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Die politische Geschichte des Salzes im Gorleben Archiv

Im Rahmen meines Doktorats an der Universität Fribourg in der Schweiz forsche ich für das SNF-Projekt “Nuclear Strata” zur Bedeutung der Geschichte und Gegenwart des Salzes bei der tiefengeologischen Endlagerung nuklearer Abfälle in Deutschland. Geleitet werde ich von Fragestellungen, wie das Salz zu einem “Wirtsgestein” in der nuklearen Endlagerung wurde, welche unterschiedlichen Wissensformen und Kontroversen über Salz und Geologie dabei entstanden und ob oder wie sich diese Aspekte der Salz-Geschichte auf die heutige Endlagersuche in Deutschland auswirken. Dazu verbinde ich zeithistorische und humangeografische Ansätze und reise für Archivrecherchen, Interviews mit Zeitzeug*innen und Expert*innenen und Feldbeobachtungen an unterschiedliche Orte, insbesondere in die nördlichen Hälfte Deutschlands.

Meine Forschung führte mich auch früh in das Wendland, in das ich für meine Forschung seither immer wieder reise. Im Wendland wurde der Name Gorleben nicht nur zu einem Synonym für die jahrzehntelangen Versuche, massiven Proteste und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zur Endlangerung hochradioaktiver Abfälle in einem Salzstock.

Hier befindet sich auch das Gorleben-Archiv in Lüchow, welches sich als “freies Archiv” versteht, dass eine Vielzahl an Quellendokumenten, Medien und Objekten aus der Geschichte des Gorleben-Widerstands und der Anti-Atom-Bewegungen aufbewahrt und öffentlich zugänglich macht.

Ob in den dort gesammelten Darstellungen von Betreiberseiten und staatlichen Institutionen oder den Magazinen von Anti-Atom Aktivist*innen; ob in den protokollierten Auseinandersetzungen zwischen Geowissenschaftler*innen bei verschiedenen Hearing-Veranstaltungen oder in den Nachlässen von Geologen aus dem Umfeld des Gorleben-Widerstandes – es ist für mich jedes Mal spannend zu entdecken, wie verschieden das Salz und der Untergrund verstanden und dargestellt werden und dabei auf ganz unterschiedliche Weise das Politische der Geologie und ihrer Geschichte an die Oberfläche kommt. So erschließt sich auch, wie sich vergangene Kontroversen um das Salz auf die heutige Endlagersuche in Deutschland ausgewirkt haben, was im heutigen Standortsuchverfahren anders erscheint und was noch Nachwirkungen entfalten und Unklarheiten bereithalten kann.

Umso wichtiger ist es, das unterschiedliche Wissen und Materialien zum und um das Salz im Endlagerkontext für die Zukunft zu bewahren und zugänglich zu halten – so wie es unter anderem eben auch das Gorleben-Archiv in Lüchow im beachtlichen Umfang leistet.

Die ebenso freundlichen wie hilfsbereiten Archivmitarbeiter*innen, die Zugänglichkeit zum Archivgut und die gemütliche Lese-Atmosphäre in den Räumlichkeiten machen das Forschen im Gorleben-Archiv trotz einer manchmal überwältigenden Wucht an Akten, Magazinjahrgängen und Texten, die ich längst noch nicht alle durchgesehen habe, stets zu einer lohnenden und angenehmen Erfahrung. Ich freue mich schon auf meine nächsten Besuche.

Alexander Kolibaba
SNF-Doktorand in der Humangeografie und Historiker
Department of Geosciences, Universität Fribourg, Schweiz

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