FUNDSTÜCK DES MONATS
„Albrecht, wir kommen wieder“: Erst 10, dann 100, dann 1.000 – die „Arche Wendland“ in Hannover
Zur Erinnerung: nach dem Hannover-Treck in 1979 („Albrecht, wir kommen!“) hatte Ministerpräsident Ernst Albrecht die WAA-Pläne in Gorleben-Pläne als „Politisch nicht durchsetzbar“ bezeichnet – um drei Jahre später Dragahn als neuen WAA-Standort aus dem Hut zu zaubern.
Das gestaffelte Protest-Konzept von ‚Zehn – Hundert – Tausend‘ sollte vor allem eine Aktion aus dem Wendland (+ Uelzen und Lüneburg) sein. Mit erwartbar kleineren Teilnehmerzahlen, dafür aber mit der Eindringlichkeit und dem Charme wendländischer Heimatverbundenheit.
ZEHN: Vom 9. – 15. Januar 1983 marschierten zehn WendländerInnen zu Fuß von Gorleben über Dragahn (Uelzen, Unterlüß, Hermannsburg, Celle und Isernhagen) nach Hannover. Bei befreundeten Initiativen machten sie Station und boten jeden Abend Informations-Veranstaltungen an.
In Hannover angekommen übergaben sie eine Resolution an die Fraktionsvorsitzenden der vier Parteien (CDU, SPD; Grüne und FDP) und forderten die Aufgabe aller Atompläne (im Wendland: atomares Endlager, Zwischenlager, WAA Dragahn).
Nach einer Pressekonferenz und der Grundsteinlegung für die ‚Arche Wendland‘ am Raschplatz wurden vor dem Landtag zehn weiße Holzkreuze eingeschlagen.
HUNDERT: Am 22. Januar erfolgte die zweite Phase: Hundert Lüchow-Dannenberger fuhren nach Hannover – im Gepäck alles Nötige, um mitten in Hannover ein großes Fachwerkhaus zu errichten: die „Arche Wendland“. Am 22. Januar wurde Richtfest gefeiert – mit Volkstanz, wendländischem Protest-Chor, Spanferkel und biologischen Wendlandprodukten. Vor dem Landtag wurden 100 weiße Holzkreuze eingeschlagen.
Während der folgenden Woche präsentierte sich das Wendland in der ‚Arche‘ mit seinen landschaftlichen und kulturellen Qualitäten. Im Raschplatz-Pavillon gab es zahlreiche Informations-Veranstaltungen, Filmabende sowie ein plattdeutsches Theater.
TAUSEND: Am 29. Januar fuhren Tausend Leute aus den Landkreisen Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Lüneburg nach Hannover. Mit einem Protestzug vom Stadtrand in die Innenstadt präsentierten sie alles, was ihnen lieb und schützenswert ist. Mit dabei: Pferde, Schafe, Ferkel, eine Kuh und ein Bollerwagen mit Gänsen.
Zur eindringlichen Mahnung und Erinnerung wurden vor dem Landtag 1.000 weiße Holzkreuze eingeschlagen.
Für das Wendland war die Aktion ein beeindruckender Erfolg. Wichtig zur Vergewisserung der eigenen Kreativität und Kraft. Überregionale Initiativen fühlten sich eher ausgeschlossen und vermissten die Durchschlagkraft einer breiten Beteiligung.
„Albrecht, wir kommen wieder“ ??? Die Atommüll-Zeitung aus Lüneburg spottete später: „Albrecht, wir waren wieder da.“
Fotos: Klaus Werner, Karl Kassel und Gorleben Archiv
Plakat: Uta Helene Götz





