statt, die erste im März war wegen zu geringer Anzahl anwesender Mitglieder*innen nicht beschlussfähig. Gestrichen aus der Satzung wird der Passus, dass nur Lüchow-Dannenberger Mitglied im Verein werden können. Der Verein wird nun von Asta von Oppen, der bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden, geführt. Sie wurde zur Nachfolgerin von Matthias Edler gewählt, der nicht mehr für den Vorsitz kandidierte. Neuer Stellvertreter ist Stefan Dahlmann. Seine Aufgaben als bisheriger Kassenwart übernimmt Lothar Heide. Schriftführerin bleibt Marianne Fritzen.

Im vergangenen Jahr stand für das Gorleben Archiv inhaltlich die aufwändige Einrichtung eines Findbuches im Mittelpunkt. Dadurch ist die Grundlage für die professionelle Archivierung der umfangreichen Materialien über die Auseinander- setzungen um den Atomstandort Gorleben gelegt worden, dankte Asta von Oppen den ehrenamtlichen Historikern. Derzeit sortieren fünf Ehrenamtliche die Privatarchive der beiden bekannten Widerstands-Frauen Lilo Wollny und Marianne Fritzen.

Wichtigste Aufgaben des Vereins sind es, die Materialien für Recherchen von Wissenschaftlern und Journalisten auch zukünftiger Generationen zugänglich zu machen sowie die Archivarien für Veranstaltungen wie die während der Landpartie im Mai aufzubereiten.

Als Anschubfinanzierung hat das Gorleben-Archiv aus öffentlichen Mittel durch Leader+ und von der Heinrich-Böll-Stiftung als Cofinanzier jeweils 29532 Euro für das erste Jahr erhalten. Für das zweite Jahr, den Zeitraum von August 2004 bis August 2005, bekommt das Gorleben-Archiv von Leader+ und der Stiftung jeweils rund 13500 Euro. Das Geld wurde und wird ausgegeben für eine hauptamtliche Halbtagskraft, das Büro in Grabow sowie Investitionen in den Archivaufbau. Aus Mitgliedsbeiträgen hat der Verein im Jahr 2004 ein angesichts der Aufgabe kleines finanzielles Polster von 3522 Euro geschaffen. Die Zahl der Mitglieder ist von Anfang 2004 bis heute von 47 auf 59 gestiegen.

Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

08.05.2005

Für den 8. Mai kündigt das Gorleben Archiv eine Lesung "Platzbesetzung 1004" auf der Bohrstelle 1004 an und bekommt eine mündliche Zusage vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Nachfolger der für die Tiefbohrungen zuständigen PTB. Statt einer zugesagten schriftlichen Bestätigung folgte ein Brief vom Landkreis: Die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) dulde solche "Aktionen auf ihren Flächen nicht" und kündigt an "entsprechend ordnungsbehördliche Maßnahmen zum Schutz des Privateigentums" zu veranlassen.

"Im BfS war den Mitarbeitern inzwischen aufgefallen, dass das Gelände im Eigentum der DWK ist und das BfS nur Nutzungsrechte hatte und hat", so Asta von Oppen vom Verein "Gorleben-Archiv". Die DWK habe die Verwaltung der Grundstücke in die Hände der BLG in Gorleben gelegt.

"Heute wie vor 25 Jahren: Kreisverwaltung und Betreibergesellschaft gehen Hand in Hand", kommentiert Archiv-Sprecher Stefan Dahlmann das Geschehen. Offenbar stelle das Lesen des Gedichtes "Entsorgt" von Nicolas Born "eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung" dar.


Die Lesung aus Tagebüchern, Texten, Briefen von Wolfgang Kaven findet dann vor rund 100 Zuhörer auf dem Salinas-Gelände statt.

Inhaltsverzeichnis

1980:
"Republik Freies Wendland"

Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der "Republik Freies Wendland". Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.

1982-1985:
Dragahn - eine WAA wird verhindert

Nachdem die Pläne, in Gorleben eine Wiederaufarbeitungsanlage zu bauen gescheitert waren, zauberte die Niedersächsische Landesregierung einen neuen Standort aus dem Hut: Dragahn. Die Pläne scheiterten am Widerstand.

1985-:
Pilot-Konditionierungsanlage

In der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) sollten ursprünglich hochradioaktive Brennstäbe hinter dicken Betonwänden zerschnitten und endlagerfertig verpackt werden.

1985-2020:
Die Kreuzwege

Die vier "Kreuzwege" markieren wichtige Kapitel im Widerstand und damit verbundenen den Standpunkten der Kirche. Die Aktionen hinterließen Kreuze im Wald bei Gorleben - dort wo bis heute das "Gorlebener Gebet" stattfindet.

1990-:
Die Turmbesetzer*innen

Am 21. und 22. Juni besetzen 14 Aktivist*innen beide Endlagerschächte des Bergwerks Gorleben. Anlass ist der Antritt der ersten rot/grünen Regierung in der Geschichte Niedersachsens. Im Nachgang verklagt die Bundesregierung die Aktivist*innen auf 126.000 DM Schadensersatz.

1994:
Castornix

Pleiten, Pech & Pannen: Widerstandscamp "Castornix" und erhebliche Proteste gegen den ersten Castortransport in das Zwischenlager Gorleben, der wegen technischer Mängel dann aber abgesagt wird.

1995:
Castor 1995 - Tag X

Nach der Absage in 1994 spitzt sich die politische Situation zu. Am 24. April 1995 startet der erste Castortransport mit Ziel Zwischenlager Gorleben in Philippsburg.

1996:
Castor 1996 - Tag X2

Zweiter Castortransport nach Gorleben: "Wir stellen uns quer" heißt es im Wendland, als erstmals Atommüll aus der Wiederaufarbeitung angeliefert wird.

1996-2022:
Salinas

Besser als Salz fördern ist KEIN Atommüll lagern. Mit Salzförderung wollten Salinas verhindern, dass in Gorleben ein Endlager gebaut wird.

2001:
Süschendorf

Im März 2001 blockierten Aktivist:innen, angekettet an einen Betonblock im Gleisbett, bei Süschendorf stundenlang den Transport von hochradioaktiven Atommüll auf seiner Fahrt nach Gorleben. Es folgte ein langjähriger Prozess-Marathon.

2001:
März-Castor

Zwei Castoren rollen in einem Jahr, März: 16.000 Menschen protestieren in Lüneburg gegen den ersten Castor-Transport nach einer langen Pause, X-tausend blockieren in Wendisch-Evern, in Süschendorf ketten sich Aktivist:innen an einen Betonblock im Gleisbett und zwingen den Zug zum Rückwärtsgang.

2001:
November-Castor

Der zweite 2001-Castor rollt im November. X-tausend Menschen widersetzen sich erneut der atomaren Fracht.

2001-:
Gorleben Archiv e.V.

"Die Geschichte des Gorleben-Widerstandes gehört in unsere Hände, gerade weil die politischen und juristischen Prozesse keineswegs abgeschlossen sind. Wir wollen ein Archiv, daß über die Konservierung der Materialien hinaus vor allem jungen Menschen Anstöße zum politischen Handeln, zur Einmischung auch außerhalb von Parlamenten, gibt. Ausstellungen, Seminare und sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten dokumentieren einzigartige Geschichte(n) vom Widerstand und machen gleichzeitig Demokratie erlebbar." (Gründung des Gorleben Archiv, 2001)

2002:
Castor im "dreckigen Dutzend"

Erstmals rollen im November 2002 zwölf Castor-Behälter auf ein Mal ins Wendland. Der Widerstand antwortet mit "Ver-rück-ten Dörfern", X-tausend Quersitzer:innen und Schienenblockaden.

Die ganze Geschichte: