Gorleben-Chronik

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2001:

November-Castor

Der zweite 2001-Castor rollt im November. X-tausend Menschen widersetzen sich erneut der atomaren Fracht.

2001


04.04.2001

"Die Transportfirma Nuclear Cargo+ Service (NCS) hat beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für dieses Jahr einen neuen Transport von atomaren Abfällen aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich nach Deutschland beantragt. Der Antrag umfasst den Transport von sechs Castor-Behältern mit HAW-Glaskokillen", schreibt das BfS am 4. April in einer Pressemitteilung. Eine Genehmigung für die Lagerung von HAW-Glaskokillen besitzt nur das Zwischenlager Gorleben.

"Business as usual ist das nicht, sondern eine offene Provokation der Atomwirtschaft", heißt es in einer ersten Stellungnahme der BI Umweltschutz. Atomtransporte nach Gorleben seien "politisch nicht mehr durchsetzbar, es sei denn um den Preis des Ausnahmezustands für die Region".

Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

99.04.2001

Ende April verständigen sich der niedersächsische Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel und Bundeskanzler Gerhard Schröder auf eine "Bündelung der Castor-Transporte nach Gorleben": Ab 2002 solle es statt der geplanten zwei Transporte nur noch einen Castor-Zug nach Gorleben pro Jahr geben - dann allerdings mit der doppelten Anzahl von Behältern.

"Wenn das die einzige Konsequenz ist, die die Politik aus den Ereignissen beim letzten Castor-Transport Ende März zieht, dann haben Gabriel und Schröder entweder nichts verstanden, oder sie wollen uns für dumm verkaufen", so Wiebke Herding, Sprecherin der bundesweiten Anti-Atom-Kampagne "X-tausendmal quer". Der Gorleben-Konflikt lasse sich nicht "durch eine ökonomischere Organisation von Polizeieinsätzen lösen, sondern nur durch eine andere Energiepolitik. Die Bündelung von Castor-Transporten ist ein Herumdoktern an den Symptomen, aber keine Bekämpfung der Ursachen dieses gesellschaftlichen Konfliktes."

11.06.2001

Am 11. Juni stimmt Niedersachsen einem zweiten Castor-Transport nach Gorleben in 2001 zu, wenn es die Zusicherung einer stärkeren Unterstützung durch Bund (BGS) und die anderen Bundesländer gibt.

16.06.2001

In diesem Jahr wird es einen zweiten Castor- Transport ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben geben: Das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt am 16. Juni eine weitere Anlieferung von sechs Atommüll-Behältern aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague.

August

20.08.2001

Der letzte Castor-Transport im Frühjahr wird haushaltsrelevante Mehrkosten von 50 Millionen Mark verursachen, so der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling am 20. August. Er hofft, "dass der Castor-Widerstand im Wendland endlich nachlässt". Künftig werde es nur noch einen Sammeltransport mit 12 Behältern im Jahr geben, die Energieversorgungsunternehmen "stellen das Equipment für zwölf Castoren zur Verfügung und verbessern die Rangiermöglichkeiten für einen längeren Castor-Zug vor der Umladestation".

28.08.2001

Als Voraussetzung für eine weitere Lieferung von Atommüllbehältern nach Gorleben verlängert das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am 28. August die verkehrsrechtliche Genehmigung für die Castor-Behälter HAW 20/28, die Ende Oktober ausgelaufen wäre, bis 2004.

02.09.2001

Am 2. September veranstaltet die frisch gegründete Castorgruppe Langendorf ein Straßentheater auf der Nordroute von Dannenberg nach Gorleben und lässt eine Zugmaschine und einen "Atommüllbehälter" von rund 300 Menschen mit "schwerem Gerät" wie motorisierten Rasenmähern und Kindertreckern blockieren. Präsentiert werden auch die Aktion "Schneckenplage" und der Aufruf "Wir lassen unsere Gäste nicht im Regen stehen" für den nächsten Castor-Transport.

Während die "Schneckenplage" darauf setzt, dass aus Protest gegen den Belagerungszustand im Wendland schon im Vorfeld eines Castortransports viele Autofahrer angesichts von BGS- und Polizeikolonnen nur noch im Schneckentempo fahren, laden Flugblätter und Plakate mit einen grünen Schirm über dem Widerstands-X dazu ein, Demonstranten jederzeit Einlass zu gewähren, um sich aufzuwärmen, sich auszuruhen, zu essen und zu trinken und notfalls auch zu nächtigen.

19.09.2001

Trotz der Terroranschläge in den USA gibt sich niedersächsische Innenminister Heiner Bartling (SPD) am 19. September uneinbedruckt: die Vorbereitungen für die nächsten Gorleben-Castoren laufen "wie bisher", er sehe trotz der Terroranschläge im Moment "keine Einschränkungen".

"Es ist der Zeitpunkt gekommen, innezuhalten. Business as usual kann es bei dieser Gemengelage aus Entsetzen über die Anschläge und Angst vor den bevorstehenden Militärschlägen und ihren unabsehbaren Folgen nicht geben", so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

05.10.2001

"Viele Menschen haben Sorge, dass militärische Aktionen der USA und der NATO zu einer Spirale der Gewalt führen und dass Selbstmordattentäter im Gegenzug Nuklearanlagen ins Visier nehmen könnten", schreibt die Bürgerinitiative Umweltschutz am 5. Oktober. "Noch mehr Polizei und BGS zur Sicherung des Transports, der aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague am 5./6. November nach Gorleben rollen soll, und noch mehr Repression" könnten die Folge sein.

"Rollen die Transporte, stellen wir uns quer, auch wenn uns ein mulmiges Gefühl nicht loslässt", so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Die Ankündigung des Polizeieinsatzleiters Hans Reime, er würde diesmal statt 12 sogar 20 Konfliktmanager einsetzen, um die "Sorgen und Nöte der Bevölkerung entlang der Transportstrecke" aufzunehmen, sei "angesichts der aktuellen politischen Begleitumstände ein Hohn".

06.10.2001

In der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober wird einen Kilometer vor dem Ort Bavendorf zwei mehr als fünf Meter lange Gleisstücke aus dem Schienenbett herausgesägt und zu einem X übereinander gelegt.

14.10.2001

Zu einem großen Ratschag lädt die Bürgerinitiative Umweltschutz am 14. Oktober in das Gasthaus Grönecke in Breese / Marsch ein. "Den Castor stoppen, bevor er losfährt", heisst eines der Aktionskonzepte für den für den 12. November angekündigten Atommülltransport.

"Uns geht es immer noch darum, den nächsten Castor durch politischen Druck zu verhindern, die innen- und außenpolitische Situation spricht für einen Transportestopp", so die BI-Vorsitzende Rosi Schoppe. "Wenn aber der Zug mit den sechs Castorbehältern Anfang November von La Hague aus auf die Reise geht, wird es bei uns wieder heiß hergehen und der Atommüll-Fahrplan wird durcheinander geraten."

14.10.2001

In der Nacht von Sonntag zu Montag (14./15. Oktober) werden an neun Orten in Lüchow-Dannenberg brennende Barrikaden errichtet. In Zarenthin, Bergen, Quickborn, Zernien, Kreyenhagen, Metzingen, Laase, Schmarsau und Gusborn haben offenbar Atomkraftgegner mehrere Straßenbarrikaden aus Autoreifen und Baumstämmen errichtet und diese angezündet. In einem Bekennerschreiben der Gruppe "Ali Baba und die 40 Räuber:innen" heißt es: "Es ist nicht hinzunehmen, dass auf dem Rücken der Zivilbevölkerung mittels uniformierten Terrors und Schikanen (...) ein weiterer Castortransport durchgeknüppelt werden soll."

15.10.2001

Am 15. Oktober trifft der niedersächsiche Innenminister Heiner Bartling (SPD) in Dannenberg ein, um mit Lokalpolitikern über den in November geplanten Castortransport zu reden.

"Es gibt keine Anzeichen, die auf einen möglichen Terror-Anschlag gegen Atommüll-Transporte in Deutschland hindeuten", so Bartling.

15.10.2001

Mit Nato-Draht wird Mitte Oktober die Bahnstrecke rund um den Verladekran Dannenberg von der Polizei abgesichert. Zahlreiche Beamte sind bereits im Einsatz, als Quartier sind unweit des "Weißen Hauses" mehrere Container installiert worden.

18.10.2001

Anlässlich des Besuchs von Bundesumweltminister Jürgen Trittin in Gorleben findet am 18. Oktober vor dem Erkundungsbergwerk eine Kundgebung statt. Trittin spricht auf dem Gelände mit den Mitgliedern des Kreisausschusses, des Ausschusses Atomanlagen und den Bundes- und Landtagsabgeordneten der Region über den bevorstehenden Castortransport aus La Hague.

"Wir gehen nicht davon aus, dass Trittin sich für einen Castorstopp einsetzt, denn er steht bei der Stromwirtschaft im Wort, die nukleare Entsorgung nicht zu gefährden", so die BI-Vorsitzende Edelgard Gräfer. Der "ungebrochene Widerstand müsse nun auch im Alltag wieder sichtbar werden", Trittin solle den Landkreis schon bei seinem Hubschrauberanflug an den vielen gelben Widerstands-Kreuzen erkennen.

"Beim März-Castor kniff Trittin, als wir mit ihm im Hundertwasserbahnhof Uelzen öffentlich debattieren wollten", erinnert die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. "Jetzt verschanzt sich der Regierungsgrüne hinter den Festungsmauern auf der Endlagerbaustelle und führt interne Gespräche: also machen wir Protest."


Der "Atomausstieg bringt massive Entlastungen für Gorleben" heisst es von Seiten des Bundesumweltministers. "Durch die gesetzliche Befristung der Regellaufzeiten verringern wir die Menge des noch anfallenden Atommuells. Durch den Bau der standortnahen Zwischenlager reduzieren wir die Zahl der Atomtransporte und sorgen fuer eine gerechte Lastenteilung. Und durch den Stopp des Endlagerbaus beenden wir die politische Festlegung der Vorgaengerregierungen auf den Standort Gorleben", so Trittin.

Oktober

20.10.2001

"Wir haben die Schnauze gestrichen voll von Belagerung, Überwachung und Verfolgung! Wir warten nicht, bis der Castor kommt - die Ruhe ist vorbei!" heisst es in einem Aufruf der "Abteilung Verkehr und Inneres im Kreis der Freien Republik Wendland" zu einem Aktionstag am 20. Oktober.

In Lüchow, Dannenberg, Uelzen, Rosche, Hitzacker, Pudripp und Kaltenhof finden zeitgleich Demonstrationen statt.

Am Abend treffen sich alle in Platenlaase zu einem Solikonzert u.a. mit der Hamburger Band "Kettcar".

Brandanschlag auf Brücke in Seerau


24.10.2001

Auf die Eisenbahnbrücke bei Seerau / Hitzacker wird in der Nacht zum Mittwoch (24. Oktober) ein Brandanschlag verübt. Zwei landwirtschaftliche Anhänger mit Stroh und Gummireifen und einem Fass mit rund 200 Litern Diesel als Brandbeschleuniger wurden unter die Eisenbahnbrücke gefahren und angezündet. Beamte des BGS entdeckten gegen 21 Uhr das Feuer. In der Nähe der Brandstelle stellten Beamte einen Traktor sicher, der nach Polizeiangaben vor einigen Tagen von seinem Besitzer als gestohlen gemeldet wurde.

Nach ersten Untersuchungen von Sachverständigen erklärte die Deutsche Bahn AG am Mittwoch, die Strecke bleibe vorerst gesperrt. Etwa 20 Bahnschwellen und 15 Meter Schienen auf einer Brücke bei Hitzacker müssten ausgetauscht werden. Ob Beschädigungen an der Stahlkonstruktion die Statik der Brücke insgesamt gefährdeten, müsse eine gesonderte Untersuchung erst klären.

Widersetzen


25.10.2001

Unter dem Motto "WiderSetzen" wird eine große Bürgerinnen- und Bürgerblockade gegen den in drei Wochen erwarteten Castor-Transport nach Gorleben angekündigt. Ziel der Blockade ist es, möglichst viele, auch ganz "normale" BürgerInnen,in das Aktionskonzept einzubinden. Die Straßentransportstrecke bei Dannenberg soll möglichst dauerhaft besetzt werden. Die Idee zur großen "Bürgerinnen- und Bürgerblockade" sei wesentlich inspiriert worden durch die Aussage von Hans Reime, dem Gesamteinsatzleiter der Polizei, bei den Castor-Transporten: "Wenn Tausende von wendländischen Bürgern die Straße blockieren, dann haben wir ein Problem."

"Wir glauben, daß der Sonntag ein guter Zeitpunkt ist, weil wir an diesem Tag mit vielen Menschen gemeinsam auf die Castor-Strecke gelangen können", meint Jochen Stay von der Kampagen X-tausendmal quer, "natürlich werden nicht alle dann die ganze Zeit dabeibleiben können, aber wenn wir erstmal sitzen, sind wir nicht mehr so leicht dort wegzubringen."


Das sogenannte "Streckenkonzept" der Anti-Atom-Initiativen beinhaltet einerseits große Demonstrationen und Kundgebungen, andererseits Aktionen direkt an der Transportroute. Insgesamt soll das Aktionsfeld im Vergleich zum Castor-Transport im März ausgeweitet werden: Auch auf den Hauptstrecken der Bahn sind Blockaden geplant, heisst es am 25. Oktober.

25.10.2001

Einen Tag nach dem Brandanschlag auf die Brücke in Seerau / Hitzacker heisst es am 25. Oktober aus Hannover: Das Bauwerk werde bereits repariert, der Atommüllzug könne wie geplant rollen.

27.10.2001

Am 27. Oktober erlässt die Bezirksregierung Lüneburg die "Allgemeinverfügung über eine räumliche und zeitliche Beschränkung des Versammlungsrechts innerhalb eines Korridors für den Castortransport" für den Zeitraum vom 03. bis zum 20. November.

"Die Versammlungsbehörde hat die Pflicht zu verhindern, dass der Transport der Castorbehälter mit hochradioaktiven Abfällen wegen rechtswidriger oder strafbarer Handlungen abgebrochen werden muss", erklärt Regierungsvizepräsidentin Elke Sellmann.


Neben der Bahnstrecke Lüneburg - Dannenberg umfasst die Verfügung die Straßentransportstrecke von Dannenberg nach Gorleben über Gusborn sowie die Nebenstrecke über Quickborn. Betroffen ist der Bereich 50 Meter beiderseits von Straße und Schiene sowie ein Areal von 500 Metern im Umkreis von Umladestation und Zwischenlager. Angemeldete Demonstrationen werden ab der Zeit vom 5. November, nicht angemeldete ab dem 3. November bis zum Transportende untersagt.

30.10.2001

Am 30. Oktober ändert die Bezirksregierung Lüneburg die Verbotsverfügung. Wegen der Reparatur der Eisenbahnbrücke bei Seerau habe man die Erforderlichkeit des Verbots erneut geprüft. Anstatt ab dem 3. solle es nunmehr erst ab dem 10. und bis zum 24. November Einschränkungen der Versammlungsfreiheit geben.

02.11.2001

Die für den Transport der Castor-Behälter verwendeten Stoßdämpfer entsprechen nicht denjenigen, die bei entsprechenden "Falltests" verwendet wurden. Auch sind Hitze- und Beschußtests nicht unter realistischen Bedingungen an Original-Behältern, sondern nur an Modellen vorgenommen worden. Die Behälter ensprechen somit nicht den Vorgaben der IAEA, und sind damit unzulässig, so weist der Sicherheitsfachmann für Transportbehälter und IAEA-Mitglied, Friedhelm H. Timpert nach. Timpert referiert am 2. November im Gasthaus Lühr in Breselenz und legt über das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Widerspruch gegen die Genehmigung des bevorstehenden Atommülltransports ein.

02.11.2001

Greenpeace legt am 2. November mit Verweis auf mangelnde Behältersicherheit bei einer Neubewertung wegen Terrorgefahr beim niedersächsischen Umweltministerium (NMU) Einspruch gegen die Transportgenehmigung ein.

04.11.2001

"Wir wollen keine verstrahlte Zukunft" ist das Motto einer Aktion der Greenpeace-Jugend am 4. November. Geschminkt und verkleidet, auf Fahrrädern und Inline-Skates lassen Jugendliche eine originalgetreue Nachbildung eines Castor-Behälters vom Zwischenlager Gorleben zum Verladebahnhof nach Breese in der Marsch rollen.

05.11.2001

Das Bundesamt für Strahlenschutz widerspricht den Ausführungen Friedhelm H. Timperts: Dieser sei nicht widerspruchsbefugt, die Behälter seien während des ganzen Transports mit Stoßdämpfern gesichert. Auch während des Umladevorgangs "sollen diese Stoßdämpfer montiert bleiben", so das BfS am 5. November.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

06.11.2001

Am 6. November treffen die sechs Metall-Gestelle mit Plane, in die die Castorbehälter eingehängt werden, um sie auf Straßen-Tiefladern zu transportieren, an der Umladestation in Dannenberg ein.

07.11.2001

Am 7. November berichtet der Bundesgrenzschutz, er habe bereits am 12. Oktober im Rahmen der Aufklärung auf der Bahnstrecke Lüneburg – Dannenberg, bei Bahnkilometer 209,50 , zwischen den Haltepunkten Bavendorf und Dahlenburg, einen einbetonierten Betonblock festgestellt. Dort seien "zwei einbetonierte und mit Eisen verankerte Kunststoffrohre sichergestellt" worden.

Wir tun es trotzdem!


08.11.2001

In einem Offenen Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder kündigen am 8. November mehr als 1.500 BürgerInnen aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg an, daß sie sich an einer Sitzblockade gegen den in wenigen Tagen geplanten Castor- Transport nach Gorleben beteiligen werden.

"Niemand ist bereit, uns vor den Gefahren der Atommüll-Lagerung zu schützen, deshalb werden wir uns widersetzen." ... "Wir wissen, dass eine Sitzblockade eine Ordnungswidrigkeit ist. Aber wir tun es trotzdem."

09.11.2001

Nachdem am Vormittag des 9. November ein Polizeiwagen in Meuchefitz von etwa 8 Leuten behindert worden sein soll, rücken am Nachmittag rund 100 Beamte aus, um die mutmaßlichen Blockierer dingfest zu machen: Sie riegelen einen Teil des Dorfes ab und suchen in dem Haus (das Tagungshaus), in das die Demonstrant:innen geflüchtet seien. 6 Menschen wurden dort angetroffen und festgenommen.

09.11.2001

Am 9. November lehnt das Niedersächsische Umweltministerium einen Antrag auf einstweilige Stilllegung des Transportbehälterlagers (TBL) in Gorleben ab, der von Greenpeace und einem Anwohner aus Gorleben am 2. November beim Umweltministerium als Atomaufsichtsbehörde eingereicht worden war.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind weder die zwischenzeitlich eingeschalteten Sachverständigengremien, noch die für Transport- und Behälterfragen zuständigen Bundesbehörden von einer bedeutsamen Veränderung der bisherigen Bewertungsergebnisse ausgehen: Danach sind die verwendeten Transport- und Lagerbehälter vom Typ Castor ausreichend sicher.

09.11.2001

Am 9. November erlässt die Bezirksregierung Lüneburg ein Demonstrationsverbot der für die geplante Großkundgebung am Sonntag in Splietau. Die Bürgerinitiative Umweltschutz reagiert mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg. Noch am selben Tag bestätigt die dritte Kammer des Verwaltungsgerichts das Verbot mit der Begründung, die Kundgebung und die angekündigte große Sitzblockade seien "eine einheitliche Veranstaltung". Die BI zieht mit einem Eilantrag vor das Bundesverfassungsgericht.

"Die Allgemeinverfügung der Bezirksregierung, mit der ein demo-freier Transportkorridor geschaffen wurde, ist bereits eine Zumutung. Unerträglich wird es, wenn ein Kundgebungsort nicht mehr im räumlichen Bezug zum Anlass der Proteste steht", so die BI-Vorsitzende Rosi Schoppe.

"Offenbar fahren Polizei und Versammlungsbehörde eine politisch motivierte Totalverhinderungstaktik. Versammlungen verbieten, Camps mit Schlafplätzen und heißen Getränken unterbinden, Menschen ohne Begründung festnehmen", so BI-Sprecher Mathias Edler. "Wir lassen uns das Demonstrieren nicht verbieten!"

Auftakt zu Castorprotesten

November

10.11.2001

An der Auftakt-Demonstration am 10. November in Lüneburg nehmen 8 000 bis 10 000 Atomkraftgegner:innen teil. Parallel findet in Karlsruhe eine Demonstration gegen den Castor-Transport statt, an der sich etwa 700 Menschen beteiligen.

Widersetzen


11.11.2001

Am 11. November befinden sich gegen 12.00 Uhr 500 Leute auf dem Acker der weiterhin verbotenen Kundgebung in Splietau, mehrere Hundert in Nebenstedt, zusätzlich 50 Trecker. Eine Kundgebung wurde in Breese i.d. Marsch genehmigt, dort halten sich mehrere hundert Menschen auf. Im ganzen Landkreis werden Trecker daran gehindert, nach Splitau zu gelangen. Gegen 15.00 Uhr werden 50 Trecker auf der Transportstrecke in Quickborn ineinander verkeilt.

"Eine Stunde nach dem geplanten Beginn der Kundgebung in Splietau erfuhren wir, dass das Verwaltungsgericht Lüneburg das Demo-Verbot nicht aufheben würde. Die vielen Menschen in der Region, die friedlich gegen die rot-grüne Atompolitik demonstrieren wollen, finden keine Möglichkeit, ihren ungebrochenen Protest auszudrücken", so ein Sprecher der Bürgerinitiative. Gleichzeitig setzen die 15.000 Uniformierten von Polizei und BGS faktisch ein totales Demo-Verbot im Wendland durch, selbst der Zugang zu genehmigten Versammlung wurde behindert.


Gegen 16.00 Uhr befinden sich etwa 800 Teilnehmer:innen der Aktion "Widersetzen" neben der Transportstrecke zwischen Nebenstedt und Splietau. Die weit überlegene Polizei kesselt einige ein, zahlreiche Hundeführer und berittene Beamte kommen zu Einsatz. X-tausendmal quer-Sprecher Jochen Stay wird in Gewahrsam genommen und in die Gefangenensammelstelle Neu Tramm gebracht. 150 AktivistInnen werden am Abend ebenfalls festgenommen, Einheimische nach hause geschickt.

"Wir haben gezeigt, dass es trotz weiträumigen Versammlungsverboten und massiver Polizeipräsenz möglich ist, völlig gewaltfrei auf die Castor-Transportstrecke zu gelangen. Das macht uns Mut für die kommenden Tage", so Stay nach seiner Freilassung am Abend.

11.11.2001

Vor der Abfahrt des Castor-Transports im französischen Verladebahnhof Valogne besetzen Greenpeace-Aktivist:innen einen Masten sowie Signalanlagen an den Schienen. Der Zug startet am 11. November um 19.30 Uhr, dem französischen "Netzwerk für den Atomausstieg" zufolge etwa sechs Stunden früher als geplant, um einem angekündigten Eisenbahnerstreik in Caen zu entgehen. An der deutsch-französischen Grenze bei Maximilainsau nehmen am Abend 150 Leute an einem Gleisspaziergang teil.

11.11.2001

Im Wendland nimmt die Polizei in der Nacht zwölf Greenpeace-Mitglieder auf den Schienen in Gewahrsam, bei Harlingen ketten sich mehrere Personen in Baumkronen über der Bahnstrecke an.

12.11.2001

Im Elsass verzögert sich die Fahrt des Castor-Zuges: Das französische "Netzwerk für den Atomausstieg" berichtet, der Zug mit Atommüll sei am Morgen "auf Bitten der deutschen Behörden zwischen den Ortschaften Reding und Mommenheim nördlich von Straßburg angehalten worden". Sie wollten offenbar nicht, dass der Zug zu früh die Grenze passiere, so Netzwerksprecher Pascal Braud.

12.11.2001

Um 11.00 Uhr findet am 12. November eine Protest-Kundgebung in Dahlenburg statt, eine Stunde später auf dem Hammersteinplatz in Uelzen. An vielen Stellen im Landkreis Lüchow-Dannenberg kontrolliert die Polizei Autos und Ausweise.

12.11.2001

Kurz vor 13.00 Uhr passiert der Atommüllzug den französische Gemeinde Mommenheim. Gegen 13.10 Uhr wird der Zug von 10 Aktivist:innen kurzzeitig gestoppt. Eine Stunde später erreicht er den Grenzort Lauterbourg.

12.11.2001

Wie die "Bettenbörse" auf der Info-Wiese in Dannenberg berichtet, "habe man keine Probleme die Anreisenden im Landkreis unterzubringen". Das Verbot von "Camps" beim vergangenen CASTOR-Transport habe sich ins Gegenteil der Erwartungen der Bezirksregierung entwickelt.

Bei Süschendorf, km 201, wurde ein Betonklotz mit vier Röhren gefunden. Im Lüneburger Tiergarten, bei Süschendorf und bei Eimstorf werden von der Polizei Betonblöcke mit Ankettvorrichtungen im Gleisbett entdeckt.

12.11.2001

Um 14.30 Uhr erreicht der Atommüll-Zug den deutschen Grenzort Wörth am Rhein. Im Ortsteil Maximiliansau blockieren mehrere dutzend Atomkraftgegner:innen die Gleise, werden geräumt und in Gewahrsam genommen.

Am Dannenberger Verladekran wird ein privater Acker von der Polizei beschlagnahmt, nachdem der Eigentümer eine vollstreckbare Räumungsverfügung gegen den Bundesgrenzschutz, der dort mit schwerem Gerät parkt, erwirkt hatte.

12.11.2001

Etwa zweihundert Aktivist:innen der Aktion "Widersetzen" machen sich am Nachmittag auf den Weg von Dannenberg zu einer Kundgebung in Hitzacker. Auf dem Weg kommt es zur Schienenblockade bei Pisselberg. An zahlreichen Kontrollstellen versucht die Polizei die Menschen daran zu hindern, nach Hitzacker zu kommen.

"Selbst die wenigen Demonstrationsgenehmigungen werden von der Polizei einsatztaktisch unterlaufen und sollen zunichte gemacht werden. Das Wendland ist eine Sonderechtszone geworden, aus der sich der demokratische Rechtsstaat komplett verabschiedet hat", so BI-Sprecher Mathias Edler.

12.11.2001

An der Kundgebung in Hitzacker nehmen 1.500 Menschen und 10 Trecker teil. Am Bahnübergang "Am Beesenberg" stehen 30 Trecker, bis zu 1.000 Leute sind auf den Schienen. Wasserwerfer werden aufgefahren.

Anwohner seien genervt, eine "Besatzer-Armada" sei vor Ort, ein reiner "Nervenkrieg" entbrannt, meint Wolfgang Ehmke. Der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) sagt am Abend auf einer Anti-Castor-Kundgebung in Hitzacker zum Verhältnis Polizei-Demonstranten in den nächsten Stunden: "Die ziehen ihr Ding durch - und wir stellen uns quer."

12.11.2001

Kurz nach 18.00 Uhr startet der Castor-Zug aus Wörth am Rhein, im Gegensatz zum März-Transport sind keine "Abstands-Waggons" (Güterwaggons) zwischen die Castor-Behälter gekoppelt worden. Etwa 30 Atomkraftgegner:innen blockieren die Gleise und werden von der Polizei weggetragen.

Um 18.22 verlässt der Zug Karlsruhe, um 18.41 Uhr erreicht er Pforzheim und ist Richtung Heilbronn unterwegs. Um 19:12 Uhr durchfährt der Zug Bietigheim-Bissingen, gegen 22.00 Uhr wird Würzburg erreicht. Eine Blockade von Atomkraftgegner:innen kurz vor Heilbronn ist im 20.25 Uhr geräumt, um 20.30 Uhr passiert der Castor die Stadt.

12.11.2001

"Riesenstimmung in Hitzacker": Am Bahnübergang in der Nähe des Bahnhofs in Hitzacker sitzen zumindest bis 22:10 Uhr noch jede Menge Menschen. Direkt auf den Übergang stehen 40 Trecker, in Hitzacker selbst versperren bestimmt weitere 100 Trecker alle Zufahrten von der Stadt zum Bahnhof. Die Polizei hat kaum eine Möglichkeit, durchzukommen. Unter den Schienen wurden etwa 10 bis 15 Meter Schotter abgetragen. (TagXLive - Ticker)

13.11.2001

In der Nacht lösen Aktivist:innen bei Harlingen auf einer Länge von 15 Metern die Schrauben der Schienen und werden bei dem Versuch, sie mit einem Wagenheber anzuheben, festgenommen. In Pannecke stellt die Polizei eine Draisine sicher, die Greenpeace-Aktivist:innen auf einem Anhänger dabei haben.

13.11.2001

Die Fahrt des Atommüll-Zugs führt in der Nacht erstmals über die nördliche Strecke Minden (3.58 Uhr), Nienburg (Weser), Verden / Aller (5.45 Uhr) über Tostedt (gegen 7.00 Uhr), Buchholz (Nordheide) zum Rangierbahnhof Maschen.

13.11.2001

Um 7.20 Uhr stellt sich eine größere Anzahl an Demonstrant:innen in Lüneburg neben ein Gleis an der Strecke Hamburg - Hannover. Ein vorgewarnter ICE nähert sich dieser Stelle im Schritttempo, die Aktivist:innen setzen sich davor auf das Gleis und werden gegen 8.00 Uhr von ca. drei Hundertschaften der Polizei geräumt.

Auf dem Rangierbahnhof in Maschen hat der Atommüll-Zug sechs Stunden Aufenthalt, es gab einen Radlagerschaden an einer Lok. Diese wird ausgetauscht.
Quelle: subkontur.de

Der Castor erreicht das Wendland


13.11.2001

Am frühen Morgen des 13. Novembers hängt über den Schienen bei Pussade ein Greenpeace-Aktivist. Etwa 1.000 Aktivist:innen nehmen an einer dritten Aktion von "Widersetzen" teil, die am Dannenberger Schwimmbad beginnt und erneut auf die Straßentransportstrecke zwischen Nebenstedt und Splietau führt. Am Ortseingang von Splietau blockieren 300 Menschen die Straße. Die Polizei ist überfordert, Hunde und Pferde kommen zum Einsatz, es gibt Verletzte.

"Mit Schlagstöcken ist die Polizei mitten in die Menschenmenge geritten", kommentiert eine Teilnehmerin, "von Verhältnismäßigkeit kann angesichts dieser Brutalität gegen gewaltfreie DemonstrantInnen nicht mehr geredet werden."

"Dieser Transport ist wiedereinmal mit rechtstaatlichen Mitteln nicht durchzusetzen", so Jochen Stay, Pressesprecher der Kampagne X-tausendmal quer. "Diese große Entschlossenheit und der Mut dieser Menschen hier vor Ort wird von der Politik und Polizei wohl immer noch unterschätzt."


In Pisselberg hat sich eine Schafherde selbständig gemacht: 300 Schafe bewegen sich auf die Gleise zu. In Hitzacker werden in der Innenstadt Menschen eingekesselt.

13.11.2001

Zwischen Radbruch und Bardowick gelingt es einer kleinen Gruppe von Aktivist:innen nach der Abfahrt des Castors aus Maschen, unbemerkt auf das Gleis zu gelangen. Zwei Männer ketten sich in einem Rohr unter dem Gleis fest.

Aus dem Castorzug wird allerlei Werkzeug herangeschafft, um die Angeketteten voneinander trennen zu können. Mit Helmen, Decken und Polizeischilden werden die Blockierer geschützt, um die Verletzungsgefahr durch Funkenflug (Flex) zu minimieren. Präzisionsarbeit ist angesagt. Circa zwei Stunden braucht die Polizei, um die Blockade zu beenden.

Quelle: subkontur.de

13.11.2001

Gegen 11.30 Uhr erreicht der Atommüll-Transport, nun von zwei Diesel-Loks gezogen, den abgeriegelten Lüneburger Westbahnhof. Etwa 200 Atomkraftgegner:innen empfangen den Zug. 20 Minuten später setzt der Castor seine Fahrt auf der eingleisigen Schiene Richtung Dannenberg fort. Rund um Dannenberg und vielen weiteren wichtigen Straßen bringt die "Schneckenplage" durch langsam fahrende Autos den Verkehr und auch den Polizei-Nachschub zum Erliegen.

13.11.2001

Bei Dahlenburg gelangen gegen 12.30 Uhr etwa 200 Menschen auf die Schienen. Die Polizei löst die Blockade mit Schlagstock und Pfefferspray auf. Zeitgleich spannen Aktivist:innen von Robin Wood zwischen Bavendorf und dem Bahnhof Dahlenburg zwischen zwei Bäumen Seile quer über die Bahnstrecke, zwei Leute werden jedoch schon nach kurzer Zeit von der Polizei geräumt. Die Weiterfahrt des Atommüll-Zugs verzögerte sich um etwa zwanzig Minuten. Um 12.40 Uhr passiert der Atommüll-Zug Bavendorf, um 13.00 Uhr Dahlenburg.

500m außerhalb der Demonstrationsverbotszone nahe Splietau macht die Polizei fünf Traktoren durch Herausschrauben der Ventile fahruntüchtig.

13.11.2001

Gegen 13.30 Uhr kommt der Castor hinter dem Bahnhof Göhrde (km 195) vor Tangsehl zum Stillstand. An der Brücke haben sich Aktivist:innen festgekettet.

Eine Stunde später erreicht der Zug Hitzacker.

Es befinden sich weiter mehrere hundert Teilnehmer:innen von "Widersetzen" auf der Straßentransportstrecke bei Splietau.

13.11.2001

Um 15.52 Uhr erreicht der Atommüll-Zug den Verladebahnhof Dannenberg-Ost.

13.11.2001

In Laase besetzen gegen 16.00 Uhr ca. 200 Menschen die Straße, auch dort setzt die Polizei Pferde ein und kesselt die Aktivist:innen.

13.11.2001

SPLIETAU: Massive Polizeiübergriffe, mehrere Verletzte durch Hundebisse beim Versuch, auf die Straße zu kommen. (TagXLive Ticker, 16.17 Uhr)

13.11.2001

Gegen 17.15 Uhr Uhr erhalten zwei Aktivist:innen von Robin Wood an der Umladestation in Dannenberg sowie einen Umkreis von 200 Metern einen Platzverweis. Sie wollten die Strahlung, die von den Behältern ausgeht messen.

Vor dem Einschreiten des Bundesgrenzschutzes hatte das Team aber bereits an der Schienenstrecke unmittelbar vor der Verladestation gemessen. Das Ergebnis: In ca. 19 Meter Abstand vom CASTOR-Zug lag die mittlere Dosisleistung (Neutronen- und Gammastrahlung) bei ca. 4 Mikrosievert pro Stunde, ermittelt gemäß deutscher Strahlenschutzverordnung. (...) Der Grenzwert wird damit deutlich eingehalten.

Quelle: robinwood.de

13.11.2001

Um 18.00 Uhr nehmen etwa 2.000 Atomkraftgegner:innen an einer Kundgebung auf dem Marktplatz in Dannenberg teil.

"Unsere Verfassung und gesprochenes Recht sind zum Spielball geworden. Und ich bin mir sicher: Wer das Recht so aus den Angeln hebt, wird sich verheben, wird sich einer unheilbaren Degeneration unseres Rechtswesens schuldig machen", so Rolf Adler, Pastor aus Lüchow.

"Wir werden weiter kämpfen und viel mehr ertragen. Am Ende werden wir es sein, die siegen", so Dietlind Kulow, Mutter und Krankenschwester.

"Noch zwei Behälter sind zu verladen, in Laase sind 700 Leute auf der Straße. Passt gut auf euch auf", mit diesen Worten beendete BI-Sprecher Matthias Edler die Kundgebung.

13.11.2001

Um 21.00 Uhr ist die Widersetzen-Blockade bei Laase auf der Straßentransportstrecke auf 500 Menschen angewachsen. Erst um kurz nach 4.30 Uhr ist die Straße geräumt. Etwa 200 Menschen werden auf dem anliegenden Acker von der Polizei eingekesselt.

14.11.2001

Um 6.00 Uhr starten die sechs Tieflader auf der Straßenstrecke Richtung Quickborn (Nordroute) mit Ziel Zwischenlager Gorleben, begleitet von einem Großaufgebot an Einsatzkräften. Die ersten zwei Transporter werden durch kleinere Aktionen u.a. in Quickborn von den übrigen abgeschnitten.

wir waren eine gruppe von 12 leuten, und hatten uns schon den ganzen tag in quickborn herumgedrückt und auf den castor gewartet. nach etlichen fehlalarmen mitten in der nacht, dass der castor jetzt losgefahren wäre, kam dann un 6.00 der richtige alarm. doch wir glaubten gar nicht daran, da vor unserer türe alle polizeiwannen, die noch 1 h vorher dicht an dicht standen, abgefahren waren. wir sind rausgerannt, als gerade der 3te castor vorbeigefahren ist und wir haben uns zu 12t auf die strasse gesetzt, der castor musste abbremsen und anhalten. dann kam schnell polizei angerannt, aber es hat doch etwas gedauert, bis sie uns alle von der strasse geschleift hatten. was man den bullen lassen muss: sie sind echt nicht unnötig brutal vorgegangen, die schlagstöcke worden nicht massiv eingesetzt. die bullen waren auch einfach total überrumpelt, dass wir da aus so ner hausausfahrt kamen. (indymedia.org)

14.11.2001

Um 07.08 Uhr erreicht der Castor-Transport das Zwischenlager Gorleben.

17.11.2001

Der bäuerliche Widerstand habe den Castor-Transport "nicht ernsthaft behindern können", so die Bäuerliche Notgemeinschaft am 17. November in einer Bilanz. Denn, wo immer auch die Traktoren auftauchten, seien die staatlichen Einsatzkäfte massiv gegen sie vorgegangen. Sie verboten die Durchfahrt zu legalen Kundgebungen, setzten die Trecker auch weit außerhalb der Verbotszone fest und machten sie fahrunfähig. Nach und nach sei so die Zahl der Traktoren in der Transportregion reduziert worden, je mehr sich der Atommülltransport dem Zwischenlager näherte.

"350 Traktoren trotz des Verbotes der Auftaktkundgebung, immerhin 150 trotz der Schikanen bei der Anfahrt in Hitzacker und fast 100 bei verschiedenen Protestaktionen am Dienstag - trotz des ständigen Verfolgungsdrucks", rechnen Hans-Werner Zachow und Henriette Kulow im Namen der Notgemeinschaft vor.


Die Polizei nahm 780 Blockierer:innen vorübergehend in Gewahrsam. Es kam zu 45 Festnahmen, 460 "Platzverweisen" und zu 103 Strafanzeigen. Teilweise mussten Gefangene für viele Stunden in engen Räumen oder Polizeikesseln zusammengepfercht und ohne Versorgung ausharren.
Quelle: u.a. Elbe-Jeetzel-Zeitung

20.11.2001

Am 20. November spricht die Rechtsanwältin Ulrike Donat vom "Republikanischen Anwaltsverein" von "massiven Rechtsverstößen" durch Polizei und Bundesgrenzschutz und einer "Aushebelung effektiven Rechtsschutzes beim Versammlungsrecht".

Die Anwälte berichten zudem von einem Fall, in dem eine auf der Strecke aufgegriffene Person gezwungen worden sei, sich vor den Polizeibeamten nackt auszuziehen. Sodann sei eine Leibesvisitation mit Untersuchung der Achselhöhlen, des Rektal- und Intimbereichs vorgenommen worden.

Bei insgesamt 777 polizeilichen Freiheitsentziehungen seien lediglich in vier Fällen durch den Richter die Fortsetzung des Gewahrsams bis zur Einfahrt des Castor-Transports in das Zwischenlager angeordnet worden.

22.11.2001

Die Kosten für den Atommülltransport schätzt das Land Niedersachsen am 22. November auf etwa 40 Millionen Mark. Sprecher des Innenministeriums, Jürgen Wittenberg. Er räumte aber ein, dass es sich dabei noch um eine "vage Vermutung" handele. Diesmal sei gespart worden, weil die Aktion nicht so lange gedauert habe, so Jürgen Wittenberg, Sprecher des Innenministeriums. Eingesetzt wurden Wittenberg zufolge im Wendland 10 237 Polizisten aus verschiedenen Ländern und bundesweit 7 311 BGS-Beamte.

12.12.2001

"Dass muss sich ändern. Dass kann so nicht weitergehen", diese beiden Sätze, die sich auf unverhältnismäßige Vorgehensweisen der Polizei und die Verletzung der Grundrechte beziehen, finden sich am 12. Dezember im Fazit der 53 Pastorinnen und Pastoren, die sich während des Castor-Transportes als Seelsorger, Vermittler und Konfliktentschärfer betätigten. Das Fazit ihrer Beobachtungen und Erlebnisse haben sie der Landesbischöfin übermittelt.

2002

Mai

Anfang Mai erstatten TeilnehmerInnen der Kampagne x-tausendmal quer Anzeige gegen verantwortliche Polizisten wegen Vorfällen während des Castortransportes im November letzten Jahres. Es geht um Körperverletzung durch z.B. Schlagstock Einsatz, Hundebisse, Pferdetritte und um Freiheitsentsentziehungen, die ohne Rechtsgrundlage durchgeführt wurden.

"Die schleichende Verdrehung von Recht und Unrecht darf nicht hingenommen werden: Es kann nicht angehen, dass AtomkraftgegnerInnen für absolut gewaltfreien Protest verurteilt werden, während leitende Polizisten für Körperverletzungen und andere Vergehen nicht zur Verantwortung gezogen werden", so Swaantje Fock, Pressesprecherin von x-tausendmal quer.

2003


24.10.2003

Bei der Besetzung einer privaten Wiese nahe des Verladekrans im November 2001 habe die Polizei "unrechtmäßig gehandelt", berichtet der Lüneburger Rechtsanwalt Wolfram Plener über ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg am 24. Oktober. Das Verfahren war von dem Eigentümer angestrengt worden, der weder gefragt worden noch mit der Nutzung des Landes durch die Polizei einverstanden gewesen war. Einer einstweiligen Verfügung, die er damals gegen die Polizei erwirkte und mit der die Beamten zur Räumung seines Grundstücks aufgefordert worden waren, hatte die Polizei ignoriert.
Quelle: Elbe-Jeetzel Zeitung

Inhaltsverzeichnis

1980:
"Republik Freies Wendland"

Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der "Republik Freies Wendland". Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.

1982-1985:
Dragahn - eine WAA wird verhindert

Nachdem die Pläne, in Gorleben eine Wiederaufarbeitungsanlage zu bauen gescheitert waren, zauberte die Niedersächsische Landesregierung einen neuen Standort aus dem Hut: Dragahn. Die Pläne scheiterten am Widerstand.

1985-:
Pilot-Konditionierungsanlage

In der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) sollten ursprünglich hochradioaktive Brennstäbe hinter dicken Betonwänden zerschnitten und endlagerfertig verpackt werden.

1985-2020:
Die Kreuzwege

Die vier "Kreuzwege" markieren wichtige Kapitel im Widerstand und damit verbundenen den Standpunkten der Kirche. Die Aktionen hinterließen Kreuze im Wald bei Gorleben - dort wo bis heute das "Gorlebener Gebet" stattfindet.

1990-:
Die Turmbesetzer*innen

Am 21. und 22. Juni besetzen 14 Aktivist*innen beide Endlagerschächte des Bergwerks Gorleben. Anlass ist der Antritt der ersten rot/grünen Regierung in der Geschichte Niedersachsens. Im Nachgang verklagt die Bundesregierung die Aktivist*innen auf 126.000 DM Schadensersatz.

1994:
Castornix

Pleiten, Pech & Pannen: Widerstandscamp "Castornix" und erhebliche Proteste gegen den ersten Castortransport in das Zwischenlager Gorleben, der wegen technischer Mängel dann aber abgesagt wird.

1995:
Castor 1995 - Tag X

Nach der Absage in 1994 spitzt sich die politische Situation zu. Am 24. April 1995 startet der erste Castortransport mit Ziel Zwischenlager Gorleben in Philippsburg.

1996:
Castor 1996 - Tag X2

Zweiter Castortransport nach Gorleben: "Wir stellen uns quer" heißt es im Wendland, als erstmals Atommüll aus der Wiederaufarbeitung angeliefert wird.

1996-2022:
Salinas

Besser als Salz fördern ist KEIN Atommüll lagern. Mit Salzförderung wollten Salinas verhindern, dass in Gorleben ein Endlager gebaut wird.

2001:
Süschendorf

Im März 2001 blockierten Aktivist:innen, angekettet an einen Betonblock im Gleisbett, bei Süschendorf stundenlang den Transport von hochradioaktiven Atommüll auf seiner Fahrt nach Gorleben. Es folgte ein langjähriger Prozess-Marathon.

2001:
März-Castor

Zwei Castoren rollen in einem Jahr, März: 16.000 Menschen protestieren in Lüneburg gegen den ersten Castor-Transport nach einer langen Pause, X-tausend blockieren in Wendisch-Evern, in Süschendorf ketten sich Aktivist:innen an einen Betonblock im Gleisbett und zwingen den Zug zum Rückwärtsgang.

2001:
November-Castor

Der zweite 2001-Castor rollt im November. X-tausend Menschen widersetzen sich erneut der atomaren Fracht.

2001-:
Gorleben Archiv e.V.

"Die Geschichte des Gorleben-Widerstandes gehört in unsere Hände, gerade weil die politischen und juristischen Prozesse keineswegs abgeschlossen sind. Wir wollen ein Archiv, daß über die Konservierung der Materialien hinaus vor allem jungen Menschen Anstöße zum politischen Handeln, zur Einmischung auch außerhalb von Parlamenten, gibt. Ausstellungen, Seminare und sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten dokumentieren einzigartige Geschichte(n) vom Widerstand und machen gleichzeitig Demokratie erlebbar." (Gründung des Gorleben Archiv, 2001)

2002:
Castor im "dreckigen Dutzend"

Erstmals rollen im November 2002 zwölf Castor-Behälter auf ein Mal ins Wendland. Der Widerstand antwortet mit "Ver-rück-ten Dörfern", X-tausend Quersitzer:innen und Schienenblockaden.

Die ganze Geschichte: