Gorleben-Chronik

Gorleben-Chronik - Themenecke

2002:

Castor im "dreckigen Dutzend"

Erstmals rollen im November 2002 zwölf Castor-Behälter auf ein Mal ins Wendland. Der Widerstand antwortet mit "Ver-rück-ten Dörfern", X-tausend Quersitzer:innen und Schienenblockaden.

2002

April

Fünf Millionen Euro stellt die niedersächsische Landesregierung für den Neubau fester Unterkünfte mit Sanitäranlagen für die Polizei während der Castortransporte nach Gorleben zur Verfügung. So sollen 500 Beamtinnen und Beamte auf dem Areal der Polizeiunterkunft in der Saaßer Chaussee in Lüchow "besser wohnen in Castor-Zeiten", heisst es Anfang April.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) spricht von einer "unglaublichen Provokation":

"Wenn wissenschaftliche Tricks, Überredungskunst oder Stillhaltegelder die Illusion einer sicheren Entsorgung nicht vorgaukeln können, wird gegen Grundrechte mündiger Bürger weiter aufgerüstet und ein ganzer Landkreis unterdrückt. Es ist ungeheuerlich, dass mit unseren Steuergeldern die Interessen der Atomindustrie finanziert werden, die selber Kosten für realistische Castor-Tests scheut und für Transport-Begleitung nicht aufkommt", so die BI.

02.04.2002

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) genehmigt am 2. April den nächsten Atommülltransport in das Zwischenlager Gorleben aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague (Frankreich). Bis Ende des Jahres dürfen zwölf Behälter auf einmal transportiert werden. Eine wichtige Nebenauflage: Der Transporttermin muss von der GNS (Gesellschaft für Nuklearservice) und von der DB-Tochter Nuklear Cargo + Service GmbH mindestens sechs Monate vorher angemeldet werden.

04.04.2002

"Sechs der zwölf nächsten Castor-Behälter für Gorleben sind in der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague bereits gepackt. Die hochradioaktiven Kokillen werden aller Voraussicht nach im November ins Zwischenlager gebracht", heisst es am 4. April in der Presse. Die technischen Voraussetzungen dafür seien mittlerweile gegeben, so GNS-Pressesprecher Michael Ziegler. Das einzige technische Problem habe in der Ausstattung und Zulassung der Waggons für einen solchen Zwölfer-Transport bestanden. Mit den technischen Voraussetzungen im Verladebahnhof in Breese/Marsch gebe es keine Probleme.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

06.07.2002

Am 6. Juli lässt die Bezirksregierung Lüneburg durch das "Staatliche Baumanagement" den "Aufbau, Vorhaltung und Abbau von Wohn-, Aufenthalts- und Sanitärcontainern" öffentlich ausschreiben. Fast 3.000 Container sind für die Castor-Polizisten vorgesehen, davon sollen in der Theodor-Körner-Kaserne in Lüneburg 1.345, in Neu-Tramm 315, im Gorlebener Zwischenlager 420, im "Erkundungsbergwerk" 177, in Dannenberg auf dem Gelände der ehemaligen Sägerei nahe dem Verladekran 443 sowie auf dem BGS-Gelände in Uelzen 184 Container aufgestellt werden. Sie dienen der Unterkunft von ca. 9.000 Polizisten.

Allerdings wollen 3 000 Container auch transportiert werden. Ob das so reibungslos funktioniert, muß sich erst noch zeigen. In den wendländischen Gärten herrscht ob des nassen Frühjahrs eine unglaubliche "Schneckenplage". Wer kann ausschließen, daß sich diese bis in den November hinzieht? heisst es am 9. Juli in einem Artikel auf indymedia.org

23.07.2002

Am 23. Juli berichtet das ARD-Magazin "Plusminus", dass die Sicherheit des CASTOR-Behälters HAW 20/28 CG, mit dem hochaktive Glaskokillen ins Wendland transportiert werden sollen, nicht wirklich gegeben sei. Entgegen Berechnungen der Sicherheitsbehörden würde er beim Abladen vom LKW ein Sturz aus 3 m Höhe möglicherweise nicht unbeschadet überstehen, da beim Umladen die "Stoßdämpfer" nicht mehr montiert seien.

04.08.2002

In einem Antwortschreiben des Bundesamt für Strahlenschutz auf einen Fragenkatalog der Bürgerinitiative Umweltschutz wegen der Vorwürfe aus der "Plusminus"-Sendung vom 23. Juli gibt die Behörde am 4. August Sicherheitsdefizite zu:

"Zukünftige Einlagerungen im Zwischenlager Gorleben werden im Rahmen eines modifizierten Verfahrens abgewickelt", so Dr. Heimlich vom BfS. "So wird im Auf- und Abladebereich der Behälter ein Holzstoßdämpfer auf dem Betonboden ausgelegt. Für den Bereich außerhalb des Stoßdämpfers wird eine Höhenbegrenzung des Hallenkrans eingerichtet, so dass (...) die Behälterunterkante nur eine Höhe von 25cm über dem Hallenboden erreichen kann."

Diese Neuerungen samt neuer Berechnungen seien von "Gutachtern des BfS im Rahmen des Genehmigungsverfahrens der 2. Änderungsgenehmigung überprüft" worden, und vor Erteilung der Genehmigung am 18. 1. 2002 in das Betriebshandbuch des TBL Gorleben aufgenommen worden.

"Für uns hat sich damit bestätigt, dass die Bruchsicherheit der neuen CASTOR-Behälter HAW 20/28 CG nicht gegeben ist, und auch bei den bereits eingelagerten Behältern nicht besteht", so die Bürgerinitiative Umweltschutz. "Statt die Ursachen zu beseitigen, und den fehlkonstruierten Behältern sofort die Genehmigung zu entziehen, wird weiter gepfuscht."

15.08.2002

Für Baukosten in Höhe von ca. 3 Millionen Euro wurde im August bei der ehemaligen Überseefunkstation Woltersdorf mit dem Bau neuer fester Polizeiunterkünfte begonnen.

Auf drei bis zum 31.12.2011 gepachteten Flurstücken würden fünf doppelstöckige, festinstallierte Wohnbauten für je 108 Polizisten installiert. 6m hoch und 39m mal 12m groß, sollen diese voraussichtlich zwei mal im Jahr für 6-8 Wochen genutzt werden. Allein der Pachtvertrag zwischen dem privatem Eigentümer und dem Land Niedersachsen, vertreten durch die Bezirksregierung, belaufe sich auf 100.000 Euro jährlich.

Auf dem Gelände der Polizeiunterkunft in Lüchow lässt das Land für fünf Millionen Euro Unterkünfte in Leichtbauweise errichten.

Im Breeser Weg in Dannenberg hat das Land ein 40000 Quadratmeter großes Grundstück angemietet, auf dem Flächen planiert werden und Arbeiten für Wasser- und Abwasserkanäle stattfinden. 3 Millionen Euro sind vom Staatlichen Bauamt Lüneburg für die Errichtungskosten veranschlagt. Auf drei bis zum 31.12.2011 gepachteten Flurstücken werden fünf doppelstöckige, festinstallierte Wohnbauten für je 777 Polizisten installiert. 6m hoch und 39m mal 12m groß, sollen diese voraussichtlich zwei mal im Jahr für 6-8 Wochen genutzt werden.

August

30.08.2002

Nach Informationen der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg will die niedersächsische Landesregierung wegen der hohen Kosten für Polizeieinsätze bei Castortransporten nach Gorleben Landeskrankenhäuser, Staatsbäder und Domänen teilprivatisieren, heisst es am 30. August. Dadurch sollen ab 2004 nach Plänen von Finanzminister Heinrich Aller ca. 120 Mio. Euro, in der Hauptsache für Castorpolizeikosten und Expo-Schulden, zur Verfügung stehen.

"Etwas Makabereres als Krankenhäuser gegen Castortransporte ein zu tauschen ist wohl kaum zu überbieten", empört sich die Bürgerinitiative Umweltschutz.

06.09.2002

Die Bürgerinitiative Umweltschutz will mit weiterem Beweismaterial ihre Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg unterfüttern, heisst es am 6. September. Die Straftat der Zwischenlager-Betreiberin GNS und der befördernden DB Cargo sei "auf dem Tablett nachzuweisen", so Heinrich Messerschmidt von der Fachgruppe Radioaktivität. Die Transportgenehmigung gelte nur für Castoren mit umfangreichen Stoßdämpfern. Da der Castor aber an den Tragzapfen "blank liegt", werde de facto ohne erforderliche Genehmigung transportiert. Messerschmidt: "Sie transportieren gegen Recht und Gesetz".
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

05.10.2002

"Mit Kind und Kegel ran an die Säcke" heisst die Aktion am "Treckerreifen-Denkmal" in Jameln am 5. Oktober. Mit Sandsäcken wird die Forderung "Stoppt die Atom-Flut" auf den Acker neben der Bundesstraße geschrieben. Am Nachmittag findet in Pisselberg eine Kundgebung statt. Dort hatte der Bahndamm beim Hochwasser Schaden genommen, derzeit findet kein Schienenverkehr statt. Die Bahn gibt allerdings keine Auskünfte über den Zustand. Fragen der Sicherheit dieses Streckenabschnitts und der Unsicherheit der bruchgefährdeten Atombehälter stehen daher im Fokus der Aktion.

25.10.2002

"Es werden keinerlei Sicherheitsrisiken gesehen", so Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) am 25. Oktober. Daher gebe es auch keinerlei Veranlassung, auf die Transporte nach Gorleben zu verzichten. Fallversuche mit Castor-Behältern seien aber "wünschenswert".

26.10.2002

Am 26. Oktober erlässt die Bezirksregierung Lüneburg ein Versammlungsverbot entlang der Transportstrecke des Atommüll-Transports nach Gorleben. Unangemeldete öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge werden für den Zeitraum vom 09.11.2002, 00.00 Uhr, bis zum 20.11.2002, 24.00 Uhr, in einem Korridor 50m links und rechts der Strecke und in einem Radius von ca. 500 m um den Zaun der Verladestation Dannenberg und dem Zwischenlager Gorleben untersagt.

Die Behörde versuche, "mit unglaublichem Aufwand und wildem Verdrehen und Vermischen von Zitaten der Kampagne X-tausendmal-quer unterzuschieben, sie befürworte Gewalt, plane selbst massive Straftaten und anderes mehr und rufe auch noch öffentlich dazu auf", so Sprecher Jochen Stay. Die Bezirksregierung tue in der Allgemeinverfügung alles, "um den Castor-Protest in ein falsches Licht zu rücken". Damit begründe sie eine "weitgehende Aufhebung von Grundrechten" und versuche gleichzeitig "unter Vorspiegelung falscher Tatsachen viele Menschen abzuschrecken, sich am Protest zu beteiligen."
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

26.10.2002

Die Auftaktkundgebung am Endlager-Erkundungsbergwerk am 9. November wird erstmals nicht von der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) angemeldet, sondern unter der Regie des Republikanischen Anwältinnen und Anwaltsvereins (RAV) stehen. Das gibt Martin Lemke vom RAV am 26. Oktober auf der Podiumsdiskussion der von der BI in Platenlaase veranstaltetenden Tagung "Demokratie jetzt" mit Vertreter:innen verschiedener Bürgerrechtsorganisationen bekannt.

29.10.2002

"Der Castor-Transport ist ein hervorragender Anlass, unsere Kritik an der Entsorgungslüge kundzutun. Auch Rot-Grün verschleiert, dass es keine Atommüll-Entsorgung gibt. Aktionen und Protest-Kundgebungen sind ein legitimes, urdemokratisches Mittel", so die Bürgerinitiative Umweltschutz am 29. Oktober, und kündigt an gegen das Versammlungsverbot zu klagen.

"Jetzt schlägts 13!"

Oktober

30.10.2002

"Wir werden es ihnen zeigen", kündigt Rosi Schoppe, die Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz am 30. Oktober im "Café Grenzbereiche" in Platenlaase an: der Widerstand gegen die Atomenergie sei eben noch nicht erlahmt. Das Motto für den Protest der Castor-Gegner in Anlehnung an den Zwölfer-Pack: "Jetzt schlägts 13!".

Ver-rück-te Dörfer: An mehreren Stellen entlang der Transportstrecke sollen mit phantasiereichen Aktionen Dörfer neu gegründet werden: zum Beispiel "Hitz-witz" bei Hitzacker, die "uranologische Fachklinik Pieseldamm" bei Pisselberg, ein "Wanderdorf" im Raum Quick-born, Langendorf und Gusborn, eine "Irrenanstalt mit Fitness-Center Neu Spleenau" in Splietau... An möglichst vielen Stellen will man die Polizei auf Trapp halten.

02.11.2002

Für Logistik und Infrastruktur der Polizei laufen "die letzten Vorbereitungen", heisst es am 2. November. Das Areal am Castor-Verladekran in Breese/Marsch ist massiv mit scharfem Sperrdraht, Gittern und schon jetzt jeder Menge BGS-Beamter gesichert. Wohncontainer sind in Gorleben, Woltersdorf und im Dannenberger Gewerbegebiet aufgestellt und bezugsfertig. Die Neubauten in der Lüchower Polizeiunterkunft sind fertig und bereits bewohnt.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

02.11.2002

Von einer gepachteten Wiese nahe am Verladekran in Breese demonstriert die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) ab dem 2. November, dass es, so die Vorsitzende Rosi Schoppe, "die ganz normalen Menschen sind, die trotz Atomausstieg immer noch Widerstand gegen den Castor leisten". Seit dem Nachmittag ist dort ein Sofa im Blick einer WebCam und die liefert Tag und Nacht im 20-Sekunden-Takt dem worldwideweb Momentaufnahmen vom Verladekran.

02.11.2002

Trotz nasskalten Wetters versammelten sich am 2. November etwa 150 Atomkraftgegner:innen in Uelzen auf dem Hammersteinplatz, um ihrem Protest gegen den bevorstehenden Castor-Transport im Zwölferpack nach Gorleben öffentlichen Ausdruck zu verleihen.

02.11.2002

Am 2. November protestiert die Greenpeace Jugend mit einem Castor-Modell auf dem Lüchower Marktplatz gegen das "Luftschloss Endlager".

02.11.2002

Die Fraktion der Grünen Liste Wendland (GLW) kritisiert die Container-Bauten auf dem ehemaligen ÜFEst-Gelände in Woltersdorf. Diese Baumaßnahmen, so GLW-Sprecher Knut Hose, "stehen eindeutig im Widerspruch zum bestehenden Flächennutzungsplan und sind damit planungsrechtlich unzulässig. Eine Baugenehmigung für die Maßnahmen hätte aufgrund der Festlegungen des Flächennutzungsplanes nicht erteilt werden dürfen."

02.11.2002

Mit einer gleichermaßen symbolischen wie auch satirischen Protest-Aktion machen AtomkraftgegnerInnen am 4. November die Sicherheitszweifel an Castor-Behältern zum Ausdruck. Unter dem Motto "Castor-Sicherheit?? Nix paletti!" werden vor dem Zwischenlager in Gorleben zahlreiche Holzpaletten ausgelegt. Vor der Berliner Bundesanstalt für Materialforschung simulieren Demonstrant:innen zeitgleich einen Falltest mit einer Castor-Attrappe.

"Die Behauptung, dass die Behälter einen Absturz aus drei Metern Höhe unbeschadet überstehen, muss seither als bloßes Glaubensbekenntnis betrachtet werden", so "Robin Wood". Und lege man die Auflage zu Grunde, dass der Castor im Lager nur 25 Zentimeter über dem Boden angehoben werden darf, dann dürfte der Transport nur mit vier km/h rollen und wäre 14 Tage unterwegs.


Die Zwischenlager-Betreiberin BLG unterstreicht, dass die Castoren sicher seien: "Es ist eine Verdrehung der Tatsachen zu behaupten, die mit dem Polizeieinsatz einhergehenden Unannehmlichkeiten für uns Bürger hätten ihre Ursache in dem Castor-Transport als solchem." Der Castor sei "nicht die Ursache für den Polizei-Einsatz", die Sicherheit der Castor-Behälter beim Transport und bei der Zwischenlagerung sei "gewährleistet". ("Standort-Nachrichten")

04.11.2002

Wand an Wand in einem Raum im Lüchower Rathaus sitzen seit dem 4. November mit dem Konfliktmanager der Polizei die Mitglieder der Castor-Gruppe Lüchow. Eigentlich wäre "Natodraht und Flatterband der angemessene Ausdruck" für die Situation mit einer "Besatzungsmacht, die unsere Heimat zerstört", das Zimmer teilen zu müssen. Die Trennwand sei ein sichtbares Zeichen dafür, dass eine Zusammenarbeit nicht stattfindet, auch wenn es Einsatzleiter Hans Reime gerne so hätte, so Winfried Scholten.

05.11.2002

"Wir setzen auf Qualität statt auf Quantität", so Francis Althoff von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg am 5. November auf einer Pressekonferenz in Hannover. 3.000 Demonstrant:innen erhofft die BI bei der großen Auftaktkundgebung direkt am Zwischenlager. "Wenn es mehr werden, sind wir positiv überrascht." 15.000 Einsatzkräfte von Polizei und Grenzschutz waren es vor einem Jahr; bei schätzungsweise höchstens 10.000 dürfte die Zahl diesmal liegen, kündigt Gesamteinsatzleiter Hans Reime an. "Es wird ausreichen und ich kann jederzeit Kräfte nachordern."

05.11.2002

Am 5. November treffen die zwölf Straßen-Tieflader für die Atommüllbehälter auf dem Verladebahnhof Dannenberg ein.

06.11.2002

Nachdem das Hochwasser den Bahndamm bei Pisselberg aufgeweicht hatte, gibt am 6. November ein Gutacher der Deutschen Bahn grünes Licht für den Atommüll-Transport: Der Damm habe "genügend Festigkeit, Ausbesserungsarbeiten seien nicht nötig, die Castoren können anrollen."

07.11.2002

Am 7. November unterhölen Castor-Gegner:innen die Kreisstraße 15 zwischen Quickborn und Kacherien teilweise. Traktoren, Autos und Betonblöcke blockieren die Straße. Nun muss die Belastbarkeit der Straße geprüft werden. In Quickborn blockieren zudem 30 Personen mit sieben Traktoren und Heuballen eine Kreuzung.

08.11.2002

Mit einer Anti-Castor-Parade tanzen sich rund 400 Schüler:innen am 8. November in Lüchow für die Demonstrationen der nächsten Tage warm: "X-Parade - Wir tanzen uns warm" ist das Motto einer Street-Parade mit dem "Mobilen Musikkampfwagen".

Auftaktdemonstration in Gorleben


09.11.2002

Über 4.000 Atomkraftgegner:innen folgen am 9. November dem Aufruf des Republikanischen Anwaltsvereins (RAV) zu einer Kundgebung an der Endlagerbaustelle in Gorleben. Zu Fuß, mit Kinderwagen und Roller oder mit dem Trecker waren die WendländerInnen unterwegs, um gegen den Castortransport und seine Begleitumstände zu protestieren. Zwei Demo-Züge, unterstützt von über 80 Traktoren, führten von Gorleben und Gedelitz vor die Atomanlagen.

"Alles schon gesagt", so Birgit Huneke als Rednerin für die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Ob Kohl und Merkel oder Schröder und Trittin, geändert hätten sich nur die Namen, nicht aber deren Politik:

"Nun stehen wir wieder hier und dabei ist alles gesagt! Nach 25 Jahren ist alles gesagt! (...) Wie haben es unsere Schüler mal formuliert : "Wenn ihr unser Leben nicht achtet, achten wir eure Gesetzte nicht" (...) So - es ist alles gesagt. Jetzt laßt uns was tun! Paßt gut auf euch auf!" (Birgit Huneke, BI)


Satire und Straßentheater einer "Wetten dass nicht...?"-Show runden die Veranstaltung ab und geben einen Vorgeschmack auf die Aktionen der nächsten Tage, "wo es mit Happenings und augenzwinkerndem Ernst ernst wird mit der Querstellerei."

In und um Buchholz formiert sich die Gruppe "contrAtom" und lädt anlässlich des Transports zu einem Planungstreffen ein. Mit über 20 Personen wird an der Auftaktdemonstration in Gorleben sowie an Aktionen der Aktionsgruppe X1000malquer teilgenommen.
Quelle: contratom.de, indymedia.org

"Ver-rück-te Dörfer"

November

10.11.2002

Am 10. November werden elf neue Dörfer an der Castor-Transportstrecke gegründet. Rund 1.500 Menschen sind zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit Treckern unterwegs, um ihre Dörfer mit Fitneßzentren, Arzt-Praxen, Rathäusern und Schulen einzurichten. Eingeweiht wurden die "ver-rückten Dörfer" mit Kunst und Kultur, bei Kaffee, Kuchen und Suppe.

"Wir haben die 15 000 eingesetzten Polizeikräfte mit einem Lachen besiegt", wertete die BI Umweltschutz Lüchow Dannenberg den fantasievollen Aktionstag als Erfolg.

10.11.2002

Zu Zwischenfällen kommt es in Splietau und Gusborn. In Splietau richtet ein Polizist seine Waffe erst auf einen Treckerreifen und anschließend auf Umstehende und den Fahrer. Die Trecker seien auf Polizisten zugefahren, daraufhin hätten zwei ihre Dienstwaffen gezogen, heisst es von der Polizei. Bei einem Gottesdienst bei Gusborn wird ein Demonstrant von einem Polizeifahrzeug angefahren.

10.11.2002

150-200 Atomkraftgegner:innen versammeln sich am S-Bahnhof Maximiliansau-West in der Grenzstadt Wörth am Rhein, unmittelbar an den Schienen, über welche der Transport vermutlich rollen wird.

Castor Alaaf und Helau - de Zoch kütt?


11.11.2002

FotosFilm
Am 11. November um 11.11 Uhr veranstaltet die Bürgerinitiative einen Umzug mit dem Motto "Alaaf und Helau, de Zoch kütt. Wolle mer se reilasse"? Was dem Rheinland der Narren-Alarm, ist dem Gorleben-Widerstand der Castor-Alarm. Rund 800 Atomkraftgegner protestieren in Dannenberg mit einem karnevalesken Umzug gegen den nahenden Castoren-Transport.

"Wir lassen uns nicht einschüchtern und gehen auch im 26. Jahr unseres Bestehens weiter auf die Strasse, um gegen die ungelöste Atommüll-Entsorgung zu protestieren!", so die BI.

11.11.2002

Etwa 2.000 Demonstrant:innen ziehen am 11. November nachmittags vom Clamart-Park aus durch die Innenstadt Lüneburgs.

11.11.2002

Am 11. November im 19.00 Uhr startet der Atommüll-Zug aus dem französischen Verladebahnhof Valogne seine Fahrt mit Ziel Gorleben. Die Zusammenstellung des Zuges: 2 Diesel Lokomotiven - 3 Personenwagons - 12 Castoren - 1 Personenwagons - 1 Diesellok.

11.11.2002

Um 19.00 Uhr findet im wendländischen Alt-Bräsig auf einem Senf-Acker ein Fussballspiel zwischen den Motorradfreunden vom FC IDAS und der Bäuerlichen Notgemeinschaft statt. Das Ergebnis: 4 ½ : 3 ½ für die IDAS.

An einem Laternenumzug in Hitzacker nehmen ca. 400 Menschen teil. Der Ausgangpunkt Freie Schule wird von der Polizei in gleißendes Flutlicht getaucht.

12.11.2002

Gegenüber den nach dem vorigen Castor-Transport beschriebenen Missständen in der Gefangenensammelstelle (GESA) in Neu Tramm seien dort "keine Verbesserungen in der Unterbringungsstruktur und im Ablauf zu erkennen", so Kreistagsabgeordnete von UWG, FDP, Bündnisgrünen und GLW nach einer Besichtigung am 12. November.

12.11.2002

Die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet in ihrer Ausgabe vom 12.11.2002, dem Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) seien Berechnungen zur Stabilität und damit zur Sicherheit des CASTOR-Behälters nicht ausreichend. Die FTD zitiert den Materialprüfer Völzke, wonach es "beim Absturz auf den Hallenboden (...) eine sehr hohe Beschleunigung (gibt) und an einzelnen Stellen des Behälters sehr hohe Verzögerungen. Dabei laufen sehr starke Schwingungen durch den Behälter. Der Antragsteller, die GNS, sei "nicht in der Lage, Auswirkungen dieser Einwirkung mit Zahlen zu unterfüttern".

"Wir haben seit Jahren gefordert, daß Fallversuche mit Originalbehältern durchgeführt werden. Das war immer unter Verweis auf Berechnungen umgangen worden", kritisiert die BI Lüchow- Dannenberg einen Tag nach der Veröffentlichung. "Die Konsequenz für den laufenden Transport kann nur heißen: Sofortiger Abbruch, kein Weitertransport der Behälter nach Gorleben. Auch keine neuen Transporte in die Wiederaufarbeitung sei die logische Folge".

Quelle: Financial Times Deutschland, 12.11.2002

12.11.2002

Um 10.05 Uhr erreicht der Atommüll-Zug die französische Stadt Nancy, um 14.50 Uhr Bischheim und um 15.15 Uhr Straßbourg.

Im Wendland werden die Kreuzung in Streetz und die Bahnbrücke bei Seerau von hunderten Menschen und dutzenden Traktoren blockiert.

Gegen 17.00 Uhr passiert der Castor-Zug die deutsch-französische Grenze und erreicht Wörth / Rhein.

12.11.2002

Am Abend finden in Metzingen, Lüneburg und in Hitzacker Laternenumzüge statt, an denen sich einige hundert Menschen beteiligen. Ca. 300- 400 Leute ziehen von der Freien Schule durch Hitzacker und dann wieder zum Ausgangspunkt zurück. Beim Abschluss der Demo verweilen ca. 150 Leute auf / in der Nähe des Bahnübergangs und werden von der Polizei abgedrängt. Auf dem Marktplatz in Dannenberg spricht auf einer Kundgebung u.a. "Mister X" vor etwa 2.000 TeilnehmerInnen. In Hamburg nehmen 100 bis 150 Leuten an einer Demo einmal rund um den Hauptbahnhof teil.

12.11.2002

Um 18.25 Uhr verlässt der Atommüll-Zug Wörth in Richtung Karlsruhe (Ankunft 18.53 Uhr). In der Nähe von Mannheim stoppen 25 Aktivist:innen gegen 20.00 Uhr den Zug, zwei von ihnen sind mit einem Rohr in Freudenheim bei Neckarstadt an die Gleise gekettet.

12.11.2002

Gegen 21.30 Uhr setzt der Zug seine Fahrt fort und ist 22.15 Uhr durch Darmstadt-Nord über Kranichstein nach Aschaffenburg gefahren. Eine Mahnwache von Atomkraftgegner:innen in Dieburg passiert der Zug um 22.27 Uhr.

Der Zug besteht aus zwei roten Dieselloks, dahinter fünf BGS-Waggons, 12 Castorbehälter, fünf BGS-Waggons, am Ende zwei Dieselloks. Ihm folgt ein Zug von 4 zusammengekoppelten Loks.
Er ist 630 Meter lang und transportiert gut 1.300 Tonnen verglasten Atommüll

13. November - Atommüllzug erreicht das Wendland


13.11.2002

Gegen 00.25 Uhr erreicht der Castor-Transport Fulda, 01.29 Uhr Bebra und 02.45 Uhr Witzenhausen. Im Wendland werden von der Polizei in der Nacht sämtliche Bahnbrücken der Castor-Strecke ausgeleuchtet. An vielen Orten finden Personenkontrollen statt.

13.11.2002

Gegen 03.30 Uhr erreicht der Atommüll-Zug Göttingen. Etwa 30 Atomkraftgegner:innen blockieren nahe des Hauptbahnhofs die Bahngleise und stoppen den Transport für etwa 30 Minuten.

Die Weiterfahrt führt über Laatzen (4.35 Uhr), Wunstorf (5.08 Uhr), Nienburg (5.44 Uhr) Richtung Verden/Aller.

13.11.2002

Gegen 6.30 Uhr wird bei Haßbergen ein Regionalzug gestoppt, der Atommüll-Zug wird dadurch blockiert. 20 Leute müssen von der Schiene getragen werden. Eine Stunde später heisst es: Hassel / Rohrsen, Castor steht wieder! Zwei Leute angekettet. Um 10.16 Uhr erreicht der Atommüll-Zug dann den Rangierbahnhof Maschen.

13.11.2002

Gegen 11.00 Uhr wird bei Lüneburg im Stadtteil Goseburg ein ICE von AtomkraftgegnerInnen gestoppt:

"Etwa um 10.50 Uhr wurde durch eine Menschenblockade für 10 Minuten ein ICE aus Richtung Hamburg kurz vor Lüneburg gestoppt und damit der Castortransport für ca. 50 Minuten an der Weiterfahrt gehindert. Die Aktion war verantwortungsvoll durchgeführt. Dieser ICE war vorgewarnt, fuhr bereits seit Winsen verlangsamt und näherte sich mit niedriger Geschwindigkeit. Ca. 40 DemonstrantInnen und die Einsatzkräft vom BGS befanden sich auf der Schiene, als der ICE 400 m vor der Blockade stehenblieb. Der Vorwurf, diese Menschenblockade hätte eine Notbremsung verursacht, ist falsch. Eine Notbremsung war nicht notwendig , denn die 20 km lange Strecke ab Winsen reicht als Bremsweg sogar für einen Überschall-ICE aus. Gesicherten Informationen zur Folge waren Polizei und BGS über eine Blockade auf der Hauptstrecke Hamburg-Lüneburg informiert, bevor der fragliche ICE Winsen erreicht hatte. Die Darstellung von Polizei und BGS dramatisieren und verfälschen die Ereignisse." (Aktionsbündnis Heidewerkstatt, 14.11.2002)


Die Polizei schreibt hingegen: "Hier ist um Haaresbreite eine Katastrophe verhindert worden. Obwohl wir die Leute im Gleisbett gewarnt haben, wurden hier rücksichtlos Menschenleben aufs Spiel gesetzt."

An der Castor-Blockadeaktion hat ein Spitzel teilgenommen. Durch Recherchen wurde der ca. 35 Jahre alte Mann als BGS-Beamter enttarnt.

"Die Angelegenheit ist brisant. Neu ist uns beispielsweise auch, dass der BGS Spitzel einsetzt. Nicht die Protestformen, sondern das Verhalten von Bezirksregierung , Polizei und BGS überschreitet alle Grenzen des Fassbaren!", so Beate Friedrich vom Aktionsbündnis Heidewerkstatt.

13.11.2002

Um 12.00 Uhr werden zwei angekettete Aktivist:innen auf der Schiene bei Leitstade gemeldet. Die Polizei musste erneut die Schienen durchtrennen, um die Blockierer:innen aus dem Gleisbett zu heben.

"Die Aktion vor dem Castor richtet sich nicht nur unmittelbar gegen die gefährliche und unsinnige Atommüllverschieberei. Wir wollten hier vor allem eine Brücke schlagen zum Beginn der radioaktiven Verseuchung bei der Gewinnung von Uran", so eine Aktivistin.

13.11.2002

Etwa 12.20 Uhr verlässt der Castor-Zug den Rangierbahnhof Maschen und erreicht um 12.44 Uhr Lüneburg.

13.11.2002

FotosFilm
Nach kurzem Aufenthalt im Westbahnhof rollt der Zug weiter auf das Gleis Richtung Dannenberg. Im weiteren Verlauf werden immer wieder teilweise bis zu 100 Aktivist:innen von der Polizei von den Schienen geräumt. Wegen einer defekten Bremsleitung kommt der Transport lediglich mit Schrittgeschwindigkeit vorwärts.

Kurz nach 15.00 Uhr kommt der Castor an der Brücke bei Harlingen für 15 Minuten zum Stehen, ein Aktivist war auf einen Waggon aufgesprungen und zog die Notbremse. Um 16.22 Uhr ist Hitzacker passiert, um 16.46 Uhr Dannenberg, um 17.41 Uhr der Verladekran Dannenberg-Ost erreicht.

Die Atomkraftgegner hielten die Polizei mit immer neuen Aktionen in Atem. So saß die Einsatzleitung etwa einer Ente auf: Die Beamten hatten einem Anrufer geglaubt, dass im Elbedorf Laase das Gleisbett unterhöhlt und voll Wasser gelaufen sei und gaben diese Information an die Öffentlichkeit weiter. Erst nach Protesten von Anwohnern und Atomkraftgegnern stellte sich heraus, dass es kein großes Loch in der Deichstraße gibt. (spiegel.de)

Symbolisches Atommüllzwischenlager vor Grünen-Parteizentrale


13.11.2002

Mit Schwertransportern karren Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace zwölf Castorbehälter aus Blech und Holz in die Hauptstadt und parkten sie punkt 10 Uhr vor der Bundesparteizentrale von Bündnis 90/Die Grünen. Am späten Nachmittag werden die Behälter abgeladen und eine angrenzende Wiese zum Zwischenlager umzufunktionieren.

"Damit ist das Atommüllproblem dort, wo es hingehört, bei den verantwortlichen Politikern", so Sven Teske, Greenpeace-Energieexperte.

13.11.2002

Die Holz-Stoßdämpfer, die seit Januar beim Abladen der CASTOR- Transportbehälter von den Tiefladern im Zwischenlager Gorleben untergelegt werden müssen, sind zu klein. Wie der "TÜV Nord" bei der Abnahme festgestellt hat, fehlen jeweils zehn Zentimeter an der Länge.
Quelle: Presseerklärung BI Lüchow-Dannenberg

13.11.2002

"Die Polizei  missbraucht ihre Rolle zur Konstruktion eines völlig falschen Bildes über den  gewaltfreien Protest im Wendland," erklärt Sören Janssen, Pressesprecher der  Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer. "Das grenzt an Verleumdung". Neben dem unterspühlten Deich in Laase und der Notbremse des ICE bei Lüneburg hätte die Polizei behauptet, in Hitzacker seien 38 Fahrzeuge beschädigt worden. Hierfür gibt es außer der Polizei nach Informationen von X-tausendmal quer keine weiteren Zeugen außer der Polizei.

"Im Übrigen sollte nicht mit Steinen werfen, wer im Glashaus sitzt. Gegen 22.20 Uhr begannen PolizeibeamtInnen im Zuge der Auflösung einer Straßenblockade in Splietau die Reifen der 42 vor Ort befindlichen Trecker zu zerstechen und die Fahrzeuge fahruntüchtig zu machen", so Janssen. Die Grenzen des Fassbaren seien "seit langem überschritten".

13.11.2002

Um 22.00 Uhr sind bereits sechs der zwölf Castor-Behälter von den Schienenwaggons auf Straßen-Tieflader umgeladen.

X-tausendmal quer blockiert 5 Stunden lang in Laase


13.11.2002

Gegen 23.30 Uhr gelangen die ersten Atomkraftgegner:innen trotz Polizeipräsenz auf die Transportstrecke bei Laase. Die zahlenmäßig unterlegene Polizei konnte nicht verhindern, dass in kürzester Zeit über 1.200 Menschen der Aktion "X-tausendmal quer" die Strecke besetzten.

Erst nach drei Stunden begann die Polizei die Blockade durch Wegtragen der DemonstrantInnen zu räumen. Die Weggetragenen wurden in einen Polizeikessel verbracht, wo ihre Personalien aufgenommen wurden. Erst um 4.35 Uhr hatte die Polizei alle Aktivist:innen von der Straße getragen - die Castoren standen unterdessen seit 3.37 fertig verladen in Dannenberg.

"Diese Blockade hat wie viele andere Aktionen in den letzten Tagen gezeigt, dass Atomtransporte nur gegen den entschlossenen Widerstand tausender Menschen und nur mit massiver Polizeigewalt durchzusetzen sind," erklärte Sören Janssen, Pressesprecher von X-tausendmal quer.

"Es ist jedoch nicht wichtig, wieviele Minuten der Transport braucht oder verzögert wird, sondern wie viele Menschen Zivilcourage gegen eine verantwortungslose Atompolitik zeigen," erklärte Jochen Stay von X-tausendmal quer.

14.11.2002

Um 2.55 Uhr ist der elfte der zwölf Atommüll-Behälter vom Bahnwaggon auf den Straßentieflader umgeladen, um 03.36 Uhr befinden sich alle Behälter auf den LKW-Anhängern.

Kurz vor halb sieben startet der Konvoi dann vom Verladebahnhof Dannenberg-Ost auf die letzten 30 Kilometer nach Gorleben. Dabei wird die Südroute über Splietau, Klein- und Groß-Gusborn gefahren.

Mit bis zu 40 km/h "rauschen" die Atommüll-Lkw an den gekesselten Demonstrant:innen in Laase vorbei.

Dezember

Anfang Dezember bestätigt der Bundesgrenzschutz, dass sich bei der ICE-Aktion in Lüneburg am 13. November der "zivile Aufklärer" im dienstlichen Auftrag unter die Demonstranten gemischt habe. Bei der Aktion hatte die Polizei 38 Castor-Gegner in Gewahrsam genommen, darunter den BGS-Kollegen, der sich als Landwirt ausgegeben haben soll. Er wurde von den Polizisten zunächst nur als Zeuge vernommen. Inzwischen gilt er als Mittäter und schweigt zu den Vorwürfen.
Quelle: Spiegel Nr. 49/2002

"Laaser Kessel" im November 2002 war rechtswidrig

2004

Juni

Die Einkesselung durch die Polizei auf einem Feld in der Nacht zum 14. November 2002, die Nacht des Castor-Straßentransports, sei weder verhältnismäßig gewesen, noch hätten menschenwürdige Bedingungen geherrscht, urteilt die Dannenberger Amtsrichterin Peony Staiger Anfang Juni. Sie gibt damit einem 46-jährigen Castor-Gegner aus Tettnang Recht, der gegen die polizeiliche Ingewahrsamnahme geklagt hatte.

"Zumutbare Bedingungen hätten nur dann vorgelegen, wenn von außen, das heißt von anderen Organisationen, so viele Decken, Heißgetränke und sanitäre Anlagen in den Kessel geschafft worden wären, dass für jede Einzelperson in diesem Kessel von zumutbaren Bedingungen hätte gesprochen werden können". so Richterin Staiger. Die Bürgerinitiative Umweltschutz wertet das Urteil als "ein weiteres deutliches Einhaltgebot" gegenüber "unkontrollierter Polizeiwillkür".

Inhaltsverzeichnis

1980:
"Republik Freies Wendland"

Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der "Republik Freies Wendland". Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.

1982-1985:
Dragahn - eine WAA wird verhindert

Nachdem die Pläne, in Gorleben eine Wiederaufarbeitungsanlage zu bauen gescheitert waren, zauberte die Niedersächsische Landesregierung einen neuen Standort aus dem Hut: Dragahn. Die Pläne scheiterten am Widerstand.

1985-:
Pilot-Konditionierungsanlage

In der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) sollten ursprünglich hochradioaktive Brennstäbe hinter dicken Betonwänden zerschnitten und endlagerfertig verpackt werden.

1985-2020:
Die Kreuzwege

Die vier "Kreuzwege" markieren wichtige Kapitel im Widerstand und damit verbundenen den Standpunkten der Kirche. Die Aktionen hinterließen Kreuze im Wald bei Gorleben - dort wo bis heute das "Gorlebener Gebet" stattfindet.

1990-:
Die Turmbesetzer*innen

Am 21. und 22. Juni besetzen 14 Aktivist*innen beide Endlagerschächte des Bergwerks Gorleben. Anlass ist der Antritt der ersten rot/grünen Regierung in der Geschichte Niedersachsens. Im Nachgang verklagt die Bundesregierung die Aktivist*innen auf 126.000 DM Schadensersatz.

1994:
Castornix

Pleiten, Pech & Pannen: Widerstandscamp "Castornix" und erhebliche Proteste gegen den ersten Castortransport in das Zwischenlager Gorleben, der wegen technischer Mängel dann aber abgesagt wird.

1995:
Castor 1995 - Tag X

Nach der Absage in 1994 spitzt sich die politische Situation zu. Am 24. April 1995 startet der erste Castortransport mit Ziel Zwischenlager Gorleben in Philippsburg.

1996:
Castor 1996 - Tag X2

Zweiter Castortransport nach Gorleben: "Wir stellen uns quer" heißt es im Wendland, als erstmals Atommüll aus der Wiederaufarbeitung angeliefert wird.

1996-2022:
Salinas

Besser als Salz fördern ist KEIN Atommüll lagern. Mit Salzförderung wollten Salinas verhindern, dass in Gorleben ein Endlager gebaut wird.

2001:
Süschendorf

Im März 2001 blockierten Aktivist:innen, angekettet an einen Betonblock im Gleisbett, bei Süschendorf stundenlang den Transport von hochradioaktiven Atommüll auf seiner Fahrt nach Gorleben. Es folgte ein langjähriger Prozess-Marathon.

2001:
März-Castor

Zwei Castoren rollen in einem Jahr, März: 16.000 Menschen protestieren in Lüneburg gegen den ersten Castor-Transport nach einer langen Pause, X-tausend blockieren in Wendisch-Evern, in Süschendorf ketten sich Aktivist:innen an einen Betonblock im Gleisbett und zwingen den Zug zum Rückwärtsgang.

2001:
November-Castor

Der zweite 2001-Castor rollt im November. X-tausend Menschen widersetzen sich erneut der atomaren Fracht.

2001-:
Gorleben Archiv e.V.

"Die Geschichte des Gorleben-Widerstandes gehört in unsere Hände, gerade weil die politischen und juristischen Prozesse keineswegs abgeschlossen sind. Wir wollen ein Archiv, daß über die Konservierung der Materialien hinaus vor allem jungen Menschen Anstöße zum politischen Handeln, zur Einmischung auch außerhalb von Parlamenten, gibt. Ausstellungen, Seminare und sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten dokumentieren einzigartige Geschichte(n) vom Widerstand und machen gleichzeitig Demokratie erlebbar." (Gründung des Gorleben Archiv, 2001)

2002:
Castor im "dreckigen Dutzend"

Erstmals rollen im November 2002 zwölf Castor-Behälter auf ein Mal ins Wendland. Der Widerstand antwortet mit "Ver-rück-ten Dörfern", X-tausend Quersitzer:innen und Schienenblockaden.

Die ganze Geschichte: