Bild: G. Zint

4. Juni 1980: Ende einer Utopie mit Schlagstöcken

Am 4. Juni 1980 wurde die „Republik Freies Wendland“ geräumt. Eine vierwöchige Utopie endete mit dem bis dahin größten Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik.

Ein paar Eindrücke:


Bilder: Günter Zint

Ende einer Utopie mit Schlagstöcken

Am 4. Juni 1980 wird dem bunten Treiben ein Ende gemacht: Im Morgengrauen, gegen 6 Uhr, umzingeln Tausende Polizisten und Bundesgrenzschutzbeamte die Tiefbohrstelle 1004 mit Bulldozern und Panzern. Die Angehörigen des Panzertrupps haben schwarz angemalte Gesichter. Hubschrauber kreisen am Himmel. Mit etwa 7.000 Mann ist dies der bislang größte Polizeieinsatz der Nachkriegsgeschichte. Per Lautsprecher werden die Besatzer um 7 Uhr aufgefordert, den Platz zu verlassen.

„Denkt daran: Wir sind die Glücklichen!“

Auf dem Dorfplatz der „Republik“ haben sich 2.000 Bewohner*innen versammelt. Sie singen friedliche Lieder mit Titeln wie „Die Lebenslust ist unser Widerstand“. Ein Akkordeonspieler spielt dazu auf dem Schifferklavier. „Bei allem, was jetzt passieren wird, denkt daran: Wir sind die Glücklichen! Wir haben hier gebaut und gepflanzt. Die Unglücklichen sind die, die jetzt in weißen Helmen, die jetzt mit Knüppeln gegen uns losgehen sollen“…

Mehrfach wiederholt die Polizei ihre Aufforderung, doch die Demonstranten rühren sich nicht. Um 11 Uhr beginnen Trupps von Polizisten und Grenzschutzbeamten, die Menschen vom Dorfplatz zu tragen. Obwohl die Sitzenden keinerlei Widerstand leisten, kommt es zum Einsatz von Schlagstöcken.

„Turm und Tor könnt Ihr zerstören, aber nicht unsere Kraft, die es schuf“, steht auf einem der letzten Hütten, bevor sie ein Bulldozer platt walzt.

Gegen 20 Uhr ist die Räumungsaktion beendet. Der leere Dorfplatz ist mit Stacheldraht umzäunt. Die „Freie Republik Wendland“ existiert nicht mehr. Doch im Herzen lebt sie weiter, auch 40 Jahre nach der Räumung.

(Auszüge aus: ndr.de, Beitrag anlässlich des 40. Jahrestages am 3. Mai 1980)

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