Am 22. Februar 1977 benennt der niedersächsische
Ministerpräsident Ernst Albrecht das ehemalige
Fischerdorf Gorleben im Wendland zum Standort für ein „Nukleares
Entsorgungszentrum“.
Mit einer Bevölkerungsdichte von 40 Einwohnern pro qkm (BRD im Vergleich 249
Ew/qkm) ragt die
wirtschaftlich rückständige Region wie ein Dreieck in das Territorium der
ehemaligen DDR hinein.
Regierung und Atomfirmen hoffen auf hohe
Akzeptanz im „Armenhaus der Nation“. Die Planungen
sind auf 12 qkm dementsprechend großzügig
angelegt: Eine Wiederaufarbeitungsanlage
(WAA) und eine Urananreicherungsanlage sollen
entstehen. Brennelemente will man herstellen und
alle radioaktiven Reststoffe „konditionieren“. Als
krönender Abschluss ist die Endlagerung des
Atommülls im Salzstock Gorleben-Rambow vorgesehen.
Während die Anti-AKW-Bewegung an den Bauzäunen
von Kalkar, Grohnde und Brokdorf zu
scheitern droht, entwickelt sich in Gorleben alles
„anders“.
Nur wenige Tage nach der Standortbenennung
gründen Gegner des gigantischen
Industrieprojektes die Bürgerinitiative Umweltschutz
Lüchow-Dannenberg e.V.
Ländlicher Protest mischt sich mit der radikalen
Opposition in den Städten. Der Blick von Einheimischen
und Zugezogenen macht nicht Halt am
wendländischen Tellerrand. Aus dem ersten
Protestaufruf „Gorleben soll leben!“ entwickelt sich
schnell eine umfassendere Losung, die fortan in
der ganzen Bundesrepublik ihre Kreise zieht: „Gorleben
ist überall!“.
Nach erfolgreicher Abwehr des ursprünglichen gigantischen
Projektes stehen heute in Gorleben ein
Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive
Abfälle und eine Castorhalle zur Lagerung von
3.800 t hochradioaktivem Müll in Form von abgebrannten
Brennelementen und Glaskokillen aus den
Plutoniumfabriken im französischen La Hague und
im britischen Sellafield (vormals Windscale).
Eine Konditionierungsanlage zur endlagerfähigen
Verpackung aller Abfälle wurde inzwischen errichtet
und die Bestrebungen den unsicheren Salzstock
Gorleben zum Endlager machen zu wollen, bestehen
unverändert.
Hannover-Treck, Hüttendorf „Republik Freies Wendland“,
Blockaden der Fasstransporte, Castortransporte – die Auseinandersetzungen um den
Atomstandort Gorleben haben ihre Spuren hinterlassen: In den
Biographien der beteiligten Menschen, aber auch niedergeschlagen
in Dokumenten, Fotos, Filmen, etc. An keinem anderen Ort in der
Bundesrepublik kämpft eine soziale Bewegung quer durch alle
Bevölkerungsschichten über einen so langen Zeitraum für ihre
Rechte.
Der Konflikt lässt sich nicht „managen“ – bis heute. Seine
politische Sprengkraft, gerade in Sachen Demokratie und
Bürgerrechte, erweist sich als aktueller denn je. Die Geschichte
des Gorleben-Widerstandes gehört in unsere Hände, gerade weil die
politischen und juristischen Prozesse keineswegs abgeschlossen
sind.
Wir wollen ein Archiv, das über die Konservierung der
Materialien hinaus vor allem jungen Menschen Anstöße zum
politischen Handeln, zur Einmischung auch außerhalb von
Parlamenten, gibt. Ausstellungen, Seminare und
sozialwissenschaftliche Forschungsarbeiten dokumentieren
einzigartige Geschichte(n) vom Widerstand und machen gleichzeitig
Demokratie erlebbar.
Chronologie
der Ereignisse in Stichworten
Teil 1 (1977 - 1993)
Teil 2
(1994 - 1996)
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Von Anfang an sind alle Generationen vertreten.


Das Gorleben-Archiv bietet Material für Recherchen über die
Pläne der Atomindustrie und über den erfolgreichen Widerstand.

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