Castor 1994

Spätestens seit dem Sommer 1994, als der Alarm „der Castor kommt“ im Wendland eine Vielzahl von Aktivitäten, großformatigen Anzeigen bis zu einem zweiwöchigen Hüttendorf entstehen ließ, war klar, dass die Anti-Atom-Bewegung, zuvor scheinbar im Tiefschlaf versunken, wieder zum Leben erwacht war.

Zwei Beispiele: Andreas Graf von Bernstorff, der Eigentümer des Waldstücks, in dem das Hüttendorf „Castornix“ stand, erhielt ein Schreiben von der Baubehörde des Kreises, in dem er aufgefordert wurde, die Hütten abreißen zu lassen. Begründung: Die Hütten sind ohne Baugenehmigung und in laienhafter und primitiver Bauweise errichtet worden und beeinträchtigen die natürliche Eigenart der Landschaft. Der Graf lässt durch seine Anwälte antworten, dass er sich bisher kein Bild von der Lage machen konnte, weil das Hüttendorf gegenwärtig von der Polizei okkupiert ist. Auch hält er den Hüttenbau für rechtmäßig, da solche Bauwerke zulässig sind, wenn sie einem forstwirtschaftlichen Zweck dienen. Dieser ist gegeben, da „Castornix“ zur Verhinderung der Einlagerung hochradioaktiven Atommülls gebaut wurde und das Erreichen dieses Zieles auch dem forstwirtschaftlichen Betrieb des Grafen nützt.

Zeitgleich in Lüchow: Unter dem Motto „Wir sprengen die Straße“ versammeln sich auf dem Marktplatz Mitglieder und Freunde der Bürgerinitiative Umweltschutz. Ausgerüstet mit Gießkannen zum Sprengen der Straße und einem Spruchband protestieren sie gegen die bevorstehende Einlagerung von Castorbehältern im Gorlebener Zwischenlager.

erschienen in: Gorleben Rundschau, Ausgabe Juli / August 2016

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