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Gorleben-Chronik

2010 - Atomkraft: Schluss jetzt!

Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.

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1.1.2010 - Neujahrsempfang Gorleben

Bei bestem Schneewetter begrüßen am 1. Januar 60 Atomkraftgegner*innen im Rahmen des traditionellen Neujahrsemfang das Jahr 2010. Die Vorsitzende der BI Lüchow Dannenberg verteilt neben Sekt, O-Saft und Häppchen den "Wendländischen Widerstandskalender".

Anfang des Jahres kündigt contrAtom dem Start einer Kampagne an: gemeinsam mit der BI Lüchow-Dannenberg und dem Widerstand im Wendland werden man unter dem Motto "Was wäre wenn.... - Wir machen Druck! Aktionen gegen eine Atommüllkippe in Gorleben!" starten.

Das Bundesamt für Strahlenschutz(BfS) stellt am 15. Januar das Ergebnis einer Studie vor, die drei Möglichkeiten zur "Abwendung der radioaktiven Gefahren" untersuchte, die sich aus dem drohenden Einsturz des Endlagers Asse-2 ergeben. Die Rückholung der Abfälle und ihre Einlagerung im Endlager Schacht Konrad wäre laut BfS die "bessere Variante gegenüber einer Vollverfüllung der Schachtanlage oder einer Umlagerung der Abfälle in tiefere Schichten der Asse". Zu den Kosten gibt es keine Aussagen.

In Gronau findet am 30. Januar eine Demo unter dem Motto "Für ein Leben ohne Urananreicherung!" für die sofortige Stilllegung der dortigen Anlage statt.

In Hameln wird am 7. Februar von 650 Menschen für den Atomausstieg und gegen Atomtransporte demonstriert.

Der Bundestag setzt im März einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Gorleben ein. Er soll klären, wie im Jahr 1977 die Entscheidung für den Standort Gorleben fiel und im Jahr 1983 trotz negativer Untersuchungsergebnisse die Entscheidung zur untertägigen Erkundung.

Spontane Kundgebung am 15. März von Bauern mit Treckern gegen die Pläne Röttgens, die Untersuchung Gorlebens als „alternativlos“ und „ergebnisoffen“ fortzusetzen. Die Zufahrt zum Bergwerk wird zwei Stunden lang blockiert, Aktivist*innen ketten sich an.

Bei der Entscheidung, Gorleben weiter zu erkunden, habe die Atomindustrie "die Feder geführt", meint der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber am 15. März. Eine Fortführung der Arbeiten habe zumindest solange zu unterbleiben, bis der Abschlußbericht des Gorleben-Untersuchungsausschusses vorliegt.

Am 16. März wird bekannt, dass Umweltminister erwägt, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Zuständigkeit für die Endlagerung von Atommüll zu entziehen. Es gebe im Bundesumweltministerium Überlegungen, für diese Aufgabe eine neue Behörde zu schaffen oder die Endlagerung zu privatisieren. (taz)

22. März - Ein neues Hüttendorf ist die Antwort der Bauern auf die angekündigte Wiederaufnahme der „Erkundung“ des Salzstocks Gorleben-Rambow. Nach einem Polizeieinsatz mit Pfefferspray übernimmt der Landrat die Schirmherrschaft der „Undine-von-Blottnitz-Schutzhütte“ in Sichtweite des „Erkundungsbergwerks“.

Am 23. März kündigt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) an, das vor zehn Jahren erlassene – und in diesem Jahr ohnehin auslaufende – Moratorium für die Erkundungsarbeiten in Gorleben aufzuheben. Vor der Einleitung des atomrechtlichen Planfeststellungsverfahrens soll das Konzept für die Einlagerung aktualisiert und die Eignung des Standorts durch Gutachten bekräftigt werden. Röttgen setzt damit den Punkt "Nukleare Endlagerung" um, wie ihn die Koalitionsvereinbarung zwischen Union und FDP vorsieht. Demnach ist Gorleben klarer Favourit für ein Endlager.

Mit den Stimmen von SPD, Linken und Grünen beschließt der Bundestag am 26. März die Einsetzung eines 15-köpfigen Untersuchungsausschusses. Das Gremium soll bis Ende 2011 klären, ob die Auswahl des Salzstocks Gorleben als Standort für ein Endlager unter politischem Druck und aus sachfremden Erwägungen erfolgte.

Drei Stunden lang blockierten mehr als 30 Trecker der Bäuerlichen Notgemeinschaft am 31. März die B191 auf der Dömitzer Elbbrücke, eine der Hauptverkehrsadern ins Wendland. Die Aktivist*innen protestieren damit gegen die Wiederaufnahme der seit zehn Jahren ruhenden und umstrittenen Bauarbeiten im Salzstock Gorleben.

Krümmel-Treck & KETTENreAKTION!

"Aus Tschernobyl lernen heißt: Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit!" lautet der Aufruf zum Anti-Atom-Treck nach Krümmel, wo anlässlich des Tschernobyl-Jahrestages eine Demonstration gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Regierung stattfindet. Wendländer, Lüneburger und Uelzener machen sich mit rund 40 Fahrzeuggespannen, ebenso vielen Radfahrern und einem Dutzend Motorradfahrern auf den Weg nach Krümmel. Später werden weitere Landwirte aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg mit einem "Schnell-Treck" dazustoßen. 120.000 Menschen bilden eine Kette zwischen dem AKW Brunsbüttel und Krümmel und quer durch Hamburg.

Am 21. April startet der Treck nach einer Auftaktkundgebung in Gorleben, Ziel der ersten Etappe ist Mützingen.

Die Fahrt in Gorleben begann mit einer klaren Ansage der Bauern: Am Samstag sind wir dabei! Trotz Kartoffelplanzen. Denn das war von Anbeginn der Planung das Problem: Frühjahrsbestellung auf den wendländischen Feldern. Und dann braucht es auch noch einen anti-Atom-Treck...

Auf der rund 40km langen Strecke bis zum ersten Camp kamen wir auch am Castor-Verladekran in Dannenberg vorbei: hier wird im November der näXste Atommülltransport erwartet - gegen unseren Widerstand. Es soll der zahlenmäßig größte werden, den das Wendland je gesehen hat.

Das Konferenzrad gab heute den Takt an: 7 wackere Radler strampeln auf einem Rad um die Wette - und fahren an der Spitze des Trecks. Dahinter folgte der Atomschrott-Dinosaurier, von Greenpeace auf die Reise geschickt. Dann folgen 200 Atommüllfässer, Ladewagen mit Bannern geschmückt, Bauwagen ...

Die 2. Etappe des Anti-Atomtrecks nach Krümmel führt am 22. April in ein Camp in Klein Bünstorf. Nach einer erfolgreichen Kundgebung auf dem Reichenbachplatz vor dem Rathaus in Uelzen fahren die Trecker, Fahrräder und weitere Fahrzeuge auf der B4 in Richtung Bad Bevensen, um mit einem Konzert den Abend vor der 3. Etappe nach Lüneburg zu beschließen.

Die mehr als einen Kilometer lange Karawane, mehr als 35 Fahrzeuge und genauso viele Radfahrer an der Spitze schlängelte sich die Bundesstraße 191 entlang. Und heute tat uns Petrus den Gefallen und liess die Sonne scheinen!

In Uelzen angekommen bekam der städtische Energiversorger SVO, an dem auch AKW-Betreiber E.ON beteiligt ist, Atommüllberge überreicht. Auf dem Herzogenplatz stellten die Trecker einen Kreis direkt vor dem Rathaus. Kaum angekommen wehte vom Dach die 10x10 Meter große Anti-Atom-Sonne. Der Bürgermeister der Stadt bekräftigte: Gorleben stoppen! und bekam von der BI Lüchow-Dannenberg die Sonnen-Fahne überreicht.

Die 3. Etappe führt den Treck am 23. April von Klein Bünsdorf nach Lüneburg. Um 15 Uhr findet auf dem Markplatz eine Kundgebung statt. In Erbstorf schlägt der Treck am Abend ein Camp auf.

Die Einfahrt nach Lüneburg wird zum Hupkonzert: Kurze Kundgebung vor E.ON/Avacon, der Vorsitzende des Regional-DGB macht deutlich, dass nicht die Arbeitnehmer der Atomkonzerne Ziel unseres Protestes sind, sondern die Entscheidungetagen. Wir rollen auf den Marktplatz von Lüneburg ein, pünktlich um 15.00 Uhr - „Hier ist der Anti-Atom-Treck 2010!“. Es folgten Reden u.a. vom Landessuperintendenten der evangelischen Kirche, dem DGB, einem Bericht aus der vom Tschernobyl-Fallout betroffenen Region Gomel, einem Aktivisten einer weissrussischen NGO und – als kleines Highlight: die Übergabe unseres Mahnmales, dem Wegweiser. Die „Chucks“ und Timon Hoffmann sorgten für den nötigen Hüftschwung und unsere Trommler-Mädels rundeten die Kundgebung, zu der etwa 350 Menschen kamen, ab.

Die Fahrt ging dann weiter bis ins wenige Kilometer entfernte Erbstorf, wo unser dritter Campplatz ist. Bei toller Abendsonne machten wir es uns für die vorletzte Nacht gemütlich – morgen kommt der Tag der Tage. Die wendländische Band ASB, vielen vom letzten Berlin-Treck bekannt, schmetterte „Die Tür ist kaputt“.

Die letzte Etappe führt den Treck am 24. April von Erbstorf bei Lüneburg über Geesthacht zum AKW Krümmel. Unterwegs stoßen weitere Traktoren aus dem Wendland dazu. Mit 25 Fahrzeugen waren wir am Mittwoch in Gorleben gestartet, und nicht nur das Wetter wurde immer besser – am Ende auf der letzten Etappe über die Elbe, durch Geesthacht bis zum AKW Krümmel wuchs der Treck auf knapp 100 Fahrzeuge und mindestens 300 Radfahrer.

24. April - KETTENreAKTION!

Mehr als 120.000 Menschen bilden am 24. April anlässlich des Tschernobyl-Jahrestages und aus Protest gegen die Atompolitik eine Menschen- und Aktionskette vom AKW Brunsbüttel bis nach Geesthacht zum AKW Krümmel.

Entlang der 127 km langen Strecke finden in Glückstadt, Elmshorn, Uetersen, Pinneberg, Schenefeld, Hamburg und in Krümmel Redner- und Musikprogramm statt. Zu den Künstlern zählten Jan Delay und Freunde, Das Bo, DJ Mad, Microphone Mafia, Rantanplan, Dota und Abi Wallenstein.

Am selben Tag umzingeln etwa 20.000 Atomkraftgegner*innen das Atomkraftwerk Biblis in Hessen und bildeten eine 4 km lange Menschenkette um die Anlage. 7.000 Menschen demonstrieren zudem vor dem Transportbehälterlager Ahaus im westlichen Münsterland.

Es handelt sich damit um die größte Protestaktion seit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 24 Jahren. Ein bombastischer Tag – nicht nur in Krümmel. Die Beteiligten sind sich einig: dieser Tag muss Konsequenzen haben. Für die Stilllegung aller Atomanlagen!

"Es waren bewegende Momente, als die Ansage auf unsere Bühne in Krümmel kam: 150.000 Menschen protestieren gegen den Weiterbetrieb der Atomanlagen! Gegen Gorleben, gegen Atomtransporte und für Erneuerbare Energien. Ein wahnsinnig großartiges Zeichen, 24 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, in einer Zeit in der in Deutschland über die Aufhebung des Atomausstiegs diskutiert wird und weitere „Forschungs-“Arbeiten in Gorleben auf Eignung zur Atommüllkippe anstehen. Wir sagen deutlich: Mit uns nicht!"

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg feiert am 30. April mit einem Fest die vollständige Versorgung mit Strom aus Erneuerbarer Energie.

Am 3. Mai genehmigt das Bundesamt für Strahlenschutz den Transport von 11 Castor-Behältern aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben.

Die Kulturelle Landpartie zwischen Himmelfahrt (13. Mai) und Pfingstmontag (25. Mai) nutzen Atomkraftgegner, um mit einem rollenden Kino durch den Landkreis zu touren. Auf vielen Wunderpunkten wird der Protest gegen Gorleben thematisiert.

Auf dem Gelände des Castor-Verladebahnhofs in Dannenberg protestieren am 21. Mai Aktivist*innen gegen den angekündigten Castortransport.

Am Pfingstmontag, 25. Mai, überwinden ca. 100 Aktivist*innen erneut die Zäune des Erkundungsbergwerk Gorleben. Der Protest richtet sich auch gegen neue Sicherheitsmaßnahmen wie zusätzlicher Stacheldraht, die Antwort des niedersächsischen Umweltministeriums auf die angekündigten Proteste rund um dem 30. Jahrestag der Räumung des Hüttendorfes 1004.

Die vier AKW-Betreiber E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall hatten Ende 2008 insgesamt 27,5 Milliarden Euro für die Stilllegung von Atomkraftwerken und die Entsorgung des Atommülls zurückgestellt. Das geht am 27. Mai aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor.

800 Menschen fordern, begleitet von 1000 Polizisten, am 5. Juni, anlässlich des Jahrestages der Räumung von 1004, den Abbau des Schwarzbaus Gorleben. Dabei werden 12 Menschen durch die Polizei verletzt, als sie am Zaun rüttelten.

Kletteraktivisten versperren am 24. Juni die Hauptzufahrt zum Atomforschungszentrums der GKSS in Geesthacht als Auftakt gegen Atomtransporte nach Lubmin.

Marianne Fritzen erhält am 25. Juni den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung.

Campact startet am 27. Juni in Berlin 13.000 schwarzgelbe Luftballons als Protest gegen das geplante Wiederanfahren des AKW Krümmel und gegen die Laufzeitverlängerungen weiterer AKWs.

126 schwarzgelbe Fässer werden von Aktivisten von "ausgestrahlt" am 14. Juli vor den Amtssitz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten in Stuttgart gerollt, um auf dessen massive Unterstützung für die AKW-Laufzeitverlängerungen hinzuweisen.

Die Klage der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg gegen das Filmen der Demonstration durch die Polizei am 5. September 2009 in Berlin ist erfolgreich. So verkündet es das Berliner Verwaltungsgericht am 28. Juli.

Anfang August ruft der Ermittlungsausschuss Wendland dazu auf, eine "informellen Zusammenarbeit mit Polizei und Geheimdiensten" zu verweigern. Es hatte Anwerbeversuche gegeben, Monate vor dem nächsten Castor nach Gorleben suchen die Überwachungsbehörden nach informellen Mitarbeitern in der Anti-Atom-Bewegung. Das Bundeskriminalamt dementiert.

Am 10. August findet in Platenlaase ein Ratschlag der BI Umweltschutz statt. Das Motto: "Moratorium geht - Castor kommt!"

Das Ringen um die Verlängerung der Laufzeiten zeige deutlich, der schwarz-gelben Regierung gehe es nicht um die Sicherheit der Bevölkerung, sondern um die zusätzlichen Gewinne der vier großen Stromkonzerne, kommentiert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow- Dannenberg (BI) am 10. August die "Planspiele" der Bundesregierung.

Mitte August warnt Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) vor einer "hohen Gewaltbereitschaft auswärtiger Demonstranten" bei den im Herbst geplanten Castor-Transporten ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben. Die BI Umweltschutz spricht von "Atomarem Zündeln".

Zu einer "Anti-Atom-Manifestation" in Dannenberg ruft am 18. August ein Bündnis von Anti-Atom- und Umweltinitiativen auf, darunter X-tausendmal quer, die Naturfreunde Deutschlands, der DGB Region Nord-Ost-Niedersachsen und die Bäuerliche Notgemeinschaft. Auf einem Treffen der Erstunterzeichner*innen des Aufrufs in Hannover wird herausgestellt, dass mit "Kind und Kegel" am Wochenende vor dem Eintreffen der Atommüllfuhre aus der französischen Atommüllschmiede Cap de La Hage in Sichtweite des Castor-Verlade-Krans in Dannenberg demonstriert wird. Die gemeinsame Forderung lautet: "Mit Gorleben kommen sie nicht durch".

"Die Atommülldilemma ist kein regionales Problem, gerade bei dem Geschacher um verlängerte Laufzeiten wird das Thema gern unter den Tisch gekehrt, wir werden ein grelles Licht darauf werfen und der Atomkraftlobby die Rote Karte zeigen", kündigt die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) an.

 

Laufzeitverlängerung für alle AKW

Am 5. September einigen sich die Bundesregierung und die vier großen Atomkonzerne in einer Nacht- und Nebelaktion auf eine Laufzeitverlängerung für Deutschlands Atomkraftwerke. Im Durchschnitt sollen die AKWs in Zukunft zwölf Jahre länger laufen.

Am 10. September wird ein abschließender Bericht zum radioaktiven Inventar der Schachtanlage veröffentlicht: Demnach sollen zehnmal mehr mittelradioaktive Abfälle als bisher vermutet im Schacht Asse II lagern.

Lüchow-Dannenberger Bürger*innen müssen im Vorfeld des nächsten Castortransports damit rechnen, von verdeckten Ermittlern beobachtet zu werden. Das ist am 17. September der Antwort von Innenminister Uwe Schünemann zu entnehmen, die er im Landtag auf eine mündliche Anfrage der Grüne-Fraktion gegeben hat.

Auf dem Ballhofvorplatz in Hannover errichtet das junge schauspiel x hannover ein Hüttendorf in Erinnerung an 1004. Seit dem 18. September ist jeden Tag „äktschn“. Die Aktion dauert bis zum 26. September.

Atomkraft: Schluss jetzt!

Am 18. September demonstrieren in Berlin mehr als 100.000 Menschen gegen Atomkraft und für den Ausbau erneuerbarer Energien. Die Demonstration startet und endet am Berliner Hauptbahnhof. Die Teilnehmer*innen umzingeln das Regierungsviertel und halten dort eine symbolische Sitzblockade ab. Zahlreiche "Atommüll-Dosen" werden über die Absperrungen in Richtung Reichstag geworfen.

Der Transport von 18 Castor-Behältern vom Forschungszentrum Rossendorf (Sachsen) nach Ahaus 2005 war überflüssig, heißt es am 23. September. Der Atommüll wird nun doch nach Russland zurück gebracht. Schon die DDR hatte die Rücknahme der abgebrannten Brennelemente zugesagt bekommen.

"Erst 2019" soll das geplante Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im "Schacht Konrad" fertiggestellt werden, heißt es am 24. September vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Wegen dieser Verzögerung wäre es vorläufig nicht möglich, den im Schacht Asse II lagernden Atommüll zurückzuholen und im Schacht Konrad endzulagern, wie dies Anfang des Jahres beschlossen wurde.

Die Bundesregierung legt am 28. September zwei separate Entwürfe zur Änderung des Atomgesetzes vor (11. Novelle des Atomgesetz). Der eine verankert die ausgehandelte Verlängerung der Laufzeiten für die 17 deutschen Atomkraftwerke im Gesetz. Der zweite entläßt die Länder aus der Haftung bei Atomunfällen. Es handelt sich hierbei um einen juristischen Trick, den zu erwartenden Einspruch des Bundesrats gegen die Verlängerung der Laufzeiten zu verhindern. Weiterhin soll die Novelle die Enteignung widerspenstiger Grundstückseigentümer beim Bau von Endlagern erleichtern. Laut der neuen Paragraphen 9d bis 9f soll eine Enteignung auch ausdrücklich "zum Zweck der vorbereitenden Standorterkundung" möglich werden.

Am 1. Oktober wird nach zehn Jahren Baustopp das Moratorium für den weiteren Ausbau des Salzstock Gorleben aufgehoben.

Ende September erscheinen unterschiedliche Mobilisierungs-Videos zu den Protesten gegen den angekündigten Castor-Transport.

Gorleben-Moratorium endet mit Unruhetag

Am 2. Oktober antworten Aktivist*innen auf den Weiterbau im Gorlebener Salzstock mit einem "Unruhetag". An insgesamt zehn Orten werden wichtige Verkehrsadern im Wendland blockiert, Kaffeetafeln auf und an den Straßen organisiert. An den Protesten beteiligten sich etliche Bauern mit ihren Traktoren, Motorräder, LKWs ect. Die Erkundung des Bergwerks sei "lediglich ein Deckmantel für die Errichtung eines Atommüllendlagers", heißt es im Aufruf.

Der Ticker zum Unruhetag:

  • 10:29 Uhr - 7 Trecker in Nebenstedt-Straße zu!
  • 10:29 Uhr - 15 Trecker, 50 Leute in Pudripp
  • 10:34 Uhr - B216 aus Lüneburg zu: 20 Fahrzeuge, 100 Leute in Göhrde
  • 10:59 Uhr - Jameln: von einem Trecker soll ein Reifen fehlen
  • 11:00 Uhr - Pudripp: Abseilaktion an Bahnbrücke gen Zernien, 20 Trecker, 100 Leute, Straße nach Uelzen ist zu!
  • 11:02 Uhr - Wendlandblockade steht - 100derte machen den Landkreis zu.
  • 11:12 Uhr - In Bergen machen 300 Leute und Radfahrer die Straße zu
  • 11:12 Uhr - Bei der BI in Lübbow sind 300 Leute!
  • 11:14 Uhr - Vokü hat in Pudripp aufgebaut, Stimmung super, Polizei macht nichts außer filem und Straße sperren
  • 11:14 Uhr - Hitzacker: 30 Leute haben Fahrbahnverengung aufgebaut u. verteilen Flugis
  • 11:46 Uhr - Zarenthin: die Straße blockiert mit Mensch + Traktoren
  • 12:00 Uhr - Seit 2 Std ist der Landkreis Lüchow-Dannenberg von Atomkraftgegnern blockiert: Gorleben stoppen!
  • 12:10 Uhr - Radionachrichten melden: erhebliche Verkehrsbehinderungen im ganzen LK Lüchow-Dannenberg
  • 12:29 Uhr - Nebenstedt: Kaffeetafel u. immer mehr Menschen u. Trecker
  • 12:20 Uhr - Bauernblockade in Hohenvolkfien haben heiße Getränke - aber keinen Grill
  • 12:35 Uhr - Lübbow: Widersetzen blockiert seit 30min mit Sitzblockade die Straße. Gute Stimmung überall
  • 12:48 Uhr - Zwischen Pudripp / Zernien weiterhin Blockade durch Kletteraktion + 20 Traktoren an Bahnbrücke
  • 12:58 Uhr - Göhrde: Polizeiautoattrappe abgebrannt
  • 13:29 Uhr - Auch in Metzingen war die B216 zeitweise blockiert
  • 13:36 Uhr - In der Göhrde gibt es Stress mit der Polizei
  • 13:48 Uhr - 15.00 Uhr großer Abschluss der erfolgreichen Wendlandblockade am Verladekran Dannenberg!
  • 14:17 Uhr - Pudripp setzt sich in Bewegung: Treckerkonvoi gen Verladekran. Nebenstedt steht noch.
  • 15:07 Uhr - Verkehrschaos in Dannenberg: Aus allen Richtungen kommen Atomkraftgegner
  • 15:25 Uhr - Bundesstraße am Verladekran mit etlichen Treckern blockiert. Hunderte Menschen am Verladekran
  • 16:09 Uhr - Abschlusskundgebung vor dem Verladekran - Aktionsorte berichten - erfolgreicher Tag!

"An den Blockadeorten war fröhliches Treiben zu beobachten wie bei einem Familienausflug, der es in vielen Fällen auch war. An den Blockaden hatten sich viele Landwirte mit ihren Traktoren beteiligt, die quer gestellt Straßen oder Kreuzungen für Fahrzeuge unpassierbar machten (z.B. in Dannenberg und Pudripp). In Pudripp seilten sich Mitglieder von contrAtom von einer Eisenbahnbrücke über der B191 ab und entfalteten in luftiger Höhe ihre Transparente. In Göhrde blockierten neben Traktoren auch Baumstämme auf der Fahrbahn ein Durchkommen. Eine sehr ansprechende Aktion gab es in Jameln: Dort hatten AtomkraftgegnerInnen an der Straße eine Mahnwache aufgebaut und produzierten in Teamarbeit fleißig hunderte von großen und kleinen gelben Widerstandskreuzen (X). Die Sägeabfälle landeten dann flugs auf der Straße und mehrere AtomkraftgegnerInnen machten sich mit Besen daran, die Abfälle von einer Straßenseite auf die andere und wieder zurück zu fegen, wobei sich in der Folge natürlich der Verkehr staute..." (Subkontur)

Vor einer "Eskalation der Gewalt im öffentlichen Raum" warnt am 11. Oktober die Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Die innere Sicherheit steht vor dem Kollaps", so GdP-Vorsitzender Konrad Freiberg. Die Demonstrationen rund um das Projekt "Stuttgart 21" und die Castor-Transporte zeigen, dass das Gewaltpotenzial in der Gesellschaft gestiegen sei. In Hinblick auf die erwarteten Proteste beim geplanten Castor-Transport in das Atommüllzwischenlager Gorleben Anfang November forderte Freiberg stärkere Bemühungen der Politik, Konflikte zu schlichten. "Man kann nicht einfach Interessen durchsetzen, auch wenn man glaubt, dass das wichtig ist", so Freiberg. Das sei der falsche Weg. Die Polizei könne nur begrenzt zur Lösung von Konflikten beitragen.

Traktoren aus dem Wendland unterstützen am 13. Oktober in Stuttgart die Proteste gegen den Bau von Stuttgart 21.

Am 13. Oktober gibt die Staatsanwaltschaft Lüneburg bekannt, dass überprüft werde, ob allein die Unterzeichnung des Aufrufs zu "Castor Schottern" eine Straftat sei. Es könnten Ermittlungsverfahren gegen die Unterzeichner*innen des Aufrufs angestrengt werden. "Beim G8-Gipfel in Heiligendamm waren sogar noch mehr Einsatzkräfte im Einsatz und dennoch waren die Blockaden ein voller Erfolg. Daher wird uns auch ein erneutes Polizeistaatsmanöver im Wendland nicht am Schottern hindern können. Wir werden die Lücken in der Aufstellung der Polizei suchen und finden", heißt es von der Kampagne "Castor Schottern". Auch 16.500 Polizist*innen werden das Schottern nicht verhindern können.

Trotz des umstrittenen Polizeieinsatzes in Stuttgart, wo ein Mann erblindete, hält die Deutsche Polizeigewerkschaft in Niedersachsen weiterhin am Einsatz von Wasserwerfern fest. "Solange es nichts Besseres gibt, bleiben Wasserwerfer ein adäquates Einsatzmittel", sagt der stellvertretende Vorsitzende Knut Hallmann am 14. Oktober. In jedem Fall - etwa beim Castortransport nach Gorleben - müssten natürlich die rechtlichen Rahmenbedingungen überprüft werden. "Nur wenn der Einsatz in dem Moment auch verhältnismäßig ist, sollte der Wasserwerfer zum Einsatz kommen." Die Bereitschaftspolizeien der Bundesländer werden derzeit vom Bundesinnenministerium mit 78 neuen, noch leistungsstärkeren Wasserwerfern der neuesten Generation ausgestattet. Die ersten Modelle des "WaWE 10", einem modernen Einsatzgerät mit 10 000- Liter-Tank, sollen noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Für Niedersachsen sind vier Neuanschaffungen geplant. Jeder Wasserwerfer kostet mehr als 900 000 Euro.

Am 16. Oktober werden rund 500 Ermittlungsverfahren gegen Atomkraftgegner*innen eingeleitet, die den Aufruf der Kampagne "Castor Schottern" unterstützen.

"Wir kennen das aus der Vergangenheit: Vor jedem Castor-Transport werden solche Gewaltszenarien an die Wand gemalt", heißt es in einer Mitteilung der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" am 16. Oktober. Anschließend würde dann die Gewaltfreiheit der Protestbewegung gelobt. Das Nachrichtenmagazin «Focus» hatte unter Berufung auf eine vertrauliche Lageeinschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) berichtet, dass die Polizei mit heftigen Krawallen rechne. Die BI Umweltschutz fordert eine "politische Lösung" für den Atommüll.

Polizeibeamte mit Familienplanung sollten den Castor-Behältern beim Transport nach Gorleben besser nicht dauerhaft zu nahe kommen. Diese Empfehlung gibt am 16. Oktober in Dannenberg der Strahlenbiologe Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein. Auf Einladung der Fachgruppe Radioaktivität ist er nach etwa einem Dutzend Jahren ein zweites Mal für einen Grundkurs über Gefahren radioaktiver Strahlung nach Lüchow-Dannenberg gekommen.

Die Einleitung von Ermittlungsverfahren gegen Atomkraftgegner wegen einer geplanten Sabotage der Castor-Bahnstrecke habe der Aktion noch weiteren Zulauf beschert: Alleine am Wochenende hätten weitere 200 Personen die Absichtserklärung im Internet unterzeichnet, teilt Sonja Schubert, Sprecherin der Kampagne "Castor Schottern" am 18. Oktober mit.

Mehr als 40 Stunden ist die Facebook-Seite der Anti-Atom-Kampagne "Castor Schottern" gesperrt. Die Kampagne kritisiert "Zensur", Facebook äußert sich am 18. Oktober: Grund der Sperrung sei ein Verstoß gegen die "Erklärung der Rechte und Pflichten", keine Zensur. Die Seite der Anti-Castor-Kampagne hat inzwischen mehr als 2.600 Anhänger.

Am 19. Oktober beginnt die Polizei am Castor-Verladebahnhof in Breese in der Marsch damit, die Anlage mit sogenanntem S-Draht abzusperren. Einheiten der Bundespolizei stellen zunächst Absperrgitter direkt am und um den Verladekran auf und bringen später drei Lagen des gerollten, scharfkantigen Drahtes an.

Rappelvoll ist der Saal des Dannenberger Schützenhauses am 22. Oktober, als die verschiedenen Anti-Castor-Initiativen ihre geplanten Aktionen vorstellen. So viele Aktionen plant der Castor-Widerstand für die Tage des Atommüll-Transports, dass nur ein Teil des zu erwartenden Geschehens angesprochen werden konnte.

Die Bundeswehr werde im Rahmen der Amtshilfe beim nächsten Castor-Transport nach Gorleben eingesetzt, bestätigt das Bundesinnenministerium am 22. Oktober auf Anfrage des Grünen Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele. Die erbetene Unterstützung beschränke sich auf das "Bereitstellen von Kasernen und Verpflegung", so ein Sprecher des Niedersächsischen Innenministeriums am 26. Oktober.

Am 23. Oktober wird die "Allgemeinverfügung" der Polizeidirektion Lüneburg veröffentlicht, mit der die Grundrechte während der Zeit des Castor-Transports eingeschränkt werden.

Aus Protest gegen den angekündigten Castortransport findet am 23. Oktober findet ein bundesweiter "Schienen-Aktions-Tag" statt. Im Wendland treffen sich mehrere hundert Menschen in Leitstade. Am Lüneburger Bahnhof findet eine Kundgebung mit 600 Menschen statt. Insgesamt beteiligen sich bundesweit um die 10.000 Atomkraftgegener*innen.

Ab dem 23. Oktober informieren in 50 Städten bundesweit Greenpeace-Aktivist*innen eine Woche lang interessierte Bürger*innen darüber, wie sie sich an den Anti-Atom-Demonstrationen rund um die anstehenden Castortransporte beteiligen können. An Infoständen, die als "mobile Reisebüros" umgebaut wurden, erklären sie den Passant*innen, wie sie zu der Großdemo am 6. November ins wendländische Dannenberg kommen können. "Wir rechnen mit einem großen Zulauf zu den Protestaktionen rund um den Castor", sagt Tobias Riedl, Atomexperte von Greenpeace.

Im Hamburger "Gängeviertel", eine besetzte Künstlermeile in der Innenstadt, findet am 23. Oktober einen Anti-Atom-Soliparty statt: "Atomausstieg bleibt Handarbeit", heißt das Motto, unter dem es Musik, Vokü und Infos zum Widerstand gibt.

Unter dem Motto "Atommüll: Zurück an Absender" brechen am 24. Oktober 350 Atomkraftgegner*innen mit einer täuschend echten Castor-Attrappe samt 40-Tonnen-Lastwagen von Gorleben ins Berliner Regierungsviertel auf. Vor dem Zwischenlager in Gorleben findet eine Kundgebung statt.

"Der Salzstock Gorleben ist als Atommülllager völlig ungeeignet. Deshalb beladen wir heute einen "Castor-Transport" mit "Atommüll" und schicken ihn zurück an den Absender nach Berlin", so Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz. "Dort will die Regierung den Bundestag diese Woche längere Laufzeiten für Atomkraftwerke beschließen lassen, wodurch noch einmal tausende Tonnen zusätzlicher Atommüll entstehen würden - obwohl die Endlagerung nach wie vor völlig ungeklärt ist."

Am 25. Oktober gibt der "Gesellschaft für Nuklear-Service" bekannt, dass bis 2017 jedes Jahr hochradioaktiver Atommüll in das niedersächsische Zwischenlager Gorleben rollen soll. Atomkraftgegner*innen kündigen an, jeden einzelnen Transport zu blockieren.

"Je weiter weg, desto besser", betont GNS-Strahlenschutzexperte Hartmut Schulze zu der Strahlung aus den Castoren am 25. Oktober. Wenn Polizist*innen näher als fünfeinhalb Meter an die Atommüllbehälter kommen, werde die Aufenthaltszeit in diesem Bereich genau gemessen.

Im niedersächsischen Gorleben darf kein weiterer Atommüll deponiert werden. Der Castortransport muss absagt werden - und der Atommüll in die Hauptverursacherländer Bayern, Hessen und Baden-Württemberg geschickt werden, fordert Greenpeace am 25. Oktober in einem neuen "Atommüll-Konzept" und verweist auf geringere Transportrisiken.

Nach dem harten Polizei-Einsatz bei den Stuttgart-21-Protesten befürchtet Amnesty International auch Gewaltexzesse von Beamt*innen bei den bevorstehenden Castor-Demonstrationen. Die Organistation fordert am 26. Oktober eine "generelle Kennzeichnungspflicht von Polizisten im Einsatz". Die Polizeigewerkschaft weigert sich.

Am 26. Oktober werden die ersten Behälter mit hochradioaktiven Abfällen per LKW von der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague zum knapp 40km entfernten Verladebahnhof Valogne gebracht. Der findet das Umladen auf Bahnwaggons statt.

In Hannover nimmt die Polizei zwei Atomkraftgegner*innen fest: Sie sollen zur Sabotage der Gleise aufgerufen haben: Die 21 Jahre alte Frau und ihr 30 Jahre alter Begleiter hätten in einer U-Bahn Aufkleber mit einem Internetlink angebracht, unter dem zur Beschädigung der Gleisanlagen aufgerufen werde, teilt die Polizei am 27. Oktober mit. Gegen die beiden sei ein Strafverfahren wegen des Verdachts der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten eingeleitet worden.

 

Unter heftigem Protest der Oppositionsparteien billigt der Bundestag am 28. Oktober mit den Stimmen von Union und FDP die beiden Novellen zum Atomgesetz, mit denen die Laufzeit der 17 deutschen Atomkraftwerke verlängert und die Enteignung von Grundstückseigentümern für den Bau von Endlagern erleichtert wird. Mit derselben Mehrheit beschließt das Parlament außerdem die Einführung einer Steuer auf Brennelemente und die Errichtung eines Sondervermögens "Energie- und Klimafonds" aus der mit den Atomkraftwerksbetreibern vereinbarten "Förderabgabe" für den verlängerten AKW-Betrieb.

"Sie eröffnen erneut einen gesellschaftlichen Großkonflikt, den wir schon einmal in mühsamer Arbeit über viele Jahre gelöst hatten. Sie spalten die Gesellschaft, obwohl sie sich in diesem Punkt schon einig war., so Sigmar Gabriel (SPD).

Nach zehnjähriger Pause erlaubt das niedersächsische Umweltministerium Ende Oktober die Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten in Gorleben. Allerdings wurden die beiden dafür notwendigen bergrechtlichen Genehmigungen, der Rahmen- und ein Hauptbetriebsplan, nicht für sofort vollziehbar erklärt. So konnte die weitere Erkundung zunächst durch die Klagen mehrerer Anwohner gestoppt werden. Die Kläger - darunter Graf von Bernstorff, die Kirchengemeinde Gartow, die Umweltschutzorganisation Greenpeace und die Salinas Salzgut GmbH - wollen verhindern, dass ohne atomrechtliches Planfeststellungsverfahren quasi unter dem Deckmantel der Erkundung das Endlager in Gorleben weiter ausgebaut wird. Konkret richtet sich ihre Klage gegen die Verlängerung des veralteten Rahmenbetriebsplans aus dem Jahr 1983 als Grundlage zur Weitererkundung. Begründung: Der Plan sei überholt und rechtswidrig. Sämtliche Voraussetzungen wie Art und Menge der Abfälle, Erkundungsumfang sowie die Sicherheitsvorkehrungen hätten sich seit 1983 geändert. Außerdem behindere dieser Plan aus Sicht von Salinas das Vorhaben des Unternehmens. Die Klage hat zunächst aufschiebende Wirkung, weil nach Meinung des Lüneburger Verwaltungsgerichts "keine vollendeten Tatsachen" geschaffen werden dürfen. Allerdings reagiert das BfS umgehend und stellt nun einen Antrag auf Sofortvollzug.

Eine Woche vor Beginn des Castor-Transports demonstrieren in Uelzen am 30. Oktober mehrere Hundert Menschen für den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft. Die Redebeiträge kündigten die größten Anti-Castor-Proteste der Geschichte an.

Am 3. November schlägt die EU-Kommission die Einführung von europaweit verbindlichen Sicherheitsstandards für die Endlagerung vor. Die Mitgliedstaaten sollen künftig darlegen, wann, wo und wie sie Endlager zu bauen und zu betreiben beabsichtigen, die den Sicherheitsstandards der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) genügen. Energiekommissar Günther Oettinger tritt damit in die Fußstapfen seiner beiden Vorgänger, die ebenfalls eine europaweite Zuständigkeit der EU für die Entsorgung radioaktiver Abfälle anstrebten.

Unter dem Motto "SCHOTTER gegen den Atomzug - Das Benefiz für den Castor-Widerstand!" stehen am 3. November auf der Bühne der Fabrik Hamburg die Musikbands Slime, Bots, Rantanplan, Abi Wallenstein und Jonkanoo.

Castor - Mobilisierungsvideos der BI Umweltschutz:

GORLEBEN XXL

Auch für die Castor-Strecke um Wörth (Südblockade) gibt es eine Allgemeinverfügung, die Versammlungen untersagt.

An der legendären "Landmaschinenschau" an der B216 in Metzingen beteiligen sich am Abend des 4. November rund 40 Trecker und 400 Menschen.

5. November

Zur Schüler*innen-Demo in Lüchow kommen am 5. November über 1.400 Menschen, 40 Traktoren unterstützen. Das Motto der Demonstration lautet: "Je länger Eure Laufzeiten desto größer unser Zorn."

Auf der Bundesstraße zwischen Gorleben und Dannenberg verteilen Greenpeace-Aktivist*innen große, gelbe Widerstandskreuze entlang der Allee. Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen alle Kreuze aus den Bäumen an der Straße entfernen lassen.

Ab Freitag, den 5. November, ist auf der Esso-Wiese in Dannenberg eine umfangreiche Infrastruktur des Castorprotests aufgebaut. Erstmalig in diesem Jahr wird der Transport im Internet von einem aufwendigen "Castor-Ticker" begleitet, den Aktivist*innen dank eines Netzwerkes im ganzen Wendland speisen.

Am 5. November um 14:24 Uhr startet im französischen Verladebahnhof Valogne der vorletzte Rücktransport von hochradioaktiven Abfällen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Deutschland. Transportiert werden 11 Behälter des neuen Castor-Typs HAW28M, ausgelegt auf die deutlich höhere Wärmeleistung von 56 kW.

„Jeder einzelne dieser Castoren enthält so viel radioaktives Material, wie bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde“, sagt Thomas Breuer von Greenpeace. „Es ist unverantwortlich, diese tödliche Fracht nach Gorleben zu bringen.“ Stattdessen solle er ins grenznahe Zwischenlager am AKW Philippsburg gebracht werden. Dies würde dem Verursacher-Prinzip entsprechen.

Gegen 16.00 Uhr muss der Castorzug im französischen Caen eine erste Zwangspause einlegen: fünf Personen haben sich mithilfe von Metallrohren an den Gleisen festgekettet. Insgesamt nehmen rund 30 Aktivisten an der Aktion unter dem Motto "Grenzenloser Widerstand" teil. Drei der fünf Aktivist*innen werden bei der Räumung durch das Vorgehen der Polizei verletzt.

Die französische Gruppe „Groupe d‘actions non-violentes antinucléaires“ (auf deutsch etwa „Aktionsgruppe nicht gewalttätiger Atomkraftgegner“) bekannte sich zu der Blockade.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) verteidigt den Castor-Transport als "unverzichtbar": Deutschland sei verpflichtet, die radioaktiven Abfälle, die bei der Nutzung der Atomenergie anfielen, im eigenen Land zu entsorgen. "Wir können die Lasten der Vergangenheit nicht anderen aufbürden, für die sichere Lagerung des Atommülls sind wir verantwortlich". Röttgen ruft die Atomkraftgegner *innen auf, sich "friedlich zu verhalten". (taz)

"Bayern scheidet als Standort für ein Endlager definitiv aus. Wir haben keine sichere geologische Formation", so Umweltminister Markus Söder (CSU). Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) fordert, im Süden nach möglichen Endlagern zu suchen, falls sich Gorleben als ungeeignet erweisen sollte.

Am Nachmittag beteiligen sich mehrere hundert Menschen an der "Ralley Mounte Göhrde".

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert von den Betreibern der Atomkraftwerke eine "Sicherheitsgebühr“ in Höhe von 50 Millionen Euro: Es sei nicht hinnehmbar, dass die Konzerne jedes Jahr Milliarden-Gewinne machten, die Kosten für die Sicherheit der Atommülltransporte aber beim Steuerzahler abladen würden, so DPolG-Vorsitzender Rainer Wendt.

Am Abend treffen sich 200 Aktivist*innen zum traditionellen "Abgrillen" vor der Kaserne in Neu Tramm und blockieren die Zufahrt. Laternenumzüge finden in Gorleben, Metzingen und Hitzacker statt. Auf dem Lüchower Marktplatz nehmen nach einem Laternenumzug ca. 500 Menschen an einer Mahnwache mit Marianne Fritzen, Stephan Wichert v. Holten, Martina Lammers auch Landesvorstände und Teile des Bundesvorstands von Bündnis 90 / Die Grünen teil. Claudia Roth hält eine Laterne in der Hand.

"In der Masse einmalig, in der Friedfertigkeit unübertroffen und in den nächsten 100.000 Jahren haben wir noch ne Menge zu tun". (Propst Stephan Wichert von Holten zu den Protesten)

In der Schützenhalle in Dannenberg lädt die BI zu einer Infoveranstaltung, im Camp Hitzacker findet eine RAVERPARTY mit "atomkraftwegbassen" statt. 2.500 Atomkraftgegner*innen kommen um 18.00 Uhr zu einer Kundgebung am Bahnhof in Lüneburg.

Gegen 19.00 Uhr setzt der Atommüllzug in Caen seine Fahrt fort.

Am Abend erreicht ein Treck aus 40 Fahrzeugen vom Atomstandort Schacht Konrad bei Salzgitter über Uelzen das Protestcamp in Splietau.

In Metzingen kommt es zu ersten Auseinandersetzungen mit der Polizei, die den Laternenumzug auf der B216 blockiert und die Straße räumen will.

Gegen 21.30 Uhr erreicht der Castorzug Sotteville-les-Rouen, dort Logistikstopp.

Am späten Abend finden im Wendland immer wieder Polizeikontrollen statt. In Breese / Marsch sind 500 Menschen bei einem Soli-Konzert der Meiselgeier.

22.30 Uhr - Weiterfahrt des Castorzuges in Sotteville-les-Rouen.

In der Nacht entdeckt die Polizei auf der gesperrten Bahnstrecke bei Dahlenburg einen großen Stein, der mit Parolen gegen den Castortransport beschriftet ist.

5.11. - Demo in Lüchow

5.11. - Campbesuche im Wendland

5.11. - Demo in Lüneburg

5.11. - "Abgrillen" in Neu Tramm

6. November

Gegen 2.00 Uhr hat der Castortransport den Güterbahnhof Longueau bei Amiens verlassen, Weiterfahrt in Richtung Reims.

Der Castor wurde um 4.48 Uhr in Reims gesichtet.

Um 7.29 Uhr passiert der Castorzug Bar-le-Duc.

9.30 Uhr: Castor durch Rémilly.

Im Wendland sind gegen 10.30 Uhr schon vielen Menschen auf dem Weg zur Kundgebung in Splietau. Rund 400 Busse sind auf dem Weg, auf vielen Zufahrtstraßen geht es nur im Schritttempo vorwärts. "Zwei Stunden vor Beginn der Demonstration in Dannenberg sind die Zufahrtsstraßen fast komplett zugeparkt, Autos und Busse aus ganz Deutschland und teils aus Österreich fangen an sich zu stauen." (taz-ticker) Die Straße von Klein Gussborn nach Dannenberg ist von Treckern blockiert.

"Wir werden heute riesige Autoketten gegen Atomkraft auf den Straßen in der Region erleben", vermutet Jochen Stay von der Initiative "ausgestrahlt". "Ich gehe davon aus, dass gar nicht alle die Demonstration erreichen werden."

10.43 Uhr: Der Castor hat Saverne durchfahren.

Um 11.00 Uhr erwarten mehr als 1.000 Menschen auf einer Kundgebung in Berg/Pfalz den Castorzug. In Witzenhausen/Nordhessen nehmen 50 Personen an einer Kundgebung auf dem Marktplatz teil.

Um 11.00 Uhr starten in Gusborn etwa 100 Trecker zur Kundgebung in Splietau. An Bord von Prominenz: die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özedemir, Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin, Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch und der Linken-Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi oder der Musiker Bela B. von den "Ärzten".

Gegen 11.30 Uhr ketten sich bei Lauterbourg vier Aktivist*innen von Greenpeace an die Gleise. Die Aktion wird relativ zügig aufgelöst. Unterdessen besetzen bei Berg ca. 1.200 Menschen der Aktion "Südblockade" die Gleise.

Um 12.20 Uhr erreicht der Zug Hausbergen, dort findet ein planmäßiger Halt für einen Personalwechsel statt.

Gegen 12.30 Uhr beginnt mit den Schrotttrommlern aus Lüneburg die Kundgebung auf dem Acker bei Splietau, in Sichtweite zum Castor-Verladekran. Auf dem Feld herrscht Festivalstimmung. Auf einer angenzenden Fläche werden Traktoren geparkt, bislang sind es über 600. Auf den Zufahrtsstraßen in den Landkreis, die B191 und der B216 staut sich der Verkehr im Moment bis Uelzen beziehungsweise bis Lüneburg. Ein Polizeisprecher spricht von "chaotischen Verkehrsverhältnissen".

"Was so harmlos daherkommt, Entschottern, das ist keine friedliche Demonstration, sondern ein Straftatbestand", so kommentiert Bundeskanzlerin Angela Merkel den Protest in Bonn beim Landesparteitag der nordrhein-westfälischen CDU.

"Gorleben ist ein illegaler Schwarzbau", so Grünen-Parteichefin Claudia Roth. Sie fordert einen Neuanfang bei der Endlagersuche. Dabei müsse Gorleben außen vor bleiben. "Gorleben ist politisch verbrannt", so Roth. Ähnlich äußern sich Co-Parteichef Cem Özdemir und der Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin.

Verkleidet mit Masken von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) verteilt die Castorgruppe Breselenz unter dem Slogan "Atomlobby kauft Politik - Deutschland Bananenrepublik" Bananen und Geldscheine mit skelettiertem Bundesadler und Merkel mit einem Atom-Button am Revers.

Das Kundgebungsprogramm in Splietau: Redebeiträge von Wilhelm Wittstamm, Landrat Schulz, Kerstin Rudek, Greenpeace Geschäftsführer Kumi Naidoo, DGB-Vorstandsmitglied Anneliese Buntenbach, Claas Chocholowitz und Lars-Ole Walburg für die Bäuerliche Notgemeinschaft, Luise Neumann-Cosel für X-tausendmal quer, Anwalt Martin Lemke und Michael Wilk für die Südblockade. Rainer v. Vielen, Rocko Schamoni und Bela B, LE FLY und Irie Révoltés rahmen die Demonstration musikalisch ein.

"Wir sind all die Jahre belogen und betrogen worden. Wir haben den Glauben an die Regierung verloren." (Kerstin Rudek)

"Firmenbosse diktieren die Politik, mit diesen vordemokratischen Zuständen dürfen wir uns nicht abfinden." (Amelie Buntenbach)

"Der Transport von Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll ist vielleicht nicht illegal, aber er ist rechtswidirg, er ist unmoralisch, er ist unklug und gefährlich." (Kumi Naidoo)

"Liebe Regierende in Berlin, seid Ihr sicher, dass Ihr nicht doch abschalten wollt?" Jubel. "Gegen diese Lebendigkeit seid ihr machtlos". (Luise Neumann-Cosel)

Zu prominenten Unterzeichner*innen des Aufrufs zu "Castor schottern" gehört auch die Buchautorin Charlotte Roche:

"Ich bin gegen Gewalt gegen Polizisten, aber absolut für Sachbeschädigung im Dienste der guten Sache", so Roche am Rande der Großdemo: "Ich hoffe, dass viele Leute am Montag nicht zur Arbeit gehen und den Zug stoppen."

"Ich finde, Schottern ist eine legitime Aktion. Schotter kann man nachkippen, aber Schäden durch Atomstrahlung sind schwerer zu beheben", so "Ärzte"-Sänger Bela B. "Es gibt in diesem Land nur noch eine Minderheit, die Atomstrom will."

Gegen 14.00 Uhr passiert der Zug die deutsch-französische Grenze bei Kehl. Anders als erwartet nimmt der Zug damit nicht den Grenzübergang Luaterbourg-Kehl, sondern fährt durch die Großstadt Strasbourg.

Der Transport wurde wegen der massiven Gleisblockade im deutsch-französischen Grenzgebiet in Rheinland-Pfalz zu einer Änderung der ursprünglich geplanten Fahrtroute gezwungen, meldet die Nachrichtenagentur AFP.

Am Rande der Kundgebung in Splietau kommt es zu Gerangel mit der Polizei, als mit dem Unterhölen der Straße begonnen wird.

Gegen 16.30 Uhr wird der Castor von eine Greenpeace-Aktion gestoppt: Kletterer hängen an der Kinzigbrücke bei Kehl, in sechs Metern Höhe über der Trasse der Castor-Route.

Mit den Worten "Wir haben heute gezeigt, dass die Mehrheit einen Wechsel will. Wir sehen uns morgen, der Castor kommt nicht durch Gorleben!" wird gegen 16.30 Uhr die Kundgebung in Splietau beendet. Viele Menschen machen sich auf den Weg zu Protest-Camps in Köhlingen, Metzingen, Splietau oder Hitzacker.

GORLEBEN XXL: Über 50.000 Menschen demonstrieren am 6. November in Dannenberg gegen die Atompolitik der Bundesregierung. 600 Traktoren fahren auf. Die Kundgebung in Sichtweite des Castor-Verladekrans ist damit die größte Anti-Atomdemonstration in der Geschichte des wendländischen Widerstandes. Der kreative und bunte Protest von Demonstrant*innen aus der gesamten Bundesrepublik und darüber hinaus stellt den Auftakt für kommende Aktionen dar.

Im Wendland blockieren unterdessen 150 Trecker "eng verkeilt" die Südroute der Straßentransportstrecke in Splietau. "Ganz Splietau ist eine einzige Trecker-Blockade. Es sieht so aus als würde das auch erstmal so bleiben". (Castor Ticker)

Gegen 18.00 Uhr passiert der Castorzug die Kinzigbrücke bei Kehl, an der weiter drei Greenpeace-Aktivist*innen hängen. Die Polizei unternimmt keinen Räumungsversuch und lässt die strahlenden Behälter unter den Personen durchfahren. Man werde juristisch prüfen, ob die Personen der hohen Strahlung augesetzt werden durften, so ein Greenpeace-Sprecher.

Am Abend wird bekannt, dass sich ein Polizist in der Unterkunft in Dannenberg das Leben genommen hat. "Wir sind erschreckt und können nur hoffen, dass dieser Freitod in keinerlei Zusammenhang mit dem Einsatz steht", so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Die Polizei schließt diesen Zusammenhang aus.

Gegen 20.00 Uhr passiert der Castorzug Karlsruhe. Vor dem Hauptbahnhof protestieren 200 bis 300 Menschen, die zuvor vergeblich versucht hatten, auf die Gleise zu gelangen.

Der Castor Transport erreicht um 20.40 Uhr Biblis. Die Zusammensetzung: 2 rote Dieselloks, 6 Personenwagons, 11 Castoren, 6 Personenwagons, 2 rote Dieselloks.

Kurz nach 21.00 Uhr erreicht der Castor-Transport über Mannheim die Landesgrenze von Baden-Württemberg nach Hessen. In Darmstadt kommt es gegen 21.30 Uhr zu einem 30-minütigen Stopp, vier Personen müssen von der Polizei von den Gleisen getragen werden. Unter ihnen ist die Fraktionschefin der Linken im Wiesbadener Landtag, Janine Wissler. Um 21.43 Uhr erreicht der Castor Mainaschaff, um 22.06 Uhr Dieburg.

Gegen 23.00 Uhr meldet Greenpeace, dass eine Radachse des Castor-Zuges, zwischen Waggon 6 und 7, überhitzt sei. Auswertungen von Thermographiebilder- und Videos des aktuellen Castortransports hätten Anomalien in der Wärmeverteilung an den Rädern gezeigt. Greenpeace fordert die Behörden auf, das Problem ernst zu nehmen und umgehend zu untersuchen. Dafür muss der Atommüllzug so schnell wie möglich gestoppt werden, um alle Fahrgestelle und Achsen überprüfen zu lassen.

Der Castorzug erreicht um 23.20 Uhr Gelnhausen, um 23.45 Uhr Schlüchtern bei Fulda.

Aus den Camps im Wendland heißt es, sie seien "übervoll". Die Vorbereitungen für eine "flächendeckende Wendlandblockade" laufen.

7. November

0.10 Uhr - Castorzug in Fulda. In Hünfeld hält der Zug gegen 0.20 Uhr für einen 30-minütigen Logistikstopp.

Gegen 1.45 Uhr erreicht der Zug Bebra. Es handelt sich um einen unplanmäßigen Halt, weil eine der Loks ausgetauscht werden muss. Gegen 3.00 Uhr setzt er seine Fahrt fort.

Gegen 3.30 Uhr stoppen etwa 40 Aktivist*innen der Zug auf der Strecke zwischen Bebra und Kassel auf der Höhe Altmorschen. Von der 75 Meter hohen Fuldatalbrücke haben sich zwei Personen abgeseilt, auf der Schiene sitzen weitere Menschen. Die Polizei räumt die Schiene, in Schrittgeschwindigkeit fährt der Castorzug unter den beiden Kletterern hindurch, die sich wegen der Oberleitung nicht bis vor den Zug herunterlassen können. Die Aktion verzögert den Zug um etwa zwei Stunden.

Um 6.20 Uhr brechen im Camp Köhlingen 700-800 Menschen in Richtung Schiene zur Aktion "Castor Schottern" auf.

Sie sind aufgeteilt in unterschiedliche Gruppen, haben teils weiße Overalls übergezogen, tragen Luftmatrazen oder aufblasbare Delfine mit sich. Es wird skandiert "Nie, nie wieder Castor". (taz)

Gegen 6.45 Uhr erreicht der Castor-Zug Kassel, Weiterfahrt Richtung Göttingen. In Göttingen findet eine spontane Demo von 200 Menschen statt.

Kurz nach 7.00 Uhr starten aus dem Camp Metzingen rund 1.500 Aktivist*innen zum "Castor schottern" Richtung Govelin. Die Polizei sperrt die Straße von Metzingen nach Govelin, jedes Auto wird intensiv kontrolliert. Umliegende Felder sind umstellt und fast komplett mit großen Scheinwerfern ausgeleuchtet. Demonstrant*innen sind auf Waldwegen unterwegs Richtung Bahnstrecke. Das Camp Köhlingen ist von der Polizei blockiert, Aktivist*innen in etwa 80 Autos warten darauf, losfahren zu können.

Kurz vor 9 Uhr erreicht der Castorzug Lehrte bei Hannover. Dort findet ein Logistikstopp statt.

Während die Polizei die Aktivist*innen von "Castor Schottern" relativ unbehelligt die Schienen erreichen lässt, eskaliert zwischen Leitstade und Tangsehl gegen 9.15 Uhr die Lage: Mit Schlagstöcken und Pfefferspray wird brutal gegen die Aktivist*innen vorgegangen. Nachdem sich die Protestler*innen in mehreren "Fingern" auf die Schiene zubewegten, verteilen sie sich auf eine Länge von mehreren hundert Metern.

Sobald sich jemand den Gleisen und den Schienen nähert, wird er von der Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray umgehend zurückgedrängt. (...) Die Polizei schießt massenhaft Tränengas-Grananten in den Wald. Auch Wasserwerfer kommen zum Einsatz. (taz) Aktivist*innen ziehen sich weit in den Wald zurück, um sich vom Tränengas zu erholen.

Um 10.00 Uhr starten etwa 800 Menschen von Widersetzen vom Camp Hitzacker in Richtung Schiene. Mehrere hundert Menschen sind für eine "Inspektion" an der Castortransportstrecke im Landkreis Uelzen unterwegs.

Etwa 1.000 Menschen aus dem Camp Gedelitz brechen ab 10.30 Uhr zur Sitzblockade auf. Aufgeteilt auf fünf "Finger", die von unterschiedlich gemusterten X-Symbolen angeführt werden, wollen sie die Straße zum Zwischenlager in Gorleben erreichen. (taz)

Um 10.35 Uhr blockieren acht Trecker die B 216 auf der Oldendorfer Brücke.

Um 10.45 Uhr startet der Castorzug in Lehrte Richtung Celle.

"Die Ankunft des Castor-Transports in Lüneburg verzögert sich als Folge von Protestaktionen in Frankreich und im süddeutschen Raum um mindestens 8 Stunden. Nach dem offiziellen Fahrplan sollte der Strahlenzug bereits um 8.14 in Dannenberg-Ost eintreffen." (BI Umweltschutz)

An den Gleisen gelingt es kleinen Gruppen immer wieder für ein paar Sekunden auf die Gleise zu kommen und tatsächlich Schotter abzutragen, bevor sie wieder vor der Polizei flüchten müssen. Westlich von Leitstade setzt die Polizei auch Pferde gegen die Schotterer ein. "Wie überall an den Schienen geht die Polizei dagegen mit aller Härte vor." (taz)

Am Verladekran in Dannenberg startet gegen 11.15 Uhr von der Stuhlprobe aus eine Fahrrad-Demo.

Gegen 11.30 Uhr steht die Sitzblockade auf der Straße zum Zwischenlager in Gorleben: Die Aktivist*innen aus dem Camp Gedelitz haben ihr Ziel erreicht.

Eine weitere Ankettaktion stoppt den Castorzug gegen 11.30 Uhr bei Dalle, zwischen Eschede und Unterlüß, etwa 30 Kilometer hinter Celle. Drei Personen haben sich im Gleisbett angekettet. Der Zug steht in Otze, noch vor Celle.

Um 12.00 Uhr hat auch die Aktion "Widersetzen" ihr Ziel erreicht: Über mehrere hundert Meter sitzen hunderte Atomkraftgegner*innen bei Harlingen geschlossen auf den Schienen. Zu Beginn der Blockade setzt die Polizei Pfefferspray ein, Demonstrant*innen werden aggressiv mit Pferden abgedrängt und einige Personen am Kopf aus der Blockade herausgezogen. Es gibt zwei Verletzte.

Der Castor passiert Celle um 12.14 Uhr.

Um 12.28 Uhr heißt es im "Castor-Ticker": "Die Blockade mit den drei angeketteten Menschen steht noch. Keine Polizei zu sehen, Besucher sind willkommen."

Weitere Versuche, auf die Bahngleise zu gelangen, versuchen nach 13.00 Uhr Aktivist*innen von "Castor schottern". Am Rande wird ein Panzerfahrzeug der Polizei mit Pyrotechnik beschossen - Medien melden reißerisch, es sei "angezündet" worden, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, spricht von einer "neuen Stufe der Gewalt". Doch die Insassen des Fahrzeugs bleiben unverletzt, das Fahrzeug weitgehend unbeschädigt. Die Polizei geht weiter mit aller Härte vor, Pferdestaffeln kommen zum Einsatz. Doch die Schotterer machen weiter. Sie fordern die Polizei auf, "den Weg der Gewalt zu verlassen". Die Beamt*innen seien westlich von Leitstade "unverhältnismäßig" gegen die Aktivist*innen vorgegangen und hätten Wasser, Knüppel und Pfefferspray eingesetzt.

250-300 Menschen sind gegen 12.30 Uhr in Wendisch Evern, bei Lüneburg, an den Gleisen unterwegs.

Um 13.19 Uhr beginnen die Räumarbeiten am Gleis bei Dalle. Der Castor steht 200m vor der Blockade.

Gegen 14.00 Uhr wird zwischen dem Bahnhof Göhrde und Tangseel "erstmals richtig geschottert": Rund 200 Leute überraschen die Polizei und entfernen auf einer Strecke von 150 Metern viele Steine aus dem Gleisbett. Hinzugezogene Polizei räumt mit Schlagstöcken, Fäusten und Pfefferspray. "Erfolgreiches Schottern" wird auch aus Leitstade, Pommoissel und Grünhagen gemeldet.

Seit dem Nachmittag blockieren dutzende Bauern mit ihren Treckern praktisch sämtliche Einfahrtstraßen nach Dannenberg. Ein Durchkommen für den Nachschub der Polizei ist unmöglich.

Erneut erreichen auch etwa 1.200 Aktivist*innen aus dem Metzinger Camp gegen 14.00 Uhr die Schienen und können dort über gut eine Stunde lang auf einer Länge von einem halben Kilometer an verschiedenen Stellen die Gleise unterhöhlen. Die Polizei geht wieder mit Pfefferspray, Wasserwerfen und Schlagstöcken sowie einem Räumpanzer gegen die Demonstranten vor.

"Nach Einschätzung von Friedrich Niehörster, Chef des Polizei-Einsatzes, ist ein Prozent der Demonstranten gewaltbereit. Doch die Polizeiführung ist heute Vormittag gegen hundert Prozent der Demonstranten, die sich der Schiene genähert haben, mit einer Gewaltstrategie vorgegangen. Ich gehe davon aus, dass der Protest heute und in den nächsten Tagen von entschlossener Gewaltfreiheit geprägt ist. Ich erwarte, dass die Polizei diese Gewaltfreiheit achtet.", so Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt.

Der Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommülll erreicht gegen 15.45 Uhr mit erheblicher Verspätung Lüneburg: Laut Greenpeace befindet er sich wegen der Proteste schon mehr als elf Stunden hinter dem Fahrplan.

Gegen 17.00 Uhr ist die Aktion "Castor schottern" beendet und die Aktivist*innen zurück in den Camps. Die Initiative wertet ihre Aktion als Erfolg und das Vorgehen der Polizei gegen Demonstrant*innen als "maßlos". "3.000 bis 4.000 Menschen waren an den Schienen, viele haben trotz eines massiven Polizeiaufgebots wenigstens für kurze Zeit geschottert", so Sprecherin Hanna Spiegel. Bei Grünhagen/Harlingen sitzen 2.000 Menschen auf den Schienen. Vor dem Zwischenlager Gorleben blockieren etwa 1.500 Leute die Straße.

"31 Jahre, nachdem der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) seine Atomendlager-Pläne für Gorleben als "politisch nicht durchsetzbar" aufgeben musste, hat sich die Stimmung im Land gegen die Atomkraft eher noch gefestigt. Eine Frage solchen Kalibers wieder aufzureißen - dafür braucht es mehr als knappe Mehrheiten; es braucht einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Der aber fehlt. Die Anti-Atomkraftbewegung wird ihre volle politische Wirkung erst noch entfalten. Die Proteste am Sonntag waren nur der Anfang." Kommentar in der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung (HNA), 8.11.2010

Kurz nach 17.00 Uhr startet der Castorzug auf die eingleisige Etappe von Lüneburg zum Verladebahnhof Dannenberg-Ost. 200 Menschen blockieren die Gleise bei Wendisch Evern.

18.10 Uhr - Castor durch Vastorf. Vor dem Atommülltransport fährt ein Vorzug, sowie ein Reparaturzug um durch das Schottern beschädigte Strecke zu reparieren. Bei Dumstorf gelingt es 70 Aktivist*innen, den Castor erneut zu stoppen. Etwa 40 bis 50 Leute blockieren zudem die Brücke der B 216 über die Zugstrecke in Oldenburg.

In Harlingen gibt es fünf Sitzblockaden mit insgesamt weit über 5000 Leuten auf den Gleisen, meldet der Castor-Ticker um 19.35 Uhr. Die Polizei leuchtet die Gleise aus. Im Verlauf des Abends werden kleinere Blcokaden auf den Schienen geräumt.

Gegenüber der taz erklärt ein Polizeisprecher am Rande der Blockade in Harlingen, dass es derzeit nicht so aussehe, dass der Castor die Strecke heute noch schaffe. Die Einsatzkräfte seien absolut nicht Herr der Lage.

Kurz vor 20.00 Uhr verlässt der Castorzug den Dahlenburger Bahnhof. Die Polizei richtet offenbar einen längeren Aufenthalt vor, Stacheldraht wird ausgepackt. Der strahlende Zug parkt zwischen Seedorf und Gut Horn, knappe 10 Meter von einem Wohnhaus entfernt.

"Die drei Bundesstrassen B191, B216 und B248, die in den Landkreis führen, sind mit Treckern total verstopft" (Castor-Ticker, 20.30 Uhr)

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sieht keinen Zusammenhang zwischen der Endlagerung hochradioaktiver Abfälle und der beschlossenen Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke: Seit über 40 Jahren werde in Deutschland Kernenergie genutzt und daraus Strom erzeugt. "Und daraus fallen Abfälle an aus der Vergangenheit und darum haben wir eine Verpflichtung aus vorangegangenem Tun", so Röttgen.

Der Castor-Transport mit Atommüll ist nach Angaben der Polizeigewerkschaften bis mindestens Montagmorgen lahmgelegt, weil die Gleise blockiert und die Polizisten am Ende ihrer Kräfte sind, heißt es in einer dpa-Meldung gegen 22.00 Uhr.

"Wir sind unräumbar! Die Blockade kann und darf nicht während der Dunkelheit geräumt werden. Rechts und links der Schiene gibt es steile Hänge, die Polizei kriegt die BlockiererInnen dort nicht hoch. Jetzt muss die Polizei besonnen bleiben! Die Politik trägt die Verantwortung für diese Situation und muss den Castor zurück fahren lassen. Der Castor kann heute Nacht nicht weiter rollen. Die Bundesregierung kann diese Atompolitik überhaupt nicht weiter treiben!", so Jens Maggerl von Widersetzen. Auch die EU-Abgeordnete der Grünen, Rebecca Harms und die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg fordern, dass nicht in der Nacht geräumt werde.

Viele Polizist*innen seien schon länger als 24 Stunden im Einsatz und der Austausch mit neuen Kräften aus logistischen Gründen kaum möglich. Hinzu komme die schlechte Verpflegungslage, so Thomas Jungfer von der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Jetzt müsse dafür erstmal eine Lösung gefunden werden, die er aber noch nicht parat habe." (taz) Die Verpflegung der Gleisbesetzer*innen ist hingegen sehr gut, tausende haben sich auf Schiene und Straße für die Nacht eingerichtet.

8. November

Gegen Mitternacht beginnt die Polizei mit der Räumung der großen Widersetzen-Blockade bei Harlingen, die auf 5.000 Personen geschätzt wird. Auf einem angrenzenden Acker errichtet die Polizei aus zahlreichen Fahrzeugen eine Freiluft-Gefangenensammelstelle. Gehen die Gleisblockierer*innen nicht freiwillig vom Gleis, werden sie in den Kessel getragen. Dort ist die Versorgung schlecht, es gibt eine Stunde lang bei Temperaturen um den Gefrierpunkt weder warme Getränke noch Decken. Anwälte vor Ort intervenieren, weil der Kessel illegal sei. Es fehle dafür eine Erlaubnis vom Amtsgericht Dannenberg.

Greenpeace wird gegen 2.00 Uhr das Messen der Strahlung am Castorzug verboten. Die Bewohner des Wohnhauses, neben dem der Castorzug parkt, hatten die Umweltschützer*innen um Hilfe gebeten. Mit körperlicher Gewalt verhindern Polizisten der Durchgang zum Haus.

Die Räumung dauert Stunden, die eingesetzten Polizeibeamt*innen werden mit fortschreitender Zeit immer rabiater und wenden Schmerzgriffe an. Es gibt Verletzte.

Hauke, 26, berichtet einem Reporter der taz, dass die Polizisten ihm auf dem Gleis gesagt hätten, dass wenn er nicht freiwillig mitkommen und laufen würde, sie ihn einfach in die Büsche werfen würden. (taz)

Nach 6.00 Uhr sitzen immernoch einige hundert Menschen auf der Schiene. Nach 19 Stunden Blockade hat die Polizei die Strecke gegen 7.00 Uhr vollständig geräumt.

Um 8.24 Uhr setzt sich der Atommüllzug wieder in Bewegung. Zahlreiche Kreuzungen der Zufahrtsstraßen in den Landkreis werden weiter von Treckern blockiert.

"Die sind schon ziemlich schwach die Treckerfahrer, da kann es mal vorkommen, dass sie nicht mehr weiterkönnen und ihr Fahrzeug auf der Kreuzung abstellen müssen", erklärt eine Sprecherin der Bäuerlichen Notgemeinschaft.

Gegen 9.15 Uhr passiert der Castor Hitzacker. Kurz darauf wird die Gefangenen-Sammelstelle der Widersetzen-Blockierer aufgelöst, alle Aktivist*innen dürfen gehen.

"Bis zu 5.000 Menschen" haben den Castor 20 Stunden blockiert. "Dies war die größte Gleisblockade, die es je im Wendland gegeben hat", so Jens Magerl, Sprecher von "WiderSetzen".

"Gäbe es diese illegalen, gewalttätigen Demonstranten nicht, gäbe es die Kosten nicht." Sie seien die Verursacher der Kosten. "Man muss sich eher fragen, warum die nicht die Kosten zahlen.", kommentiert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Forderung des niedersächsischen Ministerpräsident David McAllister (CDU), dass die Kosten für den Castor-Einsatz gerechter verteilt werden sollten.

Um 9.30 Uhr erreicht der Atommüllzug mit den elf Castor-Behältern den Verladebahnhof Dannenberg-Ost.

In einer Pressekonferenz zieht Castor Schottern am Vormittag Bilanz der Verletzten in ihren Reihen: Es habe mehr als 950 Augenverletzungen durch Pfefferspray, Tränen- und CS-Gas gegeben, sagte Sprecher Christoph Kleine am Mittag. Zudem 16 Brüche, 29 Kopfplatzwunden, drei Gehirnerschütterungen. Zwei Schotterer mussten den Angaben zufolge ins Krankenhaus.

Mittags unterstreicht die Bundesregierung, dass die Polizei "nicht überfordert" sei. Ein solcher tagelanger Protest stelle an alle Beamten "hohe Anforderungen", so ein Sprecher des Innenministeriums. Eine Neuregelung der Millionen-Kosten des Transports lehnt die Bundesregierung ab.

Die Verladung des ersten Behälters vom Schienenwaggon auf den Straßen-Tieflader ist um 11:25 Uhr abgeschlossen. In der Göhrde wird unterdessen mit der Räumung einer Treckerblockade auf der B216 begonnen. Um 12.30 Uhr ist der zweite Castor verladen.

Erneut verteidigt Umweltminister Röttgen den Castortransport als "eine alternativlose Notwendigkeit". Er kündigt an, noch in diesem Jahr Gorleben zu besuchen. "Die Situation im Wendland erfordert, dass der Minister sich jetzt auf den Weg nach Gorleben macht und nicht kurz vor Weihnachten", so Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation ".ausgestrahlt".

Auf der Pressekonferenz der BI Lüchow-Dannenberg wirft Rechtsanwalt Dieter Magsam mittags der Polizei mit Blick auf die massenhafte Ingewahrsamnahme in Harlingen "organisierten Rechtsbruch" vor. Die bei Freiheitsentzug gesetzlich vorgeschriebene richterliche Vorführung der Festgehaltenen sei ausgeblieben. Die Polizei habe dieses auch von Richtern in Lüchow bemängelte Versäumnis damit begründet, dass zu wenige Beamte zur Verfügung gestanden hätten. "Das sind die Leute, die uns Rechtsbruch vorwerfen", so Magsam. (taz)

Gegen 13.00 Uhr nehmen etwa 1.000 Menschen an einer Kundgebung in Splietau, unweit des Verladekrans, teil.

Um 14.21 Uhr meldet der Castor-Ticker: "1200 Schafe und 500 Ziegen befinden sich auf der Transportstrecke des Castors zwischen Laase und Gorleben."

Um 14.28 Uhr ist der dritte Castor Behälter verladen.

"Es ist meine demokratische Pflicht angesichts der Laufzeitverlängerung die Straße zu blockieren.", so Astrid Rothe-Beinlich, grünen Politikerin und Landtagsvizepräsidentin in Thüringen, auf der Zufahrtsstraße in Gorleben. Auch der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler hat hier übernachtet.

"Die Grünen outen sich als politischer Arm von Aufrührern, Brandstiftern und Steinewerfern.", urteilt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. "Was Trittin, Roth und Özdemir im Wendland abziehen, ist moralische Unterstützung für Landfriedensbruch."

Gegen 15.00 Uhr veröffentlicht Greenpeace eigene Messwerte der Radioaktivität aus den Castor-Behältern: Mit 4,8 Mikrosievert pro Stunde sei die Neutronenstrahlung über 480mal höher als die zuvor am gleichen Ort gemessene Hintergrundstrahlung. Die Gammastrahlung (2,3 Mikrosievert) ist 40mal höher. Damit liegen die Werte nach Einschätzung der Experten von Greenpeace "vermutlich innerhalb der Grenzwerte". Diese Grenzwerte seien aber zu hoch angesetzt. Der Rat von Greenpeace an die Polizei: "Wir warnen die begleitenden Polizisten, sich dem Zug zu sehr zu nähern."

Um 15.45 Uhr ist der fünfte Castor verladen. Die Blockade vor dem Zwischenlager Gorleben wächst auf etwa 2.500 Menschen an.

Gegen 17.00 Uhr ist der sechste AtommüllBehälter verladen.

Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, fordert am Abend, darüber nachzudenken, ob nicht diejenigen, die das Demonstrationsrecht als Störer und zur Begehung von Straftaten missbrauchen, auch für die Kosten aufkommen, "die sie selbst verursacht haben".

Laut Castor-Ticker werden am Abend in Zadrau und Grippel Bauernhöfe von der Polizei durchsucht. Die Polizei hat auf dem Schützenplatz in Dannenberg 20 beschlagnahmte Schlepper geparkt, ausgeleuchtet und gut bewacht.

Um 18.26 Uhr meldet der Castor-Ticker: "B191 Höhe Verladekrankreuzung steht ein LKW und kommt nicht weiter." Es handelt sich um einen von Greenpeace umgebauten LKW der Hütt-Brauerei, in dessen Inneren sich Aktivist*innen mit der Straße verbunden haben. Der Laster steht direkt vor dem Abzweig zur Nordroute über Quickborn wie zur Südroute über Splietau - damit sind beide möglichen Routen zum Zwischenlager in Gorleben blockiert. Am LKW hängt ein Banner mit der Aufschrift: "Atomkraft ist ein Irrweg. Stopp Castor." Der Biertrojaner hält die Beamt*innen 13 Stunden lang in Atem, bevor die Kreuzung für die 11 Castoren freigegeben werden konnte. Mehrere Kletteraktionen begleiteten die Blockade.

Der Polizei-Pressesprecher Andreas Grischke kommentiert die Aktion so: "Greenpeace macht immer tolle Maßnahmen." Der Biertransport sei eine tolle Idee gewesen.

"Greenpeace ist ja für ihre kreativen Aktionen bekannt. Die Zusammenarbeit mit ihnen war und ist immer gut gewesen. Wir tauschen uns aus, um zu wissen, was wir machen dürfen, um die Personen im Lkw nicht zu verletzen", so Polizeipressesprecher Kai Richter.

Um 18.30 Uhr ist die Verladung des achten Behälters abgeschlossen.

Um 19.40 Uhr ist der neunte Castor verladen.

Am Abend ruft Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) angesichts der anhaltenden Blockaden "zur Mäßigung" auf: er appeliert an alle Beteiligten, "die Balance im Auge zu behalten zwischen dem Demonstrationsrecht und den gesetzlich geregelten Notwendigkeiten sowie internationalen Verträgen der Zwischenlagerung atomarer Brennstoffe, die sich unabhängig von Mehrheitsverhältnissen im Bundestag ergeben." (HAZ)

Um 21.00 Uhr ist der zehnte Castor verladen. Vor dem Zwischenlager in Gorleben sitzen mittlerweile mehr als 3.000 Demonstrant*innen auf der Straße, die Blockade ist 500 Meter lang und besteht seit mehr als 30 Stunden.

Gegen 22.00 Uhr gelingt es vier Mitgliedern der Bäuerlichen Notgemeinschaft mit einer Beton-Pyramide, an der sich die Aktivist*innen angeketten haben, die Durchfahrtsstraße in Gorleben, in Höhe des BLG-Informationshauses, zu blockieren. Eine zweite Pyramide wird in Gorleben von der Polizei abgefangen und beschlagnahmt.

Es ist zu erkennen, dass die Pyramide mit Rasierschaum gefüllt ist, der an den Seiten herausquillt. Eine in der Vergangenheit oft genutzte Technik. Mit ihm soll der Polizei erschwert werden, mit Kameras das Innere der Pyramide zu analysieren. (taz)

Christoph Schäfer, Mitglied der bäuerlichen Notgemeinschaft, sagt, dass er damit rechnet, dass die Lösung der Blockade bis zu zwölf Stunden dauern dürfte.

Um 22.04 Uhr ist der letzte der elf Atommüllbehälter vom Waggon auf einen Straßentieflader abgeschlossen - und der Verladevorgang damit beendet.

"Wir rufen alle Menschen dazu auf, sich jetzt noch auf den Weg nach Splietau, Gusborn, Quickborn und Gorleben zu machen, um mit den Füßen gegen den Atomkurs der Regierung abzustimmen. Schon gestern Nacht wurde in Harlingen bei der Schienen-Sitzblockade von Tausenden von Menschen deutlich, dass mit vertretbaren polizeilichen Mitteln der Castor-Transport nicht durchsetzbar ist. In diesen Stunden gibt eine weitere Chance: Wenn wir mit Zehntausend Menschen auf die Strecke gehen, kommen sie mit Gorleben nicht durch.", heißt es am Abend in einer Pressemitteilung der BI Umweltschutz.

Der Castorticker meldet um 22.30 Uhr, dass die Blockade auf der Straße in Gorleben auf 5.000 Menschen angewachsen ist.

Gegen Mitternacht nimmt die Polizei Messungen vor: Passen die Castor-Tieflader an dem Greenpeace-LKW vorbei? Auch der Hinterausgang des Verladekrans wird vermessen, über den die Blockade umfahren werden könnte. Mehr als 500 Menschen versammeln sich unterdessen am Kran um gegen die Abfahrt nach Gorleben zu protestieren.

7./8.11. - Widersetzen

8.11. - Castor erreicht Verladekran

8.11. - Straßenblockaden

8.11. - Pyramide in Gorleben

8.11. - Bierlaster-Blockade

9. November

Gegen 0.30 Uhr spricht die Polizei in Gorleben die erste Aufforderung aus, dass die Straße von den Menschen verlassen werden soll. Man könne in den nächsten 15 Minuten noch unbehelligt über die westliche Seite gehen. Zudem bekamen alle einen Platzverweis ausgesprochen. Wer nicht freiwillig geht, so die Polizei, der werde mit unmittelbarem körperlichen Zwang dazu gebracht. (taz)

"Der gewaltfreie Widerstand wirkt durch die Vielzahl der Beteiligten und durch organisierte Deeskalation. Wir zeigen unser Gesicht. Wir setzen dem Atommüll und der massiven Polizeipräsenz uns selbst und unsere Entschlossenheit entgegen. Alle Beteiligten haben sich sehr gut auf die Begegnungen mit der Polizei bis zur Räumung vorbereitet", so X-tausendmal quer-Sprecherin Luise Neumann-Cosel.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) weist die Forderungen zurück, Castor-Behälter aus französischen und britischen Atomfabriken künftig nicht mehr ins Zwischenlager nach Gorleben in Niedersachsen zu bringen. "Ich sehe keinen Grund, das zu ändern", so Müller in der Frankfurter Rundschau. "Wir müssen unseren Atommüll aus Frankreich zurücknehmen. Daran führt kein Weg vorbei."

Gegen 3.00 Uhr gelingt es der Polizei, die Pyramidenblockade in Gorleben mithilfe eines Hubwagens zu räumen. An der Pyramide wurde weder gefräst noch gehämmert, sondern eine Platte untergeschoben. Zuvor hatten Polizisten aus Sachsen versucht, die Pyramide mitsamt der Angeketteten von der Straße zu schieben.

Um 3.23 Uhr beginnt die Polizei damit, die Menschen in Gorleben von der Straße zu tragen. Viele setzen sich danach an anderer Stelle wieder auf die Straße. Kletterer von Robin Wood spannen unterdessen Seile über die Fahrbahn und klettern in Bäumen.

Weil sich die Räumung des Greenpeace-LKW als sehr kompliziert erweist, vermisst die Polizei gegen 4.30 Uhr erneut die Straße, um ggf. den Castor an dem Bierlaster vorbei zu rangieren.

Mit Wagenhebern versucht die Polizei gegen 4.50 Uhr, den Bierlaster zu bewegen. Die Hände der fünf Aktivist*innen im Inneren des Lasters wurden zwar aus der Ankettvorrichtung gelöst, ihre Körper sind aber weiter fest.

Gegen 5.30 Uhr hat die Polizei ein Viertel der Blockade in Gorleben geräumt.

Der Castortransport dauert länger, als selbst der Protest plante: Radio Freies Wendland, das aus einem Übertragungswagen von der Esso-Wiese in Dannenberg laufend über die Ereignisse berichtete, hat nun keine Sendezeit mehr auf Radio Zusa.

Um 6.00 Uhr wird der erste Greenpeace-Aktivist im Bierlaster aus seiner Verankerung gelöst. Eine halbe Stunde später sind alle Personen aus dem LKW geräumt. Eine Stunde später schiebt ein Unimog den Laster von der Straße.

Um 6.30 Uhr meldet der Castorticker, "im Gegensatz zu gestern verhält sich die Polizei heute zivilisiert." Zeitgleich wird die Räumung der Sitzblockade in Gorleben rabiater, die Polizisten wenden Schmerzgriffe an. Eine Klettereinheit holt mithilfe eines Hubwagens die Aktivist*innen aus den Bäumen.

Gegen 7.30 Uhr ist die Castor-Transportstrecke in Gorleben geräumt. Mehr als 45 Stunden haben bis zu 5.000 Menschen auf der Straße zwischen Gorleben und Gedelitz ausgeharrt, um die Fahrt des Castor-Transports zu blockieren.

Um 8.37 Uhr verlässt der erste Tieflader den Verladebahnhof Dannenberg. Der Konvoi nutzt die Nordstrecke über Quickborn. In Laase befinden sich 500 Menschen auf einem Acker neben der Transportstrecke, der Bass von "Castor wegbassen" wummert, Strohballen brennen. Ihnen gegenüber stehen sieben Wasserwerfer. Sechs Helikopter kreisen über der Szenerie.

Um 9.27 Uhr erreicht der Konvoi Grippel, um 9.35 Uhr Laase. In einem Waldstück zwischen Laase und Gorleben setzt die Polizei Pfefferspray gegen einen Baumkletterer ein, so dass dieser abstürzt und sich schwer verletzt. Die Polizei behauptet, er sei von allein gefallen - Fotos belegen das Gegenteil.

Um 9.48 Uhr, nach insgesamt 92 Stunden, trifft der Castor-Transport im Zwischenlager Gorleben ein.

"Der neue Streckenrekord liegt somit bei 3 Tagen, 19 Stunden, 24 Minuten", heißt es im Castorticker.

Der Castor ist am Ziel, der Protest geht an anderer Stelle weiter: Unbekannte hacken am Vormittag die Seite www.kernenergie.de: Kurzweilig ist dort die Anti-Atom-Sonne zu sehen und der Schriftzug: "Kernenergie. So sicher wie diese Webseite."

"Wir haben gezeigt, dass mit uns gerechnet werden muss", so die Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Kerstin Rudek, auf der Pressekonferenz der Anti-Atomkraft-Gegner*innen in Trebel. Die Option von Bundesregierung und Energiewirtschaft, hochradioaktiven Atommüll in den Salzstock Gorleben zu bringen, sei "durch diese Proteste ausgeschieden". Der Endlagerstandort im Kreis Lüchow-Dannenberg müsse aufgegeben werden. (taz)

Die Proteste hätten gezeigt, "dass die Menschen die verlogene Atompolitik satt haben", Angela Merkel sei "eine Kanzlerin ohne Volk", so Mathias Edler von Greenpeace.

"Es gab Jahre, wo ich am Ende des Transports frustiert war. In diesem Jahr geht es mir überhaupt nicht so. Ich finde, wir haben eine tollen Erfolg gestemmt", so Jochen Stay von der Initiative "ausgestrahlt".

"Wir haben die Proteste von Tausenden sichtbar gemacht und haben dies für Hunderttausende getan", so Jens Magerl für die Initiative "Widersetzen".

Es habe insgesamt rund 50 Treckerblockaden gegeben, die Bauern hätten am Wochenende mit mehr als 600 Schleppern demonstriert, so Carsten Niemann von der Bäuerlichen Notgemeinschaft. Die Landwirte aus dem Wendland hätten "höchsten Respekt" vor allen Umweltschützern, die bei Minustemperaturen und für viele Stunden Schienen und Straßen blockiert hätten. "Den Atommüll hier einfach in der Prärie abstellen, kann so nicht mehr gehen", so Niemann.

Ehrenamtliche Sanitäter*innen, die für die Atomkraftgegner*innen bei den Castor-Transporten im Einsatz waren, erheben schwere Vorwürfe gegen Polizisten. In Leitstade hätten Polizisten verhindert, dass eine schwerverletzte Frau mit einem Oberschenkelbruch abtransportiert werden konnte, in Verbindung mit Aktionen der Gruppe "Castor schottern" Sanitäter, die deutlich kenntlich Verletzte versorgt hätten, selbst mit Polizeiknüppeln attackiert worden, so Sprecherin Gabriele Pelce.

Die schwarz-gelbe Landeskoalition kündigt eine "Entschädigung" in Form eines "finanziellen Ausgleichs" für die Polizist*innen an, die an dem mehrtägigen Einsatz bei den Castor-Protesten im Wendland beteiligt waren. Insgesamt seien im Haushalt 2011 eine halbe Million Euro für die Beamt*innen eingeplant, die ihre Überstunden nur schwer abbauen können. Union und FDP fordern weiterhin eine Beteiligung des Bundes an der Finanzierung des Einsatzes.

Mittags kritisiert die Polizeigewerkschaft GDP die Regierung und spricht von einer "politischen Irrfahrt": Die Polizei sehe sich immer mehr als "Erfüllungsgehilfe zum politischen Machterhalt", so GDP-Chef Konrad Freiberg. "Es war ein politischer Fehler den mühsam errungenen Atomkonsens aufzukündigen." Ein Einsatz in dieser Größenordnung müsse einmalig bleiben.

Bilanz

Es dauerte insgesamt 92 Stunden und 24 Minuten, 36 Stunden Verspätung, ehe die elf Castor-Behälter schließlich am Morgen des 9. November das Zwischenlager Gorleben erreichen. Die Kosten des Polizeieinsatzes werden mit 33,5 Millionen Euro beziffert, die das Land Niedersachsen tragen muss.

Während der Protestaktionen nahm die Polizei 1.316 Atomkraftgegner*innen in Gewahrsam und erteilte 306 Platzverweise. Außerdem stellte sie 117 Traktoren von protestierenden Bauern sicher. Bundesweit waren 11.836 Beamte der Länderpolizeien und 8.156 Bundespolizisten im Einsatz, im Einsatzgeschehen seien insgesamt 131 Polizisten verletzt worden, so die Einsatzleitung, davon 78 durch Castor-Gegner.

Die Einsatzleitung betont, die Dauer des Transportes habe für sie keine Rolle gespielt. Dass Ziel, die Behälter sicher in das Zwischenlager zu bringen, habe man trotz massiver Proteste, Störungen und Sabotageaktionen erreicht, so Einsatzleiter Friedrich Niehörster.

"Die Polizisten sind bis an die Grenzen ihrer Belastung gekommen", so Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU).

8./9.11. - X-tausendmal quer

Der vom BfS in seinem Antrag auf Weitererkundung des Erkundungsbergwerks Gorleben "vergessene" Antrag auf Sofortvollzug führte zur aufschiebenden Wirkung der Klagen gegen die Wiederaufnahme der Arbeiten. Der Antrag wird nachgereicht und Stunden nach dem Castor-Transport ordnet das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover am 9. November den Sofortvollzug an. Damit können die Erkundungsarbeiten im Salzstock wieder aufgenommen werden. Der Hauptbetriebsplan 2010 wird bis 2012 genehmigt. Damit könnten die "Erkundungsarbeiten" für das geplante Endlager trotz der anhängigen Klagen fortgesetzt werden, erklärt das Umweltministerium in Hannover.

Am 14. November versammeln sich 400 Menschen am geplanten Endlager um gegen den Sofortvollzug des Ausbaus des Salzstocks zu protestieren.

In der Umgebung des Endlagers Asse leiden deutlich mehr Menschen an Leukämie und Schilddrüsenkrebs als statistisch zu erwarten wäre. Dies geht aus einem Vermerk des niedersächsischen Sozialministeriums hervor, über den die Nachrichtenagentur DPA am 25. November berichtet.

Obwohl zunächst auch einige CDU-regierte Länder ihren Widerstand bekundeten, lässt der Bundesrat am 26. November die von der schwarz-gelben Mehrheit des Bundestags am 28. Oktober beschlossene Atom-Gesetzgebung passieren, ohne von seiner Einspruchsmöglichkeit nach Artikel 77 Abs. 2 des Grundgesetzes Gebrauch zu machen.

2. Dezember: Der Bundesumweltminister besucht das „Erkundungsbergwerk“ Gorleben. Der Widerstand ignoriert den Besuch.

Am 6. Dezember stoppt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) den geplanten Transport von 951 Brennstäben aus dem früheren DDR-Kernforschungszentrum Rossendorf, die vom Zwischenlager Ahaus in den russischen Atomkomplex Majak gebracht werden sollten. In Rußland sei "die geordnete Beseitigung oder schadlose Verwertung radioaktiver Abfälle gemäß § 9 a des Atomgesetzes nicht gewährleistet". Die eingehende Prüfung des Antrags habe ergeben, daß die Zustimmung zur Ausfuhrgenehmigung gegenwärtig nicht erteilt werden könne, hieß es in der Pressemitteilung des Ministeriums.

"Wir haben noch nie so viele Demonstrierende erlebt, die so lange und beharrlich für ihre Überzeugung eingetreten sind. Und wir haben noch nie so viele Polizeibeamte jeglichen Dienstgrades mit einer so hohen Zustimmung für das Anliegen des Protestes gesehen." So heißt es im Fazit der Berichte von Pastoren und kirchlichen Mitarbeitern aus dem Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg zum Castor-Transport 2010, der Mitte Dezember erscheint.

Am 16. Dezember beteiligen sich Aktivist*innen aus dem Wendland an Aktionen gegen einen Atommülltransport aus der französischen Atomanlage Cadarache in das Zwischenlager Nord bei Greifswald-Lubmin. Entlang der möglichen Transportstrecken durch Deutschland finden zahlreiche Mahnwachen und Demonstrationen statt, bei Ludwigslust und auf der Gleisstrecke zwischen Greifswald und dem Zwischenlager kommt es zu Schienenblockaden.

Kurz vor dem Ziel des Castortransports ins Mecklenburg-Vorpommersche Lubmin blockierten mehr als 300 Atomkraftgegener_innen die Gleisstrecke zwischen Greifswald und dem Zwischenlager. Bei eisigen Temperaturen und Schneegestöber harrten die Demonstrierenden aus, bis sie von der Polizei weggetragen wurden. Parallel dazu gelang es Aktivist_innen der Organisation Robin-Wood, sich an einen Betonblock unter den Schienen anzuketten. Dadurch wurde der Castor mehr als fünf Stunden aufgehalten.

Die ganze Geschichte: