Frauen in der Ökologiebewegung der 1970er und 1980er Jahre
Als die bundesdeutsche Antiatombewegung Mitte der 1970er Jahre Fahrt aufnahm, beobachteten viele mit Erstaunen, dass Frauen in diesen Protesten auffallend stark vertreten waren. Sie traten für die Bürgerinitiativen vor die Medien, sie sprachen vor großen Menschenansammlungen, sie schrieben Flugblätter. Auf den verschiedenen Camps und Besetzungen kochten und putzten sie oder sie kümmerten sie gemeinsam um die Kinder.
Im Wendland war das nicht anders. 1979 wurde sogar eine eigene Frauengruppe ins Leben gerufen, wie die Elbe-Jeetzel-Zeitung im August jenes Jahres berichtete: «Zum erstenmal [sic] haben sich nur Frauen aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg, die gegen den ‘Entsorgungspark’ Gorleben sind, in Vietze zu einem harmonischen Abend zusammengesetzt und bei Kerzenschein und Knabberwerk über Formen des weiteren Widerstandes beraten. Sie meinten, daß Aktionen nur von Frauen getragen, einige Beachtung in der Öffentlichkeit finden würden, und daß die Frauen, die ja die Träger kommender oder bestehender Generationen sind, stärker der Erhaltung des Lebens Ausdruck gegeben müßten.» In den kommenden Jahren organisierten die «Gorleben-Frauen», wie sie sich nannten, verschiedene Aktionen. Ein Höhepunkt war das Frauencamp an Ostern 1980, als hunderte Frauen aus der ganzen Bundesrepublik ins Wendland reisten, sich austauschten und gegen das Nukleare Entsorgungszentrum protestierten.
In meiner Forschung folge ich den Spuren dieses weiblichen Engagements gegen Atomkraft und Umweltzerstörung. Mein Ziel ist es, diesen mehrheitlich unsichtbar gebliebenen Frauen einen ihnen gebührenden Platz in der Geschichte der bundesdeutschen Ökologiebewegung zu geben.
Ich danke dem Team des Gorleben-Archivs für die Hilfsbereitschaft und den herzlichen Empfang. Und natürlich für den großen Einsatz, um die Erinnerung an eine vielfältige, lehrreiche und hoffnungsvolle Bewegung am Leben zu erhalten.
Milo Probst ist Historiker und Autor des Buches „Für einen Umweltschutz der 99%. Eine historische Spurensuche“ und schreibt aktuell an der Universität Basel eine Dissertation über die Geschichte des Umweltdenkens. Er recherchierte im Dezember 2023 drei Tage im Gorleben Archiv.
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