Duphorn-Rudower-See_Aus

Duphorns Lebenswerk hat sich erfüllt – und wir sind ein Teil davon. Danke!

Professor Klaus Duphorn ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Der Kieler Quartärgeologe war für den Gorleben-Widerstand einer der gewichtigsten Experten. Vor allem ihm und seiner Klarheit ist es zu verdanken, dass der Salzstock Gorleben-Rambow wissenschaftlich sehr früh, nach Auswertung der Tiefbohrungen Anfang der 80er Jahr „angezählt“ wurde. „Das Quartär als geologisches Leichentuch des Endlagerbergwerks Gorleben“ – so fasste er seine wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen. Diesen Titel versah er zunächst mit einem Fragezeichen, später dann mit einem Ausrufezeichen.

Das Quartär war mit etwa 2.5 Millionen Jahren das jüngste und bisher kürzeste System der Erd- und Lebensgeschichte. Inzwischen – mit Blick auf die menschengemachte Klimaveränderung und den dramatischen Folgen der Erderwärmung – nun gefolgt vom Anthropozän. Das Quartär war von Kaltzeiten geprägt, die letzte Eiszeit ging erst vor 10.000 Jahren zu Ende. Und trotz der Erderwärmung werden die kommenden eine Million Jahre, für die hochradioaktive Abfälle so sicher wie möglich gegenüber der Biosphäre abgeschlossen werden sollen, ebenfalls von Kaltzeiten geprägt sein.

Duphorn legte akribisch offen, welche Spuren diese Eiszeiten hinterlassen hat. Das fehlende Deckgebirge über dem Salz – da fehlte auf 7, 5 Quadratkilometern eine wasserabweisende Tonschicht. Da gab es Permafrostrisse bis in die Tiefe. Da überquerte eine Tiefenrinne der Elster-Eiszeit von einem Schmelzwasserstrom den Salzstock…. Diese und weitere Erkenntnis verwandelten sich in eine ernsthafte Gefahr für seine wissenschaftliche Reputation und das hatte Folgen. Seine Auftraggeber, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und das Bundesministerium für Forschung und Technologie werteten die Ergebnisse als bloße Behauptungen, es wurden Zweifel an seiner wissenschaftlichen Qualifikation geäußert und er, der Wissenschaftler, hätte darüber hinaus seine Befugnisse überschritten.

Klaus Duphorn aber ließ sich nicht den Mund verbieten. Er wollte den Salzstock Gorleben nicht „gesundbeten“ und kam zu der Erkenntnis, der Salzstock sei für die Aufnahme radioaktiver Abfälle völlig ungeeignet. Der Gorleben-Befürworter wandelte sich Schritt für Schritt zum Gorleben-Gegner.

Und als es 1986 zur Havarie in Tschernobyl kam, wurde aus einem Atomkraftbefürworter schließlich auch noch ein Atomkraftgegner. Als uns schließlich vor rund 20 Jahren ein Hilferuf aus der Ukraine erreichte, dass in der Ost-Ukraine, in Artemovsk, in einem Salzbergwerk Atommüll gelagert werden sollte, und wir uns mit einer bunten Gruppe aus der Bürgerinitiative Umweltschutz zur Unterstützung dorthin auif den Weg machten, war Klaus sofort begeistert und engagiert dabei: Niemals, so dozierte er vor Ort und abschließend bei einer Pressekonferenz in Kiew, dürfe es eine Nachnutzung eines Salzbergwerks für solche Zwecke geben. Übrigens erfolgreich!

Klaus Duphorn spielte in jener Zeit auch in dem „Arbeitskreis Endlagerung“, der unter Rot-Grün vom damaligen Umweltminister Jürgen Trittin einberufen wurde, eine gewichtige Rolle. Dieses pluralistisch zusammengesetzte Expertengremium konnte sich auf Vorschläge verständigen, die die Grundzüge der heutigen Endlagersuche vorbereiteten.

Dass der Salzstock Gorleben-Rambow im Herbst 2020 schon im ersten Schritt eines vergleichenden Endlagersuchprozesses als Standort gekippt wurde, dass das Quartär tatsächlich zum Leichentuch des Standorts Gorleben wurde, muss für ihn eine späte Genugtuung gewesen sein. Wie schön, dass er das noch erleben konnte.

Wir verneigen uns vor Klaus, in Gedanken sind wir bei seiner Frau Barbara und der Familie.

Wolfgang Ehmke

Ergänzungen von Birgit Huneke, Gorleben Archiv:

Aussagen kritischer Wissenschaftler, wie z.B. von Prof. Dr. Eckhard Grimmel und später dem Geologen Ulrich Schneider wurden in den zahlreichen Anhörungen vor den Bundestagsausschüssen und dem Niedersächsischen Landtag grundsätzlich als unqualifiziert abgetan.

Dabei schreckte man vor Verunglimpfung und Kaltstellung unliebsamer Professoren nicht zurück. So erfuhr es auch der Kieler Geologe Professor Klaus Duphorn vor vielen Jahren.
Nach der Standortbenennung Gorleben wurde Duphorn von der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) beauftragt, ein Gutachten zur Erkundung der hydrogeologischen
Verhältnisse und der Geologie der Deckschichten über dem Salzstock zu erstellen.
Doch seine Beurteilung fand bei den Betreibern keinen Anklang.

*Seine Expertise aus dem Jahr 1982 mündeten in zehn Thesen, die alle mit den Worten begannen: „Wir können nicht für einen Salzstock plädieren ….“ Und in dem Abschlusssatz gipfelte: „….. können wir nur einen Ratschlag geben: Erkundung anderer Lagerstätten.“ *
(aus: Es wird wie ein Kartenhaus zusammenbrechen von Lilo Wollny)

Duphorn wollte den Salzstock Gorleben nicht „gesundbeten“ und kam zu der Erkenntnis, der Salzstock sei für die Aufnahme radioaktiver Abfälle völlig ungeeignet.

Diese Erkenntnis verwandelte sich in eine ernsthafte Gefahr für seine wissenschaftliche Reputation und hatte Folgen. Seine Auftraggeber, die PTB und das Bundesministerium für Forschung und Technologie werteten die Ergebnisse als bloße Behauptungen, es wurden Zweifel an seiner wissenschaftlichen Qualifikation geäußert und er, der Wissenschaftler, hätte darüber hinaus seine Befugnisse überschritten.
Duphorn`s Auftrag wurde nicht, wie geplant, verlängert. Man schickte ihn in die Wüste – genauer in die Eiswüste der Antarktis.

2010 sagte Professor Klaus Duphorn im Gorleben-Untersuchungsausschuss aus und äußerte seine Zweifel an der geologischen Eignung des Salzstocks von Gorleben als Endlager für Atommüll erneut.

Im Gorleben Archiv befinden sich zahlreiche Gutachten.

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