FUNDSTÜCK DES MONATS
Bergwerk besetzt!
Im Juni 2026 fuhr eine Delegation der BI in den Salzstock ein – eingeladen hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zu dieser letzten Fahrt auf über 800 Metern Tiefe. Nun ist der Schacht für die Öffentlichkeit für immer gesperrt.
„Es schwang bei uns immer die Befürchtung mit, dass Gorleben offengehalten werden könne für den Fall, dass die Endlagersuche scheitert“, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. „Die Arbeit unter Tage zu verfolgen war schon sehr eindrucksvoll.“
59 Bergarbeiter und weitere 240 Beschäftigte einer Firma sind seit November 2024 damit beschäftigt, das ein Kilometer entfernt vom Bergwerksgelände im Wald aufgehaldete Salz wieder unter Tage zu verbringen. Es waren die politische Ausdauer und die guten Argumente, die im Herbst 2020 dazu führten, dass die BGE den umstrittenen Endlagerstandort aufgab. Spätestens 2031 soll der „Rückbau“ in Gorleben vollständig abgeschlossen sein. Die BGE geht davon aus, dass bereits 2029 mit dem Abriss der oberirdischen Bauten begonnen wird.
Ganz anders war die Stimmung vor 23 Jahren: die politischen Auseinandersetzungen um das geplante Endlager in Gorleben tobten. Seit Oktober 2000 galt das unter der rot-grünen Bundesregierung erlassene „Moratorium“, auf der Baustelle durfte ein „reiner Offenhaltungsbetrieb durchgeführt“ werden. Nach der Landtagswahl in Niedersachsen im Frühjahr 2003 waren CDU und FDP an der Regierung. Es gäbe bisher keine Erkenntnisse, dass Gorleben als Endlager nicht geeignet sei, so der niedersächsische Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). „Wir wollen eine Beendigung des Moratoriums und verlangen den Abschluss der Erkundung des Salzstockes in Gorleben“, forderte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP).
„Bis zur Klärung offener Sicherheitsfragen ist es sinnlos, das Moratorium aufzuheben“, bekräftigte dagegen Bundesumweltminister Jürgen Trittin am 24. Juni 2003. Trittin widersprach den Behauptungen Wulffs: „Wenn die bisher gewonnenen geologischen Erkenntnisse die Eignung des Salzstocks verneint hätten, dann gäbe es in Gorleben kein Moratorium, sondern längst einen endgültigen Baustopp“. Ende 2002 hatte der Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd) in seinem Abschlussbericht neue Kriterien für eine vergleichende Standortsuche vorgeschlagen: ein Endlager müsse nicht nur die „notwendigen geologischen Voraussetzungen“ erfüllen – sondern auch von der betroffenen Bevölkerung akzeptiert werden. Gorleben, wo seit mehr als 25 Jahren protestiert wurde, wäre damit wohl als Endlagerstandort raus gewesen.
„Der Schacht ist besetzt!“
Aktivist:innen aus dem Wendland unterstrichen am 3. September 2003 mit einer einmaligen Besetzungaktion unter Tage ihre Forderung, die Erkundungsarbeiten im Bergwerk endgültig zu stoppen. Dreizehn Widerständler:innen nahmen an einer offiziellen Besichtigungsfahrt unter Tage teil, die damals der Öffentlichkeit ein Mal die Woche angeboten wurde. Gegen Mittag erklärten sie in 840 Metern Tiefe, dass der Schacht „besetzt“ sei. Ihre Forderung: Trittin oder Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), sollen kommen und erklären, dass Gorleben als Endlager nicht in Frage kommt.
„Wir waren darauf eingestellt, länger zu bleiben und haben einen weiteren Aufenthalt rein spontan von Stunde zu Stunde entschieden“, so Dieter Metk, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI).
Vier der Gorleben-Gegner:innen verließen gegen 20 Uhr den Salzstock freiwillig, die neun verbleibenden setzten sich danach in einer Tiefe von 840 Metern in Bewegung – auf der Suche nach Wasser. Das BfS als Hausherr wollte das aus Sicherheitsgründen nicht mehr tolerieren und liess rund 20 Polizist:innen in den Salzstock einfahren, die die Aktion beendeten. „Wenn wir nicht selbst gehen würden, werde es eben weh tun“, habe die Polizei angekündigt, sagt Jochen Stay, der ebenfalls im Salzstock war. Vier der Besetzer werden daraufhin weggetragen; die fünf restlichen gingen selbstständig.
Bilder: BI / Archiv

