Gorleben-Chronik

2009 - Treck nach Berlin

Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur "erkundet", sondern ein Endlager gebaurt. "Mal so richtig abschalten" - ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.

5.9.2009 - Demonstration in Berlin, Bild: G. Zint

Am 1. Januar übernimmt das zum Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gehörende Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) den Betrieb des absaufenden Atommülllagers Asse-2.

Die Endlagerfrage in Deutschland sei "technisch gelöst", heißt es Anfang Januar in einer neuen Hochglanzbroschüre aus dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Bislang sprächen alle Erkundungsergebnisse dafür, dass der Salzstock Gorleben für die sichere Endlagerung von hochradioaktivem Müll geeignet sei; die Suche nach alternativen Standorten mache keinen Sinn, heißt es aus dem Ressort von Minister Michael Glos (CSU). (EJZ)

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat erstmals detailliert über die in das niedersächsische Atommülllager Asse einfließenden Laugen informiert. Einem am 7. Januar veröffentlichten Bericht zufolge schließt die Behörde nicht aus, dass ein Teil der im Bergwerk aufgefangenen Flüssigkeit mit radioaktiven Abfällen in Kontakt gekommen ist.

"Wir wissen, dass das Thema Atomausstieg und Gorleben angesichts der internationalen Finanzkrise in den Hintergrund gedrängt wird. Umso wichtiger wird es sein, im Wahljahr 2009 mit den Themen Atomausstieg, Endlagersuche und Klimaschutz demonstrativ und argumentativ präsent zu sein", heisst es von BI Umweltschutz am 8. Januar. Die Bürgerinitiative sieht sich zum Jahreswechsel gestärkt, zählt nunmehr 904 Mitglieder. 45 neue Mitglieder konnte die Bürgerinitiative nach dem Castortransport begrüßen, mit Schwung gehe es in das Jahr 2009. Symbolisch ließ man es am Neujahrstag vor den Toren der Endlagerbaustelle krachen.

Die Änderung des Atomgesetzes zur Umwandlung des bisherigen "Forschungsprojekts" Asse II in ein offizielles Endlager für radioaktive Abfälle wird am 30. Januar vom Bundestag verabschiedet und am 13. Februar auch vom Bundesrat gebilligt. Obwohl der größte Anteil des Atommülls von den Energiekonzernen stammt, die ihn gegen einen lächerlichen Betrag in der Asse abladen durften, zahlt nun der Steuerzahler für die havarierte Altlast.

Nachdem jahrelang Verwaltungsgerichte Klagen gegen atomrechtliche Beförderungsgenehmigungen von Anwohner*innen an der Castor-Strecke nach Gorleben abgeschmettert hatten, erteilte die 3. Kammer des Ersten Senats des BVerfG Ende Januar eine deutliche Rüge und stellte die Bedeutung der Grundrechte klar. Das Gericht gab zwei Verfassungsbeschwerdeführern Recht, deren Klagebefugnis seit 2003 von Verwaltungsgerichten abgewiesen wurde. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg bewertet das Urteil als "Stärkung von Anliegen der Atomkraftgegner".

"Wir haben immer gefordert: Der Schutz der Bevölkerung muss Vorrang vor dem Schutz reiner Finanzinteressen der Atomwirtschaft haben", sieht sich die BI gestärkt. Der Linken-Landtagsabgeordnete Kurt Herzog bewertet den Spruch aus Karlsruhe als "Riesenerfolg", mit dem "wieder eine ungerechte Bastion gefallen" sei.

Anlässlich der Wintertagung des Deutschen Atomforums in Berlin werden am 4. Februar gelbe Metallfässer durch die Straßen gerollt.

Schon der Titel der Atomkrafttagung "Energieverantwortung für Deutschland" sei eine irreführende Anmaßung der Konzerne. Denn diese nähmen mit ihren alternden Atommeilern Tag für Tag die Möglichkeit einer Großkatastrophe in Deutschland billigend in Kauf, erklärten Vertreter des Online-Netzwerks Campact, der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des Bund.

Der Tagungsort des Atomforums wird unter dem Motto „EURE LÜGEN BLEIBEN DRINNEN“ von 1.500 Menschen umzingelt. Mit einem Bus sind Aktivist*innen aus dem Wendland angereist. Holger Bröskamp, Chef der GNS, fordert eine "Analyse vorhandener Daten alternativer Standorte, um bei Nichteignung von Gorleben Alternativen erkunden zu können".

"Es muss aufhören, dass die Atomindustrie mit den Rückstellungen europaweit ihre Monopolstellung ausbaut, statt zum Beispiel die finanzielle Verantwortung auch in der Asse zu übernehmen oder endlich ein systematisches neues Suchverfahren nach einem sicheren Endlager zu beginnen", fordert Rebekka Harms, Spitzenkandidatin der deutschen Bündnisgrünen im Europawahlkampf, im Interview mit der Elbe Jeetzel-Zeitung am 7. Februar.

Bleibt an Gorleben alles kleben? Diese rhetorische Frage hatte die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) aufgeworfen und am 14. und 15. Februar zu einem "Doppelpack" eingeladen: einer öffentlichen Diskussion mit Rebecca Harms, Grünen-Europaabgeordneten aus dem Wendland, sowie Dr. Wolfgang Irrek vom Wuppertal-Institut, sowie einem Fachvortrag der Energieexperte Irrek und Heinz Smital von Greenpeace zu unterschiedlichen Strategien der Endlagersuche und deren Finanzierbarkeit.

"Wer für eine alternative Endlagersuche jenseits von Gorleben plädiert, der muss auch sagen können, ob und wie diese finanzierbar ist", so der BI-Vorsitzende Gerhard Harder. "Die Klärung der Finanzierbarkeit und die Haltung der atomkritischen Parteien zu dieser Frage ist für uns der Lackmus-Test, denn sonst bleibt in der Tat alles an Gorleben kleben".

"Seit zehn Jahren wird der Atomausstieg versprochen, aber nicht umgesetzt. Jetzt ist sogar von Laufzeitverlängerungen die Rede. Unsere Geduld ist aufgebraucht. Wir gehen wieder auf die Straße", kündigt Jochen Stay, Sprecher der bundesweiten Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt am 16. Februar an.

Eine Veranstaltung über staatliche Überwachung findet auf Einladung des Ermittlungsausschuss Gorleben, Republikanischer Anwaltsverein und Holtfort-Stiftung am 16. Februar im "Cafe Grenzbereiche" in Platenlaase statt. Constanze Kurz und Frank Rieger vom Berliner Chaos Computer Club stellen technische Überwachungsmöglichkeiten der Polizei von Handy, PC und Internet vor, Rechtsanwalt Martin Lemke verschafft einen Überblick, ob und wie Mittel der Überwachung in Strafverfahren einsetzbar sind.

23.2., Gorleben

Nachdem bekannt wird, dass sich die Behörden zur Messung der Strahlung aus den Castor-Behältern aus Kostengründen Messgeräte bei der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) leihen muss, fordert die BI Umweltschutz am 17. Februar, dass der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander unverzüglich erklären solle, warum er die Gewerbeaufsicht materiell so ausstattet, "dass das Amt die GNS anbetteln muss." Eine Unabhängigkeit sei so nicht gegeben.

Der Umweltausschuss des niedersächsischen Landtags besucht am 23. Februar das "Erkundungsbergwerk Gorleben". Nicht geplant war ein Gespräch mit den Kritiker*innen des Projekts. "Wenn die Abgeordneten nicht zum Volk gehen, kommt das Volk zu den Abgeordneten" - Aktivist*innen der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) Lüchow-Dannenberg empfingen die Parlamentarier und forderten sie auf, sich mit den geologischen Fakten auseinanderzusetzen, die letztlich zum Baustopp im Jahr 2000 geführt hatten. Die Landtagsabgeordneten Miriam Staudte (Bündnisgrüne) und Andrea Schröder-Ehlers (SPD) fordern, dass der Erkundungsstopp verlängert werden müsse, weil "Vergleichsbohrungen für eine alternative Endlagersuche noch nicht stattgefunden haben".

52km Lichterkette - "Licht ins Dunkel bringen"

In Salzgitter demonstrieren am 26. Februar auf der 52 Kilometer langen Strecke zwischen Asse II und Schacht Konrad 15.000 Atomkraftgegner*innen gegen die Atomlobby und ihre misslungenen Pläne: Es gibt Laugenzuflüsse und eine Kammer mit mittelradioaktivem Müll ist akut einsturzgefährdet.

"Die Ereignisse im vom Absaufen bedrohten Salzbergwerk Asse II haben viele Menschen wachgerüttelt, so darf mit Atommüll nicht umgegangen werden - weder in der Asse, noch in Morsleben, Gorleben oder Schacht KONRAD!"

Die Klage der BI Lüchow-Dannenberg gegen die Allgemeinverfügung zum Castortransport von 2006 wird am 27. Februar beim Verwaltungsgericht Lüneburg zugelassen.

Die Anwältin der BI, Ulrike Donat wies besonders darauf hin, dass die Stellungnahmen der Polizei, mit der die Allgemeinverfügung begründet wurde, ausschließlich aus Wertungen, nicht aber auf Tatsachen beruht. Durch diese weit reichenden Demonstrationsverbote seien BI und andere Betroffene in ihren Planungen so weit behindert, dass das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit damit "faktisch ins Leere" liefe.

Ende Februar wendet sich der niederländische Feststoff-Physiker Henry W. den Hartog an die Bürgerinitiative. Er hat schwere Vorwürfe gegenüber des das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das seine Forschungsergebnisse zur sogenannten Radiolyse in Salzformationen in der Atommüll-Debatte ignoriere. "Es ist traurig, sagen zu müssen, dass diejenigen in Deutschland, die für die Erforschung der mit der Endlagerung der hochgefährlichen radioaktiven Abfälle verbundenen Probleme zuständig sind, anscheinend nichts anderes tun, als Wissenschaftler zu entmutigen." Laut Den Hartog würden im Endlager chemische Prozesse in Gang gesetzt werden, die Steinsalz wie im Gorlebener Salzstock beschädigen. Die Endlager-Planer in Deutschland gehen davon aus, dass es Beschädigungen in unmittelbarer Nähe der eingelagerten Behälter nur in einer vernachlässigbaren Größenordnung gäbe. Den Hartog dagegen will in experimentellen Tests nachgewiesen haben, dass die Zerstörung des Salzes bedrohlich größer sein könnte. (EJZ)

Am 2. März teilt die Betreibergesellschaft des Zwischenlagers, die BLG, mit, dass im Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll in Gorleben ein defekter Druckschalter im Deckel eines Castor-Behälters ausgetauscht werden musste. Die Partei Die Linke spricht von einem "besorgniserregenden" Vorfall, das Niedersächsischen Umweltministeriums (NMU) dementiert: Der Schalter habe im Gegenteil bestimmungsgemäß funktioniert, indem er seinen Defekt angezeigt habe.

Asse, Gorleben ... was blieb bisher im Verborgenen? Hinweise auf Parallelen zwischen dem ehemaligen Kalibergwerk Asse II, in das in den 70er Jahren Atommüll "versuchsweise" eingelagert wurde, und dem Gorlebenprojekt werden von den Regierungsparteien geleugnet. Dazu referieren am 3. März im Lüchower Gildehaus die Landtagsabgeordneten Kurt Herzog (Die Linke ) und Stefan Wenzel (Grüne). Sie präsentierten eine Liste von Kontrollversagen, falschen wissenschaftlichen Expertisen und politischem Desinteresse an Aufklärung. "Höchst unwahrscheinlich" sollte nach einem Gutachten von 1966 ein Wassereinbruch in den Salzstock sein. Schließlich hatte man in Deutschland auf Salz gerade deshalb gesetzt, weil es angeblich Atommüll über hunderttausende von Jahren einen trockenen Standort verschaffen würde. Die Asse sei das "Waterloo für die Endlagerforschung", so Wenzel. (EJZ)

Das 92-seitige Werk "Du schreibst Geschichte" mit einer Auswahl aus rund 8000 Fotos, die 27 Fotografen während des letzten Castor-Transportes an fast allen Schauplätzen schossen und für die Dokumentation zur Verfügung stellten, wird Anfang März von der Bürgerinitiative Umweltschutz vorgestellt.

Urgewald, .ausgestrahlt und Campact organisieren vom 4.-8. März eine bundesweite Aktionswoche gegen den Atomkonzern RWE und dessen Geschäftspraktiken.

Eine "schonungslose Aufklärung" über die Laugenzuflüsse im Salzstock Gorleben fordert die BI Umweltschutz am 8. März. Denn "vertuschen und schönreden" habe vor dem Hintergrund des Dilemmas im Endlager Asse II "kurz Beine". Das Abteufen der beiden Gorleben-Schächte war Anfang bis Mitte der 90er-Jahre von permanenten Laugenzuflüssen geprägt gewesen, erinnert die BI. Die Bauarbeiten mussten wiederholt unterbrochen werden. Womöglich müssen die Zuflüsse mit den Erfahrungen im absaufenden Endlager Asse II neu bewertet werden. Wegen der dicht liegenden Laugennester bezeichnete Professor Dr. Klaus Duphorn den Salzstock Gorleben als ungeeignet. (EJZ)

Die Frage, welche Institutionen und Wissenschaftler – frühen Warnungen und Bedenken zum Trotz – absehbare Wassereinbrüche in dem Kalibergwerk Asse-2 in Abrede gestellt haben, müsse endlich beantwortet werden, fordert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) am 10. März. Dass das Bundesamt sich mit dem Argument bedeckt hält, man wolle keine Schuldzuweisungen, sei nicht länger nachvollziehbar und wecke Misstrauen, denn die Glaubwürdigkeit jener Institutionen und Wissenschaftler sei dahin. "Schließlich hatten etliche Institute und Institutionen sowohl der Asse II einen Persilschein ausgestellt als auch für den Salzstock Gorleben plädiert, trotz der Laugenaufschlüsse bei den Tiefbohrungen in den 80er Jahren und auch bei den Laugenzuflüssen beim Abteufen der Schächte in den 90er Jahren", betont die BI.

Bundesumweltminister Gabriel rechnet für den Weiterbetrieb und die Stilllegung des Endlagers Asse-2 mit Kosten "jenseits der zwei Milliarden Euro", weitere 2,2 Milliarden Euro fallen für das Endlager Morsleben an. "Es kann nicht sein, dass die Gewinne aus der Atomenergie privatisiert und die Kosten für die Schäden sozialisiert werden", beklagt Gabriel am 11. März.

Prof. Bertram warnt vor Endlagerung in Salz

Am 13. März referiert Ralf Bertram, Professor für physikalische Chemie an der Technischen Universität Braunschweig, in der Gaststätte "Alte Post" in Dannenberg. Gleich mehrere Gründe würden dagegen sprechen, den hochaktiven Strahlenmüll im Gorlebener Salz einzulagern: Auch dort gebe es "mineralgebundene Gase", die unter hohem Druck im Salz eingeschlossen seien. Diese würden "langsam in den Schacht diffundieren und sich dort ansammeln". Sobald dort radioaktives Material lagert, könnten diese Gase nicht wie üblich nach oben abgeblasen werden sondern steigen stattdessen als "Giftwolke an die Oberfläche - oder explodieren". Bertram warnt außerdem grundsätzlich vor dem Endlagermedium Salz. Durch die hohen Oberflächentemperaturen der Behälter bilden sich "Salzhydrat-Schmelzen", in denen sich "Metall auflöst wie Würfelzucker im Tee".

Nachdem das Endlagerprojekt Yucca Mountain in den USA gestoppt wurde, fordert die BI Umweltschutz am 16. März, dass sich die Bundesregierung "an Barack Obama orientieren" und trotz der milliardenschweren Investitionen in Gorleben den Mut haben solle, das Endlager-Projekt "einzufrieren". Verglichen mit den verbauten neun Milliarden Euro in Yucca Mountain seien die in Gorleben investierten 1,5 Milliarden Euro wenig, betont die BI.

Am 21. und 22. März treffen sich rund 50 Expert*innen, darunter auch Kommunalpolitiker*innen und Gorleben-Gegner*innen aus Lüchow-Dannenberg, zu einem Workshop über die Sicherheitskriterien in Berlin. Der Verzicht auf eine doppelte geologische Barriere mit der Einführung des "einschlusswirksamen Gebirgsbereichs" als einziger Barriere, die den Einschluss des hochradioaktiven Mülls über eine Million Jahre gewährleisten solle, sei angesichts der aktuellen Debatte um Laugenzuflüsse in der Asse II und Gorleben "ein Vabanquespiel", kritisiert die BI Umweltschutz. Bei jeder Formulierung werde "von allen Seiten der Salzstock Gorleben als Endlagerstandort mit gedacht", das federführende Bundesumweltministerium sei nach wie vor auf Gorleben als Standort vorfestgelegt.

"An einer völlig unverbindlichen Debatte über Sicherheitskriterien wird sich die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) nicht weiter beteiligen", erklärt BI-Vorsitzende Gerhard Harder.

Es könne "keine Rede davon sein, dass die Ergebnisse des Treffens für die Formulierungen der Sicherheitsanforderungen an ein Endlager irrelevant seien", reagiert das Bundesumweltministerium am 24. März auf die Kritik der BI. Das Ministerium bestreitet zudem, sich auf den Standort Gorleben vorfestzulegen. Die diskutierten Sicherheitsanforderungen, die für einen später auszuwählenden Standort gelten sollen, hätten "nichts mit einer Vorfestlegung auf Gorleben zu tun". (EJZ)

Mit einer 19:9 Mehrheit verabschiedet der Rat der Samtgemeinde Elbtalaue am 25. März eine Resolution zum Castor-Transport 2008 nach Gorleben. Der Rat fordert, alle im November 2008 nach Gorleben transportierten Atommüll-Behälter auf Strahlung zu untersuchen, die Wirkungsfaktoren für Neutronenstrahlung den "wissenschaftlichen Erkenntnissen anzupassen und zu erhöhen" sowie Falltests für alle Transportbehältertypen. Alle Atommülltransporte nach Gorleben sollen ausgesetzt werden, solange dies alles nicht geschehen ist.

Die Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative findet am 28. März in den Trebeler Bauernstuben statt. Kerstin Rudek und Gerhard Harder bleiben weiter an der Spitze der BI, Wolfgang Ehmke kümmert sich wieder um die Pressearbeit, Heiko Jäger behält die Kasse, Lucia Wente und Inge Schnieder übernehmen die Schriftführung. In den Beirat wurden Heinrich Messerschmidt, Jacques Schuler, Horst Eckert, Margitta Freud, Ronja Thiede, Eberhard Walde, Daniel Metke und Gerhard Has gewählt. Dieter Metk und der bisherige Pressesprecher Francis Althoff hatten nicht wieder kandidiert. Die Bürgerinitiative hat zurzeit 894 Mitglieder.

"Wir sind im 32. Jahr des Widerstands und lesen jedes Papier genau, ob es Gorleben möglich macht", so Wolfgang Ehmke auf der Mitgliederversammlung der BI.

Anlässlich des 30. Jahrestages des Gorlebentrecks nach Hannover wird am 31. März der Film zum Gorlebentreck "Die Herren machen das selber, dass Ihnen der arme Mann Feyndt wird" im Platenlaaser "Cafe Grenzbereiche" gezeigt.

Die BI bereite eine Firmengründung vor, heißt es am 1. April. Die "Gorleben-Kur GmbH" solle nach den Bundestagswahlen im Herbst aus der Taufe gehoben werden, die in Zusammenarbeit mit der SALINAS GmbH Salzabbau, Inhalationen und Trinkkuren anbieten wolle.

Die Stellungnahme des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zur "Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle in Deutschland" löst "große Verwunderung" aus: Das BMWi hatte die Gesellschaft für Anlagen – und Reaktorsicherheit (GRS) und das Öko-Institut beauftragt, relevante Ergebnisse der Grundlagenforschung des Bundes zur Atommülllagerung zusammenzufassen. Aus dem Bericht folgert Dr. Schneider seitens des BMWi, dass "mit der Errichtung eines sicher zu betreibenden und verschließbaren Endlagers begonnen werden könnte." Seit wann liegt die Zuständigkeit für das Vorhaben, Standorte für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle zu benennen und Aussagen über die Eignung von Endlagerformationen zu treffen neuerdings beim BMWi, fragt die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) in einem Schreiben das Wirtschaftsressort am 1. April. Die Folgerungen seien "äußerst vorschnell und haltlos".

Einer Abordnung des Rates der Samtgemeinde Gartow, auf deren Gebiet Erkundungsbergwerk, Zwischenlager und PKA liegen, wird am 7. April von der Betreibergesellschaft "versichert", "dass die 2008 gemessenen Radioaktivitäts-Werte weit unter den zulässigen Grenzwerten gelegen hätten".

18.4., Hannover

Unter anderem ein Plakat der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg mit dem Aufruf zur Kundgebung gegen den Castor-Transport 2008 ziert die Einladung zu einem Symposium "Linksextremismus – die unterschätzte Gefahr?" des niedersächsischen Verfassungsschutzamtes, das am 28. Mai in Hannover stattfindet. "Die Form der Stigmatisierung durch das Innenministerium und den Verfassungsschutz ist selbst extremistisch, weil haltlos und diffamatorisch, wir fordern, dass dieser Flyer zurückgezogen und geschreddert wird“, fordert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) Mitte April. Das Plakat "Der Castor kommt - wir stellen uns quer" sei aufgrund einer Verwechslung auf der Einladung »durchgerutscht». Man bedauere den Vorfall und wolle den Castor-Protest keinesfalls generell in eine extremistische Ecke stellen, heißt es. Der Flyer werde zurückgezogen.

"Der Bürgerprotest im Wendland versteht sich sehr wohl als radikal - wenngleich als radikaldemokratisch". Eine solche "Stigmatisierung" sei jedoch selbst extremistisch, weil haltlos und diffamierend", so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Am 18. April treffen sich Aktivist*innen u.a. aus dem Wendland in Hannover zur Planung des Protest-Trecks nach Berlin im September.

Am 23. April blockieren rund 30 Aktivist*innen, darunter Wendländer*innen, erfolgreich das Atomkraftwerk Neckarwestheim für mehrere Stunden. Mit der Aktion zivilen Ungehorsams fordern sie eine radikale Wende in der Energiepolitik. Die Atomkraftgegner*innen mauern die Einfahrt des Kraftwerks mit einer acht Meter langen Mauer zu und errichten davor symbolisch Windräder.

Krümmel bleibt aus!

Zum Jahrestag von Tschernobyl am 26. April organisieren die Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch und der BUND eine Kundgebung am abgeschalteten AKW Krümmel. 1.500 Menschen folgen dem Aufruf zu "Krümmel bleibt aus!".

Auch einige Landwirte aus dem Wendland haben sich mit ihren Treckern auf den Weg vor das AKW gemacht.

12.5.2009, BI-Infostand in Dresden

"In Anbetracht von Fortschritten zur Lösung der Entsorgungsfrage" mahnt der Präsident des Deutschen Atomforums auf der Jahrestagung in Dresden am 12. Mai eine zwingende "Neubewertung der Kernenergiepolitik" an.

Am 14. Mai spricht sich die "Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden kerntechnischer Anlagen" (ASKETA) für eine Aufhebung des Moratoriums und die Wiederaufnahme der Arbeiten im Erkundungsbergwerk Gorleben aus. Schnellstmöglich solle so eine endgültige Entscheidung über die Eignung des Standorts als Endlagerstandort getroffen werden.

Am 18. Mai berichtet der Spiegel davon, dass mit Geldern der Atomlobby die Öffentlichkeitsarbeit für das maroden Atommüll-Endlagers Asse-2 finanziert wurde: Zwischen 1997 bis 2002 erhielt der damaliger Betreiber der Anlage vom "Deutschen Atomforum" fast 700.000 Euro. Die Asse-2 sollte als eines der "positivsten Vorzeigeobjekte der deutschen Kerntechnik" präsentiert werden.

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten (21. Mai - 1. Juni) findet im Wendland die Kulturelle Landpartie statt. Allgegenwärtig ist der Aufruf zur Demo "Mal richtig abschalten!" am 5. September in Berlin.

KLP 2009

"Erkundungslüge ist aufgeflogen!"

Am 27. Mai berichten Medien über ein internes Schriftstück des BfS, das belegt, dass die „Erkundung“ des Gorlebener Salzstocks bereits seit Mitte der 80er Jahre dazu diente, dort illegal den Ausbau zum Endlager voranzutreiben – ohne eine Aussage über die Eignung und ohne atomrechtliches Planfeststellungsverfahren. In dem Schriftstück heißt es wörtlich:

"In Gorleben lagen die bisherigen Erkundungskosten außerordentlich hoch, was jedoch darin begründet liegt, daß hier parallel zur Erkundung bereits der Ausbau zum Endlager begonnen wurde."

"Die Erkundungslüge ist aufgeflogen", kommentiert die Bürgerinitiative Umweltschutz. "Endlich kommt ans Licht, dass nach Abschluss der Tiefbohrungen Mitte der 80er Jahre der Bau des Endlagers begonnen wurde, und zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Errichtung eines Endlagers ohne Eignungsaussage und ohne Planfeststellungsbeschluss ist rechtswidrig. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel steht unter Erklärungs- und Handlungsdruck. Gorleben ist in jeder Hinsicht verbrannt."

"Es ist Fünf vor zwölf!"

1.000 Menschen kommen am 29. Mai mit Hacken, Schaufeln, Vorschlaghämmern, Radlader und 30 Treckern zum symbolischen Einebnen des Bergwerks nach Gorleben. Anlaß ist die Stellungnahme des Bundesamt für Strahlenschutz, das die hohen Kosten des "Erkundungsbergwerks" (BfS) mit dem bereits vollzogenen "Ausbau zu einem Atommüll-Endlager" begründet. Der Präsident des BfS ist anwesend, alle Tore gehen auf, Salz wird zum Förderkorb gebracht, damit es zurück in den Berg kommt. Nach zwei Stunden friedlicher Inspektion wird das Bergwerksgelände wieder verlassen.

Am Pfingstsonntag, 1. Juni, organisiert SALINAS einen Informationstag zum Atommüll in Gorleben.

Am 24. Juni muss sich der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) in Lübeln das Klappern leerer Aktendeckel anhören. Trecker mit Transparenten der bäuerlichen Notgemeinschaft bereiten dem Minister, der das Rundlingsdorf besucht, einen Empfang. Wulffs Staatskanzlei hatte einer Akten-Freigabe der Kabinettsunterlagen zur Gorleben-Entscheidung 1977 mit der Begründung, sie könne "die Funktionsfähigkeit und Eigenverantwortung der Landesregierung" beeinträchtigen, abgelehnt.

Ende Juni beteiligen sich soviele Menschen wie nie an einer Online-Umfrage der Elbe-Jeetzel-Zeitung. 65 Prozent der Teilnehmer*innen gehen davon aus, daß das Salzbergwerk Gorleben bereits als Endlager ausgebaut wurde, 35 Prozent meinen, es sei nur erkundet worden.

Dass auch in den 60er Jahren Tiefbohrungen in den Salzstock Gorleben bei der Suche nach großen Trinkwasservorräten vorgenommen wurden, bestätigt im Juli der Hydrogeologe Prof. Dr. Dieter Ortlam. Dabei wurden 150 Bohrungen bis zu 600 Meter Tiefe vorgenommen.

Nach zweijährigem Stillstand nimmt Vattenfall Mitte Juni seinen Reaktor Krümmel wieder in Betrieb. Eine Pannenserie folgte, am 4. Juli kommt es wegen eines Kurzschluß in einem der beiden Netzeinspeisetrafos zur Reaktorschnellabschaltung. Betroffen ist der zweite, 2007 nicht abgebrannte Trafo, der aber von Sachverständigen untersucht und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben worden war. In Hamburg kommt es zu einem Spannungseinbruch und Störungen der Stromversorgung, unter anderem fallen die meisten Ampelanlagen aus. Auch die Steuerelektronik der Förderkörbe des Erkundungsbergwerks Gorleben sind für 3 Tage außer Funktion setzt. Dieser neue Vorfall in Krümmel bringt sogar atomkraftfreundliche Kreise gegen den Betreiber Vattenfall auf, weil es die Risiken der Nukleartechnik belegt und damit im beginnenden Bundestagswahlkampf die Position der Ausstiegsbefürworter stärkt.

Infotour durch Deutschland

Mit einem "Infobus" startet die Bürgerinitiative Umweltschutz am 5. Juli in Gorleben zu einer bis 3. August dauernden 4.000 km langen Rundtour zu atomaren Brennpunkten und befreundeten Initiativen in Deutschland, der Schweiz und Tschechien. Die "Münchhausen-Gesellschaft für Akzeptanzförderung (MgfA)" führt einen Bohrturm zur Suche nach geeigneten Endlagerstandorten mit sich.

"Irgendwann in diesem Juli, irgendein Marktplatz, irgendwo in Deutschland. Von Ferne kündet ein wummernder Diesel, dass hier gleich Großes geschehen wird. Und dann biegt er aus irgendeiner engen Gasse auf den historischen Platz ein – Stern voraus: der große Bus mit den Atomphysikern, Managern, Ingenieuren und Arbeitern, deren Aufgabe es ist, zu prüfen, ob dieser hübsche Platz nicht eignungshöffig ist. Ob hier, im Zentrum von Erfurt, München, Köln oder Münster, nicht eines der vielen notwendigen Atommüllendlager entstehen könnte. Denn in Gorleben, so sagen die aus dem Bus, da gehe es nicht, und in der Asse – na, man wisse ja!" (...) "Am Ende dieses Sommermorgens in Erfurt, München, Köln oder Münster gibt es keinen Zweifel mehr, dass ein neuer Standort für ein atomares Endlager gefunden ist. Die Atomphysiker, Manager, Ingenieure und Arbeiter feiern den Erfolg ihrer Bemühungen, der ihnen schon so häufig vergönnt war – irgendwann in diesem Juli, auf irgendeinem Marktplatz irgendwo in Deutschland."

Die Stationen:

  • Sonntag, 5. Juli – Morsleben, ehemaliges Atommüllendlager
  • Montag, 6. Juli – Erfurt
  • Dienstag, 7. Juli – Wismut, ehemaliges Uranabbaugebiet
  • Mittwoch, 8. Juli – Grafenrheinfeld, in Betrieb befindliches Atomkraftwerk
  • Donnerstag, 9. Juli – Nürnberg / Erlangen
  • Freitag, 10. Juli Wackersdorf / Schwandorf, geplanter Standort einer Wiederaufarbeitungsanlage
  • Samstag, 11. Juli München
  • Sonntag, 12. Juli Passau
  • Montag, 13. Juli Temelin (Tschechien), in Betrieb befindliches Atomkraftwerk
  • Dienstag, 14. Juli Linz (Österreich)
  • Mittwoch, 15. Juli Ohu / Isar, in Betrieb befindliches Atomkraftwerk
  • Donnerstag, 16. Juli Gundremmingen, in Betrieb befindliches Atomkraftwerk
  • Freitag, 17. Juli Benken (Schweiz), geplantes Atommüllendlager
  • Samstag, 18. Juli Schönau, Ökostrom-Vorzeigestadt
  • Sonntag, 19. Juli Fessenheim (Frankreich), Wyhl, Weissweil, in Betrieb befindliches Atomkraftwerk, Wyhl: verhindertes AKW
  • Montag, 20. Juli Emmendingen, Ludwigsburg, Aktionen in den Städten
  • Dienstag, 21. Juli Neckarwestheim, Karlsruhe, in Betrieb befindliches Atomkraftwerk, Forschungszentrum, ehem. WAA
  • Mittwoch, 22. Juli Biblis, Frankfurt, Rüsselsheim, in Betrieb befindliches Atomkraftwerk, Fr.-Kelsterbach: Widerstand gegen geplante Flughafenerweiterung
  • Donnerstag, 23. Juli Hanau, Kahl, ehemals großer Standort der Atomindustrie: u.a. Brennelementefertigung, Plutoniumlager, heute Atommülllager; Kahl: ehem. Atomanlagen; geplatztes Kohlekraftwerk
  • Freitag, 24. Juli Büchel, Atomwaffenstützpunkt
  • Samstag, 25. Juli Köln, Anti-Atom-Treffen gegen Urantransporte
  • Sonntag, 26. Juli Köln, Aktion beim Kölner Dom
  • Montag, 27. Juli Jülich, Atom-Forschungszentrum mit Reaktoren und Atommülllager
  • Dienstag, 28. Juli Ahaus, Brennelementezwischenlager
  • Mittwoch, 29. Juli Münster, Aktion auf dem Markt in Münster
  • Donnerstag, 30. Juli Gronau und Almelo (Niederlande), Urananreicherungsanlagen
  • Samstag, 01. August Lingen, Esensham, Oldenburg, in Betrieb befindliche Atomkraftwerke (Emsland, Unterweser), Brennelementeherstellung

Vom 5. bis 12. Juli organisieren verschiedene überregionale Gruppen die Kampagne „Mal richtig abschalten“ - und mobilisieren gemeinsam für eine große Anti-Atom-Demo am 5.9. in Berlin.

7.8.: Blockade vor dem Zwischenlager

In Mützingen findet am 10. und 11. Juli das "FreeFlow Festival" unter dem Motto „Gorleben soll leben“ statt.

Zwischen dem 16. und 26. Juli treffen sich Aktivist*innen in Gedelitz zum Anti-Atom-Sommercamp.

Am 7. August wird ein Tieflader vor der Einfahrt zum Zwischenlager blockiert.

Das Orchester „Lebenslaute“, das im Wendland übt, macht eine musikalische Inspektion des geplanten Endlagergeländes und gibt am 8. August ein Konzert in der Dannenberger St. Johanniskirche.

Lüttig: Gorleben war nicht erste Wahl

Am 7. August enthüllt der Geologe Gerd Lüttig, der in den siebziger Jahren als Gutachter an der Suche nach einem Atommüll-Endlager beteiligt war, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp: Bei der Suche nach einem geeigneten Standort zur Endlagerung hoch radioaktiver Abfälle war der Salzstock in Gorleben keineswegs die erste Wahl. Lüttig zufolge waren ab 1972 etwa hundert Salzstöcke auf ihre Eignung als Endlager untersucht worden. Sie lagen allesamt in Norddeutschland. In die engere Wahl seien schließlich acht Salzstöcke gekommen, darunter auch der in Gorleben, der vor allem durch seine Größe beeindruckte. Bei der Anlegung noch strengerer Kriterien habe sich die Auswahl dann aber auf drei Salzstöcke verengt: Lichtenhorst/Ahlden bei Nienburg, Lutterloh/Fassberg bei Celle und Waten/Börger im Emsland. Gorleben sei nur noch bedingt als geeignet erschienen.

Auf die Frage, weshalb 1977 der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht mit Gorleben dennoch einen Salzstock der zweiten Kategorie auswählte, sagte Lüttig wörtlich:

"Er wollte einen Standort in der Nähe der damaligen Zonengrenze haben, weil die Ostzonalen, wie er immer sagte, uns die Geschichte mit ihrem Endlager Morsleben eingebrockt hatten. Wir wußten durch Gespräche, die wir über einen Ausschuß mit ostzonalen Kollegen führen konnten, daß Morsleben Defekte hatte. Daß der Schacht technisch nicht in Ordnung war, daß es Wasserzuflüsse gab. Wir befürchteten immer, und das hat Herrn Albrecht auf die Palme gebracht, daß Morsleben eines Tages absaufen würde und radioaktive Wässer in Richtung Helmstedt (in Niedersachsen) fließen und uns da die ganze Landschaft verderben könnten."

Am 12. August ist der Internationale Aktionstag gegen Uranabbau. Dazu gibt es Aktionen in mehreren Städten.

16.08.2009 - Treck-Patenschaften

Am 16. August trifft sich Monika Tietke von der Bäuerlichen Notgemeinschaft in Hamburg mit zwei Dutzend Inhaber*innen von kleinen und mittleren Unternehmen, unterstützt von einer rollenden Bühne mit Livemusik an mehreren Orten. Der Treck nach Berlin wird durch 15 Patenschaften für Traktoren unterstützt:

"Mit der fortdauernd hochriskanten Nutzung der Atomkraft wird die Bevölkerung von der Atomindustrie und ihren Lobbyisten in der Bundesregierung regelrecht in Geiselhaft genommen. Deshalb mischen wir uns jetzt ein: Für den sofortigen Atomausstieg!", erklären die Unternehmer*innen.

Auch in Lüneburg wird für den Anti-Atom-Treck mobilisiert: am 22. August mit einer Aktion mit Trecker auf dem Lambertiplatz, am 27. August zeigt graswurzel.tv Kurzfilme in der Hausbar, am 29. August findet ein Infostand in der Bäckerstraße statt.

1983: Gorleben-Akten wurden geschönt

22.8.2009 - Treck-Mobilisierung in Lüneburg. Bild: contratom

Laut Recherchen der Frankfurter Rundschau vom 25. August wurden schon 1983 Akten aus dem Jahr 1983 über die Sicherheit des Gorlebener Salzstocks geschönt. Damals sollen auf Druck der CDU-Regierung unter Helmut Kohl kritische Passagen aus dem ursprünglichen Experten-Gutachten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), der Vorläuferbehörde des BfS, entfernt worden sein. Wörtlich formulierten die Gutachter damals, es sei „festzustellen, daß die über den zentralen Bereichen des Salzstocks Gorleben vorkommenden tonigen Sedimente keine solche Mächtigkeit und durchgehende Verbreitung haben, daß sie in der Lage wären, Kontaminationen auf Dauer von der Biosphäre fernzuhalten“.

Die Gorleben-Gutachter wurden aufgefordert, ihre im Entwurf vorliegende Expertise bzw. die darin enthaltenen Zweifel zu entschärfen und "sinngemäß mit einer Aussage abzuschließen, dass berechtigte Hoffnung besteht, dass im Salzstock Gorleben ein Endlager für alle Arten von radioaktiven Abfällen eingerichtet werden kann."

Auf Weisung von oben fielen Zweifel unter den Tisch.

"A-Moll statt A-Müll"

Für eine "musikalische Inspektion" steigen am 8. August ca. 60 Musiker*innen der Aktion "Lebenslaute" über den Zaun auf das Gelände des Endlagerbergwerks Gorleben. Unbemerkt von der Polizei steigen die Aktivist*innen über eine eigens für die Aktion angefertigte Holztreppe in das Gelände ein. Die Aktion war ursprünglich für Sonntag, den 9.August angekündigt gewesen. Als die Beamten und der Wachschutz eintreffen, sind Instrumente und Bestuhlung bereits aufgebaut, die ersten Töne des "Psalmlieds" von Heinrich Schütz klingen in den hellen, heißen Wendlandhimmel – für ein Einschreiten ist es zu spät.

"Wir leisten musikalischen Widerstand. Dazu werden wir das Gelände des Erkundungbergwerks für ein atomares Endlager musikalisch inspizieren. Mit dieser Aktion Zivilen Ungehorsams werden wir lebenslaut gegen eine lebensbedrohliche Technologie."

Rund 400 Menschen demonstrieren am 29. September in der Hamburger Innenstadt mit einer "Castor-Attrappe".

Wendländische Generationenpyramide vor Kanzleramt

Am 30. August besucht die Bäuerliche Notgemeinschaft das Kanzleramt im Wendland-Stil mit einer generationenübergreifenden lock-on-Aktion: Adi Lambke, Landwirt aus dem Wendland, Adi Lambke, seine Schwiegertochter Ute Zeyn und seine Enkeltöchter Melissa und Cora Muszelewski ketten sich an eine Beton-Pyramide. Sie wollen damit zeigen, dass der Widerstand aus dem Wendland auch in der 3. Generation die gleiche Entschlossenheit zeigt wie in der ersten.

"Und da Frau Merkel scheinbar keine Zeit mehr hat, sich mit den Betroffenen aus den Regionen auseinanderzusetzen, kommen wir zu ihr," so Senior Lambke.

Ihre Forderungen: Ausstieg aus der atomaren Stromerzeugung, eine konsequente bundesweite Suche nach einer geeigneten Lagerstätte für hochradioaktiven Atommüll und die Stromerzeugung aus 100% erneuerbaren Energien.

Jochen_Stay twittert: Aktion der Bäuerinnen und Bauern in Berlin nach einer guten Stunde selbstbestimmt beendet. Polizei war etwas ratlos. Drei Generationen aus einer Familie steckten mit den Armen in einer Beton-Pyramide: Großvater im Rollstuhl, Tochter und zwei Enkelinnen.

Treck nach Berlin - Mal so richtig abschalten!

Unter dem Motto „Mal richtig abschalten“ startet am 29. August in Gorleben der „Treck nach Berlin“, zu dem die Bäuerliche Notgemeinschaft, die BI Lüchow-Dannenberg und zahlreiche Umwelt- und Anti-Atom-Initiativen aufgerufen haben. Ein 7tägiger Protestzug gegen die von der Bundesregierung geplante Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke und gegen den Standort Gorleben führt von Gorleben zu den Atommüll-Standorten Asse-2, Schacht Konrad und Morsleben.

Vor der Wahl ist nach der Wahl - Auf nach Berlin, adieu Gorleben!

"Auch wenn man gewöhnt ist, den ganzen Tag auf dem Trecker zu sitzen: Schon auf der einstündigen Fahrt nach Gorleben ist mir klar, dass unsere Protest-Tour nicht nur Spaß wird...", schreibt Mathias Edler im Greenpeace-Blog.

Am 29. August, pünktlich um 10 Uhr, werfen 50 (statt der erwarteten 30) Bäuerinnen und Bauern ihre Trecker an und starten zur ersten Etappe des Anti-Atom-Wochentrecks. Zusammen mit den Begleitfahrzeugen zieht der kilometerlange Tross über Braunschweig zum Schacht Konrad, wo er am Abend vom Kreislandwirt Martin Bosse begrüßt wird.

Vor 150 Treckern und 1.000 Leuten, die zur Verabschiedung des Wochentrecks nach Gorleben gekommen sind, gibt Carsten Niemann von der Bäuerlichen Notgemeinschaft die kämpferische Parole aus:

"Wir haben die Lügen und Verdrehungen satt. Egal, welche Partei am 27. September die Wahl gewinnt, mit uns muss man rechnen. Wir wollen, dass endlich Schluss ist mit der Atomkraft! (...) Alles was wir Atomkraftgegner in den letzten 30 Jahren gesagt und befürchtet haben, bestätigt sich jetzt. Die Asse für tausende Jahre geplant – säuft nach 30 Jahren ab. Morsleben, von Angie und Kohl über die Wende gerettet, stürzt ein. Und hier in Gorleben, politisch bestimmt zum Standort geworden, die Lüge des Jahrhunderts. Hier wird nur erkundet, wurde uns 20 Jahre vorgelogen. (...) Es geht um uns, unsere Familien, um Euch alle hier. Und jetzt fahren wir nach Berlin. Wir werden drei Wochen vor der Wahl jedem, der regieren will, deutlich sagen: Steigt aus! Hört endlich auf mit diesem Scheiß!"

"Vielen Menschen wird allmählich klar, es gibt kein Endlager, nur Katastrophen wie in der Asse und Morsleben. Die Wahrheit zu Gorleben setzt sich endlich durch, dieser Standort ist geologisch unmöglich und politisch verbrannt. Reaktorrisiko plus Entsorgungslüge gleich Sofortausstieg", bringt es BI-Sprecher Wolfgang Ehmke auf eine kurze Formel.

Die erste Etappe führt von den Gorlebener Atomanlagen über Lüchow nach Reddebeitz.

Harry und der 8te Gang: „Der fährt seine 30km/h“, so die telefonische Ansage von Wiese, die den Trecker stellen. „Da geht nicht mehr“, die Antwort von Harry. Nächstes Telefonat. „Der fährt seine 30!“. Das geht noch 2-3 Mal so weiter. Dann die Auflösung: der Trecker hat acht Gänge. Harry fährt seit Gorleben im siebten. Nun kann er wieder lachen und wird nicht mehr geschubst.

30. August

Um 8 Uhr startet ein kleiner Treck aus Lüneburg mit 4 Treckern, 20 Radfahrern und noch ein paar anderen Gefährten. Gegen 11.00 Uhr Kundgebung in Uelzen am Bahnhof. Sieben Trecker und etwa 50 Radfahrer zuckeln über Bad Bodenteich, Wittingen bis Ehra und treffen dort auf den Treck aus Richtung Wendland.

Eine kilometerlange Treckerkaravane aus 50 Treckern und diversen Begleitfahrzeugen rollt auf Braunschweig zu. 400 Radfahrer*innen begleiten den Treck in der Innenstadt, hunderte Menschen säumen die Straßen, auf dem Schlossplatz werden die Trecker von über 1000 Menschen jubelnd empfangen. Robin Wood-Aktivist*innen entrollen am Schlossplatz ein großes Transparent. Nach einer Kundgebung rollen 80 Traktoren, 30 Begleitfahrzeuge und dutzende Rafahrer*innen weiter mit Ziel Schacht Konrad bei Salzgitter. Vor dem Schacht Konrad findet eine Kundgebung statt.

31. August

Um halb Zehn ist Abfahrt nach Salzgitter, auf einer Kundgebung vor dem Rathaus spricht u.a. der Landrat. Vom Dach weht eine große Anti-Atom-Sonne. Anschließend findet vor dem VW-Werk eine weitere Kundgebung statt. Den Treck-Aktivist*innen wird von der VW-Belegschaft, von denen sich viele seit Jahren gegen das geplante Endlager in Schacht Konrad engagieren, ein "goldener Motor" für den weiteren Widerstand überreicht. Auf dem Rückweg Richtung Camp befestigen zwei Kletterer eine große Anti-Atomsonne zwischen die Brückenpfeiler über der Fahrbahn. In Andenken an den Treck vor 30 Jahren bekommt die Stadt Salzgitter einen Gedenkstein: Ein dicker, schwerer Findling mit Anti-Atom-Gravur.

Am Nachmittag besuchen einige Aktivist*innen mit ihren Landmaschinen den Schacht Konrad. Es wird am Tor gerüttelt, das nachgibt. Es kommt zu Rangeleien mit der Polizei. Irgendwann in der Nacht entsteht auch das Lied "Die Tür ist kaputt" von der wendländischen Band "ASB", die den Treck begleitet.

1. September

Pastor Westphal gibt gegen 10.00 Uhr dem Treck einen "Reisesegen". Spontan wird das Einfahrtstor zu Schacht Konrad 2 blockiert: Um dem Bundesumweltminister, der ebenfalls in Salzgitter unterwegs ist, die Chance zu geben, sich zu erklären, hat der Anti-Atom-Treck spontan einen Kreisel und eine Straße unweit des geplanten Einlagerungsschachtes KONRAD 2 besetzt. Gabriel hat jetzt eineinhalb Stunden Zeit, zum Treck zu kommen und sich zu erklären.

KONRAD-Kläger Landwirt Walter Traube: "Wir haben das Desaster in ASSE II und wir haben das Desaster in Morsleben. Der Bund als Betreiber darf nicht so tun, als habe dies keine Konsequenzen für Schacht KONRAD" Immerhin hätten die gleichen Behörden und die gleichen Gutachter an beiden Projekten gearbeitet. Die Forderung: Gabriel soll erklären, welche Konsequenzen er aus ASSE II für KONRAD zieht.

Bei strahlendem Sonnenschein findet Mittags auf dem Schlossplatz von Wolfenbüttel eine Kundgebung statt. Bei "Volksfest-Stimmung" übergeben in Sickte örtliche Initiativen dem Treck ein "Asse-A", der Bürgermeister bekommt die Wendlandfahne. 100 Kuchen versüßen die Strapazen, ohne Fahrtwind in der brennenden Sonne zu rollen... In der Nähe zum Schacht Asse-2 wird das Nachtlager aufgebaut. Am Abend findet eine Kundgebung mit dem Motto "Nacht am Schacht" statt.

2. September

Am Vormittag wird die Asse-2 besucht, am Tor gerüttelt, es geht auf. 20 Aktivist*innen erklimmen den Förderturm, Trecker blockieren den Eingang, ca. 100 Atomkraftgegner*innen inspizieren das gesamte Asse-II Gelände.

Der Treck startet gegen 10.00 Uhr auf seine 4. Etappe, kurvt durch Remlingen nach Schöppenstedt, wo eine Begrüßung durch die Samtgemeinde-Bürgermeisterin stattfindet. Der Halt in den Gassen von Schöppenstedt ist angesichts des mittlerweile 3-4km langen Trecks eine Herausforderung. Über Schöningen führt die Fahrt nach Helmstedt, wo nachmittags eine Kundgebung stattfindet. Die Traktoren werden auf dem Marktplatz von Helmstedt nach einem Korso durch die Stadt abgeparkt. Abends am Treckplatz in Bad Helmstedt findet ein Fest mit Life-Musik statt.

Radio-Zusa Interview

3. September

Früh am Morgen starten einige Gespanne zurück zur Asse-2. Dort wird Bundesumweltminister Sigmar Gabriel empfangen. Nach seiner Auffassung, wiederholt Gabriel, sei "Gorleben tot".

Seit 8.30 Uhr sind die Trecker auf dem Weg zum Endlager Morsleben.

Atommüllendlager Morsleben, Schachteingang. Eigentlich wollten wir hier auf unserer mobilen Bühne die Hintergründe der Endlagermisere erläutern. Doch es kommt alles anders. Vor dem Tor zum “Kerntechnischen Gelände” steht Magdeburger Polizei. Die gleiche Einheit, die 1997 die große Sitzblockade von 9.000 Menschen vor dem Castorverladekran im Wendland mit gezückten Messern aufgelöst hat. Glaubt keiner, ne? Aber es gibt Bilder davon und die hatten einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Sachsen-Anhalt zur Folge - offenbar ohne Erfolg. (Greenpeace-Blogbeitrag, M. Edler)

Etwa 200 Aktivist*innen rütteln am äußeren Tor zum Bergwerksgelände und gelangen auf das Gelände. Ihnen gegenüber steht eine Polizeikette mit Hunden. Bei der Räumung des Geländes setzt die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke ein, es gibt mehrere Verletzte. Zwei Aktivisten klettern auf einen Siloturm und hissen Transparente mit der Forderung: "Stoppt das dreckige Atomgeschäft".

Nachdem sich die Lage zwischenzeitlich beruhigt hatte, ging die Polizei erneut gegen den Treck vor, als Atomgegner am Zaun einen Findling aus Gorleben ablegten. Ein Bauer, der seine Personalien nicht angeben wollte, wurde von Polizisten weggeschleppt. Ein Beamter fuchtelte sogar mit seiner Pistole herum und soll sie, wie Augenzeugen berichten, einem Landwirt an die Schläfe gehalten haben. Etliche Atomgegner wurden durch Tränengas und Knüppelschläge teils erheblich verletzt und mussten sich dazu Gelächter und hämische Sprüche der Polizisten anhören. Eine Treck-Sanitäterin versorgte auch Beamte, die das Pfefferspray von Kollegen abbekommen hatten. (taz)

Eine Polizeieinheit aus Magdeburg wird hinzugezogen und "prügelt wahllos in die Menge". Für die Suche nach "Straftätern" errichtet die Polizei in Morsleben eine Straßensperre.

"Es gab unzählige Augenverletzungen und blutig geschlagene Aktivisten", beklagt Kerstin Rudek, die BI-Vorsitzende, als Augenzeugin. "Die wollten nach den vielen bunten Bildern den friedlichen Treck offenbar zu einem Chaoten-Konvoi stempeln." "Der Polizeieinsatz kann nicht davon ablenken, dass in Morsleben nach der Wende in den 90er Jahren unter einer Umweltministerin Angela Merkel weiter Atommüll eingelagert wurde, obwohl es große Sicherheitsbedenken bezüglich der Standfestigkeit gab." "Das ist der Skandal, nicht der bunte und freche Anti-Atom-Protest", sagte BI-Pressesprecher Wolfgang Ehmke. BI-Vorstand Gerhard Harder kündigt an, wegen der tätlichen Übergriffe Strafanzeige gegen Polizisten zu stellen.

Die weitere Route führt die vielen Fahrzeuge Richtung Magdeburg. Jedes Fahrzeug, was mit dem Treck nach Magdeburg einrollt, wird von einem Polizeiwagen, der am Straßenrand parkt mit einer Kamera auf dem Dach gefilmt. Beamte der BFE-Einheit konteollieren jeden Wagen - auf der Suche nach gefährlichen Gegenstände. Räumpanzer versperren die Weiterfahrt. Auf dem Domplatz findet schließlich eine Kundgebung statt. Am Abend wird in Genthin ein Lager eingerichtet. Es sind mittlerweile viele Fahrzeuge auf dem Weg nach Berlin:

"Ich stand an der Einfahrt und es fuhren 20min lang die Fahrzeuge vorbei..."

Am 3. September sichert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine "umfassende Sanierung" des maroden Atommülllagers Asse in Niedersachsen zu. Das Ziel sei, dass die Asse "ordentlich saniert wird und ein Weg gefunden wird, bei dem sich keiner Sorgen machen muss".

4. September

Im Wendland sammeln sich am Morgen über 200 Traktoren an einem Sammelpunkt in Jeetzel zur Fahrt nach Berlin. Die Innenstadt von Lüchow ist ab 8 Uhr früh für den Konvoi komplett gesperrt. Pünktlich um 8.15 Uhr setzt sich der Treck in Bewegung. Noch am Abend zuvor meldeten sich Landwirte, die last minute beim Anti-Atom-Protest in Berlin dabei sein wollen, sagt Hans-Werner Zachow von der Bäuerlichen Notgemeinschaft.

"Samstag erobern wir die Hauptstadt und sorgen für einen anti-atomaren Paukenschlag mit einer Mix aus buntem Massenprotest, ernsthafter Ansprache und politischem Karneval", prophezeit die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI).

Der "Wochen-Treck" startet am Morgen in Genthin Richtung Potsdam. Kurz nach dem Start ein Stopp: "weil ein Radioaktivitätszeichen am mitreisenden Castor die Bevölkerung verunsichern könnte", sagt die Polizei. Es geht weiter - mit Radioaktivitätszeichen.

"Das schlimmste ist, wenn die Tür offen ist" schmettert es aus den Boxen von ASB, die Trecker rollen, winkende Hände, schwenkende Fahnen. Die letzte Etappe liegt vor uns - Berlin wir kommen!"

Auf dem Luisenplatz in Potsdam findet eine Kundgebung statt. Der Treck rollt weiter und erreicht gegen 17.00 Uhr den letzten Rastplatz in Berlin-Gatow. Später rollt unter großem Jubel der große Treck ein - was für ein Finale! Insgesamt 270 Trecker sind auf eigener Achse oder auf Anhängern verladen heute morgen aus Lüchow dazugekommen.

"Nun sind über 300 Trecker in Gatow und scharren mit den Hufen, vor das Brandenburger Tor zu rollen."

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) bedauert unterdessen in einem Gespräch mit den Organisator*innen des Trecks den harten Polizeieinsatz in Morsleben. Sechs niedersächsische Gewerkschafter- und Politiker*innen fordern mit einem "Niedersachsenaufruf gegen Atomkraft" den Ausstieg aus der Atomenergie und unterstützen den Anti-Atom-Treck nach Berlin.

29.8.: Abfahrt in Gorleben

30.8.: Abfahrt in Lüneburg

30.8.: Wendland - Braunschweig - Salzgitter

31.8.: Am Schacht Konrad

1.9.: Konrad - Sickte - Helmstedt - Asse-2

2.9.: Asse-2 - Helmstedt

3.9.: Helmstedt - Morsleben - Magdeburg

4.9. - Genthin - Potsdam - Berlin

5. September

Ein "Anti-Atom-Sonderzug" startet am Morgen in Lüneburg und bringt über hunderte Menschen über Uelzen - Schnega - Stendal nach Berlin. Viele weitere Menschen reisen aus dem ganzen Bundesgebiet mit Bussen an.

Bevor die vielen Traktoren und Begleitfahrzeuge das Camp in Gatow verlassen dürfen, werden alle einzeln von der Polizei inspiziert. Dann rollt der Tross Richtung Berlin Innenstadt. Gegen 11.00 Uhr erreichen die ersten Schlepper die Straße des 17. Juli.

Pünktlich zur Demo veröffentlicht Greenpeace die Ergebnisse einer neuen Umfrage. Danach sind fast zwei Drittel der Bundesbürger dafür, am Atomausstieg festzuhalten. Vor allem die junge Generation befürwortet eine Wende in der Energiepolitik. 71 Prozent der befragten Schüler setzen sich für den Ausstieg aus der Atomenergie ein.

"Das Votum der Bevölkerung ist klar und jede künftige Bundesregierung wird daran zu messen sein, ob sie den Willen der Bundesbürger umsetzt oder sich zum Handlanger der Atomindustrie macht", sagt Mathias Edler, Atom-Experte bei Greenpeace. "Die Entscheidung für oder gegen eine Laufzeitverlängerung ist richtungweisend für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Chancen für Klimaschutz."

50 Traktoren und Themenwagen der Bäuerlichen Notgemeinschaft führen die Demo an, die um 13 Uhr am Hauptbahnhof startet. Rund 2000 Lüchow-Dannenberger sind per Sonderzug und mit Bussen in die Hauptstadt gekommen, dort säumen 400 Protest-Trecker die Straße des 17. Juni fast bis zur Siegessäule.

"Die Menschen standen da - mal still und tief bewegt zu Tränen gerührt - mal hoch begeistert Beifall spendend. Auch die zwischenzeitlich auftretenden Bands gaben alles für den Atomausstieg, und das kam bei den Menschen super rüber." (Subkontur)

"Das kann man nicht glauben, nur träumen!" (Worte eines sehr bewegten älteren Demonstrationsteilnehmers)

Der Berliner Hauptbahnhof ist vollgestopft mit Demonstranten. Aus allen einfahrenden Zügen quellen Atomgegner mit Fahnen, Luftballons und Transparenten. Die Vorhalle des Bahnhofs ist so voll, dass es gerade kein Durchkommen gibt.

Die Anti-AKW-Demo wird von den Radfahrern angeführt, die die Traktoren auf dem Treck vom Wendland nach Berlin begleitet haben. Ihnen folgen 50 Traktoren, die mobile StromxelXelstube und der Lautsprecherwagen der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg. Dahinter laufen geschätzte 30.000 Menschen mit. Ganz vorne marschiert die Spitze der Grünen, darunter Parteichefin Claudia Roth, der frühere Umweltminister Jürgen Trittin oder Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie Künstler*innen wie Sängerin Nina Hagen. Der Zug ist schon jetzt mehrere Kilometer lang. Als die Spitze des Demonstrationszug den Zielort, das Brandenburger Tor, erreicht, warten am Hauptbahnhof noch immer tausende Demonstrant*innen darauf, sich in den Zug einzureihen. (taz)

50.000 Menschen skandieren vor dem Brandenburger Tor: "Atomausstieg jetzt!" Heinrich und Fritz Pothmer von der Bäuerlichen Notgemeinschaft Wendland eröffnen vor dem Brandenburger Tor die Kundgebung:

"Eigentlich ist es nicht unser Job, hier zu reden. Wir sind Bauern", so Fritz Pothmer. "Eigentlich sind die Trecker, mit den wir heute hier sind, nicht zum Demonstrieren gabaut und werden auf den Höfen dringend gebraucht - gerade jetzt während der Kartoffelernte", sagte der junge Bauer. "Aber wir können nicht anders - der politische Irrsinn zwingt uns. Wir müssen auf die Straße."

"Es gibt viele Familien wie meine, die schon seit mehr als dreißig Jahre kämpfen. Sie können ihre Häuser, ihre Höfe, ihr Land und ihr Vieh nicht einfach einpacken und mitnehmen, wenn es zum Ernstfall kommt. Und die gewissenlosen Politiker und Lobbyisten kümmert das wenig", so Pothmer. "Wir stehen heute hier stellvertretend für zwei Drittel der Bevölkerung, die den Ausstieg wollen. Wie können so genannte Volksvertreter ihren Job so falsch interpretieren?"

Nach VW-Betriebsrat Ingo Hummel spricht Hubert Weiger (BUND). "Unser Lachen wird sie besiegen!", ruft Wolfgang Ehmke von der BI Lüchow-Dannenberg. "Mit Atomkraft wird es keinen Frieden mit uns geben", warnt Kerstin Rudek, BI Lüchow-Dannenberg. Musikalische Unterstützung liefern die Ohrbooten und Rantanplan. Nach der Kundgebung Gänsehaut: Alle Trecker wurden von einer jubelnden Menge auf die Reise geschickt.

"Wir schreiben Geschichte, Anti-Atom-Geschichte! Wer glaubt, dass mit dem Thema Energiepolitik und Atom niemand mehr hinter dem Ofen hervorzulocken ist, der wurde heute eines Besseren belehrt", heißt es in der Bilanz der BI. "Doch nach der Wahl ist vor der Wahl, wir messen die Politiker nicht an ihren Wahlversprechen, sondern an ihren Taten. Egal, welche Partei am 27. September die Wahl gewinnt, mit uns als außerparlamentarischer Kraft muss man rechnen. Wir werden keine faulen Atomkompromisse hinnehmen, wir fordern den sofortigen Rückbau des Bergwerks in Gorleben."

Das war heute die größte Anti-Atom-Demo seit 1986 / Tschernobyl. Über 50.000 Menschen schlossen sich dem Aufruf von Anti-AKW-Initiativen und Umweltverbänden an, für den Atomausstieg, den massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Aufgabe des Schwarzbaus Gorleben als Atommüllendlager zu demonstrieren.

"Atomenergie hat in Deutschland keine Zukunft! Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien", heißt es in der Abschlusserklärung des Trägerkreises der Demo. "Von dieser Demonstration geht ein klares Signal aus: Die Zeit des Wartens auf den Atomausstieg ist vorbei! Nach ASSE II und Krümmel und dem Gerede von Laufzeitverlängerungen sind die Menschen es einfach leid. Wir haben heute den Schulterschluß erlebt zwischen dem jahrzehntelangen Widerstand an den Standorten und aus den Bürgerinitiativen, der erstarkten Branche der Erneuerbaren Energien, den um nachhaltige, sozialverträgliche Arbeitsplätze streitenden Gewerkschaften und einer für die Bewahrung der Schöpfung eintretenden Kirche. Keine Regierung soll glauben, dass sie gegen diese deutliche Mehrheit der Bevölkerung an der Atomenergie festhalten kann! Dieser Widerstand hat in seiner gesellschaftlichen Breite eine völlig neue Qualität erreicht. Politisch ist die Atomenergie tot!" Zum Trägerkreis gehören die Bäuerlichen Notgemeinschaft, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, .ausgestrahlt, BUND, Greenpeace, Robin Wood, AG Schacht Konrad.

Für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg erteilte Pröbstin Friederike von Kirchbach der Atomenergie eine Absage: "Der beschlossene Ausstieg ist dringend erforderlich", sagte sie. "Diese Art der Energiegewinnung ist mit dem biblischen Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren, nicht zu vereinbaren." (taz)

Zum Abschluss der Kundgebung zieht Anti-Atom-Veteran Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg eine begeisterte Bilanz: "Statt der Renaissance der Atomkraft erleben wir die Renaissance der Anti-Atom-Bewegung", sagte er. "Wir demonstrieren, wir twittern, sitzen auf der Straße und der Schiene, schreiben Leserbriefe und wechseln den Stromanbieter - sofort."

Die "Süddeutsche Zeitung" veröffentlicht am 9. September den Ausriß eines Fernschreibens vom 13. Mai 1983, in dem das Bundesforschungsministerium unter CDU-Politiker Heinz Riesenhuber von der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) verlangte, das vorliegende Gutachten zur Eignung Gorlebens umzuschreiben. Zum einen ging es darum, "den vermutlich hypothetischen Störfall das Wasser- und Laugenzutritts über dem Hauptanhydrit, der an mehreren Stellen die am 11.05.1983 diskutierte Zusammenfassung und Bewertung bestimmt, etwas weiter vom Zentrum der Betrachtung wegzurücken". Zum anderen sollte nachträglich eine Passage eingefügt werden, wonach aus Sicht der Fachleute "die noch zu erzielenden Ergebnisse und abzuleitenden Aussagen die Eignungshöffigkeit des Salzstocks voraussichtlich nicht in Frage stellen können". Das Gutachten wurde auf diese Weise mehrfach umgeschrieben.

Laut des damaligen für Gorleben zuständige Abteilungsleiter der Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Prof. Helmut Röthemeyer fehlte im endgültigen Text des Gutachtens über die Eignung des Salzstocks eine Passage, in der die PTB "vorsorgliche Erkundungsmaßnahmen an anderen Standorten (Standortvorsorge)" forderte. Diese Passage sei "nicht akzeptiert" worden, so Röthemeyer am 10. September in der "Frankfurter Rundschau". Der frühere Forschungsminister Riesenhuber bezeichnet es als "Unterstellung", das PTB-Gutachten sei politisch beeinflusst worden. Als Minister habe er immer die "Unabhängigkeit der Wissenschaft respektiert". Mit dem zitierten Fernschreiben habe das zuständige Fachreferat seines Ministeriums lediglich "zur Ressortabstimmung beigetragen".

Am 10. September kündigt die BI Umweltschutz an, erneut in der Hauptstadt zu demonstrieren. Mit Bohrturm, Seismographen und Spucketest – "damit wir wissen, woher politisch der Wind weht", - will die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) erforschen, ob das Regierungsviertel nicht am besten als Atommüllendlager geeignet ist. "Da haben alle Abgeordneten und Politiker vor Augen, welche Folgen die Nutzung der Atomkraft hat. Aus den Augen aus dem Sinn funktioniert nicht mehr", prophezeit die BI.

In seiner Expertise kommt der Diplomgeologe Ulrich Schneider im September zu dem Ergebnis, der Salzstock Gorleben-Rambow sei als Endlager für hochradioaktive Abfälle noch schlechter geeignet als das Salzbergwerk Asse II.

„Kostenlose Abgabe von Atommüll im Bundeskanzleramt“: Das ist eine Aktion, die am 16. September von Aktivisten*innen auf der „Suche nach einem geeigneten Endlager“organisiert wird.

Etwa 2.000 Atomkraftgegner sind bei einer Wahlveranstaltung von Angela Merkel am 17. September in Hamburg, darunter auch zwei Reisebusse mit Menschen aus dem Wendland, die zu einem „Kindertreck“ aufgerufen hatten.

"Blogger, I-Phone, twitter, web 2.0 - was ist das?" schreibt die Bürgerinitiative Umweltschutz am 19. September auf ihrer Webseite und gibt bekannt, dass ab sofort der twitter-Account "gorleben" betrieben wird.

Am 27. September gewinnen CDU/CSU und FDP die Bundestagswahl.

Beim Abtransport des ausgebrannten Transformators aus dem Atomkraftwerk Krümmel wird am 29. September die Schleuse in Geesthacht besetzt. Auch beim Transport eines leeren Castorbehälters auf der Bahnstrecke Dannenberg – Lüneburg gibt es Proteste.

"Bringt Bagger!"

Vier Aktivist*innen von Contratom besetzen am 5. Oktober sechs Stunden lang den Förderturm des geplanten Endlagers und befestigen ein Transparent mit der Aufforderung: "Bringt Bagger!".

Der Protest richtet sich nicht nur gegen eine Aufhebung des Moratoriums für das Erkundungsbergwerk in Gorleben, sondern auch gegen den Ausstieg vom (Atom-)Ausstieg und fordert eine sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit. Am selben Tag beginnen in Berlindie Koalitionsgespräche zwischen CDU und FDP.

Eine weitere Besetzung auf dem Bergwerksgeländes findet am 18. Oktober statt. Eine weitere Besetzung auf dem Bergwerksgeländes findet am 18. Oktober statt. Wieder werden die Zufahrtstore geöffnet, wieder rollen Traktoren bis zum Schachtgebäude.

Erster Sonntagsspaziergang um das Bergwerk

25. Oktober - Erster Sonntagsspaziergang um das Bergwerk Gorleben unter dem Motto "Schicht im Schacht – wir geben Acht!!". Seitdem wird jeden Sonntag ab 13 Uhr das Gelände der Festung "Erkundungsbergwerk" Gorleben von Spaziergängern umrundet.

Am 26. Oktober unterzeichnen CDU, CSU und FDP den Koalitionsvertrag, in dem es heißt: Atomenergie sei eine "Brückentechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien verläßlich ersetzt werden kann". Die Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke werden "unter Einhaltung der strengen deutschen und internationalen Sicherheitsstandards" verlängert. Die hochradioaktiven Abfälle, die durch die Verlängerung der Laufzeiten in noch stärkerem Maße anfallen, will die neue Bundesregierung im Salzstock Gorleben endlagern. Laut Koalitionsvertrag wird sie "das Moratorium zur Erkundung des Salzstockes Gorleben unverzüglich aufheben, um ergebnisoffen die Erkundungsarbeiten fortzusetzen". Eine international besetzte Gruppe von Sachverständigen soll unter Einhaltung der "neuesten internationalen Standards" die Eignung Gorlebens bescheinigen. Zur Überwindung der nach wie vor bestehenden Widerstände bei der betroffenen Bevölkerung verspricht sie "einen gerechten Ausgleich für die betroffenen Regionen, die eine im nationalen Interesse bedeutsame Entsorgungseinrichtung übernehmen".

Dezentraler Aktionstag gegen Atomkraft. Am 7. November finden Demonstrationen in mehreren Städten statt. Die BI Lüchow-Dannenberg organisiert eine Demo in Salzwedel vor dem Gebäude der EON-Avacon. Mit einer Kletteraktion wird am Wahrzeichen von Lüneburg, dem Wasserturm, gegen Atomenergie protestiert. Am Abend findet am Bahnhof Lüneburg eine Kundgebung anlässlich des fünften Todestages von Sebastien Briat statt, zu der 170 Menschen kommen.

"Wir protestieren gegen ein Endlager in Gorleben und Laufzeitverlängerungen für Pannenmeiler", so Stefanie Miczka von der norddeutschen Anti-Atom-Organisation contratom.

17.11.2009 - Friedensfahne Hiroshima in Gorleben übergeben

In Gedenken an die Atombombenabwürfe wird am 16. November in Lüneburg eine Fahne in Gedenken an die Opfer der Atombombe an Aktivist*innen von contrAtom übergeben. Die Fahne wird per Fahrrad am folgenden Tag zum geplanten Atommüll-Endlager Gorleben gebracht, wo sie von Aktivist*innen der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg entgegen genommen wird. Im Anschluss erklärte Lilo Wollny bei Kaffee und Kuchen in Gedelitz den Zusammenhang zwischen Atomkraftwerken und der Atombombe. Am folgenden Tag machen sich drei Radfahrer auf den Weg zur nächsten Station: Uelzen.

Am 26. November weist das Bundesverfassunggericht die Klage eines Anwohners gegen die Atommülleinlagerung in Schacht Konrad ab.

"Wir schreiben Geschichte" - so beginnt auch die DVD von graswurzel.tv, die in 45 Minuten die Highlights des einwöchigen Trecker-Trecks nach Berlin zusammenfasst. Premiere feiert der Film am 28. November in Gülden, am 07. Dezember wird er im besetzen Hörsaal der Uni Lüneburg gezeigt.

Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: Das gesamte Demonstrationsgeschehen beim letzten (?) Castortransport muss neu aufgerollt werden. Am 1. Dezember wird vom BVerfG bekannt gegeben, dass große Teile des Polizeieinsatzes rechtswidrig waren.

Am 7. Dezember besetzen Atomkraftgegner*innen den Turm des "Schacht Marie", der zur Bewetterung des Endlager Morsleben genutzt wird. Mit ihrer Aktion wollen sie auf das noch bis zum 21.12.2009 laufende Einwendungsverfahren gegen das Stilllegungskonzept von Morsleben aufmerksam machen.

Im verschneiten Ahaus demonstrierten am 20. Dezember 300 Atomkraftgegner*innen gegen angekündigte Atommülltransporte.

Über 150 Atomkraftgegner feiern den Jahresabschluss 2009/2010 am 31. Dezember an den Gorlebener Atomanlagen. Mit großer Überraschung gut bewacht: 3 Hundertschaften u.a. aus Oldenburg und Leer inkl. div. Räummaterial, Technikfahrzeugen wurden aufgefahren, um die friedliche verlaufende Veranstaltung zu begleiten. Highlight des Abends ist das Beamen von "Dinner for One" auf den Schachtturm des Bergwerkes und gleichzeitigem Raketenbeschuss zum Jahreswechsel. Auch die - etwas einseitige - Schneeballschlacht mit dem Sicherheitspersonal gilt als erwähnenswert. Man munkelt, diese Veranstaltung würde künftig Tradition erlangen.

Die ganze Geschichte: