Vor 35 Jahren

4. Juni 1980, 9.50 Uhr: Die erste Hütte auf der Bohrstelle 1004 in Gorleben fällt. BGS-Hubschrauber, Planierraupen, Wasserwerfer und tausende Polizist/-innen, die das Hüttendorf in Gorleben gewaltsam räumen.

Noch in einer Entfernung von 20 Kilometern konnten Menschen, die von Straßensperren gehindert wurden, bis zur „Freien Republik Wendland“ vorzudringen, Ohrenzeugen des Geschehens werden. Denn auf UKW 101MHz sendete „Radio Freies Wendland“:

„ … Die Polizei fängt jetzt an, die Häuser platt zu walzen… An einer Stelle ist massiv in die Leute reingeprügelt worden… Ich bin jetzt dabei, ein Loch zu graben, wo ich dann das Mikrofon verstecken kann, wenn wir nicht mehr weitersenden können…“

Am 9. September 2015 wurde die neue Dauerausstellung „DAS NETZ“ im Deutschen Technik Museum in Berlin eröffnet. Sie vermittelt anschaulich die Kommunikations- und Informationstechnologien und ihre Vernetzung. In einem der drei Hauptbereiche befindet sich der gerettete und durch die Räumung recht beschädigte Sender der Freien Republik Wendland
von 1980.

Die technische Vernetzung beeinflusst alle Lebensbereiche. Die Ausstellung „DAS NETZ – Menschen, Kabel, Datenströme“ beleuchtet durchaus kritisch, welchen Einfluss die Vernetzung auf unseren Alltag gewonnen hat. Und so waren bei der Ausarbeitung auch Mitarbeiter/-innen des „Chaos Computer Club“ und der „Digitalcourage“ beteiligt.

Das Gorleben Archiv stellt mit der Leihgabe des Senders das einzige Exponat im Bereich „Verbotene Kommunikation“ aus Deutschland.

erschienen in: Gorleben Rundschau, Ausgabe November/Dezember 2015

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