Castor-Sixpack im März 1997

Beim Castor-Sixpack im März 1997 zählten alle Seiten neue Superlative. Über 20 000 Menschen verteilten sich nach einem vorher besprochenen „Streckenkonzept“ auf der gesamten Länge der Schienen- und Straßenstrecke im Wendland. Die Camps , in denen viele Auswärtige Quartier bezogen, wurden von hiesigen Castorgruppen organisiert und versorgt.

Der Castor-Konvoi bestand in diesem Jahr aus sechs Behältern. 30 000 Beamte waren bundesweit zur Sicherung des Transportes unterwegs – allein 20 000 davon in Lüchow-Dannenberg. Am Ende säumten Polizist/-innen die Strecke bis zum Zwischenlager.

Immer wieder kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Als der Castor-Konvoi die Sitzblockierer vor dem Verladekran schon passiert hatte, griffen BGS Beamte aus Hubschraubern heraus die Bauernblockade in Splietau an. Es wurden Reifen von fünfzig Traktoren mit SEK-Messern zerstochen, die Ventile mit Bolzenschneidern abgekniffen und Zündkabel zerschnitten.

Nach dem ersten Schock über diesen eiskalten Racheakt dauerte es nicht lange, bis Solidarität gezeigt wurde. Viele Werkstätten stellten ihre Arbeit und Ware kostenlos zur Verfügung. Durch eine Trecker-Solidaritätsaktie konnte die Bäuerliche Notgemeinschaft einen Fond einrichten, der es den geschädigten Landwirten möglich machte, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. Über 17 000 DM forderten Landwirte aus Lüchow-Dannenberg vom Land als Schadensersatz für ihre Treckerreifen.

Vier Jahre später entschied das Lüneburger Gericht den Polizeieinsatz für unverhältnismäßig und rechtswidrig.

erschienen in: Gorleben Rundschau 5/6.2017

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